Titel: Das Dampfboth „The North-America.“
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1828, Band 30, Nr. CII ./Miszelle 22 (S. 400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj030/mi030102_22

Das Dampfboth The North-America.

Dieses Dampfboth fährt (nach einem Auszuge eines Schreibens des Professors Renwick an Capit. Edw. Sabini im Quarterly Journal, der im Register of Arts, N. 47, S. 364 mitgetheilt ist) auf dem Hudson zwischen New-York und Albany 160 (englische) Meilen binnen 12 Stunden, also, bei neun Maligem Anlanden an verschiedenen Oertern, 14 englische Meilen in Einer Stunde. Ein Mal fuhr es sogar in 10 Stunden diese Streke.

Es ist auf dem Verdeke 178 Fuß lang, in der Mitte 28 Fuß breit, und im Hohlraume 9 Fuß tief. Man könnte seine Figur mit jener des Vordertheiles eines Eßlöffels vergleichen. Der Wasserschneider (Cut-water) bildet einen großen Vorsprung in gleichförmiger und regelmäßiger Krümmung, und alle Krümmungen am Kiele sind regelmäßig und ohne alle abgebrochene Winkel. Der Hinterbalken ist, zur Verstärkung des Ruders, senkrecht, und eine ungewöhnlich große Menge todten Holzes ist gegen das Hintertheil hin angebracht, während sich nur wenig davon in der Mitte befindet.

Der North-America führt zwei Verdichtungsmaschinen, jede von der Kraft von 85 Pferden. Diese und ihre Kessel sind auf einer eigenen Bühne angebracht, die von verlängerten Balken des Verdekes gebildet wird, und sich nach dem Hintertheile zu verschmälert, wodurch viel an Breite gewonnen und ein freier Gang zwischen den Maschinen erhalten wird. Die Kajüten werden durch Schubthüren in eine ganze Enfilade von Zimmerchen verwandelt.

Die Räder sind 13 1/2 Fuß breit, und halten 21 Fuß im Durchmesser. Um den Bau dieser Räder sich vorstellen zu können, sagt Professor Renwick, darf man nur das Wasserrad in drei Theile zersägt sich denken, wovon ein Theil um Ein Drittel, und der andere um zwei Drittel hinter dem eigentlichen Plaze des ersten Nuders und des zunächst darauf folgenden zurükgestellt ist. Dadurch entsteht also ein dreifaches Wasserrad, und da jedes Ruder eine nicht viel breitere Bahn macht, als es selbst breit ist, so schlägt jedes derselben viel ruhiges Wasser. Der Schlag eines jeden einzelnen Ruders ist indessen nur der dritte Theil eines ganzen Ruderrades; allein die einzelnen Schläge fallen so schnell auf einander, daß diese drei getrennten Ruder so gut, wie ein eben so langes ganzes Ruder wirken, und sich wechselweise als Flugrad dienen.

Die Maschinen sind beinahe vollkommen so, wie Watt's Maschine. Die Luftpumpe wirkt jedoch kräftiger, als gewöhnlich, und unterhält noch einen leeren Raum, selbst wenn der Dampf einen größeren Druk äußert, als bei den gewöhnlichen Maschinen. Herr Rob. L. Stevens, der dieses Both baute, meint, daß die Kessel 12 bis 14 Zoll Dampf während eines ganzen Stoßes liefern können, und die Luftpumpe während dieser Zeit Kraft genug besizt, einen leeren Raum zu unterhalten. Die Wogen vor dem Bothe sind kleiner, als vor Bothen, die nicht halb so schnell fahren. Die Kessel sind von Kupfer. Es ist eine Vorrichtung statt der parallelen Bewegung von Watt angebracht, durch welche Kraft verloren geht; allein die Maschine ist dafür gedrängter und stärker.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: