Titel: Kohlenstaub als Mittel gegen eine Krankheit der Zwiebel und des Kohles.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 31, Nr. CXI./Miszelle 41 (S. 401)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj031/mi031111_41

Kohlenstaub als Mittel gegen eine Krankheit der Zwiebel und des Kohles.

Hr. Smith, Gärtner bei Hrn. M. Bell, erzählt in den Transactions of the London Horticultural Society, daß in dem nassen festen Boden des Gartens, den er zu besorgen hat, die Zwiebeln alle von einem Wurme und von Schimmel zerstört wurden, und dieß zwar in allen Perioden ihres Wachsthumes. Die Zwiebel-Schalen wurden im Anfange der Krankheit graulich bläulichgrün, dann gelb, und die Blätter wurden hängend. Alle gewöhnlichen Mittel wurden versucht, und blieben ohne Erfolg, bis Hr. Smith auf die Idee kam, Kohlenstaub, der auf der Kohlenstätte eines Kohlen-Meilers zurük bleibt, einen halben Zoll dik oben auf die Erde derjenigen Beete zu streuen, die er mit Zwiebelsaamen besäen wollte, und vorläufig auf gewöhnliche Weise düngte und umgrub. Der Kohlenstaub wurde bloß mit der Spize der Schaufel eingestrichen, so daß die Erde an der Oberfläche des Beetes damit gemengt wurde. Seit Anwendung dieses Mittels blieben die Zwiebeln gesund, und es zeigte sich nicht die mindeste Spur einer Anstekung. Hr. Smith machte den Versuch im Großen. Er theilte ein 50 Fuß langes und 5 Fuß breites Beet in zwei gleiche Theile, bestellte die eine Hälfte nach obiger Weise mit Kohlenstaub, und ließ die andere ohne denselben; auf dieser waren alle Zwiebeln, wie in diesem Garten es immer der Fall war, von Würmern und von Schimmel zerstört, während sie auf ersterem gesund blieben und reichliche Ernte gaben. Diese Versuche wiederholte er zwei Jahre lang in allen Theilen seines Gartens immer mit demselben Erfolge.

Der Kohlenstaub muß vollkommen troken seyn und auf Haufen, die man mit Moos bedekt, aufgeschlagen zum Gebrauche aufbewahrt werden.

Hr. Smith bediente sich des Kohlenstaubes mit demselben Erfolge auch gegen eine ähnliche Krankheit an den Wurzeln der Kohlengewachse, die die englischen Gärtner „Dlubbing“ nennen, und gegen welche er bisher ungelöschten Kalk vom Kalkofen her ohne Erfolg anwendete158)158.

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Eine ähnliche Krankheit, wie die hier unter dem Namen Schimmel an den Zwiebeln beschriebene, kommt auch nicht selten an den kostbaren Zwiebeln des Safrans vor, der in Ober-Oesterreich mit so gutem Erfolge gebaut wird. Sie ist in Frankreich, im ehemaligen Gatincis, unter dem Namen la mort bekannt, und rührt von einer eigenen Art kleiner Pilze her, die sich an diesen Zwiebeln erzeugen. Es wäre der Mühe werth, daß die Safranbauer, die ohnedieß mit so vielen Gefährlichkeiten bei ihrem müheseligen Baue zu kämpfen haben, diesen Kohlenstaub versuchten. Da ferner ein ähnliches Uebel sich auch zuweilen an kost baren Zwiebel-Gewächsen zeigt, so können auch Blumen-Gärtner den nicht weniger als kostbaren Versuch mit Kohlenstaub anstellen. A. d. U.

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