Titel: Hrn. Goldsworthy Gurney's Dampf-Wagen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 31, Nr. LXX./Miszelle 5 (S. 231–232)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj031/mi031070_5

Hrn. Goldsworthy Gurney's Dampf-Wagen.

Wir haben über diesen Dampf-Wagen des Wundarztes G. Gurney seiner Zeit im Polytechn. Journ. Bd. XXVII. S. 390. Bd. XXIX. S. 1, Nachricht gegeben und Beschreibung und Abbildung geliefert. Das Repertory of Patent-Inventions liefert in seinem November-Hefte S. 278. einen Auszug aus der Patent-Erklärung ohne Abbildung, und begleitet denselben mit folgenden Bemerkungen:

„Der röhrenförmige Dampfkessel in dem Apparate des Hrn. Gurney unterliegt denselben Nachtheilen, auf welche wir bei anderen Gelegenheiten, wo von Kesseln dieser Art die Rede war, aufmerksam gemacht haben: das Wasser wird aus diesen Röhren durch die Gewalt des Dampfes ausgeblasen, und die Röhren gehen dadurch im Feuer schnell zu Grunde. Das Wasser kann nur mittelst eines sehr starken Drukes in denselben erhalten werden, so wie Hr. Perkins denselben bei seiner Maschine mit hohem Druke anwendete. Die horizontal arbeitenden Stämpel werden die liegenden Cylinder ungleich abnüzen und furchen, wogegen sich nur dasjenige anwenden läßt, was Hr. Costigen in seinem verbesserten Dampfapparate, den er im December 1826 patentisiren ließ, und den wir im V. Bande des Repertory der gegenwärtigen Series (Polytechn. Journ. Bd. XXVII. S. 401.)97) beschrieben haben, vorschlug.

Die Anbringung eines dritten arbeitenden Cylinders bei der Drukpumpe und dem Gebläse kann allerdings einige Vortheile gewähren; sie macht aber diese ohnehin schon sehr complicirte Maschine nur noch mehr complicirt, und wir sehen nicht ein, wie man dieselben Vortheile nicht auch durch gehörige Führung der anderen arbeitenden Cylinder sollte erhalten können.

Das Gebläse ist eine alte Vorrichtung, die Desaguliers in seinen Vorlesungen schon im J. 1763 unter dem Namen des Hessischen Blasebalges beschrieb; nur die Anwendung desselben bei einer Dampfmaschine ist neu, und selbst diese neue Anwendung hat Hr. Neville schon vor vier Jahren, wenn nicht früher, bei seiner Dampfmaschine am Dockhead gemacht, und, wenn wir nicht irren, auch in seinem Patente mit eingeschlossen.

Der lange Griff zum Leiten der Räder ist eine Vorrichtung, die ähnlichen Vorrichtungen zu demselben Zweke weit nachsteht, indem sie sich durch die Hand des Führers nur sehr wenig nach einer und der anderen Seite lenken läßt, und folglich die Räder durch dieselbe nur sehr wenig geleitet werden können.

Der Patent-Träger scheint dadurch, daß er zu der alten Methode, die hinteren Räder des Wagens mit Gewalt zu treiben, seine Zuflucht genommen hat, vielleicht zurük geschritten zu seyn; die Vorrichtung in seinem früheren Patente gefiel uns besser. Wir finden es ferner, aus Gründen, die wir schon öfters angegeben haben, nicht zwekmäßig, daß Reisende und Güter auf demselben Wagen sizen, auf welchem die Dampfmaschine sich befindet, und wir zweifeln sehr, ob |232| Hrn. Gurney's Dampf-Wagen, wenn er nicht die Reisenden und die Güter auf einem besonderen Wagen anbringt, und von dem Dampfwagen ziehen läßt, auf irgend einer Straße bei seiner ungeheueren Schwere fahren kann, da die Schwere durch Parliaments-Acten bestimmt ist. Indessen finden wir seinen Wagen doch noch leichter, als jenen Burstall's und andere.“

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Das London Journal bringt Hrn. Costigen's Patent erst jezt in seinem December-Hefte, S. 142.

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