Titel: Allard, Anwendung von Metallgeweben mit Maschen.
Autor: Allard,
Fundstelle: 1829, Band 31, Nr. LXXXXIV. (S. 334–339)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj031/ar031094

LXXXXIV. Anwendung von Metallgeweben mit Maschen: 1) zur Verfertigung von Augen- und Lampen-Schirmen und anderen kugelförmigen Formen oder Theilen solcher Formen; 2) zur Verfertigung neuer Stoffe zu Kistchen, Tapezereien, Hüten, Scheiden, Futteralen, Buchbinder-Arbeiten etc., worauf Hr. Allard zu Paris am 21. Dec. 1821 sich auf fünf Jahre ein Brevet d'Invention ertheilen ließ.

Aus der Description des Machines et Procédés spécifiés dans les Brevets d'Inventions etc. par Mr. Christian. T. XIV. p. 218.138).

Augenschirme aus durchscheinenden Drathgeweben.
(Garde-vues, simule-glace).

Man fängt damit an, das Gewebe gegen Oxydation zu schüzen, entweder dadurch, daß man es auf nassem Wege verzinnt (das Verfahren hierzu werden wir unten beschreiben), oder daß man den Metalldrath mit einer Farbe, mit einem Firnisse, oder mit irgend einem hierzu tauglichen Stoffe überzieht.

Hierauf erst benüzt man die Biegsamkeit des Gewebes und die Beweglichkeit seiner Maschen, und gibt ihm die Form, die man ihm ertheilen will. In dieser Absicht krümmt man das Gewebe in seiner ganzen Oberfläche so, daß alle Faden desselben auf derselben kugelförmigen oder sphäroidalen Fläche zu liegen kommen. Man hält die Faden in |335| dieser Lage, indem man ihrer Elasticität, durch welche sie in ihren früheren Zustand zurükzukehren streben, einen bleibenden und gleichen Druk auf der ganzen Länge ihrer Krümmung an den Enden derselben entgegen stellt.

Nachdem die verlangte Form erhalten wurde, dekt man den Gegenstand entweder mittelst eines Pinsels oder durch Eintauchung mit einer Schichte klebriger oder fetter, harziger oder gummiartiger, gallertartiger oder eiweißhaltiger oder schleimiger oder irgend einer anderen Masse von gehöriger Consistenz, so daß die Maschen davon gefüllt werden, und, nachdem die Masse troken geworden ist, auch davon gefüllt bleiben, und, in Verbindung mit derselben, eine vollkommen gleichförmige Oberfläche ohne alle Löcher und Trennung bilden. Diese Arbeit nennt man das Glasiren (glacer l'objet).

Man gibt dem Kupferdrath-Geflechte die halbkugelige Form mittelst eines Models, der aus zwei Kapseln oder Klappen von Eisenblech besteht, die genau über einander passen. Eine dieser Kapseln ist ganz, und hat die Form eines Augenschirmes; die andere, die innenwendig unter die vorige kommt, hat dieselbe Form, besteht aber aus zwei Stüken, d.h., der obere besteht aus einer halbkugelförmigen Kuppel, und der untere bildet in seinem ganzen Umfange einen Kreis oder eine Binde von ungefähr zwei Zoll Höhe, die man nach Belieben wegnehmen kann. Durch diese Kapseln oder Kappen läuft oben eine, beiden gemeinschaftlich dienende Schrauben-Spindel, wodurch beide einander näher gebracht werden können, was mittelst eines auf dem Loche der inneren Kuppel aufgeschraubten Nietes geschieht.

Zwischen diesen beiden Halbkugeln wird das Drathgewebe mittelst der Schraube gepreßt, worauf man denjenigen Theil, der aus dem Model hervorsteht, bis auf eine Linie von dem Rande des Models wegschneidet. Man befestigt einen Bogen aus verzinntem Messingdrathe am Rande des Streifens, der den unteren Theil der aus zwei Stüken bestehenden Kappe bildet, löthet denselben an der inneren Wand des Drathgewebes an, das man bei dem Abschneiden aus dem Model hervorstehen ließ; nimmt hierauf den beweglichen Streifen weg, öffnet die Schraube, hebt den Model heraus, und nimmt das Drathgeflecht weg, das mittelst des angelötheten Kreises, der es festhält, die Form behält, die der Model demselben mittheilte. Man macht dann, mittelst eines Durchschlages, das Loch für das Glas, und befestigt einen kupfernen Ring mit Griffen daran.

Dieses Gerippe wird, nachdem es auf nassem Wege verzinnt wurde, in eine Auflösung von Hausenblase eingetaucht, dann mit fettem oder Copal-Firnisse überzogen, und innenwendig mit gepülvertem |336| Blei-Weiß (Blanc de Clichy), das man aufträgt, während der Firniß noch riecht, und erst drei Viertel seiner Trokenheit erhalten hat, weiß belegt.

Nachdem der Schirm auf diese Weise vollendet wurde, kann man denselben noch dadurch verzieren und ihn selbst noch fester machen, daß man ihn an seiner Basis mit einem platten Kreise von einigen Linien Höhe versieht, welcher entweder aus gefirnißtem Kupfer besteht, und außen an einigen Punkten angelöthet wird, oder bloß aus einer Verdoppelung (einem Umschlage) des Gewebes selbst. Dadurch wird er zugleich fester sizend.

Verfahren beim Verzinnen auf nassem Wege, um Drathgewebe aus Kupfer- oder Messing-Drath weiß zu machen.

Man richtet vorläufig einen Ofen mit einem bequemen eisernen Gefäße vor, in welchem man 30 Pfund englisches gekörntes Zinn (étain en grains) schmelzt, jedoch mit der Vorsicht, daß man dasselbe nicht zu sehr hizt, damit es nicht an seiner Oberfläche zu sehr gereizt wird.

In einer Entfernung von zehn Fuß von dem Ofen bringt man eine kleine Wanne an, die wenigstens 18 Zoll hoch mit reinem oder filtrirtem Fluß-Wasser gefüllt seyn muß. Nachdem das Zinn geschmolzen ist, nimmt man mit einem eisernen Löffel ungefähr zwei Drittel so viel, als der Löffel fassen kann, und entfernt sorgfältig alles Oxyd, indem man mit dem Löffel leicht über die Oberfläche des Zinnes hinfährt, ehe man das Zinn schöpft. Sobald man geschöpft hat, fährt man mit gespanntem Arme mit dem Löffel über die Wanne, hält denselben in einer Hohe von vier Fuß über der Oberfläche des Wassers, und gießt das Zinn in dasselbe, indem man die Hand sanft neigt, so daß das Zinn, während es fällt, in seinem Falle den möglich feinsten Faden ununterbrochen bildet.

So wie das Zinn auf das Wasser fällt, zerstreut es sich und sezt sich in Gestalt sehr dünner gewundener Bänder von schönem Silber-Glanze zu Boden. Auf diese Weise erreicht man den Zwek, das Zinn so zuzubereiten, daß es eine höchst reine Oberfläche, und zugleich auch die möglich größte Oberfläche dem Auflösungs-Mittel darbietet, dem es bald ausgesezt werden muß.

Man wiederholt diese Arbeit so lang, bis alles in dem Kessel enthaltene Zinn verbraucht ist.

Wenn das geschmolzene Zinn mit Wasser in Berührung kommt, so entsteht ein Aufwallen, Zischen und Knallen, das Unerfahrne erschreken könnte; man wird sich aber bald überzeugen, daß dieser |337| ganze Lärm nichts zu bedeuten hat, wenn man nicht zu viel Zinn auf ein Mal in das Wasser schüttet.

Salz-Bad.

Filtrirtes Fluß-Wasser 400 Gewichts-Theile.
Weinstein 5 – –
Bereitetes Zinn 30 – –

Man löst das Salz im Wasser in einem kupfernen, gut verzinntem Kessel auf, und hizt das Wasser bis auf 35° Réaumur. Bei dieser Temperatur bringt man das bereitete Zinn in gleichförmiger Schichte auf den Boden der Wanne, wozu man sich selbst eines Brettes bedienen kann, mittelst dessen man auf die Oberfläche niederdrükt, um alle Ungleichheiten zu beseitigen, und das man hierauf wegnimmt.

Man erhöht hierauf die Temperatur bis auf ungefähr 60°, und unterhält dieselbe eine halbe Stunde lang. Nach dieser Zeit werden die Drathgewebe auf das am Boden der Wanne befindliche Zinn gelegt. Man kann bis an 60 Blätter derselben, jedes von einem □ Fuß, über einander legen, oder eine Anzahl Blätter, die überhaupt eine Oberfläche von 60 □ Fuß gibt, wenn man mit einer Masse von 30 Pf. Zinn arbeitet. Man läßt alles zwei Stunden lang kochen, kehrt dann die auf einander gelegten Drathgeflechte um, so daß die untersten oben auf zu liegen kommen, wobei man jedoch die Temperatur bis auf 30° sinken läßt.

Nun kocht man wieder zwei Stunden lang, und nachdem das Bad sich auf 30° abgekühlt hat, zieht man die Drathgeflechte heraus, und läßt sie an der Luft troken werden.

Dasselbe Bad reicht zu, um fünf Mal so viel Drathgewebe, als oben angegeben wurde, weiß zu machen. Wenn sie aber schön ausfallen sollen, so darf man nicht mehr, als die oben angegebene Menge, auf ein Mal in diesem Bade behandeln. Hierauf muß das Zinn neuerdings geschmolzen werden139).

Stoffe zu Kistchen etc.

Man hat deren zwei verschiedene Arten; entweder Gewebe oder Geflechte, die ihrer Natur nach fest und steif genug sind, um für sich selbst zu halten, wie Drathgewebe oder Geflechte aus Rohr oder Halm (sparteries), die das Eintauchen in Farben oder das Bemahlen mit denselben gut vertragen, ohne daß man besorgen dürfte, daß sie sich dadurch würfen oder beim Troknen eingingen; oder sogenannte Tülle, |338| Gaze, die sehr biegsam und zu schwach sind, um sich gerade zu halten, und ohne Stüzen nicht glasirt werden können.

Zubereitung der Stoffe erster Art.

Man richtet sich zuerst die Drathgewebe auf was immer für eine Weise zu, oder man nimmt sie, was noch einfacher ist, vom Weber bereits zugerichtet und gerade gestrekt, ehe sie aufgerollt werden. Man verzinnt sie auf nassem Wege, oder gibt ihnen einen ihrer Natur und ihrem Zweke angemessenen Firniß-Ueberzug. Wenn sie schillern sollen, so überzieht man sie mit derjenigen Farbe, die sie, unter einem gewissen Winkel gehalten, zurükwerfen sollen.

Hierauf glasirt man sie auf die oben im Allgemeinen angegebene Weise.

Nachdem der durchscheinende Ueberzug troken geworden ist, bemahlt man das Gewebe auf einer Seite mit der Farbe, die man dem Gegenstande geben will, und läßt es troken werden. Wenn man dasselbe noch fester machen will, überstreicht man es auf beiden Seiten mit einer Lage fetten, durchscheinenden, weißen Firniß, und überzieht die bemahlte Seite mit Musselin, den man in dem Augenblike aufträgt, wo der Firniß halb troken ist.

Auf folgende Weise erhält man ein doppeltes Gewebe von ganz besonderem Aussehen.

Wenn man zwei Blätter verzinntes Kupfer-Drathgewebe auf einander legt, und gehörig an einander befestigt, so daß sie sich an allen Punkten ihrer Oberflächen wechselseitig berühren, und man glasirt diese beiden Blätter an ihrer Oberfläche, so bilden beide so zu sagen nur Ein Blatt, das eine glänzende Oberfläche darbietet.

Zubereitung der Stoffe der zweiten Art.

Diese Stoffe fordern eine besondere Behandlung, die viele Sorgfalt fordert. Das Gewebe muß aufgerollt und mit seinen Rändern so in einem Rahmen ausgespannt werden, daß es, ohne stark gespannt zu seyn, eine vollkommen ebene Oberfläche darbietet, die, nach Austragung der Glasirung, noch etwas einzugehen vermag. Die Verarbeitung ist übrigens, wie bei den vorigen.

Dasselbe Verfahren kann bei allen Geweben mit Maschen aus thierischen und vegetabilischen Stoffen und aus Mineralien befolgt werden.

Zusaz vom 4. März 1824.
Masken aus Metall-Gewebe.

Man bedient sich zu diesen Masken derjenigen Drathgewebe, die am wenigsten Elasticität besizen, und gedrängt genug sind, um zu diesem Zweke zu dienen.

|339|

Die Masken werden auf einem Model aus Metall verfertigt, in welchen man ein Gegenstük aus einer Composition von Blei und Spießglanz-König gegossen hat, oder aus irgend einer anderen hinlänglich festen Masse. Das Gewebe wird zuerst in dem Model ausgebreitet, und, so viel möglich, mit den Fingern an den inneren Wänden desselben angedrükt. Hierauf legt man das Gegenstük auf den Model, und gibt dieses sammt dem Model unter eine Presse, die man so lang wirken läßt, bis das Gewebe die Form des Models vollkommen angenommen hat. Dann nimmt man das Gewebe aus dem Model, und hält die Faden der Maske dadurch in ihrer Lage, daß man an den äußeren Enden derselben einen Metallfaden anlöthet oder auf irgend eine andere Weise140).

Man bemahlt und verziert nun die Maske nach Belieben.

Ehe man das Gewebe an den für den Mund und für die Augen bestimmten Stellen ausschneidet, muß man die Drathfaden an diesen Stellen zusammenlöthen140), indem die Maske sonst sich zu sehr entstellen würde.

Die Société d'Encouragement hat in Ihrem lezten Bulletin, October 1828. S. 319. einen Theil dieses Brevet, das Verzinnen mitgetheilt; wir liefern es hier ganz, weil es eine Kunst wieder aus dem Grabe kann weken helfen, in welcher die Orientalen schon vor Jahrhunderten Meister waren, und in welcher auch die Deutschen sich noch vor zwei Jahrhunderten auszeichneten. Wir haben noch jezt Bücher, die vor zwei Jahrhunderten in Silber-Drath gebunden wurden. Und noch besser erhalten sind, als manches erst vor wenigen Jahren französisch oder englisch gebundene Buch. Der beste Band für Bücher ist Metall; in Leder und gepapptes Papier kommen Würmer. Unsere Nachkommen werden ihre Roth mit unseren Büchern haben; zum Glüke ist an vielen nichts gelegen. Eine Menge unserer Haus-Geräthe und selbst unserer Kleidungs-Stüke würden aus Drath weit dauerhafter und weit eleganter, als aus anderen Stoffen verfertigt werden können. Vergebens haben es unsere Drathzieher auf einen Grad von Vollkommenheit gebracht, der alle früheren Arbeiten der Orientalen übertrifft; vergebens ist die Kunst, Gold und Silber feiner als Papier zu streken, und Stahl so leicht, wie dieses durchzuschlagen, auf den höchsten Grad von Vollkommenheit gebracht worden; wir bedienen uns noch immer lieber der Lumpen, statt Des Metalles, so wie wir Thoren genug sind, lieber Papier als Gold in der Tasche und in den Kisten zu haben. Hr. Allard hat übrigens die alte edle Kunst des Metalldrath-Flechters so sehr verkleistert, daß wir seine Arbeit als ein wahres Pendant zu den papiernen Metalliques betrachten können, an welchen unser Zeitalter dahin siecht. Möchte er die alten Metall-Arbeiten, so wie die Metalliques die Metalle wieder an die Tages-Ordnung bringen helfen, und etwas verständlicher schreiben.

A. d. U.

|337|

Der Uebersezer findet in diesem Verfahren nichts anderes, als den gewöhnlichen Weißsud, den man zu Nürnberg seit undenklichen Zeiten kennt.

A. d. U.

|339|

Es wird hier zu viel gelöthet; jeder Zigeuner, jeder türkische Hafen- und Pfeifenkopfbinder weiß alle diese Kunststüke fester und eleganter und schneller als durch Lothen, durch bloßes Flechten auszuführen.

A. d. U.

|339|

Es wird hier zu viel gelöthet; jeder Zigeuner, jeder türkische Hafen- und Pfeifenkopfbinder weiß alle diese Kunststüke fester und eleganter und schneller als durch Lothen, durch bloßes Flechten auszuführen.

A. d. U.

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