Titel: Ueber die verdorbene Luft in den Brunnen und die Lebensgefahr bei Reinigung derselben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 31, Nr. XLII./Miszelle 34 (S. 153)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj031/mi031042_34

Ueber die verdorbene Luft in den Brunnen und die Lebensgefahr bei Reinigung derselben.

Hr. Capitän Forman erzählt im London Journal of Arts, December, S. 136, den traurigen Fall, daß neulich wieder zwei Menschen bei dem Reinigen eines Brunnens zu Grunde gingen, indem sie in der verdorbenen, in der Tiefe des Brunnens befindlichen, Luft erstikten.

Er fordert die Regierungen und die Journalisten auf, in ihren Blättern bekannt zu machen, daß, man dem sichern Tode, den jährlich so viele Menschen69) bei Reinigung alter Brunnen finden, leicht dadurch entgehen kann, wenn, ehe man sich in den Brunnen hinabwagt, ein angezündetes Licht in einer Laterne oder eine kleine Fakel an einer Schnur oder Stange in den Brunnen hinabgelassen und zugesehen wird, ob das Licht oder die Fakel brennt, und daß man es ja nie wagen dürfe in den Brunnen hinabzusteigen, wenn das Licht auslischt, indem der Mensch in einer Luft, in welcher kein Licht zu brennen vermag, augenbliklich erstikt.

Es sollte von Stadt- und Land-Polizei wegen kein Brunnen bestiegen werden dürfen, ohne daß Anzeige hiervon bei der Polizei-Behörde geschieht, die dann ihren Mann (aber tarfrei!) abzusenden hat, welcher den Versuch mit dem Lichte vorläufig anstellen muß, ehe jemand in den Brunnen hinabsteigt.

Capitän Forman schlägt vor, wenn das Licht oder die Fakel in dem Brunnen verlischt, die verdorbene Luft mittelst einer tragbaren, aber starken, Saugpumpe, die man an einem luftdichten in den Brunnen hinabgelassenen, ledernen, hervor in Wasser geweichten, Schlauch anbringt, aus dem Brunnen auszupumpen.70)

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Der Uebersezer erinnert sich in seiner frühen Jugend sechs Männer in Einem Brunnen neben dem Hause seines Vaters erstikt gesehen zu haben. A. d. U.

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Dieser Apparat scheint uns zu umständlich und zu kostbar. Auf eine weit einfachere Weise würde sich für die kurze Zeit über, während welcher man in dem Brunnen arbeiten muß, die Luft in demselben dadurch reinigen lassen, daß man einige Eimer Kalkwasser und Kalk-Chlorür in den Brunnen schüttet, und dann neuerdings versucht, ob jezt ein Licht im Brunnen brennt, ehe man sich in denselben hinabwagt.

A. d. U.

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