Titel: Vergleich des Charakters des Irländers und Engländers in Bezug auf Industrie und Handel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 31, Nr. CXI./Miszelle 31 (S. 397–398)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj031/mi031111_31

Vergleich des Charakters des Irländers und Engländers in Bezug auf Industrie und Handel.

Der Charakter des Irländers war stets und immer dem Gedeihen des Gewerbfleißes und des Handels ungünstig. Zu beiden gehört die höchste Mäßigkeit und Nüchternheit., Geduld, Beharrlichkeit, unermüdeter Fleiß und die höchste Aufmerksamkeit. Der Irländer hat sich nie, weder durch die eine noch durch die andere dieser guten Eigenschaften ausgezeichnet. Während der englische Handwerksmann, wie der englische Krämer, schon am frühesten Morgen bei seinem Gewerbe ist, um Mittag Mahlzeit hält und dann bis spät in die Nacht fortarbeitet und auf nichts |398| anderes denkt, als auf seine Arbeit, will der Irländer, der nicht den zehnten Theil der Hülfsquellen des Engländers besizt, das Leben eines gnädigen Herrn mit jenem eines Gewerbsmannes verbinden. Er tritt erst nach seinem späten Frühstüke in seine Werkstätte oder in sein Gewölbe, bleibt dort bis 5 oder 6 Uhr Nachmittags, und läßt sich dann bis zum nächsten Morgen nicht wieder sehen. Wenn er, dessen ungeachtet, so glüklich ist sich einige Tausend Pfund zu erwerben, so benuzt er diesen Gewinn nicht, wie der Engländer, um sein Gewerbe zu vergrößern oder seine Geschäfte zu erweitern, sondern zieht sich auf sein Landhaus zurük und verschleudert dort in Gastereien den Gewinn, den er machte, und der ihm zu großen Capitalien geholfen haben würde. So ist's nun ein Mal in Irland, und dieß ist die Ursache, warum es in diesem Lande keine wohlhabenden Leute, keine Capitalisten unter dem Gewerbs- und Handelsstande gibt. Es ist eine Seltenheit in Irland einen Mann zu finden, der, wie man sagt, über und über in Geschäften stekt: der Irländer watet in aller Hast durch den Strom des Lebens durch, damit er Zeit gewinnt am Ufer zu spielen. Lokerheit und Sorglosigkeit ist, in allen Verhältnissen des Lebens, der Grundzug im Charakter des Irländers aus allen Standen, aus den höchsten, wie aus den niedrigsten: und da der Geist der Ordnung und militärischer Pünktlichkeit allein der Herold des Sieges im Kampfe des Lebens ist, so kann obiger Grundzug im Charakter des irischen Volkes das Gedeihen der Gewerbe und des Handels nicht begünstigen. Der Irländer ist auch viel zu sanguinisch; er geht zu rasch bei seinen Unternehmungen, und fehlgeschlagene Hoffnungen sind die Folgen derselben. Das National-Mährchen von jenem Irländer, der all sein Geld auf einen kostbaren Beutel ausgelegt hat, ohne zu bedenken, daß ihm kein Heller mehr übrig blieb, den er in diesen Beutel steken konnte, ist der beste Commentar zu den meisten Unternehmungen der Irländer. Sie haben herrliche Canäle, und kein Schiff darauf; Waarenhäuser, und keinen Ballen Waare darin, und die guten Leute, die ihr Geld dazu hergaben, beziehen kaum 2/3 der berechneten Interessen. Der Irländische Fabrikant und Kaufmann macht in Pallästen Bankerott, und der kleine Engländer wird in schlechten Werkstätten und Kramläden Capitalist. Atlas. Galignani N. 4286. (Es scheint, daß solche Irländer oder Bierländer auch auf dem festen Lande sind.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: