Titel: Erklärung des königl. geh. Rathes J. v. Utzschneider gegen einige Aeußerungen in der Bibliothèque universelle und dem Globe über die Erzeugung des Flintglases.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 31, Nr. XLII./Miszelle 63 (S. 160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj031/mi031042_62

Erklärung des königl. geh. Rathes J. v. Utzschneider gegen einige Aeußerungen in der Bibliothèque universelle und dem Globe über die Erzeugung des Flintglases.

Im Novemberstüke der Bibliothèque universelle S. 175 wird von den Herausgebern dieser Zeitschrift behauptet: daß das Objektiv des Refraktors (welcher, wie bekannt, von dem optischen Institute Utzschneider und Fraunhofer in München für die Sternwarte in Dorpat verfertigt wurde) aus den Schmelztiegeln des Hrn. Guinaud hervorgegangen sey.“ Zu gleicher Zeit wurde auch in mehrern öffentlichen Blättern die Neuigkeit als Auszug aus der Zeitschrift le Globe Tom. VI. N. 107. Nov. 1828 verbreitet: „daß die HH. Thibeaudeau und Bontemps das mit Fraunhofer und dessen Gehülfen Guinaud zu Grabe getragene Geheimniß, ganz reines Flintglas zu optischen Zweken, und von beliebiger Größe zu verfertigen, unter Guinaud des Sohnes Beistand wieder aufgefunden haben. Unter den Platten, welche sie der französischen Akademie der Wissenschaften zur Beurtheilung vorgelegt haben, befindet sich eine von 14 Zoll Durchmesser.

Nicht gewohnt, das Publikum mit Privat-Angelegenheiten zu belästigen, halte ich wegen der Theilnahme desselben an der Erhaltung für die Menschheit allgemeinnüzlicher Kenntnisse mich doch für verpflichtet, obigen Angaben, so weit es vor der Hand nöthig ist, sowohl zur Ehre des leider zu früh gestorbenen Optikers Fraunhofer, als des optischen Instituts im Allgemeinen, – zu widersprechen, und ich habe daher in der Beilage zur Allgemeinen Zeitung, N. 25, den 25sten Januar 1829, S. 99. über die Verhältnisse des in obigen Zeitschriften genannten Hrn. Guinaud zu meinem optischen Institute in Benediktbeuren (wovon ich in meinem kurzen Umrisse der Lebensbeschreibung des Hrn. Dr. Jos. von Fraunhofer schon im J. 1826, Polyt. Journ. Bd. XXI. S. 161. Meldung machte) einige Aufklärung gegeben.

Die Fernröhre, welche seit Fraunhofers Tode aus meinem optischen Institute in die Welt hinausgingen und wozu die Objektive aus neu geschmolzenem Glase verfertigt worden, widerlegen die Angabe der genannten Zeitschrift le Globe, daß mit Fraunhofers und dessen Gehülfen Guinaud ihr Geheimniß, ganz reines Flintglas zu optischen Zweken und in beliebiger Größe zu verfertigen, zu Grabe getragen sey.

Bei der Gewißheit, daß ich in der Erzeugung dieser Glasarten in meinen Glasöfen nicht zurük bleiben werde, freut es mich, wenn auch Andere diesen Industriezweig versuchen, und veranlassen, daß aus ihrem Flint- und Crownglase bessere Sehwerkzeuge, als bisher die bayerischen waren, auch wirklich ein Mal verfertigt werden.

J. v. Utzschneider.

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