Titel: Marestier, über das Bersten der Dampfkessel etc.
Autor: Marestier,
Fundstelle: 1829, Band 31, Nr. LXXIV. (S. 257–266)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj031/ar031074

LXXIV. Ueber das Bersten der Dampfkessel und über die Mittel zur Verhütung desselben. Von Hrn. Marestier, altem Zöglinge der polytechnischen Schule.

Aus dem Recueil industriel. December. N. 21. S. 241.

(Im Auszuge.)

Man hielt bisher die Sicherheits-Klappen für ein sicheres Mittel gegen das Bersten der Dampfkessel, und da, ungeachtet dieser Klappen, viele Kessel sprangen, so schob man die Schuld bald auf den ungeschikten Aufseher, der die Klappe überlud, bald auf den schlechten Zustand der Klappe.

Man hat daher die Sicherheits-Klappen verdoppelt, vervielfältigt; man hat sie in Gehäuse eingesperrt; man hat vorgeschlagen sie von Zeit zu Zeit zu öffnen; man hat Scheiben aus leicht schmelzbarem Metalle in die Kessel eingesezt etc.

Man glaubte, daß der Dampf nach und nach immer mehr Kraft erhält, und daß, wenn er so stark würde, daß er die Klappe öffnen und durch die Klappe entweichen könnte, keine Berstung Statt haben würde; daß, wenn sie verdorben ist, wenigstens doch die schwächeren Theile derselben nachgeben würden; daß wenigstens die höhere Temperatur des Dampfes die leichtflüssigen Scheiben schmelzen würde, und der Dampf bei der dadurch entstandenen Oeffnung entweichen könnte.

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Indessen hatten mehrere Berstungen Statt, wo die Sicherheits-Klappe in vollkommen gutem Zustande war; wo die Spannung des Dampfes, unmittelbar vor der Berstung, geringer, als bei dem gewöhnlichen Gange der Maschine war. Als der Enterprise zu Charlestown barst, war die Spannung des Dampfes nur 25 Centimeter Queksilberhöhe. Vor der Berstung des Rapid zu Rochefort hatte die Queksilbersäule nur 15 Centimeter, während sie an demselben Tage sich öfters bis auf 30 Centimeter erhoben hatte.

Es gibt also zweierlei Explosionen: die einen entstehen durch allmähliche Zunahme der Kraft des Dampfes; hier nüzen Sicherheits-Klappen; die anderen durch plözlich vermehrte Spannung; und hier nüzen weder Sicherheits-Klappen, noch leichtflüssige Scheiben.

Die ersteren zeigen sich zuweilen nur durch Zerreißung der minder festen Theile der Kessel, durch Abspringen der Niete. Sie haben selten gefährliche Folgen, selbst bei Dampfmaschinen von hohem Druke, und man spricht oft gar nicht von denselben. Der Aetna und die Pennsylvania, Dampfbothe mit hohem Druke, barsten an den Seiten, ohne daß Jemand Schaden genommen hätte; bei dem einen floß das Wasser in den Ofen und löschte das Feuer; bei der anderen stand die Maschine still, nachdem der Dampf ausgefahren war. Die Ausbesserungen haben, in diesem Falle, gewöhnlich keine Schwierigkeit. Gewöhnlich geht eine langsame Zunahme der Queksilbersäule solchen Berstungen voraus; die Kessel blähen sich hier und da an ihren Wänden auf; es dringt einiges Wasser oder Dampf durch; der Stämpel stößt, wenn die See nicht hoch geht, oder Gegenwind ist, schneller. Diese Erscheinungen lehren das Feuer bei Zeiten mäßigen.

Die anderen haben gewöhnlich keine solchen Vorboten; das Queksilber fällt sogar zuweilen und die Maschine geht langsamer (so machte der Aetna vor dem Bersten statt seiner gewöhnlichen 28 Stöße nur 18), und man muß das Feuer verstärken, um die Maschine in Bewegung zu erhalten. Wenn man ein außerordentliches Sieden im Kessel hört, so ist die Gefahr nahe; die fürchterlichste Explosion kann augenbliklich folgen, und die Oeffnung der Sicherheits-Klappe, weit entfernt das Uebel abzuwenden, kann vielmehr dasselbe noch schneller herbeiführen. Die Kessel sind schon mehrere Mal, wie der Rapid zu Rochefort, der Graham zu Grimsby, geborsten, nachdem die Maschine zu gehen aufhörte, und in dem Augenblike, wie es scheint, in welchem man die Sicherheits-Klappe öffnete. Die Zerstörung der Kessel bei Explosionen dieser Art läßt sich kaum begreifen: im |259| Kessel des Rapid hat der Dampf sich einen Ausweg von nicht weniger als 40  Meter gemacht.

Um ein Mittel gegen diese schreklichen Wirkungen zu finden, hat man die Ursachen derselben zu erforschen versucht. Die Berstung des Enterprise wurde einer gewaltigen elektrischen Entladung durch den Bliz zugeschrieben. Als der Aetna bei New-York sprang, hatte, wie Hr. Perkins meint, sich ein Gas gebildet, das zur Berstung vorzugsweise geneigt war. Andere glaubten, daß das Wasser sich in seine zwei Elemente, Wasserstoff und Sauerstoff, zersezt, obschon es heute zu Tage beinahe erwiesen ist, daß das Volumen des Wasserstoff-Gases so groß ist wie jenes des Wasserdampfes; andere nahmen zum augenbliklichen Zutritte einer großen Menge Wärme-Stoffes zu dem im Kessel befindlichen Wasser ihre Zuflucht. Diese lezte Ansicht wollen wir hier weiter entwikeln.

Die wichtigste Bemerkung, welche bisher aus der Untersuchung der Umstände, unter welchen diese unseligen Explosionen Statt hatten, sich ergibt, ist diese, daß man beinahe immer auf Anzeigen stieß, daß es dem Kessel an Wasser fehlte.

Wenn wir nun annehmen, daß das Wasser, welches nicht gehörig in dem Kessel nachgefüllt wurde, einen Theil der Wände des Kessels, die dem Feuer bloß gestellt waren, unbedekt ließ, so mußte das Queksilber, da dieser Theil keinen Dampf mehr erzeugen konnte, nothwendig fallen; man mußte das Feuer verstärken, um die Maschine in Gang zu erhalten, d.h., um aus dem noch übrigen Wasser allen Dampf zu ziehen, dessen man bedarf. Die vom Wasser unbedekte Oberfläche wird nun eine sehr hohe Temperatur erhalten haben; sie kann selbst roth glühend geworden seyn; sie wird einen Theil ihres Wärmestoffes dem Dampfe mittheilen und vielleicht denjenigen Dampf sogar zersezen, mit welchem sie in unmittelbarer Berührung steht, den Sauerstoff desselben verschlingen, wie dieß bei der Entwikelung des Wasserstoffes mittelst eines Flintenlaufes der Fall ist. Wenn dieß geschieht, so wird man Spuren von Oxydation auf dem Metalle finden, dergleichen man auch nach mehreren Explosionen wirklich an demselben gefunden hat.

Die Temperatur des Metalles ist, so lang dasselbe vom Wasser bedekt ist, nicht viel höher, als die des Wassers, außer wenn das Metall sehr dik ist. Es theilt seinen Wärmestoff also gleich, wie es denselben empfängt, dem Wasser mit, und wenn das Wasser bereits heiß ist, so entwikeln sich Dampfblasen, die demselben den Ueberschuß an Wärmestoff entziehen, so daß, wenn kein neuer Wärmestoff aus dem Feuer nachkäme, das Metall augenbliklich auf die Temperatur des Wassers zurükgeführt werden würde.

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Wenn aber das Wasser die Wände des Kessels, die Züge der Flamme nicht bedekt, so häuft der Wärmestoff sich in jenen Theilen des Metalles an, die nur mit dem Dampfe in Berührung stehen; und wenn, aus was immer für einer Ursache, z.B., durch das Schwanken des Bothes, das Wasser plözlich auf die roth glühenden Theile des Metalles kommt, nimmt es allen Wärmestoff von denselben auf, und bildet augenbliklich eine gewisse Menge Dampfes.

Um die Menge Dampfes, die auf diese Weise augenbliklich gebildet wird, zu bestimmen, ließ ich, in dem gewöhnlichen Feuer eines Kamines eines Zimmers, ein Stük Eisenblech, das 8 Gramm wog, roth glühend werden, und warf es in ein Glas, das 186 2/3 Gramm Wasser enthielt. Die Temperatur des Wassers, die ehevor 13° am hundertgradigen Thermometer betrug, ward jezt 19°, nahm also um 6° zu. Ein Stük Eisen von 8 Kilogramm würde demnach die Temperatur von 1120 Kilogramm Wasser um Einen Grad, oder ein Stük Eisen von 4 Kilogramm die Temperatur von 560 Kilogramm Wasser um Einen Grad erhöht haben.

Nun weiß man aber, daß die Menge Wassergases, welche 560 Kilogramm Wasser um Einen Grad wärmer zu machen vermag, gerade diejenige Menge ist, die, wenn die Temperatur des Wassers bereits auf 100° steht, Ein Kilogramm Wasser in Dampf verwandeln kann. 4 Kilogramm roth glühendes Eisen werden also Ein Kilogramm Wasser in Dampf verwandeln, und, da Ein Kilogramm Wasser 1700 Liter Dampf von 100° gibt, so wird Ein Kilogramm roth glühendes Eisen 425 Liter Dampf erzeugen können. Diese Rechnung ist übrigens nur eine Annäherung; man müßte, um dieselbe mit Genauigkeit zu führen, die Temperatur des Dampfes und noch andere Umstände mit in Anschlag bringen.

Das Blech der Kessel hat an den Stellen, die dem Feuer ausgesezt sind, selten über 7 Millimeter Dike. Jedes  Meter Kessel-Oberfläche wird also, da ein solches  Meter an 50 Kilogramm wiegt, Wärmestoff zur Bildung von 21,250 Liter Dampf darbieten können. Um jedoch allen Schein von Uebertreibung zu vermeiden, wollen wir den auf diese Weise erzeugten Dampf nur zu 20,000 Liter oder 20 Kubik-Meter annehmen.

Der Raum eines Dampfkessels für eine Maschine von der Kraft von 100 Pferden faßt selten mehr als 20 Kubik-Meter. Es darf also nur Ein  Meter der Kesselwand roth glühend, und dann mit Wasser bedekt werden, um auf der Stelle so viel Dampf zu bilden, als bereits in dem Kessel enthalten ist, und so die Kraft desselben um das Doppelte zu vermehren.

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Zwei glühende  Meter würden diese Kraft verdreifachen; drei würden sie vervierfachen u.s.f.

Die Kessel für eine Dampfmaschine von der Kraft von 100 Pferden sezen der Einwirkung des Feuers eine Oberfläche von beiläufig 100  Meter, und oft noch mehr aus. Es läßt sich nun leicht begreifen, wie mehrere Meter hier roth glühend, und dadurch in einer Explosion gänzlich zerstört werden können, wenn man das Wasser nicht auf der gehörigen Höhe hält.

Ich habe gesagt, daß die Schwankungen des Schiffes das Wasser auf diese rothglühenden Stüke hinbringen können. Allein, dadurch erklären sich noch nicht die Berstungen, die an Maschinen auf dem Lande eben so gut Statt haben. Wir wollen nun sezen, daß die Temperatur des Wassers in einem Kessel 105° betrage. Die Kraft des Dampfes über dem Druke der Atmosphäre wird durch eine Queksilbersäule von ungefähr 14 Centimeter Höhe bemessen werden. Wenn man, unter diesen Umständen, den Dampf frei aus der Sicherheits-Klappe, oder durch irgend eine andere Oeffnung austreten läßt, so wird er streben sich auf den Druk der Atmosphäre herabzustellen, und die Temperatur wird auf 100° herabsinken.

Wir wollen nun, um von einem bestimmten Falle zu sprechen, sezen, daß der Kessel 28,000 Kilogramm Wasser fasse, wie es bei mehreren Kesseln für Maschinen von der Kraft von 100 Pferden der Fall ist. Diese 28,000 Kilogramm werden also, während sie von der Temperatur von 105° auf die von 100° übergehen, jedes 5° verlieren, und folglich, alle zusammen, eben so viel Wärmestoff verlieren, als nöthig wäre um 140,000 Kilogramm um Einen Grad wärmer zu machen. Nun braucht man aber, wie oben bemerkt wurde, nur so viel Wärmestoff, als nöthig ist um 560 Kilogramm Wasser um Einen Grad wärmer zu machen, wenn Ein Kilogramm Wasser in Dampf verwandelt werden soll. Eine Menge Wärmestoffes, die die Temperatur von 140,000 Kilogramm Wasser um Einen Grad erhöht, wird also 250 Kilogramm Wasser in Dampf zu verwandeln vermögen (denn 250 × 560 = 140,000); und da Ein Kilogramm Wasser 1700 Liter Dampf gibt, so läßt sich schließen, daß das Wasser in einem solchen Kessel nicht ehe auf 100° in seiner Temperatur zurüktritt, als bis es 425,000 Liter oder 425 Kubik-Meter von dem Druke der Atmosphäre erzeugt hat.

Hieraus erhellt, warum der Dampf so viele Zeit braucht, bis er sich aus der geöffneten Sicherheits-Klappe heraushebt. Sobald aber hier der Dampf heraussteigt, und der Druk desselben auf die Oberfläche des Wassers sich vermindert, steigen die Dampfblasen nicht mehr von den Wänden des Kessels, die dem Feuer ausgesezt sind, |262| allein empor; der, in der ganzen Masse verbreitete, Wärmestoff strebt jezt in Dampferzeugung empor, und erzeugt zuerst Dampf von 104 Graden, dann von 103 u.s.f., indem der Druk vorher diese Dampf-Erzeugung verhinderte. Ueberall bilden sich jezt Blasen, wodurch das Volumen des Wassers vermehrt und die Oberfläche desselben gehoben wird. Das Wasser befindet sich jezt in dem Zustande einer Flüssigkeit, die Gas aufgelöst enthält, wie z.B. Bier oder schäumender Wein; so wie man den Pfropfen aus dem Gefäße auszieht, in welchem diese lezteren Flüssigkeiten enthalten sind, zeigt sich eine ungeheuere Menge Blasen auf der Oberfläche der Flüssigkeit, und diese vermehren das Volumen derselben oft so sehr, daß ein großer Theil dieser Flüssigkeit aus dem Gefäße herausfährt. Hierzu tritt noch ein anderer Umstand, dessen Wirkung man an Kesseln mit ebenen Flächen deutlich sieht110). Diese Flächen, die nun von dem innerhalb derselben eingeschlossenen Dampfe weniger gedrükt werden, stellen sich, in Folge ihrer Elasticität, wieder in ihre ursprüngliche Lage zurük, und vermindern so den Hohlraum des Kessels, während sie zugleich das Wasser mehr in die Höhe treiben. Man bemerkt deutlich an den Kesseln, nachdem sie einige Zeit über gebraucht wurden, daß ihre ursprünglich ebenen Flächen sich nach außen wölben. Wenn hingegen der Druk der Atmosphäre größer ist, als der Druk des Dampfes, so werden diese Flächen nicht bloß eben und gerade, sondern sie werden sogar außen plözlich concav. Diese Veränderung geschieht immer mit mehr oder weniger Geräusch, indem alle Theile des Kessels in Schwingungen gerathen, und die Oberfläche des Wassers steigt dadurch bedeutend in die Höhe. Zuweilen bemerkt man jedoch dieses Aufsteigen des Wassers nicht, indem, wenn man die Hähne öffnet, die den Stand des Wassers zeigen sollen, Luft in den Kessel hinein fährt und weder Wasser noch Dampf heraus kommt. Man kann dann höchstens aus dem Geräusche, das die Luft hervorbringt, wenn sie durch das Wasser aufsteigt, schließen, daß das Wasser im Kessel über den Hähnen steht.

Aus obigen Bemerkungen scheint, wenn sie gegründet sind, deutlich zu erhellen, daß, in dem Augenblike, wo man die Sicherheits-Klappe öffnet, ein starkes Aufbrausen in den Kesseln entstehen muß; daß sowohl dadurch, als durch das Hineintreten der Wände, das |263| Wasser im Kessel höher steigen muß, und daß, wenn irgend eine dem Feuer ausgesezte Stelle wegen nicht gehöriger Nachfüllung des Wassers von diesem unbedekt bleibt, und folglich mehr erhizt wurde, das Wasser, während seines Emporsteigens, in ein außerordentliches Wallen versezt und dadurch augenbliklich eine Menge Dampfes entwikelt wird, die die schreklichste Explosion erzeugen kann. Um die Dampfkessel auf Dampfbothen leichter zu machen, gibt man denselben weniger Wasser, als den Dampfkesseln auf dem Lande; die Flammenzüge sind näher an einander gedrängt und zahlreicher; das Wasser wird also früher erschöpft, und der Dampf entwikelt sich schwerer. Dieß ist mit eine Ursache, warum Explosionen auf Dampfbothen häufiger sind, als bei Dampf-Maschinen auf dem festen Lande. Da das Nachfüllen das Dampfboth langsamer laufen macht, so geschieht es auch nicht selten, daß man dasselbe längere Zeit über aufspart, wenn zwei Bothe in die Wette fahren.

Der erste Schluß, der sich aus Obigem ergibt, ist, daß man die größte Sorgfalt darauf zu wenden hat, daß das Wasser beständig über jenen Flächen, die der Einwirkung des Feuers ausgesezt sind, erhalten wird; der zweite, daß, wenn durch Nachlässigkeit oder auch aus was immer für einer andern Ursache, das Wasser einen niedrigeren Stand erhält, und einen Theil des Kessels oder der Flammen-Züge unbedekt läßt, die Sicherheits-Klappen und die schmelzbaren Scheiben gefährliche Vorsichts-Maßregeln werden. Es wäre unklug, dem Dampfe einen Ausgang von einer gewissen Weite zu geben; wir rathen hier mit dem Nachschüren aufzuhören, die Thüren des Ofens zu öffnen, damit der Zug vermindert wird, und, wenn möglich, selbst einen Theil des Wassers aus dem Kessel ausfließen zu lassen und kaltes dafür, jedoch mit der Vorsicht nachzufüllen, daß es nicht bis zu jener Höhe emporsteigt, auf welcher die Theile des Kessels stehen, die von dem Wasser unbedekt und roth glühend geworden sind; die Maschine im Gange fort zu erhalten, den Verbrauch des Dampfes aber mittelst des Registers zu reguliren, welches sich auf der Verbindungs-Röhre der Kessel und des Cylinders befindet, so daß die Spannung nur langsam vermindert wird, und, wenn bei gänzlich offenem Register die Spannung noch zunähme, Sand oder Asche auf die brennenden Kohlen zu werfen, oder diese selbst nach und nach aus dem Ofen zu nehmen. Man kann gewöhnlich so viel Wasser ausfließen lassen, als man will, wenn man während einer gewissen Zeit über die Hähne der Speisungs-Röhre und die Klappe derselben für den Ueberschuß des Wassers öffnet. Das kalte Wasser müßte langsam mittelst der Handpumpe nachgefüllt werden. Da |264| jede plözliche Veränderung zu fürchten ist, darf man nicht Wasser auf das Feuer in dem Ofen schütten. Es scheint uns auch nicht, daß es gut wäre, die Maschine still stehen zu lassen, außer wenn die Kraft des Dampfes nicht zu schnell vermindert wird.

Nachdem die Temperatur auf 100° zurükgeführt wurde, und das Manometer zeigt, daß der Dampf keine Kraft mehr besizt, kann die Sicherheits-Klappe ohne Nachtheil geöffnet und die Handpumpe zum Nachfüllen des Wassers verwendet werden. Da das Wasser dann nur nach und nach über die zu sehr erhizten Stellen sich erhebt, so wird wahrscheinlich der Dampf sich nicht so schnell erzeugen, daß er eine Explosion erzeugen könnte; wenn indessen diese Theile eine sehr ausgedehnte horizontale Oberfläche darbieten würden, und der Dampf in sehr großer Menge bei der Sicherheits-Klappe ausführe, müßte man die Handpumpe langsamer spielen lassen, oder mit derselben einige Zeit über gänzlich aufhören, und warten, bis die Kessel kalt geworden sind. Das Feuer dürfte erst dann wieder angeschürt werden, wenn das Wasser diese Stellen und die Flammen-Züge ganz bedekt.

Ich habe bemerkt, daß der Dampf, der in Folge der Verminderung des Wassers in den Kesseln mit den der Einwirkung des Feuers ausgesezten Stellen desselben in Berührung kommt, eine sehr erhöhte Temperatur erhält. In diesem Zustande hört der Dampf auf mit Wasser gesättigt zu seyn, und der überschüssige Wärmestoff kann eine gewisse Menge Dampfes erzeugen, wenn das Wasser, das während seines Wallens in die Höhe steigt, sich mit dem mit Wärmestoff überladenem Dampfe mengt, der den oberen Theil des Kessels einnimmt. Hr. Perkins, der sich so viel mit Untersuchung des Dampfes beschäftigt hat, betrachtet den im Ueberschusse im Dampfe enthaltenen Wärmestoff als eine der vorzüglichsten Ursachen der plözlichen Dampfbildung. Wir haben in obigen Betrachtungen nicht darauf Rüksicht genommen, indem wir die Wirkungen hiervon nicht genau kennen, und die von uns angegebenen Ursachen uns bei weitem mehr Einfluß auf dieses Phänomen zu haben scheinen. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, daß die geringe Menge Dampfes, die in dem Kessel enthalten ist (1 – 2 Hektogramm vielleicht auf die Kraft eines Pferdes), die, in der Voraussezung, zuerst entweichen muß, dem mit Wasser gesättigten Dampfe, der an die Stelle derselben tritt, viel Wärmestoff mittheilen könnte.

(Hr. Marestier theilt hier eine Uebersezung des Aufsazes des Hrn. Perkins über diesen Gegenstand im London Journal April 1827 mit, welchen Aufsaz wir im Polyt. Journal B. XXIV. S. 484 bereits in einer Uebersezung lieferten. Er fügte seiner Uebersezung |265| verschiedene Bemerkungen bei, von welchen wir hier die wichtigeren übersezen wollen.)

Die von Hrn. Perkins aufgestellten Thatsachen sind, sagt Hr. Marestier, den Physikern schon lang bekannt; sie wissen, daß, so lang Feuer auf Wasser angewendet wird, sich ein Dampf bildet, den man werdenden Dampf, mit Wasser gesättigten Dampf nennt, der eine sehr große Kraft besizt; daß aber, wenn Feuer auf diesen Dampf nach seiner Bildung angewendet wird, und dieser nicht mehr das zu seiner Sättigung nöthige Wasser aufnehmen kann, er nicht mehr eine mit seiner Temperatur im Verhältnisse stehende Spannung zu erhalten vermag. Auf Erfahrungen und auf Analogie gestüzt, behaupten sie, daß die Zunahme der Kraft des Dampfes dann nur mehr dem Geseze folgt, welchem erhizte Luft und erhizte Gasarten unterliegen, also sehr langsam steigt, während der werdende, mit Wasser gesättigte, Dampf in einem rasch steigenden Verhältnisse an Kraft zunimmt. Wir sind mit Hrn. Perkins vollkommen einverstanden, nur weichen wir in den Folge-Schlüssen von einander ab. Bei ihm ist es der Wärmestoff des überhizten Dampfes, der die augenblikliche Dampferzeugung veranlaßt, und nach unserer Ansicht rührt dieselbe größten Theiles von dem überhizten Metalle her.

Bei Gelegenheit der Röhren, von welchen Hr. Perkins am Ende seiner Abhandlung (Polytechn. Journ. XXIV. B. S. 488, Zeile 5) spricht, bemerkt Hr. Marestier: daß man schon seit längerer Zeit sich bei Maschinen von niedrigem Druke der Röhren bedient, die in das Wasser tauchen. Seit man daran dachte, durch diese Röhren musikalische Töne zu erzeugen, empfahl man den Mündungen derselben eine solche Weite zu geben, daß der Lärm, den sie machen, den allenfalls schlafenden Heizer aufzuweken vermöchte. Diese Röhren sind eine vortreffliche Maßregel, die man bei Maschinen von niedrigem Druke niemals vernachlässigen sollte.

Hr. Marestier schließt seine Abhandlung mit folgenden Bemerkungen:

Da es äußerst wahrscheinlich ist, daß die gefährlichsten Explosionen durch den niedrigen Stand des Wassers im Kessel entstehen, muß man mit der größten Aufmerksamkeit dafür sorgen, daß das Wasser immer über denjenigen Theilen des Kessels erhalten wird, die der Einwirkung des Feuers ausgesezt sind; daß es also, um über den Stand des Wassers nicht in Irrthum zu bleiben, gut ist, an den Kesseln verschiedene Vorrichtungen anzubringen, wodurch man diesen Stand des Wassers mit Sicherheit erkennen kann, z.B., Hähne, Schwimmer, Glasröhren, und, wo es immer möglich ist, Sicherheits-Röhren, die mit dem einen |266| Ende in das Wasser tauchen, und an dem anderen Ende so vorgerichtet sind, daß der durch dieses Ende ausfahrende Dampf Lärm bläst.

Nach den Ansichten des Hrn. Perkins und nach unseren eigenen sind die Sicherheits-Klappen und die Scheiben aus leichtflüssigem Metalle allerdings treffliche Mittel, um Berstungen zu verhüten, die durch eine langsam zunehmende Kraft entstehen; sie können aber die verderblichsten Explosionen herbeiführen, wenn man sie öffnet oder wenn sie von dem Dampfe aufgestoßen werden, wo es am Wasser im Kessel fehlt; man muß folglich unter diesen Umständen sich auf das Strengste hüten, die Klappen ehe zu öffnen, als bis der Dampf alle Kraft verloren hat.

So dringend übrigens auch die Umstände seyn mögen, die eine Veränderung an dem Zustande des Kessels, der zu bersten droht, erheischen, so muß doch jede plözliche Erkühlung sorgfältig vermieden werden, damit nicht ein Theil des Dampfes sich dadurch verdichtet, oder die Kraft zu schnell abnimmt. Man muß also aufhören nachzuschüren, die Wirkung des Feuers durch Oeffnung der Ofen-Thüren vermindern, die Kohlen nach und nach mit Asche bedeken oder aus dem Ofen schaffen. Man muß etwas Wasser aus dem Kessel lassen, damit, auf der einen Seite, wenn das Volumen des Wassers zunähme, dasselbe immer noch unter den rothglühend gewordenen Theilen des Kessels bliebe, auf der anderen Seite kaltes Wasser zugelassen werden könnte, wodurch die Neigung des erhizten Wassers zum Aufsteigen in die Höhe beseitigt wird.

Hr. Perkins empfiehlt die Maschine still stehen zu lassen. Nach unserer Ansicht sollte man sie gehen lassen, bis der Zeiger auf 0 weiset, damit nicht die Spannung zunimmt, sondern vielmehr leichter auf den Druk der Atmosphäre zurükgeführt werden kann. Man muß aber die Oeffnung des Registers der Dampf-Röhre nach und nach vermindern, damit der Zeiger nicht zu schnell sinkt, und dieselbe nur dann gänzlich schließen, wenn die Spannung für sich selbst sehr schnell nachließe.

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Diese Idee, die, unseres Wissens, neu ist, scheint alle mögliche Beachtung zu verdienen. Man weiß, wie schwer Luft, selbst kohlensaures Gas, durch Kochen aus dem Wasser zu schaffen ist, und es haben bei Austreibung der Luft aus dem Wasser durch das Kochen, selbst unter dem Druke der Atmosphäre, Erscheinungen Statt, die, wie es uns dünkt, noch nicht gehörig bei der Dampf-Erzeugung beachtet und gewürdigt sind. Ein Topf, der am Feuer kocht und während des Kochens überläuft, könnte uns, richtig und sorgfältig beobachtet, vielleicht mehr Nüzliches lehren, als manche gelehrte Abhandlung durch x + y = o. A. d. U.

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