Titel: Schiffe als Wohnhäuser.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 31, Nr. CXL./Miszelle 21 (S. 476)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj031/mi031140_21

Schiffe als Wohnhäuser.

Das Mechanics' Magazine schlägt in N. 287. S. 434. 7. Febr. l. J. den armen Fischern, die ein Both auf dem Wasser und eine Hütte auf dem Lande nur mit Mühe unterhalten können, vor, sich ihre Hütte auf dem Bothe selbst zu bauen, und mit ihrer ganzen Familie auf demselben zu leben. Nach dem, hier im Holzschnitte gegebenen, Plane wird eine solche Fischerhütte mit sammt dem Bothe auf höchstens 20 bis 30 Pfund Sterling berechnet. Es wundert uns, daß der Einsender dieses Artikels, der mit Recht wohlhabenden Engländern ähnliche Sommer-Wohnungen auf Jachten etc. empfiehlt, anzuführen vergaß, daß in China Millionen der untersten Classe auf diese Weise Jahr aus Jahr ein auf kleinen Bothen wohnen, und daß, wie man uns erzählte, im vorigen Jahrhunderte der berühmte Londoner Wundarzt, Sharp, seine Jacht auf der Themse hatte, und in dieser kostbar möblirten Jacht, die selbst einen Theil seiner Bibliothek enthielt, die Themse auf und nieder segelte, und mit derselben dort hielt, wo es ihm am gelegensten war. Es ist ein höchst sonderbares Ding um das „Ländlich Sittlich;“ die Gewohnheiten des einen Volkes gehen Jahr-Tausende lang nicht zu dem anderen über, wenn sie auch noch so viel Behaglichkeit gewähren. Holländer, Engländer und Franzosen frieren lieber halb todt bei ihren Kaminen, und verbrennen (wie erst vor 14 Tagen die unglükliche Fürstin von Carignan zu Paris) lieber lebendig an demselben, statt sich der bequemeren, sicheren, wohlfeilen und eleganten deutschen oder schwedischen Oefen zu bedienen; ein englischer und französischer Fischer kämpft in seinem halb offenen Fischerbothe lieber Wochenlang mit allen Elementen, statt es sich auch nur so bequem zu machen, wie ein Ulmer oder Regensburger Schiffermeister oder ein Augsburger oder Münchner Floßmeister sich auf der kleinen Donaufahrt nach Wien einrichtet.

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