Titel: Ueber das Feilen etc.
Autor: Smith,
Fundstelle: 1829, Band 31, Nr. LVII. (S. 193–203)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj031/ar031057

LVII. Ueber das Feilen, und über die Art, vollkommen ebene Flächen auf Metall zu bilden.

Aus Smith's Panorama of Science and Arts in Gill's techn. Repository, December 1828. S. 358.

Der große Schraubstok muß an der Seite der Werkbank wohlbefestigt seyn; die Baken desselben müssen mit der Kante des lezteren parallel laufen und die Oberfläche dieser Baken muß zugleich vollkommen horizontal stehen. Die zwekmäßigste Höhe für den Schraubstok ist die des Elbogens des Arbeiters, wenn der Oberarm senkrecht an die Seite des Leibes angezogen, und der Vorderarm unter einem rechten Winkel an den Oberarm gehalten wird. Wenn bei dem Feilen der Schraubstok oder das Stük, welches gefeilt werden soll (woran man so selten denkt), höher, als in obiger Lage, steht, so wird der Stoß mit der Feile nie so kräftig werden, als er bei gleicher Kraftäußerung auf obiger Höhe ausfällt, und es wird, der Schraubstok mag höher oder tiefer stehen, außerordentlich schwer seyn, die Feile in horizontaler Richtung zu führen. Da die Zähne an der inneren Seite der Baken des Schraubstokes feine Arbeiten durch Eindrüke verderben würden, wenn die Baken so fest angezogen werden, daß sie das Stük vollkommen ruhig und still halten, so werden sie, so oft es nothwendig ist, mit 1/8 Zoll diken Bleiplatten belegt. Diese Platten müssen groß genug seyn, um zu beiden Seiten anderthalb Zoll weit hinaus zu ragen, und zugleich Einen Zoll hoch über die Baken empor stehen. Diese Platten werden |194| dann, nachdem der Schraubstok angezogen wurde, auf den Baken desselben mit ihren hervorragenden Theilen niedergehämmert.

Gewöhnlich werden die Stiele an den Hämmern überall von gleicher Dike gemacht. Die Schwingungen des Hammers theilen sich daher der Hand des Arbeiters mit, und erregen ein unangenehmes Gefühl in derselben, so daß er ermüdet wird, ehe er noch seine ganze Kraft gebraucht hat. Wenn der Stiel des Hammers in einer kleinen Entfernung von seinem oberen Ende nur in einer geringen Länge bedeutend dünner gemacht wird, als an dem übrigen Theile des Stieles, so daß er etwas springt, so wird diese kleine Vorrichtung eine bedeutende Verbesserung. Ein solcher Hammer fällt gut auf, und ermüdet zugleich den Arbeiter weit weniger, der sich dadurch auch überzeugen kann, daß seine Schläge fest und kräftig sind. Um Eisen zu haken, darf der Kopf des Hammers nicht schwerer als ein Pfund, und der Stiel nicht länger als einen Fuß lang seyn. Wenn ein Hammer von was immer für einer Gestalt die stärksten Schläge mit der geringsten Schwere, und folglich mit der geringsten Anstrengung, geben soll, so muß die Menge Eisens am Kopfe desselben auf den gegenüberstehenden Seiten einer Linie, die auf den Mittelpunkt der Vorderfläche desselben senkrecht gezogen ist, gleich vertheilt seyn. Hämmer also, die man zum Ausziehen der Nägel mit Klauen versteht, die sich von dieser Linie entfernen und zurükbeugen, sind nicht geeignet die stärkste Wirkung durch den Schlag hervorzubringen. Uhrmacher, Zinnarbeiter, Messingarbeiter poliren die Vorderflächen ihrer Hämmer zuerst dadurch, daß sie dieselben auf einem Brette von weichem Holze abreiben, das mit Oehl und fein geschlämmten Schmergel überzogen ist, und hierauf, wie die Uhrmacher und Silberschmiede, jeden Riz, den der Schmergel zurük ließ, wegschaffen und mit Kolkothar oder Putty und Wasser zum höchsten Glanze poliren.

Man bearbeitet Metalle zuweilen dadurch, daß man sie zuerst hakt (chipping). Dadurch erhält man die beabsichtigte Wirkung nicht bloß weit leichter und schneller, sondern erspart auch viel an der Auslage für Feilen, die sonst hierzu nöthig seyn würden. Man bedient sich dieses Verfahrens vorzüglich bei dem Guß-Eisen, dessen äußere Oberfläche, so wie sie aus dem Model kommt, immer härter als die innere Masse desselben, und zuweilen so hart ist, daß auch die beste Feile in wenigen Minuten daran zu Grunde gehen müßte: in einer Tiefe, die kaum oft den zwanzigsten Theil eines Zolles beträgt, wird dieses Eisen aber unter jener harten Schale so weich wie Messing. Mit dem Hak-Meißel dringt man sehr leicht durch diese harte Rinde, und wenn diese ein Mal durchdrungen ist, darf man nur mehr die Schneide des Meißels auf das weiche Eisen wirken lassen. Der flachschneidige |195| Meißel darf zu dieser Arbeit nicht viel mehr als 7 Zoll lang, muß aber aus dem besten Gußstahle verfertigt worden seyn. Der Hammer, den man für denselben nöthig hat, wurde bereits beschrieben. Der Meißel wird unter einem Winkel von 45 Graden gehalten, und die Schläge mit dem Hammer müssen schnell auf einander folgen. Es gehört allerdings einige Geschiklichkeit dazu, die man sich nur durch Uebung verschaffen kann, um auf diese Weise eine ebene Oberfläche zu erhalten; allein, diese Kunst ist nicht so schwer zu lernen. In vier bis fünf Stunden nimmt man mit dem Meißel die Schale oder Haut von einer Fläche von 100 □ Zoll leicht weg, und, wenn dieß gehörig geschehen ist, nimmt die Feile die Unebenheiten, die der Meißel zurük läßt, eben so leicht; wo sehr viele Genauigkeit nothwendig ist, muß man das Stük, das gehakt oder behauen werden soll, vor dieser Arbeit genau untersuchen, und wenn ungeschikte Hervorragungen oder Löcher an demselben sich zeigen, muß der Meißel entweder tiefer oder seichter, nach Umständen, an diesen Stellen eingetrieben werden.

Bei Metall-Arbeiten ist das Feilen eine der gewöhnlichsten Operationen, und vielleicht wird keine derselben weniger eingesehen und gehörig begriffen. Die Feile ist ein zu bekanntes Instrument, als daß es einer Beschreibung derselben bedürfte; indessen ist die gehörige Anwendung derselben vielleicht überall eine der schwierigsten Arbeiten, mit welchen der Mechaniker sich beschäftigen muß, und diese Schwierigkeit hängt mehr von dem Mangel einer gehörigen Methode bei Verrichtung dieser Arbeit, als von irgend einer anderen Ursache ab. Vollkommen ebene Flächen, wie z.B. für die Teller einer Luftpumpe und für tausend andere Dinge, werden täglich gebraucht; nur wenige wissen aber die Methode, dieselben schnell und leicht mit der vollkommen sten Genauigkeit zu verfertigen. Es ist schwer einen Arbeiter zu finden, der eine Arbeit mit Genauigkeit verfertigen kann, und weiß, warum man diese Genauigkeit von ihm fordert. Schleifen ist der gewöhnliche und lezte Ausweg, zu welchem diejenigen ihre Zuflucht nehmen, die ihrer Arbeit die höchste Genauigkeit geben wollen: man kann aber zwei Metall-Platten eine Ewigkeit lang an einander abschleifen, ohne daß sie dadurch flach und eben werden, wenn man nicht durch eine vorläufige Arbeit die Quer-Windungen (Cross-windings) derselben vollkommen beseitigt. In der gehörigen Ausführung dieser Vorarbeit liegt aber beinahe die ganze Schwierigkeit der Arbeit selbst. Worin mag sie also bestehen? Das Schleifen hat ein Streben, jede regelmäßige Erhabenheit oder Vertiefung, welche die eine oder die andere Oberfläche haben mag, zu verewigen, und eine oder die andere dieser Oberflächen auf jedem Stüke zu erzeugen, wenn es auch anfangs flach und eben war. Durch Drechseln (Abdrehen) ebene Oberflächen bilden, |196| ist keine leichte Sache, und fordert kostspielige Vorrichtungen; nicht selten fordert die bloße Befestigung des abzudrehenden Metall-Stükes in der Pfanne der Drehebank mehr Zeit, als zur Vollendung der ganzen Arbeit nothwendig seyn sollte. Wir laden daher den fleißigen und denkenden Arbeiter ein, sein Vertrauen der Feile zu schenken, mit welcher er, wie wir keinen Anstand nehmen ihn zu versichern, weit schönere und genauere Arbeit zu liefern im Stande seyn wird, als andere, in anderer Hinsicht sehr achtbare, Mechaniker entweder nicht zu verfertigen gelernt haben, oder nicht für möglich halten werden. Wir haben, in dieser Hinsicht, mit Bewunderung die Arbeiten eines Mannes gesehen, der an der königl. Münze eine ansehnliche Stelle bekleidete. Er verfertigte, mit der Feile allein, als seinem einzigen Schneide- und Polir-Werkzeuge, Arbeiten, die nicht bloß Alles übertrafen und die strengste Prüfung aushielten, sondern er vollendete auch diese Arbeiten mit einer Schnelligkeit, und folglich mit einer Wohlfeilheit, die bei keiner anderen Methode möglich war. Wir sahen eine Arbeit von ihm (bei welcher übrigens das Aeußere nur Nebensache war, obschon auch dieses sehr schön ausfiel), die den möglich genauesten Parallelismus an allen ihren Seiten forderte, und von welchen einige nicht weniger als 50 bis 60 □ Zoll betrugen, so herrlich von seiner Hand bloß mit der Feile ausgeführt, daß die höchste Drehekunst sie nicht herrlicher vollenden konnte, und das schmuzige und langweilige Schleifen gänzlich überflüssig wurden. Wie oft wurden, vorzüglich in kleinen Städten, Keime von Erfindungen in ihrer Entwikelung erstikt, weil kein Arbeiter zu finden war, der Geschiklichkeit genug besessen hätte, die vorgeschlagenen Vorrichtungen zu verfertigen, und wie oft würden Erfinder selbst ihre Ideen ausführen können, wenn sie nicht von dem Vorurtheile eingeschüchtert wären, daß die Erlangung einer hinlänglichen Geschiklichkeit ihrer zehn Finger eine zu schwierige Sache ist, als daß sie sich jemals an dieselbe wagen dürften.84) Wer Gelegenheit hatte, häufige Beobachtungen in dieser |197| Hinsicht zu machen, wird diese Klagen nicht als müßige Worte betrachten; er wird und muß wissen, daß die Erfindungen, die wirklich ausgeführt werden, weit weniger sind, als diejenigen, die bloß im Kopfe herumgetragen werden, und bloß deßwegen unterbleiben, und in derselben Stunde vergessen werden, in welcher sie geboren wurden, weil der Erfinder sich nicht die Geschiklichkeit der Ausführung derselben zutraut. Was ein Mensch gemacht hat, darf ein anderer Mensch nie verzweifeln auch herstellen zu können. Mangel an Erfahrung und Geschiklichkeit läßt sich nicht selten durch Fleiß und unermüdete Anstrengung und Beharrlichkeit ersezen. Wenn diese Bemerkungen über die Geschiklichkeit, die man sich in einer Kunst verschaffen kann, einst irgend ein Individuum aufmuntern könnten, sich dieselbe zu verschaffen, so werden diese Zeilen nicht vergebens geschrieben seyn.

Doch wir müssen zu den praktischen Regeln über diesen Gegenstand übergehen. Zuerst den Hauptgrundsaz, von dessen gehöriger Anwendung das Gelingen der Arbeit abhängt. Er ist, ganz einfach, |198| dieser. Wenn man sich einer vollkommen ebenen und flachen Oberfläche bedienen kann, von welcher man bereits mit Bestimmtheit weiß, daß sie vollkommen genau flach und eben ist, so daß man mittelst derselben mit Leichtigkeit und mit der höchsten Genauigkeit alle Fehler entdeken kann, die an jener Fläche noch vorkommen, die man vollkommen flach und eben machen will, so ist eine Feile oder irgend ein Werkzeug, mit welchem man alle Hervorragungen an der flach zu arbeitenden Tafel wegschaffen kann, ohne daß die übrigen Stellen derselben dadurch litten, alles, was ein Künstler nöthig hat, um seine flach und eben auszuarbeitende Tafel jenem Muster ähnlich zu machen. Eine solche vollkommen flache und ebene Oberfläche, sie mag nun aus Stein oder aus Gußeisen verfertigt worden seyn, ist also in der Kunst, flach zu feilen, unentbehrlich. Wir können derselben noch ein anderes Hülfsgeräthe beifügen, das beinahe eben so nüzlich ist, obschon man dasselbe selten braucht, nämlich eine vollkommen gerade Stahl-Schiene, die ich die gerade Kante (straight edge) nennen will. Wenn man sich in Besiz dieser Hülfsmittel gesezt hat, wird dann eine Auswahl von Feilen und ein Schraubstok oder eine andere Vorrichtung nothwendig, um das Stük Metall, welches man flach zufeilen will, gehörig zu befestigen.

Die Feilen haben, je nachdem sie zu verschiedenen Zweken bestimmt sind, verschiedene Größe und Formen; ihr Durchschnitt ist entweder vierekig, länglich, dreiekig oder bildet einen Kreisausschnitt: hiernach erhalten sie verschiedene Benennungen. Diejenige Feile, die man die Sicherheits-Feile (safe edge) nennt, (weil sie an ihrem Rande mit keinen Zähnen versehen ist) und die auf beiden Seiten flach und überall gleich oder beinahe gleich breit ist, ist zu jedem Zweke, zu welchem sie ihrer Form nach verwendet werden kann, die beste, und verdient zum flach feilen (flat filing) vorzüglich empfohlen zu werden.

Bei der Auswahl der Feilen ist einige Aufmerksamkeit nöthig, wodurch man sich in der Folge manche Ungelegenheit ersparen kann. Eine Feile, deren Oberfläche in verschiedenen Richtungen gedreht ist (ein Umstand, der sich bei dem Härten der Feile sehr oft ereignet), wird den Arbeiter, der sich derselben bedient, immer täuschen: er wird immer falsche Striche mit derselben führen. Die Feilen müssen daher so gewählt werden, daß dieser Fehler nie an ihnen zu treffen ist: ein geringer Grad von regelmäßiger Wölbung ist jedoch nicht nachtheilig. Die Güte einer Feile, in Hinsicht auf ihre Gestalt, läßt sich auf dieselbe Weise, wie der Tischler findet, ob ein Stük Holz gerade ist, oder nicht, mittelst eines Blikes, den man über dieselbe der Länge nach hinlaufen läßt, leicht bestimmen.

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Es ist vielleicht zu bekannt, daß die Tiefe der Striche, die die Feile macht, mit der Größe der Zähne derselben in Verhältniß steht, und daß, je größer oder gröber diese lezteren sind, desto größer die Wirkung derselben bei gleicher Kraftanwendung in jedem Zuge derselben ist. Indessen erhellt hieraus offenbar die Nothwendigkeit, den Anfang der Arbeit mit der gröbsten Feile zu machen, und nach und nach in regelmäßiger Abstufung immer feinere Feilen zu nehmen, je mehr die Arbeit dem Ende nahe kommt. Man hat Feilen, deren Zähne so außerordentlich fein sind, daß sie die Oberfläche des Metalles, vorzüglich Messing, so eben und glatt machen, wie die Oberfläche eines Wezsteines. Solche Feilen sind indessen selten nothwendig, und zu den meisten Arbeiten reichen Feilen vom dritten und vierten Grade der Feinheit vollkommen hin.

Da die meisten Metallarbeiten, bei welchen man der Feile bedarf, flache und ebene Oberflächen besizen, und da derjenige, der eine Fläche gehörig flach und eben feilen kann, keine Schwierigkeit finden wird, mit der Feile alles auszuführen, was durch dieselbe geleistet werden kann, so wollen wir hier das Detail der Bearbeitung eines Metallblokes, so wie er roh vom Gusse herkommt, in fortschreitender Aufeinanderfolge bis zu seiner Vollendung beschreiben, und annehmen, daß er eine rechtekige Figur bilden soll, wo dann seine Flächen, nothwendiger Weise, vollkommen flach seyn, und, ihrer Lage nach, entweder genau parallel laufen, oder unter rechten Winkeln auf einander stehen müssen. Da bei dem Zufeilen des Eisens, größere Schwierigkeiten, als bei jenem des Messinges, sich zeigen, und da Gußeisen noch schwerer zu bearbeiten ist, als jede andere Art Eisens, so wollen wir annehmen, daß dieser Blok von Gußeisen seyn, und 9 Zoll in der Länge, 7 in der Breite und 1 Zoll in der Dike halten soll. So wie man den Blok zur Bearbeitung erhält, muß man zuerst darauf sehen: ob das Metall weich oder hart ist; ob es sich geworfen hat oder ziemlich gerade ist; ob es vollkommen dicht oder löcherig ist. Wenn es sehr hart ist, was man mittelst der Feile leicht erkennt, wird es gut seyn, wenn man es anläßt, wodurch die Arbeit in der Folge sehr erleichtert wird: indessen wird die Außenseite immer härter seyn, als das Innere, was vorzüglich von dem Sande des Models herrührt, von welchem immer etwas anklebt. Diese Außenseite oder Rinde (Schale oder Haut) wird von einigen Arbeitern durch das Behaken auf die obige Weise weggeschafft; andere, die sich dieser Bequemlichkeit bedienen können, schleifen sie mittelst eines großen Schleifsteines auf einer Maschine weg; andere wieder greifen alsogleich zur Feile, und zwar zu einer bereits etwas abgenüzten Feile, da eine neue schnell daran verdorben werden würde. Das Behaken ist für jeden Fall das bequemste und wohlfeilste Verfahren, und, wenn es, wegen gewisser Mängel oder aus anderen Gründen, nothwendig werden |200| sollte den Blok bedeutend zu verkleinern, so ist es auch dann noch entschieden vorzuziehen. Wenn, nachdem diese Schale weggeschafft wurde, Löcher oder andere Mängel vorkommen, die man mittelst der Feile beseitigen zu können nicht hoffen darf, und die das Stük zu seinem Zweke unbrauchbar machen würden, so können diese Löcher ausgebohrt und die Bohrlöcher können mittelst Nieten oder Schrauben ausgefüllt werden. Kleinere Unvollkommenheiten lassen sich durch Einbohren bis auf ungefähr Einen halben Zoll Tiefe beseitigen, wo man dann einen Drathpfropfen einsezen kann, der so genau paßt, daß er in der Folge jede Bearbeitung verträgt und auch nicht den mindesten Anschein einer Makel übrig lassen wird, ohne daß man erst, wie bei dem Nieten, den oberen Theil des Loches weiter zu machen braucht, als das übrige Loch. Um jedoch die Sache so sicher zu machen, als möglich, zapfen einige das Loch, das sie gebohrt haben, aus, d.h. sie machen es zur weiblichen Schraube, und schrauben einen Stift in dieselbe ein, der dann genau fest hält: allein, wenn dieß geschehen ist, und die Schraube feine Gänge hat, so bricht, bei dem flach Feilen der Oberfläche, derjenige Theil des Drathes, der der Oberfläche zunächst steht, häufig in dem Umfange eines halben Kreises ab, und macht auf diese Weise die ganze Arbeit höchst unvollkommen, während, wenn der Pfropfen oder das Niet an und für sich gut eingesezt ist, die Stelle, an welcher dieß geschehen ist, in der Folge auf der Fläche durch nichts mehr unterschieden werden kann, als durch den höheren Glanz, welchen das gehämmerte Eisen vor dem Gußeisen voraus hat.

Da die Löcher, welche sich in Gußeisen finden, entweder durch Luftblasen (eingeschlossene Luft) oder durch das Einbrechen eines Theiles des Models entstehen, so haben sie meistens nicht bloß eine sehr rauhe Oberfläche, sondern sind auch innen weiter als außen, und können dann mit geschmolzenem Blei, Piuhter, oder irgend einem weichen Metalle ausgefüllt werden, welches sie fest halten. Lettern-Masse dient trefflich, indem das in derselben enthaltene Spießglas sich ausdehnt, wenn es aus dem flüssigen Zustande in den festen übergeht. Dieses Verfahren dient vorzüglich dort, wo die ebene Fläche an dem Metalle die Hauptsache ist, und wo es sich nicht um Gleichförmigkeit des Aussehens, um gleiche Härte auf allen Stellen, um gleichen Widerstand gegen starke Hize handelt.

Wir wollen nun sezen, daß der Blok, den wir unter der Hand haben, von seiner Schale und von allen Mängeln, die in den folgenden Arbeiten mit der Feile nicht beseitigt werden können, vollkommen befreit sey. Man wählt also jezt die Feile, die man für die erste Arbeit bestimmt hat, und wir greifen nach einer Sicherheits-Feile |201| von 14 Zoll Länge und 1 1/2 Zoll Breite, die ungefähr 14 Reihen Zähne in jedem Zoll ihrer Länge hält. Während des Feilens selbst wird die Feile bei dem Griffe gefaßt und mit der rechten Hand vorwärts geschoben, während die linke Hand mit der Nähe ihres Ristes auf das vordere Ende der Feile drükt, und die Wirkung des Stoßes der Feile vermehrt, der so viel nur immer möglich horizontal geführt werden muß. Wenn man während des Feilens gelegentlich die gerade Kante der Feile auf die Fläche, die man flach feilt, in verschiedenen Richtungen anlegt, vorzüglich aber in diagonaler Richtung, so kann man den Stand der Arbeit dadurch leicht bestimmen, und nach und nach die hervorragenden Theile mit der Feile wegschaffen. Die Unebenheiten werden nach und nach so klein, daß es zu langweilig seyn würde, die gerade Kante der Feile zur Prüfung anzuwenden: man ist, wie wir oben bemerkten, mit einer flachen Oberfläche versehen, von welcher man weiß, daß sie vollkommen genau eben und flach ist, und bedient sich derselben zur Entdekung der noch vorhandenen Mängel auf folgende Weise. Man reibt fein geschlämmten rothen Ocher mit Baumöhl ab oder mit irgend einem anderen nicht klebrigen Oehle, und trägt diese Farbe auf diese Prüfungs-Tafel sehr dünn und gleichförmig auf. (Ich nenne diese vollkommen ebene Fläche eine Tafel, indem sie immer größer seyn muß, als das Stük, welches flach gefeilt werden soll: es wird sehr gut seyn, wenn sie überhaupt mehrere Quadratfuß hält.)

Wenn die Fläche, die man zufeilt, nun auf diese Tafel umgestürzt, und auf derselben einige Male hin und her geschoben wird, so wird sie, wenn sie bereits vollkommen flach und eben ist, überall gleichförmig mit der rothen Farbe bedekt seyn. Da dieß aber bei dem ersten Versuche gewiß nie der Fall seyn wird, so werden jene Theile, die noch hervorragend sind, allein roth gefärbt seyn, und auf diese muß dann die Feile neuerdings angewendet werden. Sobald die roth gewordenen Stellen mit der Feile weggeschafft sind, und man glaubt, daß die Unebenheiten nun dadurch beseitigt sind, versucht man den Zustand der Arbeit wieder, wie vorher, und fährt auf die vorige Weise fort, bis die ganze Arbeit vollendet ist. Wenn die Arbeit dem Ende nahe ist, wird die rothe Farbe auf einer Menge von Stellen rothe Punkte und Streifen bilden. Dann nimmt man nicht bloß, wie wir bereits oben bemerkten, eine feinere Feile, sondern man führt dieselbe auch anders. Statt sie, wie vorher, mit dem breiten Theile der Hand niederzudrüken, drükt man jezt bloß mit zwei oder drei Fingern darauf, wodurch man den Flek, auf welchen man mit der Feile stößt, deutlicher gewahr wird, und die Feile weit leichter von einem Orte auf den anderen führen kann.

|202|

Ehe man die lezte Hand an die Arbeit legt, um derselben die höchste Vollendung zu geben, muß man noch sorgfältig auf einen Umstand achten. Wenn man, nachdem man den Blok mit der zugefeilten Seite auf die Tafel gelegt hat, auf die Eken, auf die Mitte und auf verschiedene andere Stellen am Rüken desselben mit einem hölzernen Hammer oder mit dem Stiele des Hammers in senkrechter Richtung schlägt, und man vernimmt nur einen dumpfen Ton, so wie ihn die Tafel selbst geben würde, wenn man auf dieselbe schlüge, so kann man versichert seyn, daß keine jener Windungen an der Oberfläche, die man Kreuzwindungen nennt, mehr zu beseitigen ist. Wenn man aber einen scharf klingenden, gällenden Ton vernimmt, so ist es leider offenbar, daß die beiden Flächen noch nicht flach und eben auf einander liegen; denn der Schlag mit dem Hammer hat einen Theil des Blokes tiefer hinabgebracht, als er lag, und einen anderen dafür gehoben: der dadurch entstehenden Einwirkung der beiden Flächen auf einander ist der gällende Ton zuzuschreiben. Wenn eine Eke des Blokes, in der Größe eines Quadratzolles, oder noch kleiner, nur um die Dike eines Blattes Papier niedriger ist, als der übrige Theil der Fläche, so wird dieser Fehler durch obigen Versuch noch laut genug entdekt. Wenn daher der Blok diese Prüfung noch nicht aushält, muß man augenbliklich zu der rothen Farbe zurük, und mittelst dieser, den Umfang des Fehlers zu entdeken suchen. Bei dem Hin- und Herschieben desselben auf der Tafel muß man nur auf jene Stellen drüken, an welchen, wie man aus dem Versuche mit dem Hammer weiß, der Fehler liegt. Nachdem man auf diese Weise die gesuchten Andeutungen erlangt hat, feilt man, nach bestem Wissen und Gewissen, die angezeigten Erhabenheiten weg, wiederholt den vorigen Versuch mit dem Hammer, und feilt so lang, bis der Blok vollkommen fest auf der Tafel liegt. Wenn dieser zur Vollendung der Arbeit so wichtige Zwek erreicht ist, (und er muß stets so schnell als möglich erreicht werden) kann man mit desto sichererem Schritte zur Beendigung der Arbeit fortschreiten.

Der praktische Arbeiter wird bald bemerken, daß dieser Versuch, so sehr er auch einem wichtigen Zweke entspricht, indem er das Daseyn oder die Abwesenheit der Kreuzwindungen beurkundet, doch nicht weit über diesen Zwek hinausreicht. Die Vertiefung irgend eines einzelnen Theiles muß, ehe sie angedeutet werden kann, sich nicht bloß auf die Kante des Blokes hinaus erstreken, sondern muß auch einen kleinen Theil von wenigstens zwei Seiten in sich begreifen. Ohne also mehr von diesem Mittel zu erwarten, als es uns geben kann, können wir uns desselben nur als Nebenhülfe bedienen, und die einfache rothe Farbe bleibt unser Universal-Prüfungsmittel. Wenn wir |203| jedoch den ganzen Umfang eines Fehlers kennen lernen wollen, muß man zu einer guten geraden Kante seine Zuflucht nehmen, deren Anwendung auf ihrer Kante an jedem Theile, den wir prüfen wollen, uns mit der größten Genauigkeit dasjenige zeigen wird, was wir suchen. Wenn die Oberfläche, die wir prüfen wollen, vollkommen genau flach und eben ist, so dringt kein Lichtstrahl zwischen beiden durch; wenn aber Vertiefungen vorkommen, so zeigt das Licht die Tiefe und Breite derselben an.

Wir wollen nun annehmen, daß eine Fläche des Blokes alle verschiedenen oben erwähnten Prüfungen aushält, so daß sie genau mit der Tafel zusammen paßt, wenn sie auf dieselbe gelegt wird, und an keiner Stelle auch nicht das feinste Härchen dazwischen gelegt werden kann. Die Fläche ist aber noch nicht polirt, und die Politur muß man bis an das Ende oder wenigstens so lang verschieben, bis die gegenüberstehende Fläche eben so weit gebracht ist.

Die übrigen vier Seiten müssen auf ähnliche Weise bearbeitet und dabei das Winkelmaß und der Tast-Zirkel von Zeit zu Zeit zu Rathe gezogen werden. Da aber diese kleineren Flächen leichter zu bearbeiten sind, als die breiteren, so halten wir es nicht für nöthig bei denselben zu verweilen.

Wenn es Leute geben sollte, die auf Auctoritäten mehr achten, als auf Verstand, und diese uns fragen: wer sich dieses Verfahren bedient? statt zu fragen: ob dieses Verfahren auch wirklich gut ist? so können wir antworten, daß die hier beschriebene Verfahrungs-Weise, Flächen flach und eben zuzufeilen, diejenige ist, die in der weltberühmten Fabrik der HHrn. Boulton und Watt zu Soho, bei Birmingham, befolgt wird.

|196|

Wann wird einmal die Zeit kommen, wo diejenigen, welche den öffentlichen Unterricht zu leiten haben, einsehen werden, daß das bloße Lesen, Schreiben und Rechnen in den Knaben-Schulen nicht der einzige Unterricht ist, den das Wohl des Landes, der Menschheit, die Natur selbst gebietend fordert! Wann werden sie begreifen, daß der Bauernjunge eben so nothwendig lernen muß einen Baum zu äugeln oder zu pfropfen, parallele Linien, Viereke, Kreise, Ellipsen in seinen Gärtchen und auf seinen Aekern zu ziehen, ein Stük Holz zu behauen, zu hobeln, ein Stük Eisen an seinem Wagen, an seinen Akergeräthen gehörig zu befestigen, mit einem Worte, daß der Bauernjunge die ersten Elemente der Geometrie, die ersten Handgriffe in der Kunst etwas zuzuschneiden, anzupassen etc. bedarf, als sie? Meinen sie vielleicht, diese gnädigen Herren, weil sie keine Feder schneiden können, und wenn ihnen auch einer ihrer Tagsschreiber eine Feder recht gut schneidet, mit derselben ihren verehrten Namen in einem Buchstaben schreiben, den alle Intendanten aller Dechiffrir-Cabinette nicht zu entziffern vermögen, ein Bauernjunge brauche auch so wenig Geschiklichkeit in seinen Fingern, wie sie? Die Hände sind, wie |197| Aristoteles vor 2000 Jahren schon sagte, Organum Organorum, et Organum ante Organa. Was würde Praxiteles, was würde Phidias, was Michel Angelo und Raphael, und Mozart und Beethoven, was würden alle Meister der bildenden Künste und alle Virtuosen bei dem unsterblichen Genie, mit welchem die Natur sie, und durch sie die Menschheit, beglükte, geleistet haben, wenn sie statt der zehn kleinen Finger Elefantenfüße oder Bärentazen gehabt hätten? Und was ist eine ungeschikte und ungeübte Hand anders, als eine Bärentaze? Wenn man nicht will, daß der Kopf und das Herz gebildet wird, so denke man doch wenigstens auf die Bildung der Hände, und wenn man will, daß man, wie die Spanier sagen, mit dem Elbogen denke und rede, (hublar por las codas), so lehre man wenigstens mit den Fingern geschikt arbeiten. Die Weiber, deren Eine mehr gesunden Menschenverstand besizt, als Duzende gelehrter Perüken-Träger aller Farben, haben dafür zu sorgen gewußt, daß in den Schulen der Kinder ihres Geschlechtes mit dem übrigen kümmerlichen Unterrichte Unterricht in Handarbeiten verbunden wird; die kleinen Mädchen lernen ihre 10 Fingerchen zwekmäßig zu den Arbeiten ihres Geschlechtes üben. Wer lehrt unsere Jungen auch nur eine Feder gehörig schneiden, vielweniger einen Baum pfropfen? Vergebens zeigt uns die Natur an dem Instinkte unserer Knaben (wenn wir die Lust zum Schnizeln, Hämmerln etc., die alle Knaben mehr oder minder beseelt, die selbst noch die Studenten auf der Universität zum Zerschnizeln der Schulbänke, in haud laeve doctissimae reipublicae damnum et detrimentum, begeistert, anders so nennen dürfen), daß sie Beschäftigung, Uebung für ihre 10 Finger haben wollen; daß die Natur sie ihnen nicht umsonst gegeben hat: unsere Studienplan-Fabrikanten sehen nur den Lehrern, nicht aber den Schülern, auf die Finger. In jeder Schule sollte eine kleine Werkstätte seyn, in welcher diejenigen Knaben, die gut gelernt haben, Axt, Säge, Hobel, Hammer, Meißel, Feile etc. brauchen lernen. So ist es jezt wenigstens in den meisten nordamerikanischen Schulen, und man steht bereits, daß die Nordamerikaner selbst die Engländer zu überflügeln drohen, wo die Lords ihre Pferde selbst beschlagen, wo jeder Bauer sich selbst täglich barbirt, während wir bei uns hochgelehrte Professoren der Chirurgie bezahlen, die sich nicht ein Mal selbst den Bart puzen können; hochgelehrte Professoren der Thierarzneikunde, die keinen Nagel aus dem Huf des Pferdes ausziehen, viel weniger gehörig einschlagen können, und hochgelehrte Professoren der Botanik und Landwirthschaft, die keinen Birnbaum pfropfen, und keinen Krautkopf zu ziehen verstehen. Ein Drechslermeister, ein Schreiner- und Schlossermeister, ein Meister in der Lithographie würden einer Hochschule vielleicht nüzlicher seyn, als ein Fechtmeister auf Hieb und Stich.

A. d. U.

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