Titel: Der Rüben (Turnips) Bau ist deutschen Ursprungs. Von Sir Walter Scott.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 31, Nr. XLII./Miszelle 38 (S. 154–155)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj031/mi031042_38

Der Rüben (Turnips) Bau ist deutschen Ursprungs. Von Sir Walter Scott.

Bis Anfangs des 18ten Jahrhunderts wurde die Rübe, dieses kostbare Wurzel-Gewächs, bei uns nur in Gärten oder auf kleinen Akerfleken zum Küchengebrauche gebaut. Lord Townshend, der König Georg den I. auf einer Reise nach Deutschland als Staats-Sekretär begleitete, sah aber, daß man in diesem Lande Rüben auf Ackern in vielen Tagwerken als Viehfutter baut, und dadurch unfruchtbare Gründe verbessert; er brachte Samen dieser Rüben aus Deutschland nach England, und empfahl allen seinen Pächtern, die einen ähnlichen Boden hatten, wie jenen, den er in Hanover fand, diese Rüben auf hanöversche Weise zu pflanzen. Die Versuche gelangen, und der Rübenbau auf den Aekern im Großen verbreitete sich nach und nach über ganz Norfolk, und im Verlaufe der Zeit über ganz England. Der Ruf des Norfolk-Landes als akerbauende Gegend schreibt sich erst aus Lord Townshend's Zeiten, der mit ungeheueren Anstrengungen die Heiden, die öden Gründe, die Schafweiden und alle unfruchtbaren Pläze umzäunte und düngte. Einige seiner Nachbarn folgten seinem Beispiele, das bald darauf wieder von anderen nachgeahmt wurde. Seit der Zeit, als diese Verbesserungen in Norfolk vorgenommen wurden, stieg der Werth der Gründe von Einem oder Zwei Shillings, die man für Ein Acte gab, bis auf 15 und 20 Shillings, und das Land, das ehevor nur Schafweiden und Kaninchen-Gehege hatte, wurde eines der fruchtbarsten Länder, dessen erhöhter Ertrag |155| durch fleißige Bewirthschaftung noch bis auf den heutigen. Tag vermehrt und verbessert wurde. Das herrlichste Getreide in der Welt wächst jezt auf demselben Boden, auf welchem vor Einführung des Rübenbaues einige dürre und halbverhungerte Kaninchen kaum ein Hälmchen Gras als Futter fanden. Hr. Colquhoun schäzt in seinen Statistical Researches den Werth aller in England gegenwärtig gebauten Rüben auf jährlich 14 Millionen Pfund Sterling (168 Millionen Gulden). Wenn man aber bedenkt, daß der Landwirth durch den Rübenbau in den Stand gesezt wird Gründe zu bebauen und zu benüzen, die sonst als öde Gründe bei ihrer natürlichen Unfruchtbarkeit liegen bleiben müßten; daß der Boden durch den Rübenbau so schön vom Unkraute gereinigt und so gut wird, daß man mit Sicherheit Gerste und Klee in denselben bauen kann; daß dieser Klee eine herrliche Vorbereitung zum Weizenbaue wird; so wird es jedem einleuchten, daß die Vortheile der Folgen des Rübenbaues den eigentlichen Werth der Rüben als Viehfutter unendlich übertreffen müssen. Wenn man mich fragte, wer der Mann ist, der in neueren Zeiten der größte Wohlthäter für das Land geworden ist, so wurde ich keinen Augenblik anstehen auf jenen geistreichen edlen Lord hinzuweisen, den die Schöngeister und die Hofleute seiner Zeit als den „Rüben-Townshend“ (Turnip-Townshend) verlachten und verhöhnten. In weniger als einem Jahrhunderte hat der Rübenbau, den er aus Hanover nach England brachte, sich über ganz England verbreitet, und dieser Rübenbau liefert gegenwärtig jährlich gerade so viel Ertrag, als nöthig ist um die Interessen unserer National-Schuld zu tilgen, und vielleicht noch etwas darüber. (Quarterly Review. Edinburgh Neu Philos. Journal. Sept. 1828. S. 409.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: