Titel: Bericht über die hydrostatischen Lampen.
Autor: Péclet,
Fundstelle: 1829, Band 31, Nr. CIV. (S. 352–364)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj031/ar031104

CIV. Bericht des Hrn. Péclet, im Namen des Ausschusses der ökonomischen Künste, über die hydrostatischen Lampen, welche die Herren Thilorier u. Barrachin und die Herren Morel und Garnier der Société d'Encouragement überreichten.

Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement. N. 292. S. 520.

Mit Abbildungen auf Tab. VI.

Im Auszuge.

Beide Lampen sind von derselben Art und beruhen auf denselben Grundsäzen.

Da die Güte einer Lampe nicht bloß von dem Grade des Lichtes, sondern auch von der Einfachheit des Baues und von der Leichtigkeit abhängt, mit welcher man sich derselben und die Lampe zugleich bedienen kann, so hat der Ausschuß beide Lampen zugleich, und unter obigen Gesichtspunkten untersucht.

Beschreibung der Lampen der HHrn. Thilorier und Barrachin.

Die Lampen der HHrn. Thilorier und Barrachin, die Fig. 4. dargestellt sind, beruhen alle auf denselben Grundsäzen, und sind bloß der Form- und Größen-Verhältnisse der Theile nach verschieden. Sie bestehen 1) aus einem oberen Behälter, A, der eine Flüssigkeit von größerer Dichtigkeit, als Oehl, enthält. 2) aus einem unteren Behälter, B, für das Oehl. 3) aus zwei Röhren, G, u. H, wovon erstere die Flüssigkeit des Behälters, A, in den Behälter, B, leitet; die zweite aber das Oehl des Behälters, B, in den Schnabel der Lampe. 4) aus einem Pfropfen, C, durch welchen eine an beiden Enden offene Röhre läuft, welche zur Feststellung des Niveau des Drukes der Flüssigkeit in dem Behälter, A, dient.

Die (dichtere) bewegende Flüssigkeit ist eine Auflösung von schwefelsaurem Zinke, deren Dichtigkeit sich zu jener des Oehles, wie 1,57:1 verhält: sie ist in den Figuren durch eine dunklere Schattirung angedeutet.

Wenn man annimmt, daß der Behälter, A, mit dieser Salz-Auflösung gefüllt ist, und der Behälter, B, mit Oehl, so wird offenbar |353| die Säule der Salz-Auflösung das Oehl in der Aufsteigungs-Röhre, H, auf einer Höhe halten, die sich umgekehrt wie die Dichtigkeit des Oehles zur Höhe der Salz-Auflösung verhält. Die Höhe dieser lezten Säule muß vom Anfange des unteren Theiles der Luftröhre, C, bis zur oberen Oberfläche derselben Flüssigkeit in dem Gefäße, B, gerechnet werden.

Wenn man dann am oberen Ende der Aufsteigungs-Röhre dieser Flüssigkeit Oehl wegnimmt, so wird die Luft, die in das Gefäß, A, durch die Röhre, C, eindringt, eine gewisse Menge der Salz-Flüssigkeit nöthigen, in den Behälter, B, hinabzusteigen, und ein gleiches „(?aequivalentes)“ Volumen Oehl dafür hinaufzusteigen. Während dieser Bewegung wird aber das Niveau der Flüssigkeit in der aufsteigenden Röhre, H, beständig sinken.

Der obere Theil der bewegenden Säule bleibt immer auf demselben Punkte, indem sie von dem Ende der Luftröhre an gerechnet werden muß, das unwandelbar ist. Ganz anders verhält sich aber das untere Erde der Säule, G; denn diese endet sich auf der Oberfläche der Salz-Auflösung in dem Behälter, B, und diese Oberfläche erhöht sich während des Ausflusses immer. Die bewegende Säule verkürzt sich demnach beständig, und das Niveau des Oehles in der aufsteigenden Röhre muß gleichfalls sinken.

Hieraus wird man nun leicht die Nebenstüke und den Dienst der Lampe der HHrn. Thilorier und Barrachin begreifen.

Der Schnabel, I, der den oberen Theil der aufsteigenden Röhre bildet, ist an seiner Basis erweitert, und endet sich in ein cylindrisches Stük von 4 bis 5 Millimeter Höhe gegen den Docht hin, so daß der obere Theil des Schnabels aus zwei concentrischen Cylindern besteht, die nur einen kleinen Zwischenraum zwischen sich lassen. Ueber dem Oehlbehälter ist ein bewegliches Näpfchen, D, in Fig. 6. angebracht, welches die beiden Röhren, G, und H, umfaßt, und zur Aufnahme des Oehles dient, welches bei dem Füllen und allenfalls auch bei dem Verbrennen ausstießt. Dieses Oehl gelangt in das Näpfchen mittelst der Röhre, E, welches sich im Mittelpunkte der oberen concaven Oberfläche des Behälters, A, befindet. Das Näpfchen, D, wird durch den unteren Theil des Mantels, F, der Lampe bedekt, der senkrecht emporsteigt.

Um die Salz-Auflösung ein Mal für immer in die Lampe zu bringen, und die Lampe mit dem zum jedesmaligen Brennen nothwendigen Oehle zu füllen, versieht man die Lampe über ihrem Schnabel mit einem Trichter, L, Fig. 7., der mit einer denselben umfassenden Dille, M, versehen ist, und innenwendig einen feststehenden Pfropfen hat, der die Central-Röhre des Schnabels schließt, so daß, wenn dieser Trichter aufgesezt ist, der Hohlraum desselben nur mit dem Hohlraume des Schnabels |354| in Verbindung ist. Die Höhe dieses Trichters ist so berechnet, daß eine Säule Oehles, die bis zu dem oberen Theile des Trichters emporsteigt, mit einer Säule Salzflüssigkeit im Gleichgewicht ist, die bis zu dem oberen Theile des Behälters, A, sich erstreken würde.

Nun hebt man die Luftröhre, dreht sie, und ein Hälter hält sie in ihrer Lage. Diese Operation wird nothwendig, um die Luft entweichen zu lassen. Dann gießt man in den Trichter zuerst die gesalzene Flüssigkeit, und hierauf das Oehl, bis die Lampe voll wird. In diesem Augenblike füllt die Salz-Auflösung den Hohlraum, A, und der Behälter, B, ist voll Oehl. Man muß dann die Luftröhre wieder in ihre vorige Lage bringen und den Trichter sacht in die Höhe ziehen, damit das in demselben enthaltene Oehl durch den Schnabel ausfließt, und sich vollkommen entfernt. In diesem Zustande kann nun die Lampe angezündet werden.

Nach jedem Ausbrennen der Lampe wird dieselbe wieder auf vorige Weise gefüllt, nur daß man jezt bloß Oehl durch den Trichter nachzugießen braucht, und mit Ausleerung des beweglichen Näpfchens, D, anfängt.

Der Verbrennungs-Apparat an den Lampen der HHrn. Thilorier und Barrachin weicht in mancher Rüksicht von jenem der bisher angewendeten Lampen ab.

Der neue Schnabel, dessen sie sich bedienen, ist aus Rothkupfer mit Silber plattirt, und, wie wir bereits gesagt haben, cylindrisch, an seinem oberen Theile verengt, an dem unteren erweitert. Erstens ist nothwendig, um durch die Capillar-Attraction die Wirkung der Verkürzung der bewegenden Säule aufzuheben und das Oehl oben im Schnabel zu erhalten so lang als die Verbrennung dauert; lezteres um durch den Schnabel füllen zu können, und zur Erleichterung des Zutrittes des Oehles in die Spize des Schnabels während des Verbrennens.

Der Dochthälter wird durch einen Zahnstok in der Aufsteigungs-Röhre geleitet.

Das Geländer, K, Fig. 9., welches das Glas und die Kugel stüzt, ist auf einer Röhre angebracht, die mit Drathstängelchen versehen ist, welche nach außen zurükgebogen sind, und die auf eine ähnliche Röhre paßt, die an dem Halse befestigt ist. Auf diese Weise läßt sich die Höhe der Biegung des Schornsteines leicht reguliren.

Der Glashälter ist endlich so eingerichtet, daß der Schornstein, der auf drei kleinen Stüzen ruht, hinlänglich weite Oeffnungen übrig läßt, um einen Luftstrom bei der äußeren Oberfläche des Schnabels Hereinzulassen. Diese Vorrichtung, die bei den anderen Lampen nicht Statt hat, war bei jeder der HHrn. Thilorier und Barrachin |355| nothwendig, weil die Hälse ihrer Lampen wegen der Eleganz der Formen einen sehr kleinen Durchmesser haben.

Um die Nothwendigkeit obiger Vorrichtung zu begreifen, muß man bemerken, daß der äußere Luftstrom nur durch die Luft unterhalten wird, die zwischen der äußeren Oberfläche des Schnabels und der inneren Oberfläche der Kehle durchgeht; wenn also die Kehle sehr enge ist, wird der äußere Luftzug nicht hinreichen, um so mehr, da der Schnabel von der Kugel umgeben ist, folglich der Zug, der zwischen dem Schornsteine und der Kugel Statt hat, auf Kosten der Luft geschieht, die den Schnabel speisen muß.

Die Schnäbel, welche die HHrn. Thilorier und Barrachin ehevor angewendet haben, waren aus Kupfer, und von den gewöhnlichen schattenfreien Schnäbeln durch nichts, als durch den größeren Zwischenraum der zwei Cylinder verschieden, die nach oben zu schnell sich verengten.

Die HHrn. Thilorier und Barrachin haben ihren Lampen eine Menge verschiedener Formen und Größen gegeben. Sie führen in ihrem Prospectus 28 derselben auf, ohne diejenigen zu rechnen, die bloß durch ihre verschiedenen Verzierungen verschieden sind.

Sie haben Schnäbel von vier verschiedenen Calibern: von 18, 20, 24 und 25 Millimeter im äußeren Durchmesser derselben.

Bei den cylindrischen Lampen läßt der Mantel sich ganz wegnehmen, und stellt den Apparat in seiner Naktheit dar; bei den übrigen ist der untere Theil der Lampe allein mit einem beweglichen Mantel versehen, der das Näpfchen umhüllt.

Der Grundsaz, auf welchem die Lampen der HHrn. Thilorier und Barrachin beruhen, war längst bekannt; die Gebrüder Girard waren die Ersten, die denselben bei Lampen anwenden lehnen; seit dieser Zeit wurde er auch von den HHrn. Lange und Verzy, und von mehreren anderen benüzt, aber ohne Erfolg. Was die Lampe der HHrn. Thilorier und Barrachin von allen denjenigen, die vor und nach denselben nach diesem Grundsaze verfertigt wurden, auszeichnet, ist die Beseitigung aller Hähne, die durch das Füllen durch den Schnabel und durch das bewegliche Näpfchen unter dem Mantel möglich wurde.

Beschreibung der Lampen der HHrn. Morel und Garnier.

Die Lampen der HHrn. Morel u. Garnier sind von zweierlei Art: bei den einen ist das Niveau bleibend, bei den anderen ist es wandelbar. Beide beruhen auf demselben Grundsaze wie jene der Herren Thilorier und Barrachin.

Die HHrn. Morel und Garnier hatten der Société Anfangs nur jene Lampen überreicht, an welchen das Niveau beständig oder |356| bleibend ist; auf Ersuchen des Ausschusses theilten sie aber auch jene mit wandelbarem Niveau mit.

Wir wollen die Lampen mit bleibendem Niveau zuerst beschreiben, da sich die übrigen leicht aus derselben ableiten lassen.

Die Lampe der HHrn. Morel und Garnier, die in Fig. 7. im senkrechten Durchschnitte dargestellt ist, besteht 1) aus einem Behälter, a, a, zur Aufnahme einer gewissen Menge Salzflüssigkeit, deren Dichtigkeit größer ist, als die des Oehles; 2) aus einem Oehlbehälter, b, b; 3) aus zwei Röhren, e, f, wovon die erstere zur Leitung der Salzflüssigkeit aus dem Behälter, a, in den Behälter, b, dient, die zweite aber das Oehl in den Schnabel leitet; 4) aus einem Pfropfen, c, durch welchen die Luftröhre zieht, die sich in einer feststehenden ledernen Büchse, t, schiebt, und deren oberer in eine männliche Schraube zugeschnittener Theil in ein Schraubenmutter paßt; 5) aus einem oberen Hahne, I, mit drei Eingängen, wovon der erstere zur Oeffnung oder Schließung des Durchganges des Schnabels in die Aufsteigungs-Röhre des Oehles, f, dient; der zweite den oberen Theil des Behälters, a, mit der offenen Dille, m, in Verbindung sezt; der dritte eine Verbindung der Röhre, u, mit einer kleinen Dille, k, herstellt, auf welche der Fülltrichter, r, Fig. 8. aufgesezt wird; 6) aus einem Hohlraume, d, in welchem das Oehl sich sammelt, welches aus dem Schnabel abstießt. Es gelangt durch die Röhre, g, in denselben. 7) aus einer Röhre, o, zum Ausflusse des in dem Raume, d, gesammelten Oehles. Diese Röhre läuft durch den Oehlbehälter, b; 8) aus einem Hahne, p, unter dem Fußgestelle der Lampe am Ende der Röhre, o, 9) aus einem Hahne, h, dessen Zapfen durch die lederne Büchse, i, läuft. Der Schlüssel dieses Hahnes ist hohl. Er ist in n und x offen, so daß, bei einer gewissen Stellung des Hahnes, die Flüssigkeit, die aus dem Behälter, a, ausstießt, durch die Oeffnung, n, abfließt, und, in einer anderen Stellung, dieselbe Flüssigkeit durch den unteren Theil der Rohre, e, aufsteigen kann. Dieser Hahn ist es, durch welchen das Niveau bleibend wird. Diese verschiedenen Stellungen sind in Fig. 7. angedeutet.

Um die Lampe zu füllen, sezt man zuerst den Trichter, r, der die gehörige Höhe haben muß, auf die kleine Dille, k. Der Trichter hat einen kleinen kegelförmigen Pfropfen, s, mittelst dessen man nach Belieben die untere Oeffnung des Trichters öffnen oder schließen kann. Man dreht den Hahn, I, mittelst eines Schlüssels; dann den Hahn, h; hebt dann den Pfropfen am Trichter und füllt so lang Oehl nach, bis er voll bleibt. In diesem Augenblike ist der Hohlraum, a, mit der Salzflüssigkeit gefüllt, und der Behälter, b, voll Oehl. Dann dreht man den Hahn, h, den Hahn, l. Man stekt den Pfropfen in den Trichter, damit |357| man denselben schließen und gefüllt abheben kann. Man darf nun nur noch, um die Füllung zu vollenden, die Lampe abheben und den Hahn, p, öffnen, um das Oehl in den Abläufer gelangen zu lassen.

Die Erklärung der Phänomene, die bei dieser Lampe Statt haben, ergibt sich leicht aus dem, was wir über Hrn. Thilorier's Lampe gesagt haben. Die Füllung des Schnabels wird hier durch Seitenfüllung ersezt, und dazu war 1) die Vorrichtung nöthig, durch welche die Verbindung zwischen der Aufsteigungs-Röhre des Oehles und der Seiten-Dille hergestellt oder unterbrochen werden kann; 2) eine andere Vorrichtung, um die Verbindung zwischen der Aufsteigungs-Röhre und dem Schnabel zu öffnen oder zu schließen; denn ohne diese würde das Oehl, das in dem Schnabel bis zur Höhe des Gipfels des Trichters in dem Schnabel aufzusteigen strebt, in dem Maße über lezteren abfließen, als es nachgeschüttet wurde. 3) eine Vorrichtung, um eine Verbindung des oberen Behälters mit der Atmosphäre herzustellen. 4) mußte der Trichter mit einem Pfropfen versehen seyn, weil er sich nicht über der Dille ausleeren durfte. Die ersten drei Bewegungen geschehen an der Lampe der HHrn. Morel und Garnier mittelst der Drehung eines einzigen Hahnes mit drei Eingängen, und das bewegliche Näpfchen des Hrn. Thilorier ist durch den feststehenden Hohlraum ersezt, weßwegen die Ausfluß-Röhre, die durch den Oehlbehälter und den Hahn, p, läuft, nöthig wurde.

Es bleibt nun nur noch die Wirkung des Hahnes, h, durch welche das Niveau der bewegenden Säule immer Auf derselben Höhe gehalten wird, zu erklären übrig.

Wir haben, bei Gelegenheit der Lampe der HHrn. Thilorier und Barrachin, bemerkt, daß die Höhe des oberen Theiles der Säule der Salz-Auflösung von dem unteren Theile der Luftröhre an gerechnet werden muß, und daß sie in dem Behälter, B, sich bis zur oberen Oberfläche dieser Flüssigkeit erstrekt; da nun diese lezte Oberfläche in dem Maße emporsteigt, als das Oehl sich verzehrt, so folgt, daß die Länge der bewegenden Säule sich immer vermindert. Um diese Verminderung zu vermeiden, haben die HHrn. Morel und Garnier ein Mittel angewendet, dessen die Gebrüder Girard sich bedienten. Sie ließen die Salz-Auflösung von einem höheren Punkte auslaufen, als die Oberfläche der Flüssigkeit in dem Behälter, b, am Ende der Verbrennung steht: auf diese Weise erhielten sie eine kürzere, aber stets gleich lange drükende Säule. Allein, dieser Zustand durfte nicht während des Nachfüllens Statt haben, indem sonst die gesalzene Flüssigkeit nicht in den Behälter, a, hätte hinaufsteigen können. Diesen doppelten Dienst versieht nun der Hahn, H. Während des Verbrennens entweicht die Flüssigkeit durch die Oeffnung, n, die dann |358| an dem unteren Ende der bewegenden Säule sich findet, und während des Füllens kann die Flüssigkeit, die sich auf dem Boden des Behälters, b, anhäufte, in den Behälter, a, zurük hinaufsteigen, weil die Seiten-Oeffnung, n, der Röhre, a, geschlossen ist, und diese Röhre mit ihrer Verlängerung, v, in Verbindung steht, die bis auf den Boden des Behälters, b, hinabsteigt. Die von den HHrn. Morel u. Garnier angewendete Flüssigkeit ist die Mutterlauge der Salpeter-Sieder mit einem Drittel Syrup gemengt.

Was den Verbrennungs-Apparat betrifft, so ist er genau jener des Hrn. Carcel, ohne alle Abänderung. Die HHrn. Morel u. Garnier gaben dem Halse ihrer Lampen eine starke Weite; sie hatten also nicht nöthig einen Luftzug in dem Geländer unter dem Schornsteine anzubringen; allein der große Durchmesser an den Halsen ihm Lampen beeinträchtigt die Eleganz der Formen derselben.

An den übrigen Lampen der HHrn. Morel und Garnier ist das Niveau wandelbar, und sie sind von den oben beschriebenen Lampen in nichts, als durch die Abwesenheit des Hahnes, h, verschieden, der an den ersteren zur Unterhaltung der Lampe der bewegenden Säule dient.

Die Schnäbel bei diesen beiden Lampen-Systemen sind nur zweierlei: sie haben 20 und 22 Millimeter inneren Durchmesser.

Die Lampen der Hrn. Morel u. Garnier sind übrigens aller Formen der Lampen der HHrn. Thilorier u. Barrachin ähnlich.

Die Vorrichtungen an diesen Lampen, welche die HHrn. Morel und Garnier als ihre Erfindung betrachten, sind: 1) der Hahn mit drei Eingängen, der zum Füllen dient; 2) der Hahn mit zwei Eingängen, zur Unterhaltung des Niveau; 3) die Vorrichtung mit dem Ausfluß-Hahne. Wir müssen jedoch bemerken, daß das Füllen durch eine Seiten-Dille schon von den Gebrüdern Girard angegeben wurde; daß eine ähnliche Vorrichtung am Hahne zur Unterhaltung des Niveau in einem Werke, das im vorigen Jahre „(1827)“ über die Beleuchtung erschien, angegeben wurde, und daß der Ablaß-Hahn unter der Lampe in Girard's alten Lampen angewendet wurde.

Vergleichung dieser Lampen in Hinsicht auf Stärke und Stätigkeit des Lichtes.

Am 17. October 1828 wurden Versuche mit diesen Lampen angestellt.

Die Lampen wurden vorläufig von den Eigenthümern mit demselben, vor ihnen abgewogenen, Oehle gefüllt, und zu derselben Stunde (6 1/2 Uhr) angezündet.

Es brannten 6 Lampen: vier, von den Herren Thilorier und Barrachin, mit plattirten Schnäbeln, und zwei, von den Herren |359| Morel und Garnier, mit bleibendem Niveau. Die äußeren Durchmesser der Schnäbel der ersteren betrugen 25, 24, 20 und 18 Millimeter; die der HHrn. Morel und Garnier 22,5 und 20 Millimeter.

Die Lampen brannten 5 Stunden lang ununterbrochen fort in Gegenwart ihrer Besizer, und blieben während dieser ganzen Zeit lediglich sich selbst überlassen; man berührte weder die Dochte noch die Rauchfänge, und sie wurden drei Mal mit einer guten (nicht Carcel'schen) Lampe mit Uhrwerk-Vorrichtung verglichen: am Anfange, in der Mitte und am Ende des Brennens.

Die Lampen wurden gleichzeitig (um 11 1/2 Uhr) ausgelöscht und am folgenden Tage gewogen, um die Menge Oehles kennen zu lernen, welches in jeder Lampe verbrannt wurde, damit man dieselbe mit dem Durchschnitte des erhaltenen Lichtes vergleichen konnte.

Aus diesen Versuchen ergab sich:

1) daß diese Lampen, während der ganzen Zeit ihres Brennens, mit derselben Wirkung brannten, wie Lampen mit Uhrwerk-Vorrichtung. Die Verbrennung wurde in einer Entfernung von 5–6 Millimeter von dem oberen Ende des Schnabels unterhalten.

2) alle Lampen brannten gleich gut, obschon jene der HHrn. Morel und Garnier bleibendes Niveau hatten, während die der Herren Thilorier und Barrachin wandelbares Niveau hatten, das in einer nicht Capillar-Röhre ungefähr um Ein Centimeter gefallen seyn würde.

3) daß, während der ganzen Zeit des Verbrennens, die Intensität des Lichtes aller dieser hydrostatischen Lampen größer war, als die der Lampe mit Uhrwerk-Vorrichtung, und daß die Lampen des Hrn. Thilorier in dieser Hinsicht stärker waren, als die anderen.

Eine einzige Lampe des Hrn. Thilorier machte eine Ausnahme; da sie aber nicht ganz gefüllt und während des Versuches ausgelöscht und wieder gefüllt wurde, so lassen sich die Resultate derselben nicht berechnen.

4) daß die eigentlich nüzliche Wirkung, d.h., das Verhältniß der Menge Lichtes in Bezug auf die Menge des verbrauchten Oehles bei beiden Lampen beinahe dieselbe ist, und sich sehr den Lampen mit Uhrwerk-Vorrichtung nähert, obschon sie etwas schwächer ist. Indessen gaben die großen Schnäbel eine merklich kleinere nüzliche Wirkung; wahrscheinlich würde aber dieser Unterschied verschwinden, wenn man Lampen mit Schnäbeln von gleichem Durchmesser vergliche.

5) daß, in allen Lampen, der verkohlte Theil des Dochtes beinahe gleich stark war: 3–4 Millimeter: er war stärker als an der Lampe mit Uhrwerk-Vorrichtung.

|360|

6) daß, bei dem Auslöschen, das Oehl in allen Lampen oben am Gipfel des Schnabels stand.

Wir gaben keine Zahlen an, weil die Zahlen, die wir erhielten, nur das Resultat Einer Reihe von Versuchen waren, und folglich nur den Gang der Phänomene, nicht aber einen allgemeinen Maßstab gewähren konnten. Man hätte diese Versuche oft wiederholen müssen, um Durchschnitte zu erhalten.

Die unwandelbare Verbrennung bei Entfernung von dem obersten Ende des Schnabels sowohl bei den Lampen mit bleibendem als mit wandelbarem Niveau wurde aber durch mehrere Reihen von Versuchen erwiesen.

Am 18. Oct. wurden zwei Lampen der Herren Thilorier und Barrachin und eine der HHrn. Morel und Garnier von diesen HHrn. gefüllt und angezündet. Sie wurden bis 7 1/2 Uhr Abends sich selbst überlassen; ihre Flammen waren gut; der verkohlte Theil betrug nur ungefähr 4 Millimeter, und blieb 5 bis 6 Millimeter vom Schnabel.

Weitere Versuche bewiesen, daß die Lampen der HHrn. Morel und Garnier mit wandelbarem und bleibendem Niveau sich so ziemlich gleich verhielten, und daß die Lampen der HHrn. Thilorier und Barrachin mit großem kupfernen Schnabel eben so weit vom Schnabel wegbrannten, sich aber schneller verkohlten.

Ein noch entscheidenderer Versuch wurde am 14. Oct. von einem Mitgliede des Ausschusses mit den Lampen der HHrn. Thilorier und Barrachin vorgenommen, die für den provisorischen Leuchtthurm auf der Insel Jeu bestimmt waren. Sie wurden um drei Uhr Nachmittags angezündet, und brannten des anderen Tages um 10 Uhr Morgens, also nach 19stündigem Brennen, noch mit sehr schöner Flamme, und der schwarze Theil des Dochtes war von dem Schnabel um 3–4 Millimeter entfernt, während doch das Niveau des Oehles bei dem nicht capillarischen Schnabel sich um Ein Centimeter hätte sezen sollen.

Die lang brennenden Lampen der HHrn. Thilorier und Barrachin, und ähnliche der HHrn. Morel und Garnier, wurden hierauf von Hrn. Fresnel, Secretär der Leuchtthurms-Commission, beobachtet.

Aus den von ihm angestellten Versuchen erhellt, daß von zwei Lampen der HHrn. Thilorier und Barrachin, deren Behälter für einen Zeitraum von 16–17 Stunden berechnet waren, die eine 25 1/2 Stunden, die andere 24 3/4 Stunden lang brannte; daß, nach siebzehnstündigem ununterbrochenen Brennen, der Docht der ersteren eine Schnur von 2 Millimeter, jener der zweiten eine Schnur von Einem Millimeter zeigte, und, nach 14stündigem Brennen, die Intensität |361| des Lichtes der ersteren im Verhältnisse von 139:131, der zweiten im Verhältnisse von 139:116 abnahm.

Die Lampen der HHrn. Morel und Garnier verhielten sich so ziemlich auf dieselbe Weise.

Hieraus folgt: 1) daß die Lampen der HHrn. Thilorier und Barrachin, so wie jene der HHrn. Morel und Garnier während einer Zeit, die die längste Nachtbeleuchtung erfordern kann, weit überreicht, dieselbe Wirkung hervorbringen, die man bisher einzig und allein bei Lampen mit Gloken-Bewegung möglich glaubte, wo das Oehl im Ueberflusse aus dem Schnabel der Lampe abfließt, und daß sie in dieser Hinsicht nur den Carcel'schen Lampen mit Uhrwerk-Vorrichtung nachzustehen scheinen. 2) daß die Lampen der HHrn. Thilorier und Barrachin mit plattirtem Schnabel und wandelbarem Niveau dieselbe Wirkung hervorbringen, wie die Lampen der HHrn. Morel und Garnier mit bleibendem Niveau.

3) daß die Lampen der lezteren mit bleibendem und mit wandelbarem Niveau sich so ziemlich eben so verhalten.

4) daß die Lampen des Hrn. Thilorier mit dem alten weiten kupfernen Schnabel auch in Entfernung von dem Schnabel verbrennen; daß aber die Verkohlung des Dochtes etwas schneller zunimmt.

5) daß die Lampen der HHrn. Morel und Garnier, und die Lampen mit plattirten Schnäbeln des Hrn. Thilorier eine Zunahme an Intensität des Lichtes von 6–7 Stunden vor den Lampen mit Uhrwerk-Vorrichtung voraus haben; daß die Intensität des Lichtes aber hierauf, jedoch nur langsam, abnimmt.

Vergleichung der Bedienung dieser Lampen.

An der Lampe der HHrn. Thilorier und Barrachin hat man täglich ein bewegliches Näpfchen auszuleeren; einen Trichter, in welchem nichts vorzurichten ist, aufzusezen, zu füllen, zu heben und wegzunehmen; endlich noch eine Luftröhre zu heben, und an ihre Stelle zu bringen.

An der Lampe der HHrn. Morel und Garnier, mit bleibendem Niveau, hat man einen Trichter aufzusezen, zu öffnen, zu füllen, zu schließen und wegzunehmen; zwei Hähne zu öffnen und zu schließen, und noch einen Hahn zu öffnen, zu schließen und abzupuzen, weßwegen man die Lampe über einem Oehlkruge halten muß. Lezteres kann aber nur in wehr oder minder langen Zwischenräumen geschehen, je nachdem während des Verbrennens mehr oder minder Oehl von dem Schnabel abfließt, und der Behälter mehr oder weniger groß ist.

|362|

An den Lampen der HHrn. Morel und Garnier mit wandelbarem Niveau ist ein Hahn weniger zu drehen.

Hieraus folgt, daß man bei den Lampen der HHrn. Thilorier und Barrachin weniger Operationen vorzunehmen hat, als bei jenen der HHrn. Morel und Garnier mit feststehendem Niveau, und beinahe eben so viel, wie bei jenen der lezteren mit wandelbarem.

Wenn man nun diese Bedienung an beiden Lampen in Hinsicht auf die Folgen vergleicht, die dadurch entstehen können, wenn eine oder die andere dieser Operationen vergessen wird, so sieht man, daß bei den Lampen der HHrn. Thilorier und Barrachin nur das Heben und Stellen der Luftröhre vergessen werden kann. Im ersten Falle füllt sich die Lampe nicht; im zweiten leert sie sich langsam durch den Schnabel, ohne herauszusprizen, und das Oehl sammelt sich in dem darunter befindlichen Näpfchen, das groß genug ist, um dasselbe zu fassen. Man darf dann nur das Näpfchen ausleeren, und die Lampe neuerdings füllen.

Wenn man an der Lampe der HHrn. Morel und Garnier vergißt den oberen Hahn zu drehen, ehe man den Trichter wegnimmt, so wird das Oehl herausgestoßen, weil die Füllungs-Dille unter dem Punkte ist, wo das Oehl strebt sich bis an die ganze Höhe des Schnabels zu heben, und die Dille sich in der Nahe des Umfanges der Lampe befindet.

Wenn man vergißt den Hahn zu drehen, der das Niveau immer auf demselben Punkte hält, so steigt die Salz-Auflösung nicht in den oberen Behälter, und das Oehl läuft durch die Luftdille ab. Um dann die Flüssigkeiten an ihre Stelle zu bringen, muß man den unteren Hahn drehen, und das Oehl aus dem oberen Behälter durch die Luftdille ausstießen lassen, indem man fortfährt Oehl in den Trichter zu schütten. Diese Operation ist sehr langweilig.

Wenn, nachdem man die Lampe gefüllt hat, man vergaß denselben Hahn zu drehen, so entleert die Lampe sich großen Theils durch den Schnabel. Der erste Zufall kann sich nur an Lampen mit wandelbarem Niveau ereignen. Was den unteren Hahn betrifft, so kann man nicht vergessen denselben zu schließen, indem der Schlüssel oder Drehezapfen des Hahnes über dem unteren Rande der Lampe empor ragt, wann er offen ist, und der Hahn sich durch das Niederstellen der Lampe von selbst schließt.

Hieraus folgt also, daß der größte Unfall bei nachlässiger Bedienung der Lampe der HHrn. Thilorier und Barrachin bloß darin bestehen kann, daß man das Näpfchen ausleeren und die Lampe wieder füllen muß, während bei den beiden Lampen der HHrn. Morel und |363| Garnier das Oehl herausgestoßen, und bei den Lampen mit bleibendem Niveau so sehr aus seiner gehörigen Lage gebracht werden kann, daß man viele Zeit aufwenden muß, um es wieder in den unteren Behälter zu bringen.

Bei aufmerksamer und sorgfältiger Bedienung der Lampe können übrigens diese Zufälle nie Statt haben.

Die Lampen der HHrn. Morel und Garnier haben übrigens den Vortheil, daß man sie während des Brennens selbst durch die Seiten-Oeffnung füllen kann.

Vergleichung dieser Lampen in Hinsicht auf ihren Bau.

Die Lampe der HHrn. Thilorier und Morin besteht aus zwei geschlossenen Räumen, einem beweglichen Behälter, drei feststehenden Röhren, einer beweglichen Luftröhre, und aus einem Trichter, dessen Theile alle feststehend sind.

Die Lampe der HHrn. Morel und Garnier mit feststehendem Niveau besteht aus drei geschlossenen Räumen, deren einer eine doppelte Hülle hat, aus fünf feststehenden Röhren, von welchen drei dieselbe Bestimmung haben, wie an der Lampe der HHrn. Thilorier und Barrachin; von den beiden anderen führt die eine das Oehl durch den Behälter, b, zum unteren Hahne, die andere dient zur Herstellung einer Verbindung der Füllungs-Dille mit der Aufsteigungs-Röhre; aus einer Luftröhre; aus zwei Dillen in dem oberen Näpfchen; aus drei Hähnen, wovon der eine drei, der andere zwei Eingänge hat, und aus einer ledernen Büchse.

Die Lampen der HHrn. Morel und Garnier mit beweglichem Niveau haben einen Hahn weniger, nämlich den mit zwei Eingängen und mit der ledernen Büchse.

Die Lampen der HHrn. Thilorier sind also offenbar einfacher, als die der HHrn. Morel und Garnier.

Ueberdieß bieten die Lampen der HHrn. Thilorier und Barrachin in ihrem Baue einen Umstand dar, der wichtig ist. Alle Löthungen sind außen angebracht und so gestellt, daß die Lampe zerlegt werden kann, ohne daß ihre Verzierung dabei leidet, und alle Zufälligkeiten an den Röhren leicht ausgebessert werden können.

Die Hähne an den Lampen der HHrn. Morel und Garnier machen nicht bloß den Bau der Lampe mehr zusammengesezt und erschweren den Dienst, sondern sie vermehren auch die Möglichkeit des Verlustes an Oehl.

Die HHrn. Morel und Garnier schikten uns auch, als wir mit unserem Berichte bis auf diesen Punkt gekommen waren, eine neue Lampe, an welcher sie dieselbe Vorrichtung anbringen, durch welche |364| die HHrn. Thilorier und Barrachin den unteren Hahn sich ersparen konnten.

Der Bericht-Erstatter, der das Lampen-Wesen genau studirte, hat nirgendwo gefunden, daß man vor den HHrn. Thilorier und Barrachin ein bewegliches Näpfchen über dem Oehlbehälter unter einem beweglichen Mantel der Lampe verstekt angebracht hätte; vielleicht wissen die HHrn. Morel und Garnier, daß sie bereits früher gebraucht wurde.

Die Bedienung der neuen Lampe ist so ziemlich dieselbe, wie jene der HHrn. Thilorier und Barrachin; nur ist die Bewegung der Luftröhre an dieser durch einen Hahn ersezt. Allein der ganze Bau dieser Lampe ist noch zusammengesezter; denn die Luftröhre ist durch einen Seitenhahn mit drei Oeffnungen, zwei Dillen und eine Hülfsröhre ersezt, und der Hahn sezt die Lampe früher oder später der Gefahr aus, Oehl zu verlieren.

Resultat.

1) Die Lampen der HHrn. Thilorier und Barrachin, so wie der HHrn. Morel und Garnier verdienen gleichen Beifall, indem sie das Publikum mit wohlfeilen Lampen versahen, die eben die Wirkung äußern, wie die Lampen mit Uhrwerk, und nur den Carcel'schen Lampen nachstehen.

2) Die HHrn. Thilorier und Barrachin waren aber die ersten, die hydrostatische Lampen fabricirten, welche gelangen. Da sie auf diese Weise einen neuen Zweig der Industrie gründeten, der bereits einen großen Aufschwung genommen hat, und ihre Lampen einfacher sind, und weniger Zufälligkeiten unterliegen, als jene mit Hähnen, so verdienen sie Aufmunterung, die sie bei Vertheilung der Medaillen vielleicht erhalten werden.

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