Titel: Ueber Verdampfungs-Apparate, bei welchen der Dampf nur als Wärmungs-Mittel dient, nebst Bemerkungen über die Gefährlichkeiten verschiedener Dampf-Apparate. Von Hrn. Th. Barrois.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 31, Nr. CXL./Miszelle 3 (S. 466–467)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj031/mi031140_3
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Ueber Verdampfungs-Apparate, bei welchen der Dampf nur als Wärmungs-Mittel dient, nebst Bemerkungen über die Gefährlichkeiten verschiedener Dampf-Apparate. Von Hrn. Th. Barrois.

Unter dieser Aufschrift liefert der Industriel im Januar-Hefte S. 437. eine lange Abhandlung, welche den Bericht enthält, den Hr. Barrois vor der (Chambre de Commerce de lille auf die Anfrage des Ministers: „ob die Dampfkessel, die man zur Abdampfung braucht, denselben Gesezen unterliegen sollen, wie die Dampfkessel bei Dampf-Maschinen von hohem Druke?“ erstattete.

Hr. Barrois führt in seinem Berichte alle neueren Vorrichtungen, die man gegen das Bersten der Dampfkessel empfahl, und alle Ansichten und Meinungen, die man über die nächste Ursache dieses Unfalles aufstellte, auf. Da sie alle aus den früheren Bänden unserer Zeitschrift bekannt sind, so finden wir es überflüssig, dieselben hier zu wiederholen, und beschränken uns bloß auf eine gedrängte Darstellung der Ansichten des Hrn. Verfassers.

Er findet es nicht dringend und einer besonderen Gefahr wegen nothwendig, daß sich die Regierung hier einmenge.

Die häufigste Ursache der Berstungen scheint ihm im Mangel an Wasser in dem Kessel zu liegen. Dieser Umstand ist, nach seiner Ansicht, hier wo Dampfkessel bloß zum Verdampfen angewendet werden, desto mehr zu befürchten, als sie nicht so, wie die Dampfkessel bei Dampf-Maschinen, immerdar gespeist werden. Er schließt hieraus, daß diese Dampfkessel, die man zum Abrauchen braucht, eben so gefährlich sind, als die Dampfkessel an Dampf-Maschinen, obschon sie weniger aus dem Grunde springen, weil man zu starken Dampf von ihnen verlangt; daß sie daher unter gleicher Aufsicht mit jenen stehen müssen; daß selbst die Stellung ihrer Röhren besonders untersucht werden muß, indem sie so gestellt seyn müssen, daß das Verdichtungs-Wasser leicht ausgeleert werden kann.

Er hat gezeigt, daß der Unterschied, den man im Geseze zwischen Maschinen mit hohem Druke und niedrigem Druke macht, nicht in der Natur der Gefahr gegründet ist; daß man, statt auf die Stärke des Dampfes Rüksicht zu nehmen, diese Maschinen nach der Möglichkeit des Mangels des Wassers in denselben classificiren sollte, und daß folglich alle Dampfkessel, die mit einer Drukpumpe gespeist werden, unmittelbar unter Aufsicht gestellt werden sollten. Wenn aber die Speisung, wie an den neueren englischen Maschinen, durch eine an beiden Seiten offene Röhre geschieht, wo dann Mangel an Wasser beinahe unmöglich ist, und die Dampfkraft immer sehr beschränkt wird, so sollen sie ganz frei und ohne alle Aufsicht gebraucht werden dürfen. Man kann auch diejenigen Dampf-Apparate, die zum Abwinden der Seide dienen, ganz frei erlauben, wenn die Röhren von großem Durchmesser sind, und unmittelbar mit dem Kessel in Verbindung stehen.

Die Sicherungsmittel, die er bei einem Dampfkessel vorschlägt, der mit einer Pumpe gespeist wird, sind folgende:

1) Scheiben von leicht schmelzendem Metalle; aber in der Mitte des Körpers des Kessels.

2) Starke Befestigung des Kessels in Hinsicht auf seine Lage gegen die Siede röhren mittelst einer starken Stüze aus Gußeisen, die an der entgegengesezten Seite der Tubulirung angebracht ist, die die Röhren verbindet.

3) Anwendung des Apparates des Hrn. Siebe (Polyt. Journ. Bd. XXVI. S. 94.), wodurch der Mangel an Wasser verkündet wird.

4) Queksilber-Barometer mit weitem Durchmesser, wie Hr. Köchlin zu Mühlhausen empfahl, (Polyt. Journ. Bd. XXIX. S. 31.) statt des Manometers.

5) Die neue Sicherheits-Klappe, deren Gewicht im Kessel angebracht, und die im Industriel 1827. S. 104. beschrieben ist.

6) Schließung aller Gefüge des Kessels und der Siederöhren mittelst Bolzen, nicht mit Eisenkitt allein, und noch weniger mit Messing, das durch die Hize brüchig wird.

Bei Anwendung dieser Vorsichts-Maßregeln ist keine weitere Polizei-Aufsicht nothwendig, und man kann mit Sicherheit über solchen Kesseln, wenn sie auf obige Weise ausgerüstet sind, wohnen.

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