Titel: Ueber die Stämpel an Dampfmaschinen.
Autor: Herausgeber,
Fundstelle: 1829, Band 31, Nr. LXXII. (S. 245–254)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj031/ar031072

LXXII. Ueber die Stämpel an Dampfmaschinen. Von dem Herausgeber des Register of Arts and Patent-Inventions N. 50 u. 51. 20 u. 30. Novemb. S. 19 u. S. 23.

Mit Abbildungen auf Tab. IV.

Kein Theil einer Dampfmaschine fordert eine richtigere Theorie seines Baues und genauere Ausführung in seiner Bearbeitung, wenn die Dampfmaschine gut arbeiten soll, als der Stämpel derselben. Es ist nicht genug, daß er an seinem Umfange genau in den Stämpel paßt, und jeden Punkt der inneren Oberfläche des Cylinders genau berührt; er muß zugleich auch die Eigenschaft besizen sich auszudehnen, denn sonst wird er nur gar zu bald, bei der Abreibung, die er an seiner Oberfläche erleidet, zu klein werden, und einen Zwischenraum zwischen sich und dem Cylinder lassen, durch welchen ein Theil des Dampfes entweicht; dadurch wird der Stoß, welchen der Cylinder erhält, nicht bloß im Verhältnisse der Menge des Dampfes, der auf diese Weise verloren geht, geschwächt, sondern auch die Wirkung jenes Theiles des Dampfes, welcher nicht entweicht, wird zum Theile durch den Dampf neutralisirt, welcher auf beiden Seiten des Stämpels zugleich wirkt.

Der Unterschied zwischen der Wirkung eines guten und eines schlechten Stämpels beträgt nach den bisherigen Erfahrungen nicht selten mehr als die Hälfte der Kraft der Maschine, so daß es unmöglich wird mit derselben zu arbeiten, und man noch ein Mal so viel Brennmaterial aufopfern muß. Fehler am Stämpel haben überdieß auch in anderer Hinsicht höchst traurige Folgen.

Da die Stämpel bisher gewöhnlich aus Metall verfertigt wurden, und folglich sich von innen nicht ausdehnen konnten, so überzog man sie (packte man sie nach dem englischen Kunstausdruke) mit einer Schichte Hanf, den man in Talg tränkte, auf die in Fig. 14. dargestellte Weise.

|246|

a, ist die untere Fläche des Stämpels, welche an der Stämpel-Stange, b, befestigt ist, theils durch ihr kegelförmiges Ende, theils durch die Schlüssel. c, ist die obere Fläche des Stämpels, die an der unteren mittelst Schrauben befestigt ist. e, e, ist die Fassung oder Pakung des Stämpels mit Hanf, der in Talg getaucht ist, und den großen Zwischenraum zwischen den beiden Platten ausfüllt. Diese Fassung oder Pakung drükt gegen die Seiten des Cylinders, und wenn sie sich durch Reibung abnüzt, so zieht man die Schrauben, d, d, an, wodurch sie wieder mehr gegen die Seiten des Cylinders hinausgedrükt wird. Wenn sich endlich die Fassung ganz abgenüzt hat, so wird eine neue angebracht. Stämpel dieser Art, in Hanf oder Leder gepakt, waren von Papin's und Savery's Zeiten bis auf den hochwürd. Hrn. Edw. Cartwright, also durch einen Zeitraum von beinahe 100 J., allgemein im Gebrauche. Dieser lezt genannte gelehrte geistliche Herr (ein Bruder des Major Cartwright) wendete zuerst metallene Stämpel an, die sich ausdehnen: eine Erfindung von der höchsten Wichtigkeit, die bei Dampfmaschinen von hohem Druke beinahe unerläßlich ist, indem der Hanf und der Talg durch die große Hize des Dampfes bald zerstört wird.

Cartwright's Stämpel wurde bereits in den früheren Blättern dieses Journales beschrieben und abgebildet; wir wollen hier also bloß bemerken, daß er aus zwei concentrischen messingenen Ringen besteht, die die volle Größe des Cylinders haben, und daß diese Ringe in Segmente geschnitten sind, die durch Federn von einander getrieben werden. Auf diese Weise entstehen nun offene Höhlungen zwischen diesen Segmenten, und damit der Dampf nicht durch dieselben entweicht, sind zwei andere Ringe aus Messing auf eine ähnliche Weise zerschnitten, und ihre Segmente so auf jene der vorigen Ringe gestellt, daß die Höhlungen der unteren Segmente oben von der Mitte eines jeden oberen Segmentes geschlossen werden.

Folgende Figur (15), die nur wenig Erläuterung mehr bedarf, ist eine Verbesserung des Stämpels des Hrn. Cartwright. a, ist die Stämpel-Stange, aus welcher nach der Richtung der Halbmesser, eine Menge von Spiral-Federn auslaufen, b, die auf die Segmente, c, c, drüken.

Man wird an diesem Stämpel bemerken, daß die Segmente geschlossen sind, bis durch das Abnüzen des Cylinders und des Stämpels die Fugen sich öffnen und durch den Druk der Federn aus einander weichen, folglich die vergrößerte Oberfläche des Cylinders bilden. Die Spiral-Federn sind, in Hinsicht auf Bau und Lage, so berechnet, daß sie länger dauern und besser wirken, als die Federn des Hrn. Cartwright. Indessen haben auch diese verbesserten Stämpel |247| noch mehrere Fehler, die die Anwendung derselben sehr beschränken: folgender ist einer der vorzüglichsten. Wenn die äußeren Segmente sich abnüzen und durch den Druk der Federn von einander weichen, gehen auch die inneren Segmente aus einander; sie nüzen sich aber nicht ab. Die inneren Segmente passen also nicht mehr auf die äußeren, und lassen Spalte offen, durch welche der Dampf, der bei den Höhlungen der äußeren eintritt, leicht seinen Ausweg in das Innerste des Stämpels, und von da durch ähnliche Canäle auf die entgegengesezte Seite des Stämpels findet. Diese Oeffnungen lassen auch Sand zwischen sich eindringen, der sich so lang daselbst anhäuft, bis sie davon verstopft werden, und die Federn aufhören zu wirken.

So unvollkommen auch Cartwright's Stämpel waren, so waren sie doch damals die besten, und wurden folglich, unter verschiedenen Modificationen, bei sehr vielen Dampfmaschinen angewendet. Die glükliche Idee eines metallischen Stämpels, der sich nach außen ausdehnt, ist auch in einer anderen Hinsicht wichtig, indem sie wahrscheinlich den Erfindungs-Geist des Hrn. Barton in Anspruch nahm, und so eine große Verbesserung an den Stämpeln veranlaßte, durch welche nicht bloß die Einwürfe, die man gegen Cartwright's Stämpel machen kann, vollkommen beseitigt werden, sondern eine beinahe vollkommene Wirkung hervorgebracht wird. Dieser Stämpel wurde in den früheren Blättern unserer Zeitschrift bereits beschrieben107); allein die neuen Verbesserungen, die der Erfinder an denselben anbrachte, machen eine neue Beschreibung desselben nothwendig.

Fig. 16, stellt den Stämpel des Hrn. Barton im Grundrisse dar, mit abgenommener oberen Platte. Fig. 17, ist ein senkrechter Durchschnitt desselben nach der Linie, b, e, d, des Grundrisses.

a, a, a, a, sind die vier Metall-Segmente; b, b, b, b, vier rechtwinkelige Keile, die zwischen diesen Segmenten angebracht werden, so zwar, daß ihre Kanten einen Theil der Peripherie des Kreises bilden, c, c, eine dünne Stahlfeder, bloß aus einem breiten Reifen gebildet, und in die in der Figur dargestellte wellenförmige Form gedrükt. Die Wirkung derselben auf die Keile ist gleichförmig genug, und reicht hin, bis endlich im Verlaufe der Zeit Keile und Segmente so abgenüzt werden, daß die Feder ihre ursprüngliche kreisförmige Form wieder erhält. d, ist das Gestell oder der Rahmen, der mit der unteren Platte des Stämpels aus Einem Stüke gegossen ist. e, ist die Stämpel-Stange. Die dunkeln Räume, die man im |248| Grundrisse innerhalb, d, sieht, sind Höhlungen, um die Schwere des Cylinders zu vermindern: die übrigen schwarzen Stellen zeigen die Höhlung, in welcher die kreisförmige Feder frei spielt.

Um zu verhindern, daß die Segmente nicht aus einander fallen, während der Stämpel herausgenommen oder in den Cylinder eingeschoben wird, ist der Umfang desselben an seiner oberen und unteren Kante gefurcht, und es sind daselbst zwei leichte Federreifen eingelassen, die in ein gabelförmiges Gefüge quer gespalten sind. Um den Stämpel zu schmieren, ist eine dritte Furche zwischen den beiden vorigen zur Aufnahme des Oehles angebracht: diese Theile sind in der Figur nicht gezeichnet.

Die Wirkung dieser Einrichtung ist folgende: da Cylinder und Stämpel sich durch die Reibung abnüzen, treibt die kreisförmige Feder, c, die Keile, b, hinaus, und diese treiben die Segmente gegen den Cylinder. Nach und nach kommt der Stämpel in die in Fig. 18, dargestellte Form: in dieser Form sehen wir den Stämpel, nachdem er, ohne irgend einer Ausbesserung zu bedürfen, mehrere Jahre lang ununterbrochen gearbeitet hat.

Weder der Cylinder noch der Stämpel waren auch nur im Mindesten gefurcht oder gekrazt; beide hatten ihre kreisförmige Form vollkommen wohl erhalten und waren au den Flächen, die sich an einander rieben, außerordentlich fein polirt. Wir sagen dieß bloß, weil man den Stämpeln des Hrn. Barton das Gegentheil nachgesagt hat. Das Repertory of Arts enthielt eine höchst unberufene Angabe dieser Art von Seite Dr. Gregorys, Prof. der Mathematik zu Woolwich: Hr. Barton antwortete dem Hrn. Doctor damit, daß er seine Stämpel aus einer an der Werfte zu Woolwich arbeitenden Dampfmaschine ausziehen ließ, und dieselben dem Hrn. Doctor zeigte.

Es läßt sich gewiß leicht erweisen, daß die Keile sich schneller bewegen, als die Segmente, und daß folglich der Druk auf die Keile stärker ist, als auf die Segmente: bei einem rechtwinkeligen Keile verhält sich dieser Unterschied, wie zwei zu Eins. Das Abnüzen beider geschieht aber nicht in demselben Verhältnisse. Es zeigt sich in der Anwendung hier kein Unterschied, was, wie wir vermuthen, seinen Grund im Folgenden haben mag. Da der Cylinder aus Gußeisen, und der Stämpel aus einem weit weicheren Metalle ist, das sich leichter abnüzen läßt (einer Kupfer-Composition nämlich), so ist die einzige Wirkung des stärkeren Drukes auf die Keile diese, daß sie sich schneller abnüzen, als die Segmente, wofür der Cylinder, bei seiner weit größeren Härte, kaum empfindlich ist. Der messingene |249| Stämpel bleibt daher immer in der kreisförmigen Figur des Cylinders, bis er ganz abgenüzt ist.

In Frankreich und in Amerika ist Barton's Stämpel nur unter dem Namen von Browne's Stämpel bekannt, indem ein amerikanischer Advokat, Namens Browne, denselben als seine Erfindung in England einführte, und daselbst patentisiren ließ. Dieser Stämpel wird nicht bloß bei uns häufig angewendet, sondern in allen Welttheilen, wo man die Dampfmaschine kennt und benüzt. Indessen gibt es wenige Erfindungen von großem Nuzen, die nicht mit eben so großem hirnlosen Widerspruche zu kämpfen hätten. Um Barton's Patent-Recht zu umgehen, wurden eine Menge unsinniger Abänderungen seines Stämpels verfertigt, von welchen allen man, im angeblichen Gegensaze von Barton's Stämpel, behauptet, daß sie den Cylinder nicht krazen, nicht schinden. Wir wollen einige dieser Abänderungen hier beschreiben, nicht als ob sie den mindesten inneren Werth besäßen, sondern weil sie von Männern ausgingen, die Einfluß und Talent besizen, und deren Fehler nicht unbemerkt bleiben dürfen. Wir müssen dieser Beschreibung die Bemerkung vorausschiken, daß Barton's Patent-Recht in der Anwendung von Keilen besteht, die die Segmente, aus welchen die Peripherie des Stämpels besteht, nach Auswärts treiben. Diese Keile sollen nun, da sie sich durch einen größeren Raum bewegen, als die Segmente, den Cylinder zerkrazen. Wie nun die Leute diesen angeblichen Nachtheil beseitigen, wird der Leser alsogleich einsehen.

Wir wollen zuerst einer Abänderung der HHrn. Hall und Sohn erwähnen, welche eine ausgedehnte Fabrik zu Dartford besizen. Die hier beigefügte Figur 19 zeigt nur einen Theil ihres Stämpels, da das Uebrige nur eine Fortsezung dieser Vorrichtung ist.

a, a, sind metallene Segmente, deren, zur Vollendung des Kreises, vier vorhanden sind. b, ist ein Cylinder (dergleichen gleichfalls vier vorkommen). Dieser Cylinder ist zwischen den Segmenten. Er wird von einer Spiralfeder getrieben, die die Segmente, durch ihn, aus einander treibt, so wie sie sich allmählich in dem Cylinder abnüzen. Wo diese Segmente von einander weichen, entstehen Oeffnungen oder Klüfte, durch welche der Dampf entweichen würde, wenn nicht ähnliche Segmente darüber angebracht wären, die, mit ihrem mittleren Theile, diese Oeffnungen bedeken. Diese Verbesserung ist, sagt man, keine Beeinträchtigung des Patentes des Hrn. Barton, weil Cylinder keine Keile sind. Nun scheint es uns, daß eine geometrische Definition eines Keiles mit dieser Sache nichts zu thun hat, und daß Alles, was man in der Absicht anwendet, daß |250| es wie ein Keil wirkt, wenn es wirklich wie ein Keil wirkt, in der praktischen Mechanik sowohl, als vor dem gesunden Menschenverstande, ein Keil ist. Der Lord Oberrichter (Chief-justice) Tenterden entschied indessen für das Gegentheil, und wollte nicht zugeben, daß die Jury diesen Umstand berüksichtige, sondern Hrn. Barton abwiese, der eine Klage gegen Hrn. Hall wegen Eingriffes in Patent-Rechte einreichte.

Der Nachtheil, der durch Anwendung von Keilen mit gekrümmten, statt mit geraden, Seiten entsteht, ist, bei einem Blike auf die Figur, zu offenbar, als daß er einer weiteren Erörterung bedürfte: wir wollen daher nur bei dem Krazen des Cylinders stehen bleiben. Zugegeben, daß dieses Krazen Statt hat, wenn gewisse Theile des Umfanges des Stämpels sich mehr reiben als andere, so wird folgen, daß dieser Stämpel der HHrn. Hall Furchen in den Cylinder ziehen, und nicht bloß krazen muß; denn dort, wo die oben erwähnten Oeffnungen oder Klüfte an dem Stämpel vorkommen, ist er nur halb so dik, als an den übrigen Stellen; folglich wird die verminderte Reibung an diesen Stellen den Cylinder um die Hälfte weniger abreiben, als an den übrigen, und hervorstehende Rippen bilden.

Wir wollen nun einen Stämpel beschreiben, welchen die HHrn. Maudslay und Field verfertigen, und der unter dem Namen sich ausdehnender Ring-Stämpel (expanding ring piston) bekannt ist, indem wir bei dieser Gelegenheit zwei Mißgriffe, welche Hr. Tredgold in seinem vortrefflichen Werke über die Dampfmaschine (treatise on the Steam Engine) gemacht hat, berichtigen müssen, wobei wir bedauern müssen, daß ein so ausgezeichneter Schriftsteller, wie Er, uns Gelegenheit zu Gegenbemerkungen geben konnte.

Hr. Tredgold sagt a. a. O. Art. 470 in Bezug auf Hrn. Barton's Erfindung: „Ein Stämpel dieser Art und ein gut gebohrter Cylinder arbeitete, wie man sah, einige Jahre lang ohne irgend einer anderen Aufmerksamkeit zu bedürfen, als daß er gehörig geschmiert wurde; es läßt sich aber leicht beweisen, daß die Keile und die Segmente sich nicht gleichförmig ausdehnen, und daß er daher bei dieser Einrichtung für Dampfmaschinen mit hohem Druke nicht anwendbar ist.“ Wir möchten hier fragen, was diese kleine Spizfindigkeit über Keile und Segmente hier sagen soll, wenn der Stämpel, der dieselben führt, ohne alle Ausbesserung Jahre lang gut fort arbeitet? Die Behauptung, daß diese Stämpel bei Dampfmaschinen mit hohem Druke unanwendbar sind, weil Keile und Segmente sich ungleichförmig ausdehnen, wird, wie es allgemein bekannt ist, durch die Erfahrung, durch Thatsachen |251| selbst widerlegt. Wir konnten zwanzig Beispiele, wo Barton's Stämpel mehrere Jahre lang mit dem besten Erfolge an Dampfmaschinen mit hohem Druke angewendet wurden, als Gegenbeweis anführen, begnügen uns aber nur Eine Thatsache hier aufzustellen, die statt eines ganzen Heeres von Beweisen gegen Hrn. Tredgold's Behauptung dienen wird.

Hr. Perkins verfertigte im J. 1823 seine Dampfmaschine mit hohem Druke, in welcher er den Dampf unter einem Druke von 800 bis 1000 Pfund auf den Quadratzoll wirken ließ.

Der Stämpel im Cylinder war der doppelte sich ausdehnende Ring-Stämpel (double expanding ring), der in der Figur 20 im Perspektive dargestellt ist108).

Er besteht aus zwei concentrischen messingenen Ringen: der äußere Durchmesser ist fünf Zoll. a, ist der innere Ring, an welchen innenwendig ein schief abgedachtes Stük Messing, b, angeschraubt ist, das sich schieben läßt, und genau mit dem äußeren Ringe, c, zusammenpaßt. Man wird, da die Verhältnisse in der Figur genau beobachtet sind, einsehen, daß diese Ringe bei einer solchen Dike nur wenig Elasticität besizen können, was wir bei einem angestellten Versuche auch wirklich so gefunden haben. Derselbe Ring, den wir hier vor uns haben, kam aus dem Cylinder einer Maschine der HHrn. Maudsley und Comp., in welchem man später die Anwendung von Barton's Cylinder für nothwendig befunden hat, obschon der Ring noch nicht abgenüzt war. Ein anderer Stämpel, genau von derselben Art, wurde von Hrn. Field für Perkins's Maschine verfertigt. Es zeigte sich bei der Anwendung desselben, daß man nicht einen Tag lang mit demselben arbeiten konnte, und daß der Cylinder so sehr zerkrazt wurde, daß man denselben frisch mußte ausschleifen lassen. Man wendete sich nun an Hrn. Barton, der einen Stämpel für diese Maschine verfertigte, welcher vollkommen gut, ohne allen Lek, unter dem oben erwähnten ungeheueren Druke eine lange Zeit über arbeitete, wie Hr. Perkins selbst damals bezeugte. Hier zeigt sich also eine gelungene Anwendung von Barton's Stämpel unter einem Druke von ungefähr 1000 Pf. auf den Quadrat-Zoll und doch fand Hr. Tredgold dessen ungeachtet diesen Stämpel bei Maschinen von hohem Druke, die doch gewöhnlich nur mit |252| einem Druke von 40 Pfund auf den Quadrat-Zoll arbeiten, unanwendbar!

Auf der folgenden Seite, S. 229, sagt Hr. Tredgold: „dadurch, daß Hr. Barton Härte mit Elasticität verbunden hat, hat er sehr viel beigetragen, die Stämpel dampfdicht und dauerhaft zu machen; sie hängen indessen vorzüglich von der Geschiklichkeit der Arbeiter ab; wenn sie gut gearbeitet sind und der Arbeiter die Sache gehörig versteht, so entsprechen sie ganz zuverlässig ihrem Zweke.“ Diese Bemerkung sagt ungefähr eben so viel, als wenn man sagen wollte: „Messer taugen nicht zum Schneiden; wenn sie aber ein geschikter Messerschmied gut geschliffen hat, so werden sie sicher gut schneiden.“ Hrn. Tredgold's Schwanken über diesen Gegenstand ist in der That merkwürdig. Er gibt zu, daß diese Stämpel „dampfdicht und dauerhaft“ sind; daß sie „ihrem Zweke zuverlässig“ „für Jahre entsprechen“ ohne daß man selbst darauf zu sehen braucht; und doch, mitten unter diesen Zugeständnissen, die ihm wahrscheinlich von Thatsachen abgenöthigt wurden, die ihm vor Augen lagen, sagt er in der nächstfolgenden Zeile: um die Folgen zu vermeiden, die die ungleichförmige Ausdehnung der Theile in Barton's Stämpel erzeugt, würde ich die in Fig. 7 vorgeschlagene Vorrichtung empfehlen, wo die keilförmigen Stüke nicht bis an den Umfang des Cylinders reichen: damit bei den Fugen der Segmente keine Oeffnung sich bildet, sollte man zwei Reihen von Keilen und Segmenten anwenden.“ Wir zeichnen diese Figur hier nicht ab, weil sie einerlei mit jener Hall's ist, nur daß hier Barton's Keile statt der lächerlichen Cylinder Hall's angebracht sind.

Wir müssen nun untersuchen, worin die Vortheile von Tredgold's Vorrichtung eigentlich bestehen. Auf keinen Fall ist hier an Einfachheit etwas gewonnen; denn Barton's Stämpel hat vier Segmente, vier Keile und Eine Feder = neun Stüke. Tredgold's Stämpel hat acht Segmente, acht Keile, acht Federn, acht Bolzen = 32 Stüke, oder beinahe vier Mal so viel Stüke, die in einander passen und sich über einander schieben müssen, die die Arbeit und die Auslage vermehren, und überdieß so viele Gelegenheit zu Ausbesserungen geben. Und ferner, um auf die ungerechte Einflüsterung, daß Barton's Stämpel den Cylinder zerkrazt, zurükzukommen, wie vermeidet Hr. Tredgold die Wirkung der ungleichen Ausdehnung, von der er oben sprach? Offenbar dadurch, daß er an jenen Stellen des Cylinders, die eine doppelte Dike haben, auch eine doppelte Reibung hervorbringt, und folglich dadurch, wo die acht Segmente sich theilen, acht Furchen in dem Cylinder hervorbringt. Statt die Fehler anzudeuten, in welche Barton's Gegner |253| sielen, empfiehlt der gelehrteste Schriftsteller über die Dampfmaschine dieselben der mechanischen Welt als seine eigene Verbesserung und Erfindung!

Wenn Barton's Stämpel wirklich den Fehler hätten, den man ihnen vorwirft, so ließe sich demselben leicht abhelfen, ohne daß man die schöne Einfachheit, die in Barton's Erfindung liegt, zu opfern braucht. Ein Mittel ist, die Keile so stumpf als möglich zu machen, wodurch die Bewegung derselben gleichförmiger mit jener der Segmente wird: dieß wäre indessen nur eine halbe Abhülfe; es gibt noch eine vollkommnere, und diese besteht darin, daß man die Keile, wenn sie rechtwinkelig sind, aus einem solchen Metalle oder aus einer solchen Metall-Composition verfertigt, daß sie sich zwei Mal so schnell abreiben, als die Segmente. Diese beiden Mittel können entweder jedes einzeln, oder beide mit einander in Verbindung angebracht werden. Hr. Barton kennt übrigens diese Mittel schon seit langer Zeit, hat es aber für überflüssig gefunden, zu denselben seine Zuflucht zu nehmen.

Im J. 1821 ließ sich Hr. E. B. Symes, in Lincoln's Inn, ein Patent auf einen hydrostatischen sich ausdehnenden Stämpel mit mehreren Abänderungen ertheilen. Die Stämpel für Dampfmaschinen allein wollen wir hier in Betrachtung ziehen: es bedarf hierzu keiner Figuren. Ein solcher Stämpel besteht aus zwei Metall-Platten, die zusammengebolzt sind, so daß zwischen beiden eine Höhlung übrig bleibt. Diese Platten treten an ihrem Umfange etwas weiter von einander, und an diesem Umfange derselben ist ein starkes Band aus Hanf befestigt, welches innenwendig mit Oehlfarbe überzogen und so fest und biegsam ist, wie die Schläuche an Feuer-Sprizen. An der oberen Platte ist eine Oeffnung mit einer abgeschraubten Metall-Kappe, durch welche die schmierende Flüssigkeit eingelassen wird, die die ganze innere Höhlung ausfüllt, wo dann die Kappe aufgeschraubt wird. Wenn die beiden Platten nun näher aneinander geschraubt werden, so tritt das Band in seiner Mitte hervor, drükt gegen die Höhlung des Cylinders, und schmiert denselben mit dem durchsikernden Oehle. Der Druk des Dampfes macht gleichfalls, daß die Platten zusammenfallen, und eine ähnliche Wirkung hervorbringen.

Eine andere Abänderung besteht in einem Stämpel aus Gußeisen mit hohler Stämpel-Stange, durch welche die Flüssigkeit aus einem Behälter am oberen Ende eintritt, und in eine breite Furche gelangt, die oben rings um den Stämpel herumläuft, der, wie der vorige, in Canevaß eingehüllt ist, und durch welchen die Flüssigkeit ausschwizt, um den Cylinder immer schlüpfrig zu erhalten. |254| Wir haben diese Vorrichtung noch nirgendwo an Dampfmaschinen in Anwendung gesehen, und zweifeln sehr, daß sie, ohne irgend eine andere Fassung, im Stande ist, auch nur die Wirkung einer Dampfmaschine mit niedrigem Druke auszuhalten.

Im J. 1822 schloß Hr. Perkins in seinem Patente auch einen neuen sich ausdehnenden Stämpel ein, den er an seiner eigenen Maschine anbrachte. So viel wir wissen, entsprach er seiner Erwartung nicht. (Er ist im Register of Arts Vol. III. p. 170. I. Series beschrieben109).

Im J. 1823 ließ Hr. Jessop, in Butterby Hall, bei Derby, sich auch ein Patent auf einen sich ausdehnenden metallenen Stämpel ertheilen, der allerdings schöne Hoffnungen gewährt, wenn gewisse Verbesserungen an demselben angebracht werden. (Vergl. Register of Arts. Vol. III. p. 184.)

Da uns keine anderen metallenen Stämpel von einigem Werthe bekannt sind, so schließen wir hiermit.

|247|

Auch im Polyt. Journal schon B. VII. S. 311, u. Bd. XIII. S. 317.

|251|

Man hat uns gesagt, daß ein Hr. Donkin zu Penzance in Cornwall einen Stämpel, der genau derselbe ist mit dem obigen, schon im Jahr 1813 erfunden hat; daß diese Erfindung vor mehreren Jahren an dem Bergwerke Wheal Vor Mine wiederholt, aber ohne Erfolg, versucht wurde. Im J. 1818 führte Hr. Field dieselbe Erfindung ein, und hat sie zeither an mehreren unter seiner Firma, Maudsley und Comp., verfertigten Dampfmaschinen angewendet. Einer dieser Stämpel liegt jezt vor uns, und von diesem machten wir obige Skizze.

A. d. O.

|254|

Polyt. Journal B. XII. S. 1 und 129.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: