Titel: Ueber die Wünschelruthe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 31, Nr. LXX./Miszelle 18 (S. 234)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj031/mi031070_18

Ueber die Wünschelruthe.

Es darf uns nicht befremden, in einem Blatte, in welchem man sogar einen Aufsaz gegen die Wetter-Ableiter, als Eingriff in die Rechte der Allmacht, aufgenommen hat, einen Aufsaz über die Wünschelruthe zu lesen, der zum Theile aus einem Lande herkommt, wo neben hellem Lichte auch Köhler-Glauben und ägyptische Finsterniß ist. Wir wissen, was für eine saubere Rolle der Akademiker Ritter zu München vor 20 Jahren mit der Wünschelruthe, im Verein mit einem Abbate italiano, spielte, und wie man dort mit der Wünschelruthe Wasser fand, wo keines war, und umgekehrt die Wünschelruthe kein Wasser zeigte, als der Wasserschmeker auf dem Bassin eines Gartens stand, das mit Brettern und Sand bedekt war. Ein ungläubiger Engländer erzählt nun im Mechanics' Magazine, N. 282, 3. Jäner 1829, S. 366: daß einer seiner Freunde in Nord-America ihn von der Kraft der Wünschelruthe überzeugte; daß dieser gute Freund nicht bloß sich selbst, sondern auch vielen seiner Bekannten, mittelst der Wünschelruthe zu Brunnen half; daß Er selbst (der Erzähler nämlich) diesem guten Freunde eine Wünschelruthe vom Zaune schnitt und auf die Finger legte, und daß diese Ruthe alsogleich schlug, als Er den guten Freund auf eine Stelle führte, wo Wasser unter der Erde war, ohne daß lezterer es wußte; daß aber die Wünschelruthe nicht mehr schlug, als der gute Freund auf einen gewöhnlichen Isolir-Schämel mit gläsernen Füßen an derselben Stelle gebracht wurde, auf welchen die Wünschelruthe ehevor schlug. (!!) Der Erzähler findet nun hierin einen Beweis der elektrisch-magnetischen Kraft seines Freundes und der Wünschelruthe auf das Wasser, und scheint nicht zu bedenken, daß der gute Freund, „den Umstände hinderten, weitere Versuche mit sich anstellen zu lassen,“ sehr wohl wußte, daß er bei dem Versuche auf einem Isolir-Schämel stand, und daß auf demselben, wenn anders seine Wunderkraft etwas gelten soll, die Wünschelruthe nicht schlagen dürfte. Wir leben in einem sauberen Zeitalter!

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