Titel: d'Arcet, zweiter Unterricht über das Feinmachen des Goldes und Silbers.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 31, Nr. LXXVI. (S. 268–285)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj031/ar031076

LXXVI. Zweiter Unterricht über das Fein-Machen des Goldes und Silbers, von Hrn. d'Arcet. Auf Verlangen des Hrn. Grafen de Sussy,, Präsid. d. Münz-Commission etc.

Aus dem Recueil industriel. December. 1828. S. 308.

(Mit Abbildungen auf Tab. V.113)).

Die erste Abhandlung über das Fein-Machen, die sich im J. 1827 im Namen des Gesundheits-Rathes (Conseil de salubrité) bekannt machte, ward in der Absicht abgefaßt, diese Arbeit für die Gesundheit unschädlich zu machen, und denjenigen, die sich mit Erbauung der hierzu nöthigen Werkstätten beschäftigen, ein Muster eines solchen Baues vorzulegen. Ich habe, in dieser Hinsicht, die Beschreibung der Geräthe und Vorrichtungen geliefert, aus welchen eine zu dieser Arbeit neu erbaute Werkstätte bestehen muß, so wie |269| auch das Verfahren selbst, welches man bei dem Fein-Machen zu beobachten hat. Da ich auf diese Weise den Gegenstand so zu sagen im Allgemeinen abhandelte, überließ ich es der Sorgfalt eines jeden einzelnen Arbeiters, die allgemeinen Grundsäze so gut wie möglich auf seine Local-Verhältnisse anzuwenden, um seine Werkstätte so wie seine Nachbarschaft gesund zu erhalten.

Das Schreiben des Hrn. Grafen de Sussy bezeichnete mir jedoch eine andere Bahn114), und ich will daher, um den Absichten der Münz-Commission zu entsprechen, die Vorrichtungen beschreiben, welche ich auf Verlangen des Polizei-Präfecten im Namen des Gesundheits-Rathes getroffen habe, um selbst die ungesundeste und am schlechtesten gelegene Werkstätte, die ich noch betreten habe, unschädlich zu machen.

Diese Werkstätte, in welcher Hr. d'Arcet, der Neffe, das neue Verfahren, welches er im J. 1802 einführte, zuerst mit Erfolg angewendet hat, gehört gegenwärtig den HHrn. Gebrüdern Guichard und Legendre, affineurs du Commerce, rue Chapon, N. 14. Die Werkstätte, die sammt allem Zugehöre in einem engen Hofe eingeschlossen war, der von hohen Gebäuden umgeben ist, hat seit ihrer Errichtung keine bedeutende Verbesserung erhalten. Die saueren Dämpfe verbreiteten sich im ganzen Hause und waren für die Nachbarschaft sehr nachtheilig, die sich darüber beklagte und so unruhig wurde, daß die Behörde, die öfters in's Mittel trat, sich endlich genöthigt fand, die Verbesserungen zu befehlen, die ich hier beschreibe, und durch welche die Werkstätte vollkommen unschädlich wurde. Ich hoffe, daß, wenn man gegenwärtige Beschreibung mit meiner früheren Abhandlung über diesen Gegenstand verbindet, man alles Nöthige wissen wird, um die künftigen neuen Werkstätten zu dieser Arbeit so wenig nachtheilig für die Gesundheit zu machen, daß man sie füglich in die II. Classe der Industrie-Zweige in Hinsicht auf Gefahren für die Gesundheit stellen, und folglich in dem Mittelpunkte der Städte selbst errichten kann.

Da diese Beschreibung sich an die frühere Abhandlung anschließt, so werde ich die, in der Einleitung zu lezterer aufgestellten, Betrachtungen hier nicht wiederholen; um jedoch die Arbeiten so viel möglich zu erleichtern, werde ich, nachdem ich die Werkstätte der HHrn. Guichard und Legendre beschrieben habe, einige Vorsichtsmaßregeln |270| aufstellen, um die gehörigen Resultate zu erhalten, und der Beschreibung selbst einige Winke über die Geräthe und rohen Materialien beifügen, mit welchen der Fein-Macher sich beschäftigt.

Beschreibungen der in der Werkstätte der HHrn. Gebrüder Guichard und Legendre, Affineurs du Commerce, angebrachten Vorrichtungen, um dieselbe für die Gesundheit unschädlich zu machen.

Taf. V. Fig. 1. Allgemeiner Grundriß der Werkstätte.

Die Local-Verhältnisse der Werkstätte der HHrn. Guichard und Legendre nöthigten uns, unsere Vorrichtungen, durch welche wir dieselbe für die Gesundheit unschädlich machen wollten, anders zu reihen und zu stellen, als wir wünschten, und als wir auch in der Werkstätte der HHrn. St. André und Poisat wirklich gethan haben. In dieser Werkstätte mußte Alles gleich hoch gestellt werden, und es ward möglich, die Oefen und die Verdichter alle längs einer diken Mauer in derselben Richtung anzubringen. Folgendes Detail wird die Einrichtung und das Spiel dieser Vorrichtungen deutlich machen.

a, a, a, im Grundrisse sind acht Kessel aus Platinna auf ihren Oefen.

b, b, b, Röhren aus Platinna, die die Kappen dieser Kessel mit dem Verdichtungs-Apparate verbinden.

c, c, c, Mauerwerk, in welchem alle diese acht Kessel aus Platinna ausgesezt sind.

p, allgemeiner Schornstein der Werkstätte.

z, z, die punktirten Linien, stellen den Grundriß des horizontalen Schornsteines dar, in welchen die acht kleinen Schornsteine der Kessel sich enden, die, auf diese Weise, mit dem senkrechten Schornsteine, p, in Verbindung stehen.

v, v, Grube vorne vor den Oefen, um die Arbeit vor denselben zu erleichtern.

x, Treppe, über welche man in obige Grube, v, v, hinabsteigt.

e, e, e, großer bleierner Cylinder von beiläufig 3 Décim (11 Zoll) im Durchmesser. Diese Röhre bildet den Anfang des Verdichtungs-Apparates. Sie ist so gestellt, daß sie eine kleine Neigung von der Rechten zur Linken hat, und hat acht Tubulirungen an der Seite, um die Vorstöße, b, b, b, aufzunehmen, durch welche eine Verbindung zwischen diesem Cylinder und den Kesseln, a, a, a, hergestellt wird.

f, Grundriß eines bleiernen Trichters, durch welchen Wasser in den Cylinder, e, zur allenfalls nöthigen Reinigung desselben zugegossen werden kann.

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d, kleine Querscheidewand aus Blei, die auf den unteren Theil der großen Röhre, e, aufgelöthet ist; sie verschließt ungefähr den vierten Theil der Oeffnung dieser Röhre. Dieser Damm dient um jene Flüssigkeit aufzuhalten, die in dem geraden oder stehenden Theil der Röhre, e, verdichtet oder eingeschüttet wird.

g) bleierne Röhre von 2 – 3 Cent. (8 – 13 Lin.) im Durchmesser, welche die Flüssigkeit, die in der Röhre, e, läuft, und durch den Damm, d, aufgehalten wird, in den Behälter, h, leitet.

h, bleierner Behälter, welcher die in dem geraden Theile der Röhre, e, sich verdichtende Säure aufnimmt.

u, unteres Ende der bleiernen Röhre, e, e, e. Man sieht, wie diese Röhre mit der linken Seite des Verdichtungs-Apparates in Verbindung steht.

i, erste Blei-Kiste.

l, zweite Blei-Kiste. Beide sind ganz so, wie die Bleikammern bei der Schwefelsäure-Bereitung, eingerichtet.

k, bleierne Röhre, durch welche eine Verbindung zwischen den beiden Kisten, i und l, hergestellt wird.

m, m, Röhre, durch welche die Gasarten entweichen können, die in die Kiste, l, gelangen, und dieselben in jenen Apparat führen, den man in n sieht.

n, eine Kiste, die sich dreht, und Kalk-Hydrat enthält. Diese Kiste, von welcher wir bei Fig. 6 eine genauere Beschreibung liefern werden, dient zur Aufnahme der Gase durch die Röhren, m, und läßt durch die Röhre, o, diejenigen entweichen, die der gelöschte Kalk nicht verschlingen kann.

o, o, o, Ausleitungs-Röhre für jene Gase und Dämpfe, die nicht verschlungen und nicht verdichtet werden können. Das obere Ende dieser Röhre ist senkrecht gestellt, und tritt, wie man sieht, in den inneren Raum des allgemeinen Schornsteines, p, wo das in den acht Oefen unterhaltene Feuer einen ununterbrochenen und mächtigen Zug hervorruft.

q, Kurbel, um die Kiste, n, auf ihrer hohlen Achse zu drehen, die den gepülverten gelöschten Kalk enthält.

s und t, Behälter zur Aufnahme der in dem unteren Theile des Cylinders, e, und in den beiden bleiernen Kisten, i und l, verdichteten Dämpfe.

4, 4, 4, hölzerne Pfeiler zum Gestelle der sich drehenden Kiste, n.

Fig. 2. Allgemeiner Aufriß der Werkstätte.

Man sieht rechts in dieser Zeichnung die Ofenthürchen und die Aschenherde der acht Oefen, auf welchen die Platinna-Kessel sich befinden, und sieht auch bei, b und g, deutlich die Lage der Bleiplatte, die den |272| Damm in dem Cylinder, e, bildet, so wie die Lage der Leitungs-Röhre, die die in dem oberen Theile dieser Vorrichtung verdichtete Säure in den Behälter, h, leitet. Die Röhre, g, senkt sich in Wasser, und kann folglich den Gasen und den nicht verdichteten Dämpfen keinen Ausweg gestatten; diese müssen sich in die bleiernen Kisten, i und l, begeben, indem sie über den Damm, d, wegsteigen. Der Gang dieser Dämpfe ist hier sehr leicht zu verfolgen. Man sieht, daß sie, nachdem sie durch die beiden bleiernen Kisten, i und l, durchgezogen sind, durch die Röhre, m, aus denselben austreten, und in die Drehebüchse, n, gelangen, in welcher sie mit einer Wolke von gelöschtem Kalke in Berührung kommen, und aus welcher sie durch die Röhre, o, in den allgemeinen Schornstein, p, gelangen, in welchem sie durch den starken Zug, der durch das Feuer von acht Oefen entsteht, mächtig hinaufgezogen werden.

Der Trichter, f, der oben am Amfange der Röhre, e, steht, und den man, nach Belieben, mit einem hölzernen Pfropfen, r, schließen kann, dient zum Eingießen von heißem Wasser, um die innere Fläche des Cylinders, e, abzuwaschen, und das schwefelsaure Silber herauszuschaffen, wenn zufällig die Säure in den Kesseln sich aufblähen, bis an die Kappen derselben hinansteigen, und in den Cylinder, e, hinüber fallen sollte. In diesem Falle wird dann das vom Wasser aufgelöste, oder von demselben mitgeführte schwefelsaure Silber nach, d, gelangen, wo es aufgedämmt wird, und durch die Röhre, g, in den Behälter, h, fließt, in welchem man dieses Salz leicht sammeln kann.

s und t, sind die beiden kleinen Behälter vor den bleiernen Kisten, i und l, die zur Ausleerung der lezteren bestimmt sind, nachdem die Säure sich in denselben verdichtet hat. Da die Röhre, e, beinahe am Boden der Kiste, i, eintritt, wie man bei, u, sieht, so muß diese erste Kiste öfters geleert werden, damit die Oeffnung, u, des bleiernen Cylinders, e, immer frei bleibt. Die zweite Kiste kann immer mit der in derselben verdichteten Säure ruhig belassen werden, bis dieselbe über 3 bis 4 Centimeter emporsteigt (13–17 Lin.)

Fig. 3. Querdurchschnitt des Ofens, nach der gebrochenen Linie, C, C, D, D, des allgemeinen Planes.

Dieser Durchschnitt zeigt, daß man das Mauerwerk der acht Oefen in der Werkstätte der HHrn. Guichard und Legendre so gebaut hat, daß der obere Theil derselben in gleicher Höhe mit dem Fußboden der Werkstätte steht. Man mußte daher die Grube, v, anbringen, die der ganzen Länge der Ofen-Mauer nach hinläuft, und die man in dieser Figur im Durchschnitte, so wie in der ersten Figur im Grundrisse, sieht, um an diesen Oefen arbeiten zu können. Die in der lezteren |273| Figur durch den Buchstaben, x, angedeutete Treppe dient zum Hinabsteigen in diese Grube.

Fig. 3, die wir hier beschreiben, zeigt das ganze System des Baues der Oefen, die Lage, welche die Platinna-Kessel während der Scheidung (départ) haben müssen, die Art, wie die Verbindung zwischen den Kesseln und dem großen Bleicylinder, e, hergestellt ist, so wie auch die Lage des Trichters, f. Wir wollen diesen Artikel mit der Bemerkung schließen, daß die HHrn. Guichard und Legendre meinen, daß man die mit der Säure und mit dem Silber in gehöriger Menge gefüllten Kessel leichter würde handhaben können, sowohl vor als nach der Scheidung, wenn man die Oefen nicht über den Fußboden der Werkstätte erhöht. Wenn man Fig. 2, 3, 4 der Vorrichtung bei den HHrn. St. André und Poisat vergleicht, so wird man finden, daß diese Fein-Macher einer anderen Meinung waren, und daß sie wollten, daß die Oefen über den Boden der Werkstätte emporragen; sie wollten keine Grube in ihrer Werkstätte. Wir sind derselben Meinung, und wir rathen allen, die eine solche Werkstätte anlegen wollen, ihre Oefen über dem Boden derselben zu erhöhen, und nicht so, wie in dieser Figur, zu vertiefen. Wir haben sie indessen hier so dargestellt, wie sie sind, damit man sie mit jenen des ersten Unterrichtes vom J. 1827 vergleichen und jeder wählen kann, was ihm am besten dünkt.

Fig. 4. Grundriß eines Kessels aus Platinna sammt Zugehör.

Man sieht bei, y, die Art von Tubulirung, durch welche man, während der Arbeit, die Säure in den Kessel gießen und den Gang der Arbeit beobachten kann. Diese Oeffnung läßt sich nach Belieben mittelst eines mit Scharnier versehenen Dekels schließen, dessen Einrichtung man in Fig. 5 deutlich sieht. Man sieht hier, wie der Hals der Kappe des Kessels sich mit der Platinna-Röhre, b, verbindet, und wie diese Röhre selbst in die Tubulirung des Blei-Cylinders, e, eintritt.

Fig. 5. Aufriß eines Platinna-Kessels sammt Zugehör.

Dieselben Buchstaben bezeichnen hier dieselben Theile, wie in Fig. 4. Man sieht, wie der Trichter, f, aufgesezt ist oben am Anfange des Blei-Cylinders; man sieht den Pfropfen, r, der diesen Trichter schließt, wenn man denselben nicht mehr braucht.

Fig. 6. Längen-Durchschnitt der Drehe-Kiste, n, in Fig. 1 und 2.

Die Drehe-Kiste, n, die man hier im Durchschnitte sieht, muß so eingerichtet seyn, daß der feingepülverte Kalkstaub mittelst der Kurbel und ihres Räderwerkes nach allen Seiten hin gerüttelt werden kann, ohne daß der Durchgang der Gase durch diese Kiste dadurch gehindert würde. Dieß geschieht auf folgende Weise.

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Die beiden Boden der Kiste, n, sind mit kupfernen Büchsen, 1111, in ihrem Mittelpuncte versehen, und die hölzernen Pfosten, 44, führen an ihrem oberen Ende ähnliche Büchsen aus Gußeisen, 2222, die der Länge nach durchgebohrt sind. Diese lezteren Büchsen, die in den Pfosten eingesezt sind, passen in die kupfernen Büchsen am Boden der Kiste, und dienen folglich derselben als Achse. Man sieht also, daß, wenn die Kiste mittelst der Kurbel und ihres Räderwerkes gedreht wird, sie um die Büchsen in den Pfosten sich drehen kann, welche leztere in diesen festgemacht sind, und man begreift, daß, da diese lezteren Büchsen ihrer ganzen Länge nach durchbohrt sind, Röhren durch diese Höhlung durchgezogen werden können, die zu jeder Seite in die Kisten eindringen, wie man links bei 3, 3, 3, und rechts bei 5, 5, 5, sieht, so daß das Gas durch diese Röhren laufen kann, ohne daß man mit der umdrehenden Bewegung still halten dürfte. Die Röhren, 333, und 555, sind in der Drehe-Kiste in einen rechten Winkel aufgebogen und an ihrem oberen Ende mit einem großen kupfernen Hute bedekt, damit kein Kalkstaub in dieselben fallen, sie verlezen, und dem Gase den Ein- und Ausgang erschweren kann. Es ist überflüssig zu bemerken, daß die Drehe-Kiste mit einem Thürchen versehen seyn muß, das man an irgend einer der größeren Flächen derselben anbringen kann, und durch welches man den gelöschten Kalk hineinschüttet und nach seiner Sättigung mit der Schwefelsäure, die in den Bleikammern nicht verdichtet wurde, wieder herausnimmt. 66 ist der Durchschnitt des großen Zahnrades, welches die Zähne des Triebstokes auf der Achse der Kurbel aufnimmt. Soviel zur Erklärung der hier dargestellten Figuren; es bleibt noch das Spiel dieser Vorrichtungen und der Gang der Arbeiten bei dem Fein-Machen mit der gehörigen Rüksicht auf Unschädlichkeit für die Gesundheit zu erläutern übrig.

Nachdem der Fein-Macher die gehörige Menge Silbers und concentrirte Schwefelsäure in seine Kessel gebracht und dieselben in ihre Oefen eingesezt hat, richtet er die Platinna-Röhren vor, durch welche die Kappen der Kessel mit dem großen bleiernen Cylinder, e, in Verbindung gesezt werden, und schürt unter den Kesseln an. So wie die Auflösung des Silbers anfängt, und die Flüssigkeit eine höhere Temperatur erhält, bildet sich in den Kesseln schwefelsaures und schwefeligsaures Gas. Diese Gase werden, theils durch ihre eigene Spannung, theils durch den Zug, den der Schornstein auf alle Theile dieser Vorrichtung äußert115), in den Cylinder, e, treten, in welchem sich bereits |275| viele schwache Schwefelsäure anfangen wird zu verdichten. Der Gasstrom, der aus diesem Cylinder in die erste Blei-Kiste, i, tritt, und aus dieser in die zweite Kiste, l, wird bald erkalten und von allen Dämpfen befreit seyn, die sich durch Verdichtung aus demselben abscheiden lassen. Es tritt also in die Drehe-Kiste nur schwefelige Säure über, welcher der gelöschte Kalk, der immer gerüttelt wird, sich leicht bemächtigt, und es kommt endlich an dem oberen Ende der Röhre o nur jene geringe Menge Luft in den Schornstein, p, die in den Apparat theils durch die Fugen desselben, theils durch die Tubulirungen der Kessel während des Oeffnens derselben im Verlaufe der Arbeit eingedrungen ist. Man wird einsehen, daß, wenn das Feuer unter den Oefen gehörig geleitet und die Drehe-Kiste, n, gehörig gedreht wird, die ganze Arbeit sich leicht auf solche Weise einrichten läßt, daß keine der Gesundheit nachtheiligen Dämpfe sich außer der Werkstätte verbreiten können. Eben dieser Vortheil läßt sich aber auch für das Innere der Werkstätte erlangen, wenn man die Platinna-Kessel hinlänglich kalt werden läßt, ehe man dieselben von den Oefen abhebt, oder, wenn man sie abhebt, da sie noch saure Dämpfe ausstoßen, unter einen kleinen Schornstein bringt, den man absichtlich hierzu vorrichtete, und entweder, mittelst einer kleinen bleiernen Röhre, mit dem großen Schornstein, p, oder mit den Aschenherden der Oefen in Verbindung bringt, deren Thürchen genau geschlossen seyn müssen. Was die bleiernen Kessel betrifft, in welchen das schwefelsaure Silber zersezt wird, so scheint es uns, daß, da sie nur einen wenig bedeutenden Dampf von sich geben, es hinreicht, wenn man denselben entweder durch ein offenes Dach aus der Werkstätte entweichen läßt, oder, was noch besser wäre, durch eigene kleine Schornsteine (Schwadenfänge), die gehörig angebracht und vertheilt sind, in den großen Schornstein der Oefen leitet. Nur noch einige Bemerkungen, die wir bis an das Ende dieser Abhandlung versparen zu müssen glaubten.

Ueber die Größen-Verhältnisse verschiedener Theile dieser Vorrichtung.

Es wäre gut, wenn man dem großen bleiernen Cylinder, e, der die Dämpfe von acht Kesseln aufzunehmen hat, Geräumigkeit genug gäbe, um mit einem Male alle diese Dämpfe aufnehmen zu können, wenn sie sich auch nicht in demselben verdichten sollten. Es fehlen uns indessen bisher noch die nothwendigen Data, um die Weite mit Sicherheit zu berechnen, die man dieser Röhre geben muß. Wir kennen die Geschwindigkeit des in dem Schornsteine, p, aufsteigenden Dampfes noch nicht genau genug, eben so wenig auch das Volumen der schwefeligen Säure und des Dampfes, der sich aus jedem Kessel entwikelt; wir wissen nicht, wie viel äußere Luft durch die Gefüge und durch die |276| Tubulirungen eintritt116). Wir müssen daher uns an die praktischen Resultate halten, die sich bisher ergaben und die Fein-Macher befriedigt haben. Die Erfahrung hat erwiesen, daß der Zug im Schornsteine, p, stark genug war, um, wenn jede Röhre, b, und jede Tubulirung, y, 32 bis 33 Millimeter (14-15 Lin.) im Durchmesser hat, diese Tubulirungen offen lassen zu können, ohne besorgen zu dürfen, daß, während der Arbeit, die in Dämpfe verwandelte Säure der Kessel durch die Tubulirungen austritt, und sich in der Werkstätte verbreitet. Man muß also dem bleiernen Cylinder einen solchen Durchmesser geben, daß seine Oeffnung, über dem Damme, e, genommen, wo die größte Verengerung desselben Statt hat, wenigstens der Summe der Durchschnitte der acht Platinna-Tubulirungen, b, b, b, gleich ist. Die Verengerung des Cylinders, e, und andere Gründe, deren Entwikelung hier zu weitläuftig seyn würde, haben uns bestimmt, dem geraden Theile dieses Cylinders jenen Durchmesser zu geben, dessen er dort, wo der Damm, d, angebracht ist, bedarf; wir empfehlen jedem diese Maßregel zu ergreifen. Was die Oeffnung der Röhren, k, m, o, betrifft, so reicht eine Oeffnung, die Ein und ein halbes Mal der Summe der Durchschnitte der acht Röhren, b, b, b, gleich ist, hin. 117 Millimeter (4 Zoll, 4 Lin.) Durchmesser werden in dieser Hinsicht ungefähr zureichen.

Nun nur noch von den Höhen und Weiten der Oefen, der Schornsteine und des Haupt-Schornsteines, p. Die Erfahrung hat gezeigt, daß, bei dem Feinmachen, der Rost eines jeden Ofens eine eben so große Oberfläche haben muß, als der Boden eines jeden darüber aufgesezten Platinna-Kessels beträgt; die Erfahrung hat aber auch gezeigt, daß, wenn die Kohks darunter gehörig brennen sollen, man einen Schornstein haben müsse, der, im Verhältnisse zum Roste, eine weitere Oeffnung, als gewöhnlich, haben muß. Wir rathen daher jedem einzelnen Schornsteine die Hälfte des horizontalen Durchschnittes seines Herdes zu geben. Der allgemeine Fang, z, wird eine Weite haben müssen, die der Summe der Durchschnitte der acht kleinen Schornsteine gleich ist. Was den großen Schornstein, p, betrifft, so wird man ihm 10 bis 12 Mal die Weite eines kleinen Schornsteines geben müssen; ja man wird ihn selbst noch weiter machen müssen, wenn man voraussieht, daß andere Ofen-Röhren und die Züge von Schwadenfängen, von welchen wir oben gesprochen haben, mit diesem Schornsteine in Verbindung gebracht werden müssen. In diesem Falle müßte man dem Durchschnitte des allgemeinen Schornsteines noch so viel zusezen, als der Durchschnitt eines jeden Schornsteines beträgt, den man damit vereinigen will. Wir |277| schließen diesen Abschnitt mit dem Rathe, die Weite der Schornsteine an keiner Stelle derselben zu verengen, den allgemeinen oder Haupt-Schornstein oben mit einer einfachen Kappe aus Blech zu bedeken, und an jedem kleinen Schornsteine, so wie auch an dem Haupt-Schornsteine, p, einen sogenannten Schlüssel oder eine Klappe anzubringen, damit man das Feuer unter jedem Kessel reguliren, und nach Belieben die Hize unter den Oefen und in dem unteren Theile des Schornsteines unterhalten kann.

Ueber die Zusammensezung der Legirungen, welche die Feinmacher anwenden.

Die zum Feinmachen mittelst Schwefelsäure geeignetste Legirung ist diejenige, welche nur Silber, Gold und Kupfer und bei einem Korn von 900 oder 950 Tausendtheilen, ungefähr 200 Tausendtheile Gold enthält. Diese Legirung muß im Allgemeinen folgendermaßen zusammengesezt seyn:

Silber 725
Gold 200
Kupfer 75
–––––
1000

Die Legirungen, welche mehr Kupfer enthalten, geben bekanntlich Auflösungen, worin sich wasserfreies schwefelsaures Kupfer suspendirt erhält, weßwegen man das Gold nicht leicht daraus absondern kann, und die Legirungen, welche zu viel Gold enthalten, werden von kochender Schwefelsäure nicht mehr angegriffen: der Feinmacher muß also die Legirungen, woraus er das Gold und Silber fein ausscheiden soll, auf die oben angegebene Zusammensezung zu bringen suchen117). Er kann diesen Zwek entweder dadurch erreichen, daß er die Legirungen von geringem Gehalt mit Salpeter behandelt, oder dadurch, daß er sie mit reichhaltigeren Legirungen oder sogar mit feinem Silber versezt, oder endlich dadurch, daß er diese Legirungen von geringem Gehalt auf der Kapelle abtreibt. Die Gold- und Silberartikel, welche Blei oder sogar außer dem Kupfer noch leicht oxydirbare Metalle enthalten, darf der Feinmacher nie mit Schwefelsäure behandeln, sondern er muß zuvor diese Metalle vermittelst Salpeter daraus abscheiden, wenn sie nur in geringer Menge darin vorhanden sind, im entgegengesezten Falle aber sie zuvor auf der Kapelle abtreiben. Wir wollen diesen Abschnitt mit der Bemerkung schließen, daß der Feinmacher aus einer guten Zusammensezung der der Scheidung unterworfenen Legirung großen Gewinn |278| ziehen kann, und daß der Erfolg dabei ganz von der Vereinigung chemischer und commercieller Kenntnisse und von ihrer guten Anwendung abhängt.

Ueber die Schwefelsäure, welche man zum Feinmachen der Gold- und Silberbarren anwendet.

Die Feinmacher wenden concentrirte Schwefelsäure an, welche ein Handelsartikel ist und gewöhnlich 66° Beaumé (1844 specifisches Gewicht) zeigt; man könnte jedoch diese Säure auch so anwenden, wie sie aus den Bleikammern kommt, wo sie nur 45 bis 50 Grad hat; in lezterem Falle würde man aber nur einen Theil der Concentrationskosten gewinnen und dagegen die Operationen des Feinmachens verzögern, wobei man noch befürchten müßte, daß sich schwefelsaures Blei in den Platinna-Kesseln niederschlägt, was sie in gewissen Fällen durchlöchern könnte. Die schwache Säure aus den Bleikammern enthält übrigens fast immer Salpetersäure und Salzsäure, deren Gegenwart den Platinna-Geräthen nur nachtheilig seyn kann; wir rathen daher den Feinmachern, für ihre Arbeiten nur concentrirte Schwefelsäure anzuwenden, welche genau 66° zeigt. Wir haben von der schwachen Schwefelsäure nur deßwegen gesprochen, weil wir wissen, daß diese Säure im Großen von einem Feinmacher angewandt worden ist und um zugleich ein Auskunftsmittel für den Fall anzugeben, wo man sich die erforderliche concentrirte Säure nicht leicht verschaffen könnte.

Wenn man die sauren Auflösungen, welche schwefelsaures Kupfer (Kupfervitriol) enthalten und die man bei den Arbeiten des Feinmachens erhält, abdampft, so erhält man nach den lezten Krystallisationen eine außerordentlich schwarze Schwefelsäure, worin nur sehr wenige Substanzen aufgelöst sind. Concentrirt man diese Säure in Bleikesseln bis auf 60° und bringt sie sodann bis auf 66°, indem man sie entweder in einem Platinna-Kessel, oder in gläsernen Retorten einkocht, so erhält man eine Schwefelsäure, die fast eben so rein ist, wie die käufliche und sehr gut an Statt der lezteren bei den Arbeiten des Feinmachens angewandt werden kann. Wir wollen hier nur noch bemerken, daß man die Concentration dieser Säure, wobei sich schädliche Dämpfe entwikeln können, nicht in der Nähe von Wohnungen vornehmen darf, vorausgesezt, daß man sie nicht in solchen Apparaten verrichtet, welche die Dämpfe und die schwefliche Säure in den großen Cylinder e leiten und sich nicht des Verdichtungs-Apparates bedient, welchen wir im Anfange dieser Abhandlung beschrieben haben.

Um 100 Theile Kupfer zu oxydiren und aufzulösen, braucht man bekanntlich ungefähr 311 Theile Schwefelsäure von 66°, wogegen nur 91 Theile dieser Säure erforderlich sind, um 100 Theile feines Silber zu oxydiren und aufzulösen; die Erfahrung hat jedoch gezeigt, daß man |279| eine größere Menge Schwefelsäure anwenden muß, wenn man klare Auflösungen erhalten will und solche die nicht zu schnell krystallisiren. Da aber die Platinna-Geräthe, über welche man zu verfügen hat, gewöhnlich eine geringe Capacität haben, und dessen ungeachtet zum Feinmachen der größtmöglichen Menge von Substanzen gebraucht werden müssen, so sieht man sich genöthigt, nur die genau erforderliche Säuremenge anzuwenden und den Mangel einer größeren Quantität durch eine besonders sorgfältige Manipulation beim Abgießen der Flüssigkeiten zu ersezen, für deren ganz langsame Abkühlung man Sorge tragen muß. Alle diese Erfordernisse haben auf das von den Feinmachern angenommene Verhältniß geführt, welches darin besteht, drei Theile concentrirte Schwefelsäure auf Einen der Legirung anzuwenden, welche die von uns angegebene Zusammensezung hat, und sodann die Säuremenge nach den Abweichungen im Goldgehalte und besonders nach dem größeren oder geringeren Kupfergehalte der feinzumachenden Legirung zu vermehren oder zu vermindern.

Ueber das Kupfer, welches der Feinmacher anwendet, um das schwefelsaure Silber zu zersezen und daraus das Silber in metallischem Zustande niederzuschlagen.

Die Feinmacher kaufen zu diesem Zweke die Barren von geringem Korn, die Kupferbarren, welche einige Tausendtheile Silber enthalten, die Abschnizel von dem mit Silber platirten Kupfer, und das versilberte Rothkupfer, welches man im Handel oft zu niedrigem Preise haben kann; sie gießen die Barren in dünne Platten und bedienen sich dieser Platten an Statt des reinen Kupfers, um das schwefelsaure Silber zu zersezen; sie ersparen so die Feinmachungskosten des in diesen Substanzen enthaltenen Silbers und haben dann oft sogar alles Kupfer oder alles dieses Silber durch ein solches Verfahren umsonst. Die einzige Vorsichtsmaßregel, welche sie befolgen müssen, ist, keine Legirungen anzuwenden, welche Blei oder Zinn enthalten118).

Es scheint, daß man im Großen 28 Kupfer anwenden muß, um 100 Silber niederzuschlagen, und daß die Flüssigkeiten, welche |280| man durch diese Operation erhält, gewöhnlich 100 bis 104 krystallisirtes schwefelsaures Kupfer geben.

Ueber die Wahl des Wassers, welches man in einer Feinmachungs-Anstalt anwenden muß.

Das Wasser, welches der Feinmacher bei seinen Arbeiten anwendet, muß so rein als möglich seyn, und besonders keine salzsauren Alkalien enthalten; denn sonst würde ein Theil des Silbers in unauflösliches Chlorsilber umgeändert werden, welches das Auswaschen des Goldes sehr schwierig machen und großen Verlust verursachen könnte119). Der Feinmacher muß also Regenwasser anwenden, oder wenigstens das reinste Wasser, welches er sich an dem Orte seines Etablissements verschaffen kann; in dem Falle, wo ihm nur Brunnen-Wasser, welches salzsaure Salze enthält, zu Diensten steht, wird er sogar untersuchen müssen, ob es seinem Interesse nicht angemessener ist, dieses Wasser mittelst schwefelsauren Silbers zu reinigen, bevor er sich desselben zum Auflösen des schwefelsauren Kupfers und Silbers, und zum Auswaschen des pulverförmigen Goldes bedient, welches man bei der Scheidung erhält.

Ueber das Kalkhydrat, welches man anwendet, um die schwefliche Säure zu absorbiren.

Um das Kalkhydrat zu bereiten, muß man gebrannten Kalk sorgfältig löschen und durch ein feines Sieb sieben.

Man muß den fetten Kalk anwenden, welcher beim Löschen sein Volumen sehr vermehrt, und man muß dafür sorgen, daß er nach dem Löschen alles Wasser enthält, was er zurükhalten kann, und dabei doch leicht durch das Sieb geht. Man erreicht diesen Zwek leicht, wenn man den Kalk folgender Maßen löscht: man bringt ihn in einen weit geflochtenen Korb, welchen man in Wasser taucht und darin so lange läßt, bis man sieht, daß sich Luftblasen aus den Kalkstüken entwikeln; man nimmt den Korb dann aus dem Wasser, vereinigt den Kalk zu einem Haufen auf einem mit Rinnen versehenen Boden, besprizt ihn während seines Löschens mit ein wenig Wasser, bedekt ihn sodann mit Tüchern, und läßt ihn einige Stunden in diesem Zustande; er ist sodann in ein sehr feines zum Durchsieben geeignetes Pulver verwandelt, welches vortheilhaft zum Absorbiren der sauren Gasarten und Dämpfe verwandt werden kann. Man muß das Kalkhydrat nur in dem Maße bereiten, als man desselben bedarf; im Gegentheil müßte man es sorgfältig in gute Tonnen verschließen.

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Ueber das Brennmaterial, welches der Feinmacher anwendet.

Zum Erhizen der Platinna-Kessel eignet sich kein Brennmaterial besser als Kohks oder gereinigte Steinkohlen. Man muß nur solche Kohks wählen, welche aus Steinkohlen bereitet wurden, die keine schwefliche Säure geben, und möglichst wenig Asche oder erdigen Rükstand nach der Verbrennung hinterlassen. Die Kohks können auch vortheilhafter als Holzkohlen bei den Schmelzöfen angewandt werden. Die Abdampfkessel müssen mit demjenigen Brennmateriale erhizt werden, welches, alles zusammengerechnet, im Lande am wohlfeilsten zu stehen kommt. Wir wollen diesen Artikel mit der Bemerkung schließen, daß die Kohks, welche man aus den Gasbeleuchtungs-Anstalten erhält, als das vorzüglichste Product der Steinkohle, sich vollkommen zu den Arbeiten des Feinmachers eignen würden, wenn die Erfahrung nicht gezeigt hätte, daß diese Kohks schwieriger brennen, als die nach dem alten Verfahren bereiteten; um sie vortheilhaft anzuwenden, muß man nach Belieben einen sehr raschen Luftstrom im Roste des Ofens herstellen können. Wir haben weiter oben gesagt, wie man diesen Zwek leicht erreichen kann.

Ueber die Platinna-Kessel und ihre Erhaltung.

Der in Fig. 4 und 5 vorgestellte Platinna-Kessel ist einer von denjenigen, wie sie Hr. Bréant den Feinmachern geliefert hat; ihre Form und Größe hat man sehr zwekmäßig gefunden. Dieser Kessel faßt 42 Liter; er wiegt 8 1/2 Kilogramm und kostet ungefähr 8500 Franken; er ist, wie man in der Zeichnung sieht, mit einem eisernen Beschlage versehen, um ihn leicht transportiren zu können und gegen die Stöße zu sichern, welchen diese Kessel beständig ausgesezt sind. Bekanntlich wird die Platinna zu Paris besser als irgendwo zubereitet, und man muß also die erforderlichen Platinna-Kessel von dort her beziehen120).

Da das Feingold in dem Augenblike, wo es aus der Legirung durch |282| die Schwefelsäure abgeschieden worden ist, ein sehr feines Pulver bildet, und alsdann in Berührung mit Platinna dem Einflusse der kochenden Schwefelsäure ausgesezt ist, welche beide Metalle reinigt und ihre Temperatur beträchtlich erhöht, so schweißt es leicht an die Platinna und macht den Boden des Kessels immer diker; die Erhaltung dieser Geräthschaft, und der Vortheil, welchen man durch Ersparung an Brennmaterial und dadurch erlangt, daß man keinen Werth unbenuzt liegen läßt, nöthigen den Feinmacher, dieses Gold oft abzulösen, was er dadurch erreicht, daß er zu wiederholten Malen schwaches Königswasser in den Kessel bringt, welches das Gold auflösen kann, ohne die Platinna anzugreifen. Da diese Operation sehr delicat ist, so muß sich der Feinmacher wohl mit allen ihren Umständen vertraut machen, ehe er sie im Großen ausübt. Vielleicht wäre es zwekmäßiger, hier Queksilber oder schwefelwasserstoffsaure Alkalien an Statt des Königswassers anzuwenden; wir haben aber zu wenig Versuche über diesen Gegenstand angestellt, als daß wir einen anderen Rath geben könnten, als die Anwendung dieser beiden Auflösungsmittel im Kleinen zu versuchen.

Die Kunst des Feinmachens verdankt bekanntlich der Anwendung der Platinna-Geräthe die großen Fortschritte, welche sie in Frankreich gemacht hat. Unglüklicherweise beschränken die Seltenheit und der hohe Preis der Platinna noch viel zu sehr ihren Gebrauch. Wir haben in dieser Beziehung erfahren, daß man in Deutschland, wo dieser nachtheilige Umstand sich besonders fühlbar machte, die Platinna durch eine Legirung aus Einem Theile Gold und drei Theilen Silber ersezt hat. Wir wissen nicht, ob die aus dieser Legirung verfertigten Gefäße der Einwirkung der concentrirten und kochenden Schwefelsäure gut widerstanden haben; wir haben einige Gründe, daran zu zweifeln, und glauben, daß es besser wäre, diese Kessel aus einer Legirung mit einem größeren Antheile Gold zu verfertigen, besonders wenn das pulverförmige Gold sich nicht leichter an diese Legirungen aus Gold und Silber anhängt, als an die Platinna-Geräthe. Man sieht übrigens, daß die Untersuchung dieses Gegenstandes sehr wichtig ist, und man kann daher die Feinmacher nicht genug auffordern, sich damit zu beschäftigen. Wir schließen unsere Bemerkungen über die Platinna-Kessel damit, daß wir es wohl empfehlen, diese Gefäße nicht in Berührung mit Blei oder Zinn zu bringen, besonders wenn sie kochende Schwefelsäure enthalten, denn diese Metalle legiren sich leicht mit der Platinna, wenn sie auf diese hohe Temperatur gebracht ist, und können so die Zerstörung des Kessels verursachen, wie wir selbst vor wenigen Jahren die Erfahrung machten.

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Ueber das schwefelsaure Kupfer, welches in den Werkstätten der Feinmacher fabricirt wird.

Da die Feinmacher bisher Kupfer anwandten, um das schwefelsaure Silber, welches sie bei ihren Operationen erhalten, zu zersezen, so erhielten sie so beträchtliche Quantitäten schwefelsaures Kupfer, welches sie in den Handel brachten, daß dieses Salz dadurch viel von seinem Werthe verlor und an manchem Orte jezt um den Werth des darin enthaltenen Kupfers verkauft wird. Ich habe oft schwefelsaures Kupfer aus den Feinmachungs-Anstalten zur Untersuchung erhalten, und darin Eisen, bisweilen Zinn, häufiger schwefelsauren Kalk und fast immer einen sehr großen Säureüberschuß gefunden. Diese fremden Substanzen sind fast bei allen Proceduren schädlich, wo schwefelsaures Kupfer angewandt wird; es ist also für die Feinmacher wichtig, dieses Salz erst dann in den Handel zu bringen, wenn sie es auf den erforderlichen Grad von Reinheit gebracht haben. Man wird diesen Zwek leicht erreichen, wenn man die Krystalle des unreinen schwefelsauren Kupfers in Wasser auflöst, und die Auflösung in der Wärme entweder mit Kupferschlag, oder mit dem natürlichen kohlensauren Kupfer behandelt, welches man zu Chezy bei Lyon findet; oder noch besser, wenn man sie nach dem Verfahren des Hrn. Gay-Lussac reinigt, wovon ich in meiner ersten im Jahre 1827 geschriebenen Abhandlung (polyt. Journ. Bd. XXVIII. S. 3.) gesprochen habe, und welches in den Annales de Chimie Bd. XLIX. S. 25. beschrieben ist121). Ehe ich dieses Kapitel schließe, will ich noch bemerken, daß man über die Fabrikation des schwefelsauren Kupfers eine gute Abhandlung, welche über diesen Gegenstand von Hrn. Descroizilles geschrieben worden ist, in der Collection des Mémoires de l'Academie de Rouen, Jahrgang 1807, S. 63. vortheilhaft zu Rathe ziehen kann.

Ueber die Abfälle oder Rükstände in den Feinmachungs-Anstalten.

Diese Rükstände, welche man im Handel mit Gold- und Silber-Artikeln unter dem Namen Asche (cendres) kennt, bestehen hauptsächlich aus der Erde der Tiegel, welche nach dem Gebrauche gestoßen werden, um daraus möglichst viele Körner durch Sieben und Schlämmen zu erhalten; man sezt ihnen auch den Auskehricht der Werkstätte, die Asche der Schmelzöfen, den Ruß dieser Oefen, und mit einem Worte alle anderen Rükstände und Abfälle von der Arbeit zu, weil sie immer |284| einige Theilchen Gold und Silber enthalten. Nachdem die Asche sorgfältig gesiebt und geschlämmt worden ist, wird sie, so wie die Sachen jezt stehen, öfters mittelst Queksilber behandelt, um daraus die Körner auszuziehen, welche nicht weggeschlämmt wurden, und diese Asche wird jedes Mal im Wind- oder Reverberirofen mit einem geeigneten Flußmittel geschmolzen, um daraus denjenigen Theil der edlen Metalle abzuscheiden, welcher darin in oxydirtem oder sogar verglastem Zustande vorhanden ist, und daher bei den erwähnten verschiedenen vorhergehenden Behandlungen, welchen man die Asche vor dem Schmelzen unterzieht, entgeht. Ich glaube, daß man diese Behandlungsart wesentlich verbessern kann: in der That, da man es nicht umgehen kann, diese Asche zu schmelzen, um die darin enthaltenen oxydirten und verglasten Gold- und Silbertheilchen abzuscheiden, warum schmilzt man sie nicht unmittelbar nach dem Schlämmen, ohne sie mit Queksilber zu behandeln? Man würde so durch eine einzige Operation alle edlen Metalle erhalten, welche man mittelst zwei oder drei Amalgamationen und des Schmelzens auszieht; wahrscheinlich würde die Ausscheidung der edlen Metalle aus der Asche, nach diesem Verfahren mit großem Vortheil verbunden seyn. Wenn man diesen Weg bis jezt nicht eingeschlagen hat, so muß man es ohne Zweifel dem großen Gewinne zuschreiben, welchen die Behandlung der sogenannten Aschen lange Zeit abgeworfen hat, der Schwierigkeit, sie genau auf ihren Werth zu prüfen, dem hohen Preise der Substanzen, welche man als Flußmittel anwenden könnte, dem Verluste, welchen nothwendig die Ausführung neuer Operationen mit Substanzen, welche oft einen bedeutenden Werth an Gold und Silber haben, nach sich zieht, dem Mangel an Vertrauen, und endlich dem Mangel an der Industrie, welche sich entwikeln mußte, um diese neuen Processe zu organisiren. Mehrere dieser Schwierigkeiten sind nicht mehr vorhanden, und Alles läßt hoffen, daß die Rükstände der Werkstätten der Feinmacher, so wie die Aschen der Münzwardeins, der Goldschmiede, der Juwelirer, der Vergolder u.s.w. nach schnelleren und mehr ökonomischen Verfahrungsweisen, als es die gegenwärtigen sind, werden behandelt werden. Ich habe mich mit diesem Gegenstande vor einigen Jahren beschäftigt: ich habe versucht Soda, Glaubersalz, Eisenoxyd als Flußmittel anzuwenden, und die Versuche haben im Kleinen gute Resultate gegeben, und sind im Großen nur aus Ursachen, welche dem chemischen Theile der Operation fremd waren, gescheitert. Doch will ich auf diesen Ansichten auch nicht beharren; ich weiß, daß sehr fähige Leute diese Arbeit wieder aufnehmen, und auf dem Punkte sind, die fraglichen Verfahrungsarten im Großen anzuwenden. Ich nehme hier nur zu Gunsten der französischen Industrie von einer merkwürdigen Verbesserung Datum, welche, indem sie einen |285| wichtigen Theil der Kunst des Feinmachers vervollkommnet, ohne Zweifel dazu beitragen wird, die Arbeiten, wobei man Gold und Silber anwendet, gewinnreicher zu machen, oder auch den Werth der Produkte, welche man durch diese Arbeiten erhält, zu verringern.

Wir sind nun an das Ende der Arbeit gekommen, welche von uns verlangt wurde; wir hätten sehr gewünscht, sie vollständiger machen zu können; da wir aber keine Gelegenheit gehabt haben, eine Feinmachungs-Anstalt zu dirigiren, so sind wir genöthigt, uns hierin auf die allgemeinen Anweisungen, welche wir gegeben haben, zu beschränken; zum Schluß dieser Abhandlung bemerken wir noch, daß die neuen Verfahrungsarten, wovon es sich handelt, schon eine beträchtliche Menge verloren gewesenen Goldes in Umlauf gebracht haben; daß sie dem Handel mit Gold- und Silber-Artikeln sehr große Vortheile gebracht haben, und daß sie ein sehr merkwürdiges Beispiel von dem großen Einflusse geben, welchen die chemischen Kenntnisse auf die Schöpfung neuer Industriezweige und die Vervollkommnung der darin schon bestehenden Verfahrungsarten haben können.

Der erste Unterricht wurde im Recueil 1827, Mai, mitgetheilt. Es wurden auch einzelne Abdrüke davon veranstaltet, die im Bureau du Recueil industriel, rue Taitbout, N. 6, und bei Bachelier, N. 55 quai des Augustins zu haben sind. A. d. O. (Wir haben diesen ersten Unterricht im Polytechn. Journ. B. XXVIII. S. 1 mitgetheilt, aber keine eigene Broschüre aus demselben gemacht; was wir mit keiner unserer Abhandlungen thaten. Dafür haben andere Herren aus unseren einzelnen Abhandlungen ganze Bände zusammen gestohlen. A. d. R.)

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Hr. Graf de Sussy wünscht nämlich in diesem Schreiben, das im Originale gegenwärtigem Aufsaze vorgedrukt ist, daß Hr. d'Arcet seine Vorrichtungen, um die Werkstätte der Feinmacher für die Gesundheit unschädlich zu machen, so einrichten möchte, daß sie auch an bereits bestehenden, nicht bloß an den neu zu erbauenden Werkstätten, und auch im Kleinen, nicht bloß im Großen, angewendet werden könnten.

A. d. U.

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Dieser Zug muß stark genug seyn, um, wenn alle kleine Dekel, y (in Fig. 4 und 5) an den Tubulirungen der acht Kessel auf ein Mal geöffnet werden, die Luft der Werkstätte durch diese Tubulirungen in die Kessel eindringen und dadurch verhindern kann, daß keine saueren Dämpfe sich in der Werkstätte verbreiten.

A. d. O.

|276|

Diese scheinen jedoch luftdicht seyn zu müssen; denn sonst werden die gespannten Dämpfe auf diesen Wegen ehe ausfahren, als daß Luft ist dieselben eindringt.

A. d. U.

|277|

Im Allgemeinen kann man sagen, daß sich diese Legirungen um so leichter und in einer desto geringeren Säure-Menge auflösen, je weniger Kupfer und je mehr Silber sie enthalten, und daß sie um so vortheilhafter verarbeitet werden können, wenn außerdem noch der Goldgehalt sich mehr dem Verhältniß von 200 Tausendtheilen nähert.

A. d. O.

|279|

Wir haben in unserer ersten Abhandlung (polytechnisches Journal Band XXVIII. S. 8.) gesagt, daß man jedes Mal Eisen und Zink anwenden kann, wenn man nicht den Zwek hat, reines Silber zu fabriciren. In der That zersezen diese Metalle das schwefelsaure Silber und Kupfer gut; man muß sogar, wenn man sich ihrer bedient und die Operation zur gehörigen Zeit unterbricht, Silber von sehr hohem Korn erhalten. Diese Anwendung des Eisens und des Zinkes wird jedes Mal in denjenigen Umständen vortheilhaft seyn, wo das schwefelsaure Kupfer keinen Werth hat und man sich genöthigt sieht es auf metallisches Kupfer zu verarbeiten. Der geringe Preis des Eisens und des Kupfers würde übrigens sehr oft erlauben die Flüssigkeiten, welche diese Metalle aufgelöst enthalten, als werthlos wegzuwerfen.

A. d. O.

|280|

Wir haben in einem ähnlichen Falle mit Erfolg ein mit Ammoniak verseztes Wasser angewandt, um eine sehr große Menge mit Chlorsilber vermengtes Gold die lezten Male auszuwaschen.

A. d. O.

|281|

Wir haben in unserer früheren Abhandlung (polyt. Journ. Bd. XXVIII. S. 2.) gesagt, daß die Platinna-Kessel, deren sich die Feinmacher und die Schwefelsäure-Fabrikanten bedienen, aus Platinna verfertigt werden, welche nach dem von Hrn. Bréant erfundenen Verfahren zubereitet wurde, und daß sie zu Paris von Hrn. Bréant und von den HHrn. Cuoq und Couturier fabricirt werden; hierin hat sich seitdem nichts verändert; Hr. Bréant hat seine Werkstätte noch rue Montmartre, N. 64, und die Niederlage der HHrn. Cuoq und Couturier ist immer rue de Lulli, N. 1.

Wir verweisen in Betreff der Geschichte der Anwendung der Platinna-Gefäße in den technischen Künsten, auf die von uns herausgegebene Broschüre, und bemerken hier nur noch, daß die Belohnungen, welche Hr. Bréant und die HHrn. Cuoq und Couturier seit der lezten Ausstellung unserer Industrie-Produkte erhalten haben, beweisen, daß diese geschikten Fabrikanten sich immer mehr des Vertrauens, welches man in sie sezt, würdig machen. A. d. O.

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Hr. Gay-Lussac sagt daselbst: „Wenn man vermittelst Salpetersäure, oder noch besser oxydirter Salzsäure, das Eisen stark oxydirt, so wird man es gänzlich aus dem schwefelsauren Kupfer ausscheiden, wenn man eine hinreichende Menge Kalilauge hinzuthut, die Flüssigkeit dann erhizt und gut umrührt.“

A. d. R.

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