Titel: Ueber künstliche Demante.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 31, Nr. XVIII./Miszelle 2 (S. 75–76)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj031/mi031018_2

Ueber künstliche Demante.

Es wurde bereits im polyt. Journale Bd. XXX. S. 395 bemerkt, daß es Hrn. Gannal gelungen ist, reinen Kohlenstoff (aus welchem der Demant bekanntlich besteht) in Krystalle zu verwandeln, welche alle Eigenschaften des Demantes besizen. Folgendes ist das Detail seiner Versuche.

Wenn man einige Stangen Phosphor in eine Retorte gibt, in welcher sich Schwefel-Kohlenstoff befindet, der mit einer Schichte Wassers bedekt ist, so wird der Phosphor in dem Augenblike, in welchem er den Schwefel-Kohlenstoff berührt, sich auflösen, flüssig werden, und auf den Boden der Retorte sinken. Die ganze in der Retorte enthaltene Masse theilt sich dann in drei verschiedene Schichten: die oberste ist reines Wasser; die zweite Schwefel-Kohlenstoff; die dritte der geflossene Phosphor. Wenn man nun die Retorte schüttelt, so daß diese drei Schichten unter einander gemengt werden, so wird die ganze Masse dik, milchicht, und scheidet sich, nach einiger Ruhe, wieder neuerdings, aber nur in zwei Schichten, von einander; die obere bildet reines Wasser, die untere Phosphor-Schwefel, und zwischen diesen beiden Schichten zeigt sich eine sehr dünne Lage feinen Pulvers, welches, wenn die Retorte den Sonnen-Strahlen ausgesezt wird, mit allen Farben des Regenbogens spielt, und folglich aus einer Menge kleiner Krystalle zu bestehen scheint.

Aufgemuntert durch dieses Resultat suchte Hr. Gannal größere Krystalle zu erhalten, und es gelang ihm.

Er gab in eine Retorte, die an einen Ort gestellt wurde, wo sie ruhig stehen bleiben konnte, zuerst acht Unzen Wasser, dann acht Unzen Schwefel-Kohlenstoff und acht Unzen Phosphor. Der Phosphor löste sich, wie vorher auf, und die drei Flüssigkeiten schieden sich nach dem Geseze ihrer specifischen Schwere. Nach vier und zwanzig Stunden hatte sich zwischen dem Wasser und dem Schwefel-Kohlenstoffe eine sehr dünne Schichte weißen Pulvers gebildet, die hier und da Luftblasen in sich enthielt, und mehrere Mittelpunkte der Krystallisation zeigte: einige Krystalle bildeten |76| kleine Tafeln, andere Sterne. Im Verlaufe einiger Tage ward diese Schichte diker, und die beiden unteren Flüssigkeiten waren nun weniger deutlich von einander getrennt, so daß sie nach drei Monaten nur Eine Masse zu bilden schienen.

Nachdem noch Ein Monat ohne weiteres Resultat verstrichen war, so handelte es sich darum ein Mittel zu finden, die krystallisirte Schichte von dem Phosphor-Schwefel abzusondern, was bei der Entzündbarkeit dieser Mischung schwierig war. Nach verschiedenen mehr oder minder mißlungenen Versuchen entschloß sich Hr. Gannal die ganze Masse durch ein Gemsfell laufen zu lassen, das er unter eine gläserne Gloke brachte, unter welcher er die Luft von Zeit zu Zeit erneuerte. Nach einem Monate konnte das Gemsfell ohne Gefahr gehandhabt werden, es wurde zusammengelegt, ausgewaschen und getroknet. Hr. Gannal war nun zum ersten Male im Stande, die Krystalle zu untersuchen, die auf dem Felle zurükblieben. Der Sonne ausgesezt zeigten sie sich als eine zahllose Menge von Krystallen, die alle Farben des Prismas strahlten. Zwanzig derselben waren groß genug, daß man sie auf die Spize eines Federmessers bringen konnte, und drei hatten die Größe eines Hirsekorns. Leztere wurden einem erfahrnen Juwelier zu Paris gezeigt, der sie für wirkliche Demante hielt. (Mech. Mag. Nro. 278. 6. Dec. S. 300.)

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