Titel: Ueber Thee-Bau und Thee-Bereitung in China.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 31, Nr. CXI./Miszelle 44 (S. 402–403)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj031/mi031111_44

Ueber Thee-Bau und Thee-Bereitung in China.

Der Thee-Baum wird nur im mittleren China mit Vortheil gezogen; im nördlichen ist es ihm zu kalt, im südlichen zu warm. Das eigentliche Theeland liegt zwischen dem 59 und 35. Grade Nördl. Breite in den Provinzen Tokyen, Ho-ping, An-koy etc. Es gibt einige Thee-Pflanzungen um Canton; aber nur wenige und unbedeutende. Die Bäume stehen 3–5 Fuß weit von einander, und haben ein zwergartiges Ansehen; denn man läßt sie nicht höher wachsen, als daß Männer, Weiber und Kinder die Blätter mit Bequemlichkeit einsammeln können. Die Blätter werden, nach dem verschiedenen Alter der Bäume ein bis vier Mal des Jahres gesammelt. Die Verschiedenheit der Jahreszeit, in welcher die Einsammlung der Blätter geschieht, und die verschiedene Zubereitung derselben liefert die verschiedenen Theesorten, die durch Ansehen, Qualität und Werth so sehr von einander abweichen. Diejenigen Blätter, welche im frühen Frühlinge gesammelt werden, geben den stärksten und kostbarsten Thee, den Peku, Sautschong etc. Die schlechtesten Sorten, wie der Congau, Bohiä, sind von der lezten Ernte. Der grüne Thee oder Heisson wird auf eine eigene Weise getroknet, die Blätter zu demselben können im Frühlinge oder im Herbste gepflükt werden. Die erste Blätter-Ernte beginnt in der Mitte April's und dauert bis Ende May's. Die zweite dauert von Mitte Sommers bis Ende Julius; die dritte geschieht im August und September. Die gesammelten Blätter werden in weite, leichte Körbe gelegt, und in luftigen Scheunen oder im Winde oder milden Sonnenscheine von Morgen bis Mittag getroknet. Man wirft hierauf zehn bis zwölf Unzen dieser Blätter auf eine flache Pfanne aus Gußeisen, die über ein mit Holzkohlen geheiztes Oefchen gehalten wird, rührt sie mit einem kurzen Handbesen zwei oder drei |403| Mal schnell um, und kehrt sie dann wieder in ihre Körbchen, in welchen sie sorgfältig zwischen den Händen der Arbeiter gerollt werden160). Hierauf können diese Blätter in größeren Mengen wieder in dieselbe Pfanne über ein schwächeres Feuer, um dort zum zweiten Male gerollt zu werden. Nachdem sie genug gehizt sind, werden die Blätter auf Tische geschüttet, und auf denselben ausgelesen; die nicht schön getrokneten Blätter werden bei Seite gelegt, um den übrigen ein schöneres und gleichförmigeres Ansehen zu geben. Zum Sengen oder Heissen nimmt man die beiden ersten Ernten und wirft die Blätter, so wie sie gesammelt sind, in die Pfanne, rollt sie hierauf, und breitet sie dünn aus, um die Blätter von einander zu trennen, die noch allenfalls an einander hängen, troknet sie hierauf wieder gut aus, breitet sie aus, siebt sie durch, sortirt sie, und hizt sie neuerdings zwei oder drei Mal (vorzüglich bei feuchtem Wetter), ehe man sie wieder zu Markte bringt.

Die Chineser trinken ihren Thee ohne Milch und Zuker, und trinken denselben häufig während ihrer Mahlzeiten, unter Tages. Die chinesische Noblesse läßt Kugeln aus den besten Blättern bilden, die sie mit irgend einem geschmaklosen Gummi zusammen pappt, und in der Schale abreibt, (Gardeners' Magazine. Register of Arts N. 37. S. 142161).

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Es ist fürwahr der Mühe werth, die menschliche Thorheit am Theetische zu beobachten, und alle die Zierereien bei einer Hand voll Blättchen zu sehen die ein schmuziger Chineser in seinen stinkenden Händen gewalkt hat. A. d. U.

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Wir begreifen nicht, wie die Chineser Thee ohne Zuker und Milch trinken können, und die Chineser werden nicht begreifen, wie wir so kostbare Dinge an ein fades Gewächse verschwenden können, so wie überhaupt ein verständiger Mensch schwer begreifen wird, wie Millionen seines Geschlechtes Millionen Gulden für ein Ding geben können, das ihre Gesundheit untergräbt, sie vor der Zeit ins Grab bringt, und schmekt – wie Heu mit Wasser aufgegossen. A. d. U.

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