Titel: Verbesserte Spreng-Methode.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 31, Nr. CVIII. (S. 382–384)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj031/ar031108

CVIII. Verbesserte Spreng-Methode; vorzüglich zur Verhütung der Unfälle beim Sprengen.

Aus dem Mechanics' Magazine. N. 283. 10. Jäner 1829. S. 381.

(Mit einer Abbildung auf Tab. VI.)

Einsender sah folgende Methode bei dem Sprengen der Mauern147) |383| und Felsen im Großen anwenden, ohne daß sich bei derselben so häufig, wie gewöhnlich, Unfälle ereignet hätten.

Nachdem das Loch auf die gewöhnliche Weise gebohrt, gereinigt und getroknet wurde, wird, mittelst eines zinnernen Trichters von der hier gezeichneten Form, die gehörige Ladung Pulvers eingeschüttet, aber nicht eingerammt.

Die Zündröhre (aus Schilf, Weizenstroh oder Papier), welche das Pulver enthält, durch welches die Ladung angezündet wird, wird auf diese aufgesezt, und der übrige Zwischenraum mit trokenem Sande angefüllt.

Hierauf legt man die Lunte auf die Zündröhre, und häuft um erstere Sand bis an ihr oberes Ende an. Nun kann man die Lunte mit Sicherheit anzünden.

Die Vortheile bei dieser Methode sind:

1) Der Trichter läßt keine Pulverkörner und keinen Pulverstaub an den Seiten und an der Mündung des Bohrloches hängen bleiben. Dadurch wird Eine Möglichkeit von Unfällen beseitigt.

2) Durch Anwendung des trokenen Sandes mittelst des Trichters wird die Gefahr einer Explosion, die bei der gewöhnlichen Methode, wo man in das Bohrloch allerlei Steine und Erde mittelst eines eisernen Instrumentes auf frei daliegendes Schießpulver einrammt, nothwendig, und wie die Erfahrung zeigt, sehr groß ist, vollkommen beseitigt.

3) Hindert der um die Lunte aufgehäufte Sand die zu schnelle Mittheilung des Feuers an die Zündröhre, so daß der Arbeiter, nachdem er die Lunte angezündet hat, noch Zeit genug findet, um sich in hinlängliche Entfernung zu flüchten.

Wer zweifelt, daß der Sand das gefährliche Einrammen vollkommen ersezt, mag's nur versuchen148).

|382|

In England bedient man sich, wie wir im Polytechn. Journale B. XVII. S. 133. gesehen haben, häufig des Sprengens beim Niederreißen der Häuser. |383| Da die Maurer sich hier zuweilen mit der Minir-Kunst befassen, die, (um mit den deutschen Philosophen unserer Zeit baren Unsinn zu sprechen,) die Baukunst von der Nachtseite ist, oder derselben polarisch gegen über steht, so ergeben sich auch zuweilen Unfälle, die jedoch nicht im Verhältnisse mit denjenigen stehen, die durch das bei uns gewöhnliche Niederreißen (Abtragen oder Abhaken) der Gebäude so häufig sind, daß sie oft halbe Abtheilungen in Spitälern und einen guten Theil der Kirchhöfe füllen. Da es jezt hier und da Sitte wird, Gebäude aufzuführen, bloß um sie schnell wieder einzureißen, so können wir zur schnellen Abtragung derselben kein kräftigeres, sichereres und wohlfeileres Mittel empfehlen, als eine halbe Compagnie Mineurs. Die Artillerie eines einzigen Schiffes reichten hin, um alle Häuser der abgebrannten langen Straße zu Edinburgh in wenigen Minuten sanft niedersizen zu machen. Maurer würden eben so viele Monate gebraucht haben, als ihre Polaritäten, die Mineurs, Minuten.

A. d. U.

|383|

Diese Verbesserung ist nicht ganz neu, und wurde schon vor 20 Jahren zum Theile von Jessop angewendet, der Sand und sogar Holzspäne zum Sprengen benüzen lehrte. Auch der Trichter ist nicht neu. Der Uebersezer weiß, daß er bei einer Saline schon vor 20 Jahren, als man Jessop's Methode an derselben |384| angewendet, aber – so weit gehen die Vorurtheile derjenigen, die das Salinenwesen leiten, das heute zu Tage noch so einfältig geführt wird, wie im 15ten und 16ten Jahrhunderte; und in mancher Hinsicht sogar noch schlechter – von jenen als unnüze Neuerung nicht passirt wurde.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: