Titel: Weißes Holz auf der Drehebank zu verzieren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 31, Nr. XLII./Miszelle 23 (S. 150)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj031/mi031042_23

Weißes Holz auf der Drehebank zu verzieren.

Hr. Gill beschreibt im October-Hefte S. 253 zur Verzierung des weißen Holzes auf der Drehebank folgende Methode, von welcher, wie er sagt, noch in keinem Werke über die Drehekunst Nachricht gegeben ist.

Man schmilzt Schell-Lak und Wachs, und sezt denselben, während sie noch flüssig sind, irgend ein farbiges Pulver zu, z.B. rothen Lak, Vermillon, Berliner-Blau, Indigo, Königs-Gelb, gelben Ocher, Lampenschwarz etc. Aus jeder dieser Farben macht man einen eigenen Ballen.

Nachdem das Holz, welches man verzieren will, in der Drehebank seine Form bereits erhalten hat, läßt man es in derselben schnell umlaufen, und hält den Ballen von der Farbe, die man dem gedrechselten Gegenstande geben will, an den lezteren an. Durch die Hize, welche durch die Reibung des Ballens an dem Holze entsteht, schmilzt ein Theil dieser Farbenmasse, und bleibt an demselben kleben. Dieser Theil von Farbenmasse wird nun gehörig vertrieben und dadurch polirt, daß man ein Stük Kork an das gedrehte Stük auf der gefärbten Stelle fest anhält. Um nun die verlangten farbigen Ringe auf der Arbeit zu erhalten, nimmt man das Ueberflüssige von der Farbe wieder mit dem Meißel weg, und trägt auf ähnliche Weise eine andere Farbe auf, wenn man mehrere solche Ringe von verschiedenen Farben haben will, bis endlich die Arbeit ganz vollendet ist.

Die gewöhnliche Weise, gefärbtes Bienenwachs auf ähnliche Art auf Drechsler-Arbeiten aufzutragen, taugt nichts, indem man mit demselben nicht so schön und zart, und nicht so haltbar arbeiten kann.

Unsere Tunbridger-Drechsler68) könnten auf diese Weise ihre Arbeiten sehr vervollkommnen.

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Tunbridge ist für England, was Berchtesgaden, Geißlingen und Nürnberg für Deutschland sind.

A. d. U.

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