Titel: Ueber die sogenannten Loostage für Landwirthe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1828, Band 30, Nr. LXXIX./Miszelle 17 (S. 319)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj030/mi030079_17

Ueber die sogenannten Loostage für Landwirthe.

Es gibt kein Land, wo nicht irgend ein Heiliger oder eine Heilige, oder gar die heilige Jungfrau, vierzehn Tage oder vier Wochen lang regnen läßt, wenn es an den Festtagen derselben regnet. Wenn man alle diese geheiligten Wasserhosen in allen Ländern zusammenrechnet, so ergibt sich netto soviel, daß es in keinem Jahre über der ganzen Erde einen schönen Sommer geben kann; denn diese Loostage, auf die man in verschiedenen Ländern mit aller Andacht aufmerkt, stehen im Kalender so nahe an einander, daß es unmöglich ist, daß es nicht an 4 oder 5 derselben regnen, folglich 16 oder 20 Wochen lang regnen müßte. Diese Loostage, die das Wetter auf 14 Tage bis 4 Wochen später verkünden sollen, werden nicht bloß von dem armen Bauern, dem man Kameellasten von Aberglauben aller Art aufbürdet sondern selbst von Leuten, von welchen man glauben sollte, daß ihr Verstand sie über ähnliche kindische Vorurtheile erheben sollte, mit aller Aufmerksamkeit beachtet, und ihr Resultat wird steinfest geglaubt. Wer sollte denken, daß Friedrich der Einzige, der Unsterbliche, der Mann aller Männer, an diesem Vorurtheile eben so schwer geisteskrank gewesen ist, als der steingläubigste seiner märkischen Bauern; Es war aber doch so. Hr. Reylonvajhm verdient daher allen Dank, daß er seinen köhlergläubigen Landsleuten auf der großen Insel, genannt England, durch ein langes Register meteorologischer Beobachtungen beweiset, daß es barer Unsinn ist zu glauben, daß, wie ganz England festiglich und andächtig glaubt, wenn es am St. Swithin's Tag, d.i. am 15. Julius in England regnet, es täglich bis zum 24. August regnen muß. Die Jahre, wo es am St. Swithin's Tage in England regnete, und doch zwischen dem 15. und 34, August schön Wetter blieb, hat dieser Feind des Aberglaubens im Mech. Mag. N. 269. 4. Oct. 1828. S. 149 verzeichnet, und dadurch jedem, der Augen und Ohren hat, die Albernheit eines solchen Köhlerglaubens deutlich erwiesen. Möchten auch deutsche Meteorologen in Volksblättern durch ähnliche sorgfältig gesammelte Beobachtungen ähnliche Vorurtheile unter dem guten deutschen Volke bekämpfen helfen, das an dem h. Medardus einen Heubrunzer fürchtet, das zittert, wenn es an M. Heimsuchung regnet, und Hopfen und Wein für verloren hält, wenn der h. Aegidius regnen läßt. Schämt euch, so schließt Hr. Reylonvajhm,

Ihr Britten schämt Euch, und glaubt nicht solchen Lügen, Mit deren argen Ast die Mönche euch betrügen. Ein Heiliger spielt nie den Menschen Schabernak, Auch führt kein Heiliger den Wind bei sich im Sak;

denn der Wind ist der Wettermacher, nicht die Heiligen,

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