Titel: Mornay, Verbesserungen in Zubereitung der Erze und anderer Körper.
Autor: Mornay, Aristid Franklin
Fundstelle: 1829, Band 31, Nr. LIX. (S. 205–212)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj031/ar031059

LIX. Verbesserungen in Zubereitung der Erze und anderer Körper, welche Metalle enthalten, und in Gewinnung der Metalle aus denselben, worauf Aristid Franklin Mornay, Esqu. zu Ashburton House, Putney Heath, in der Grafschaft Surrey, sich in Folge einiger Mittheilungen eines Fremden88) am 27. März 1827 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem Repertory of Patent-Inventions. November 1828. S 260.

Meine Verbesserungen in Zubereitung der Erze und im Ausschmelzen der Metalle aus denselben bestehen in Folgendem.

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I. Zubereitung zum Schmelzen. Ich mache die Tafel, auf welcher die Erze und die Körper, welche Metalle enthalten, gewaschen |207| oder concentrirt werden, und die gegenwärtig bei uns feststeht, beweglich, so daß sie abwechselnd nach der Richtung ihrer Länge hin und her gerüttelt wird, wo dann durch diese Bewegung und durch die des auffließenden Wassers, ohne alle jezt noch gebräuchliche Nachhülfe der Hände, diejenigen Theile der Erze, welche Metall enthalten, sich nach ihren verschiedenen Schweren abscheiden, und das Metall dann aus denselben ausgeschmolzen werden kann. Diese abwechselnde Bewegung der Tafel kann durch Anwendung irgend einer zwekmäßigen Triebkraft, entweder eines Wasserrades, einer Dampfmaschine, oder irgend einer anderen Kraft erzeugt werden. Die Beschreibung einer solchen Tafel (eines solchen Waschherdes) und der Vorrichtung zur Bewegung derselben ist überflüssig, da jeder Mühlen-Baumeister oder Sachverständige dieselbe verfertigen und anbringen kann. Eine Methode, die Tafel auf obige Weise hin und her zu bewegen, will ich jedoch zur größeren Deutlichkeit hier beschreiben, ohne mich auf dieselbe und auf die hierbei angegebenen Maße zu beschränken: ich will hier bloß als Beispiel meine Beschreibung aufgeführt haben. Eine, für die meisten Erze hinlänglich große, Tafel (Waschtisch, Waschherd), ist ungefähr 16 Fuß lang und 5 Fuß 6 Zoll breit. Sie besteht aus glatt gehobelten Brettern von weichem Holze, die quer auf einem hölzernen Rahmen aufgenagelt sind, der in einem anderen hölzernen Gestelle aufgehängt ist, welches aus vier senkrechten Pfosten von ungefähr 8 Fuß Höhe besteht, die gehörig in der Erde befestigt sind, und durch Querbalken in ihrer Lage erhalten und gehörig unter einander verbunden werden. Dieses Gestell muß gerade weit genug seyn, um der Tafel freie Bewegung zu gestatten. Die Tafel hängt in vier Ketten oder Stangen, die an den vier Eken derselben angebracht sind, wie das Sieb in einer Senfmühle. Die zwei Ketten an dem oberen Ende (an dem Haupte) der Tafel sind an den senkrechten Pfosten des äußeren Gestelles befestigt, und halten dadurch dieses Ende der Tafel immer in derselben Höhe, d.h., einige Zoll unter der Kante der schiefen Fläche, über welche das zu waschende Erz und das Wasser auf die Tafel gelangt. Die zwei Ketten oder Stangen an dem unteren Ende der Tafel sind aber an einem horizontalen Balken befestigt, der sich in Furchen an den beiden senkrechten Pfosten des äußeren Gestelles an dem unteren Ende der Tafel auf und nieder bewegt, und mittelst eines Hebels auf und nieder gehoben wird, an welchem er befestigt ist: der andere Arm dieses Hebels reicht bis an das obere Ende der Tafel. Der Mittelpunkt der Bewegung dieses Hebels befindet sich auf einem Balken, der an dem äußeren Gestelle befestigt ist, und der Arm, an welchem die Tafel hängt, ist ungefähr Einen Fuß lang. Diese |208| einfache Vorrichtung erlaubt den Neigungs-Winkel, welchen die Tafel als schiefe Fläche bildet, nach Belieben abzuwechseln: ein Umstand von der höchsten Wichtigkeit, indem man die Tafel auf diese Weise ohne allen Zeitverlust und mit geringer Mühe auf das Genaueste nach jener Neigung stellen kann, die das Erz seiner Natur nach fordert. Dieser Neigungs-Winkel hängt offenbar von der verschiedenen specifischen Schwere der verschiedenen Bestandtheile des Erzes ab, welches gewaschen werden soll. Der Arbeiter kann diese Neigung sehr leicht bestimmen, wenn er den Hebel so lang hebt oder senkt, bis er jenen Punkt erreicht, wo sich die verschiedenen Theile des zu waschenden Erzes am leichtesten und vollkommensten von einander scheiden. Unter der Kante des unteren Endes des Tisches ist ein Trog zur Aufnahme des Wassers angebracht, das beständig über die Tafel hinfließt, und in welchem der von dem Wasser fortgeschlämmte Stoff zum Theile sich absezt. Wenn der Trog voll ist, so läuft er über, und die in dem Wasser noch immer enthaltenen Theile werden endlich in Canälen und Behältern abgesezt, die zu diesem Ende eigens vorgerichtet sind, und die, je nachdem die nuzbaren Theile sich leichter oder schwerer von dem tauben Stoffe scheiden, größer oder kleiner seyn müssen. Ungefähr drei Fuß von dem unteren Ende der Tafel läuft ein ungefähr zwei Zoll weiter Schnitt quer über dieselbe und durch die Bretter. Während die Tafel in Arbeit steht, wird dieser Schnitt mit einem Holzstreifen ausgefüllt, und mit einem ledernen Lappen bedekt, der längs seiner Kante an dem Brette über diesem Schnitte angenagelt ist. Wenn die Arbeit vollendet ist, wird der Holzstreifen herausgenommen, der lederne Lappen in den Schnitt hinabgestreift, so daß er in denselben hinabhängt, und das gewaschene Erz auf der Tafel durch diesen Schnitt oder Spalt in einen unter demselben angebrachten Trog hinabgekehrt.

Diese Tafel wird mittelst eines Balkens in Bewegung gesezt, der horizontal an dem Haupte derselben und in einer Linie mit ihr in einer solchen Lage angebracht ist, daß, wenn er mittelst einer Kurbel oder durch eine andere Verbindungs-Vorrichtung mit der Triebkraft vorwärts bewegt wird, die Tafel in der Richtung von oben nach abwärts, (von ihrem Haupte nach ihrem unteren Ende) vorwärts gestoßen wird, und daß diese, indem er von derselben Kraft wieder schneller zurükgezogen wird, als die Tafel sich zurükzuschwingen vermag, bei ihrer Rükkehr gegen das Ende dieses Balkens in dem Augenblike anstößt, wo dieser dieselbe wieder vorwärts treibt. Dieser, bei jeder abwechselnden Bewegung wiederholte, Stoß des Balkens erzeugt die beabsichtigte Wirkung, nämlich die Scheidung der verschiedenen Erze nach ihrer verschiedenen specifischen Schwere. Diese |209| bewegliche Tafel wird auf dieselbe Weise mit dem gepochten Erze versehen, wie unsere jezt gebräuchliche feststehende Wasch-Tafel, und das Wasser wird auf dieselbe Weise über leztere hingeleitet.

II. Verbesserungen beim Schmelzen. Diese bestehen in der Anwendung eines Ofens mit einem Gebläse (blast furnace)89) statt des gewöhnlichen Reverberir- oder Wind-Ofens. Dieser Ofen wird auf folgende Weise gebaut und benüzt. Die innere Form des Ofens ist ein vierseitiges Prisma von zwölf Fuß Höhe, drei Fuß Weite im Rüken und drei Fuß Tiefe von vorne nach rükwärts: vorne ist er ungefähr zwei Fuß acht Zoll weit. Er ist an der Hinterwand wie an den Seiten in der Dike von 14 bis 20 Zoll mit feuerfesten Ziegeln ausgefüttert, die in Lehmen eingesezt sind. Das Mauerwerk kann, außer der Fütterung, an den Seiten und an der Hinterwand ungefähr drei Fuß in der Dike halten und von irgend einer beliebigen Form seyn; ich ziehe jedoch eine vierekige Basis an denselben vor, und baue diese Oefen gewöhnlich gepaart, d.h., ich vereinige zwei Seitenwände in eine, und lasse an jedem Ofenpaare außen einen freien Gang, damit die Arbeiter bequem vorne und rükwärts zu dem Ofen gelangen können. Ueber beiden Oefen bringe ich einen weiten pyramidenförmigen Schornstein an, der ungefähr zehn oder zwölf Fuß über das obere Ende des Ofens empor ragt. An einer Seite des Schornsteines, vorne oder an der Hinterseite des Ofens, sind gewölbte Thörchen, durch welche die Erze, das Brenn-Material, der Zuschlag oder Fluß in den Ofen gebracht werden. In einer Höhe von ungefähr zwei Fuß sechs Zoll unter dem oberen Ende dieser Oefen, auf derselben Seite, wo die Thörchen sich befinden, ist horizontal eine flache starke Bühne angebracht, auf welche die Erze gelegt werden, und von welcher sie in den Ofen geworfen werden, wenn derselbe im Gange ist. Das Vordertheil des Ofens wird, bei der ersten Erbauung desselben, offen gelassen, und später mit feuerfesten Ziegeln in der Dike eines solchen Ziegels, d.i., vier Zoll dik ausgefüttert. Diese Fütterung ruht auf einer breiten eisernen Stange, die quer über das offene Vordertheil läuft und ungefähr vier Fuß hoch von dem Boden steht; zulezt wird auch der Theil unter der Stange gleichfalls mit feuerfesten Ziegeln ausgefüttert, wenn der Ofen auf dem Punkte ist gebraucht zu werden. Das Vordertheil wird auf diese Weise durch die eiserne Stange in zwei Theile getheilt, damit die untere Abtheilung herausgenommen und ausgebessert werden kann, so oft es während der Arbeit nöthig ist, entweder um denselben von den Schlaken zu reinigen, die sich gebildet haben können, oder zu was |210| immer für einem anderen Zweke, ohne daß die obere Abtheilung dadurch litte. Das Gebläse ist an dem hinteren Theile des Ofens angebracht mittelst einer Röhre oder zwei Röhren. Wo die Röhren eintreten, ist ein Bogen angebracht in der Rükwand, um sie daselbst verdünnen zu können.

Vorne an dem Ofen, und in unmittelbarer Berührung mit der Vorderseite, ist ein Herd aus Lehmen und Asche, oder aus kleinen Kohks und Holzkohlen angebracht, der ungefähr neun Zoll in der Tiefe, aber die ganze Weite des Ofens hält und zwei oder drei Fuß breit ist. Dieser Herd wird an seinen Kanten durch drei senkrecht stehende eiserne oder steinerne Platten gestüzt. Von der inneren Kante dieses Herdes an steigt der Boden des Ofens (die Sohle) von vorne nach rükwärts schief in die Höhe, und zwar unter einem Winkel von 15 bis 20 Graden: dieser Boden wird, wie der Herd selbst, aus Lehmen und Asche, fest zusammen gestampft, erbaut, und kann auch, wie die Sohle der Eisen-Oefen, mit feuerfesten Steinen gepflastert werden. Die Röhren des Gebläses stehen ungefähr 20 Zoll über der höchsten Kante des Bodens oder der Sohle an der Rükwand des Ofens. Unter der Erde, in den Grundfesten des Ofens, sind zwei oder mehrere Canäle angebracht, damit der Dampf, der sich in denselben durch die Hize des Feuers erzeugt, in die atmosphärische Luft entweichen kann: ohne diese Canäle könnte der Ofen einstürzen, oder in die Luft gesprengt werden. An dem untersten Theile der dünnen Vorderwand des Ofens, in gleicher Höhe mit der oberen Oberfläche des Herdes, sind, beinahe in der Mitte der Weite des Ofens, zwei Löcher offen gelassen, die sehr nahe an einander stehen, ganz durch die Vorderwand dringen, und wovon jedes ungefähr drei Zoll weit und vier Zoll hoch ist.

Wenn nun der Ofen in Gang gebracht werden soll, werden diese beiden Löcher mit Lehmen verstopft und ein Beken (oder mehrere) von Einem Fuß im Durchmesser wird in dem Herde ausgehöhlt. Rechts und links von den beiden Löchern werden Kohks und angezündete Späne und Holz in den Ofen geworfen, und es wird sacht zugeblasen, damit der Ofen sich nach und nach erwärmt. Wenn dann, z.B., Kupfererz geschmolzen werden soll, wird ein Theil desselben, z.B. ein halber Centner, in rohem Zustande, d.h., ungeröstet, von oben auf die entzündeten Kohks herein gestürzt, und unmittelbar darauf werden Kohks, und selbst etwas rohe Kohle, bloß der Ersparung wegen, nachgeschüttet; dann wird wieder Erz und hierauf wieder Kohle lagenweise nach einander nachgefüllt, bis der Ofen endlich bis oben voll wird. Während dieser Zeit wird ein Theil des Erzes geschmolzen seyn, und eines der obigen Löcher wird nun geöffnet, wo |211| dann das geschmolzene Metall bei demselben ausfließen wird, und in einem der Beken des Herdes aufgenommen werden kann. Die geschmolzene Masse besteht aus Schlaken und Metall (wie man in England sagt), oder aus Stein, wie man in Deutschland sagt (?), und besteht vorzüglich aus Kupfer, Schwefel und etwas Eisen. Dieser Stein wird nun in dem Beken abgesezt, und die Schlaken fließen in einen Canal über, aus welchem dir Arbeiter dieselben wegschafft, so wie sie sich ansezen. Ein Ofen von der oben beschriebenen Höhe (und man kann ihn noch weit höher bauen, wenn man Erze hat, die viel Schwefel enthalten) faßt immer eine bedeutende Menge Erzes über dem Gebläse oder über dem Schmelzpunkte, wo sie einer hinlänglichen Hize ausgesezt sind, um sich entschwefeln zu können, so daß es gar keiner Röstung oder keines Calcinirens bedarf.

Die Menge des nothwendigen Feuer-Materiales wird durch die Länge der dunklen oder schwarzen Nase angezeigt, wie die Deutschen sagen (?), die sich unmittelbar vor dem Gebläse bildet. Diese dunkle Nase muß in einem Ofen obiger Größe immer ungefähr acht Zoll lang seyn. Wenn zu viel Feuer-Material nachgeschüttet wurde, wird sie kürzer seyn, und umgekehrt. Man muß auch bemerken, daß, wenn das Gebläse zu schwach ist, sich gar keine solche Nase bildet, oder daß, wenn sie sich bildet, sie wegschmelzen und verschwinden wird. Der Arbeiter muß beständig auf diese Nase Acht haben, und sich durch dieselbe bei seiner Arbeit leiten lassen.

Sollten die im Ofen befindlichen Erze oder Materialien sehr strengflüssig seyn, so kann man den Fluß durch zugesezten Flußspath erleichtern und beschleunigen. Nachdem das Beken in dem Herde von dem Metalle oder Steine beinahe voll wurde, wird das Loch auf dieser Seite wieder geschlossen, und das andere Loch geöffnet, bei welchem man das geschmolzene Metall wieder in das andere Beken ausfließen läßt, während das erste Beken ausgeleert wird. Dieses Ausleeren des Bekens geschieht auf folgende Weise. Die Schlaken, welche die Oberfläche bedeken, sezen sich bald durch Erkältung, und werden mittelst einer eisernen Gabel am Ende einer Stange oder eines Griffes weggeschafft und zu einem Kuchen geformt. Das Metall, oder der Stein, sezt sich aber langsamer, obschon dieß an seiner Oberfläche in wenigen Minuten geschieht, und der Arbeiter nimmt das, was sich gesezt hat (erstarrt ist), nach und nach in dünnen Lagen oder Kuchen ebenso weg, wie er die Schlake wegschaffte. Diese Arbeit geht ununterbrochen Tag und Nacht fort; der Ofen wird ohne Unterlaß von oben nachgefüllt, und das geschmolzene Metall fließt in die Beken unten am Herde. Das Metall oder der Stein wird in der Folge geröstet, und auf die gewöhnliche Weise oder auf eine andere |212| gar gemacht. Wenn Bleiglanz (Galena) geschmolzen werden soll, so verfahre ich auf dieselbe Weise, seze aber Gußeisen zu, um den Schwefel zu verschlingen, und zwar entweder gepocht in kleinen Stüken, oder gekörnt (granulirt), indem man es aus dem Hochofen in Wasser laufen läßt, was die wohlfeilste Bereitungs-Art ist.

Unsere Leser werden sich wundern, wie man auf diese an allen sächsischen, ungarischen und siebenbirgischen Bergwerken längst bekannten Waschherde, die an vielen derselben noch mannigfaltige Verbesserungen erhielten, in England sich ein Patent kann geben lassen; in England, wo die Eisen-Erzeugung allein jährlich über 60 Millionen Gulden schweren Geldes, und Kupfer, Zinn und Blei beinahe die Hälfte dieses Ertrages beträgt; in England, wo doch vielleicht der dritte Theil der Bevölkerung noch rein sächsischer Abkunft ist; wo eine deutsche Dynastie auf dem Throne sizt, die aus der Nähe des deutschen Harzes kam. Daß Sachsen seit den ältesten Zeiten die größten Meister im Bergbaue und in Hüttenwesen waren, dieß beurkunden nicht bloß die herrlichen Bergwerke Sachsens, sondern auch die Bergwerke Ungarns und Siebenbirgens (wohin man die Sachsen ihres Bergbaues wegen zu rufen weise genug war und wo noch jezt (in Siebenbirgen) die Sachsen-Stühle sind und vielleicht das reinste Deutsch in Europa gesprochen wird und die höchste Bildung unter der unteren Classe sich findet), die Bergwerke Polens, in welchen des unsterblichen Luther Bruder den Bergbau leitete; die Bergwerke der Türken selbst in Bosnien und Serbien und am Balkan. Die Spanier scheinen zuerst in unseren Zeiten den Verdiensten der Sachsen volle Gerechtigkeit gethan zu haben, nicht bloß dadurch, daß sie ihren d'Elhuyar nach Freyberg schikten, und ihn dort lernen ließen, sondern auch dadurch, daß sie Sachsen für Mexico zu werben suchten, die aber, die heiligste Inquisition mit vollem Rechte fürchtend, lieber ihre Butter unter Dr. Luthers Erde, als Cacao auf den Leichenäkern der armen Inder aßen. Es scheint beinahe unbegreiflich, daß England erst in den neuesten Zeiten die Sachsen in bergmännischer Hinsicht würdigen lernte, und es erklärt sich bloß dadurch, daß der englische Gewerbsmann beinahe nie reist, und außer seiner Insel beinahe nichts von der lieben Welt weiß. Die reisenden Engländer, deren wir so viele auf dem festen Lande sehen, sind entweder reiche Adelige oder Güter-Besizer oder Sine-Curisten, oder Leute, die in England unter Sequester stehen, und, wie Yorick sagte, „wegen der Auszehrung ihres Beutels“ reisen. Ein Engländer, der jährlich 6000 fl. Einkommen hat, lebt in England (wo der bloße Fähnrich jährlich 96 Pf. Sterl. (1152 fl.) Gehalt bekommen muß, um damit schlechter leben zu können, als ein Junker bei uns) mit dieser Summe schlechter, als bei uns ein Oberschreiber, während er, im südlichen Deutschland wenigstens, mit dieser Summe wie ein Minister in manchem Lande leben kann. Diese Reisenden reisen nicht für Künste und Gewerbe; höchstens für schöne Künste und Curiositäten; sie bringen nichts von deutscher Kunst auf ihre Insel zurük. Auf den beiden Universitäten Englands, Oxford und Cambrigde, ist seit mehr denn einem Jahrhunderte, für Künste und Gewerbe nichts geschehen. So fleißig Philologie und Theologie daselbst getrieben wird, so sehr wird Physik, Chemie, und vorzüglich Mineralogie und Botanik vernachlässigt. Es waren zwei Kaufleute, die HHrn. Sherard, die die Lehrkanzel für Botanik zu Oxford stifteten, und dieselbe mit einem Deutschen, dem unsterblichen Dillen aus Gießen, besezten. Zu Cambridge vernachlässigte man Botanik so sehr, daß man dem Hrn. Präsidenten der Linnean Society, dem Besizer des Linne'schen Herbariums, dem Ritter Jak. Ed. Smith nicht ein Mal erlaubte unentgeldliche Vorlesungen über Pflanzenkunde zu halten, obschon seit 20 Jahren keine Botanik daselbst gelesen wurde, und die schlechteste Universität in Deutschland hat einen besseren botanischen Garten, als der zu Oxford jezt ist, wenigstens vor 4 Jahren gewesen ist. Wie sehr Mineralogie und vorzüglich Berg- und Hüttenkunde in England vernachlässigt wurde, wo man einst die Straßen London's mit Galmey pflasterte, haben wir nur zu oft schon Gelegenheit gehabt aus englischen Blättern in den unsrigen zu beweisen. Es war einem Deutschen, unserem hochverdienten Landsmanne, Hrn. König, aufbehalten, das Chaos und den Augias-Stall des so hoch gepriesenen Brittish-Museum in jene herrliche Sammlung umzuwandeln, die man jezt erst, durch seinen Geist und seinen Fleiß, bewundern gelernt hat. Es ist unser deutsche Landsmann, Haidinger, (wahrscheinlich ein Verwandter, vielleicht ein Sohn des zu frühe für die Wissenschaft verstorbenen, vortrefflichen Wiener Mineralogen, Haidinger) dem wir die richtige Bestimmung so vieler alter und die Entdekung mehrerer neuerer englischen Fossilien zu danken haben. Bei dem gegenwärtigen Zustande des Berg- und Hütten-Wesens in England (mit Ausnahme der Eisenhütten-Kunde) kann jeder erfahrne und gebildete deutsche Bergmann auf der großen Insel, genannt England, auf gute Ausbeute, auf ein gesegnetes Glükauf rechnen. Die Halden werden dort Goldbergwerke für ihn seyn. A. d. U.

|209|

Nach der Beschreibung ist es ein Stichofen.

A. d. U.

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