Titel: Ueber das Fett der Wolle.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 31, Nr. XVIII./Miszelle 8 (S. 77–78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj031/mi031018_8

Ueber das Fett der Wolle.

Hr. Chevreul las am 8. Septbr. 1828 vor der Académie des Sciences eine Abhandlung über den fetten Stoff der Wolle. Die in dieser Abhandlung enthaltenen |78| Thatsachen sind aus einer sehr ausführlichen Arbeit hervorgegangen, deren Zwek ist, die hauptsächlichsten Verschiedenheiten der Wolle in Hinsicht ihrer näheren Bestandtheile auszumitteln, um den Einfluß der verschiedenen Substanzen, welche sie enthalten kann, und die nicht zur Faser gehören, kennen zu lernen. Der Verfasser hat aus der Merinoswolle, welche vorläufig in reinem Wasser entfettet worden war, wenigstens 18 Procent fette Substanz ausgezogen. Auf diese Substanz hat er vorzüglich die Aufmerksamkeit der Akademie in der ihr gemachten Mittheilung gelenkt. Leztere Substanz besteht wenigstens aus zwei näheren Bestandtheilen, welche sich von einander in ihrem Schmelzpunkte unterscheiden. Der eine ist bei der gewöhnlichen Temperatur wie Wachs, während der andere unter denselben Umständen dem Rükstande von der Destillation des Terpenthinöhls gleicht. Beide können mit Wasser eine Emulsion bilden, wodurch sie sich von dem Stearin und Olein unterscheiden und sich dem Fett des Hirns nähern.

Wenn man die fette Substanz der Wolle mit Kaliauflösung erhizt, so verseift sie sich unter den Umständen, wo das Olein und Stearin verseift würden, keineswegs. Diese Bestandtheile enthalten keinen Stikstoff, wie das Fett des Gehirns. Es ist merkwürdig, daß die Wollfaser, welcher man 18 Procent der fetten Substanz entzogen hat, sich nicht viel besser als früher zum Färben eignet, wie man dieses bei der Annahme, daß die Wolle vor dem Färben nothwendiger Weise entfettet werden muß, hätte erwarten können. Die Wolle, welche ihr Fett verloren hat, enthält noch den Schwefel, welchen man in derjenigen findet, die nicht entfettet wurde, und entwikelt wie leztere, mit Alaun und Weinstein behandelt, Schwefelwasserstoff. Diesem in der Wolle enthaltenen Schwefel muß man die Färbung zuschreiben, welche bei der Wolle eintritt, wenn man sie in einer Auflösung von essigsaurem Blei, oder essigsaurer Alaunerde, welche noch essigsaures Blei enthält, oder salzsaurem Zinnoxydul u.s.w. erhizt. (Bulletin des Scienc. technol. Octbr. 1828. S. 241.) Sobald die Abhandlung des Hrn. Chevreul in den Ann. de Chim. erscheint, werden wir nicht säumen, sie unseren Lesern mitzutheilen.

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