Titel: Fourneyron, über die Anwendung des Zaumes des Hrn. Prony zur Bemessung der dynamischen Wirkung irgend einer Triebkraft.
Autor: Fourneyron,
Fundstelle: 1829, Band 32, Nr. III. (S. 43–60)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj032/ar032003

III. Ueber die Anwendung des Zaumes des Hrn. Prony 11) zur Bemessung der dynamischen Wirkung irgend einer Triebkraft. Von Hrn. Fourneyron, alten Schülers der Schule zu St. Etienne.

Aus dem Bulletin de la Société industrielle de Mülhausen. N. 6. S. 14.

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Die Nothwendigkeit, die Größe der Wirkung zu kennen, die eine gewisse Triebkraft gibt, wurde längst gefühlt: man hatte indessen keine Mittel, um zu diesem Zweke zu gelangen; man hatte mehrere Methoden hierzu vorgeschlagen; allein keine derselben gestattete Leichtigkeit und Sicherheit bei der Anwendung.

Man war gezwungen die Kraft einer Maschine nach der Arbeit zu beurtheilen, die sie im Vergleiche zu einer anderen, die dieselbe Arbeit verrichtete und der man eine gewisse Kraft zuschrieb, hervorzubringen vermochte.

Diese Vergleichungs-Methode ist zu unvollkommen, als daß man sie länger befolgen könnte; denn die Größe der Triebkraft, die eine Maschine in Thätigkeit zu sezen vermag, hängt nothwendig von der Ausführung der Maschine und von der Art ab, wie dieselbe unterhalten wird. Man weiß, daß eine gewisse Maschine, um eine gewisse Menge von Arbeit zu verrichten, eine gewisse Größe von Triebkraft fordert, während eine andere Maschine zu derselben Menge von Arbeit einer doppelt so großen Triebkraft bedarf.

Dadurch entstehen nun eine Menge von Schwierigkeiten sowohl für die Mechaniker, die Dampfmaschinen und Wasserräder etc. erbauen, als für die Fabrikanten, die sich derselben bedienen: diese klagen über die Schwäche der Triebkraft, und jene behaupten das Gegentheil.

Diese Streitigkeiten konnten bisher, selbst von den erfahrensten Männern, nur auf eine sehr ungenügende Weise entschieden werden.

Um alle Schwierigkeiten in dieser Angelegenheit zu beseitigen, hat Hr. de Prony in seinem Berichte über die Maschine am Gros-Caillou den Zaum (le frein) vorgeschlagen, der nun von ihm den Namen führt.

Diese sehr einfache und sinnreiche Vorrichtung besieht darin, daß |44| man die ganze Stärke der Triebkraft, die man bestimmen will, durch Reibung verschlingt, und diese Reibung mit einem Gewichte aufwiegt, welches, während der Bewegung, beständig mit ihr im Gleichgewichte ist. Diese Vorrichtung ist also, wenn ich mich dieses Ausdrukes bedienen darf, eine Reibungs-Wage (pèse-frottement).

Die erste Figur12) wird dieses Instrument begreiflich machen. C, ist ein Zapfen oder Cylinder, der sich in der durch den Pfeil angedeuteten Richtung bewegt. Dieser Zapfen wird von zwei hölzernen Balken, A, B, und D, E, umgeben, in welchen sich kreisförmige Kehlen zur Aufnahme des Zapfens, C, befinden. Diese beiden Balken werden durch zwei Bolzen, f, g, f, g, zusammengehalten, die man mittelst der Niete, G, nach Belieben anziehen kann. Diese Balken verlängern sich, der eine links, der andere rechts, so, daß sie mit einander im Gleichgewichte stehen.

Wir wollen nun sezen, daß der Zapfen, C, sich in der Richtung des Pfeiles dreht, und daß die Bolzen, f, g, nicht angezogen sind. Die Balken werden demnach, da sie im Gleichgewichte mit einander stehen, in horizontaler Lage bleiben.

Wir wollen nun an einem derselben ein Gewicht, P, anbringen, so wird dasselbe diese Balken herabzuziehen und in senkrechte Lage zu bringen streben; wenn man aber, in demselben Augenblike, die Balken, A, B, und D, E, einander dadurch nähert, daß man die Bolzen, f, g, anzieht, so werden sie, indem sie sich an der Oberfläche des Zapfens reiben, gewisser Maßen Einen Körper mit demselben bilden, und einen Widerstand an der Maschine erzeugen, der das Gewicht, P, so heben wird, daß der Zaum in die horizontale Lage zurüktritt. Auf diesen Punkt gebracht würde der Zaum, wenn man die Bolzen nicht nachließe, dem Cylinder folgen, und sich zugleich mit demselben drehen; Hr. Prony hat aber für diesen Fall einen Mann mit einem Schrauben-Schlüssel in Bereitschaft, der die Schrauben-Niete anzieht oder nachläßt, je nachdem der Blok, D, E, seine horizontale Lage verläßt, und das Gewicht, P, hebt oder senkt. Dieser Blok, D, E, muß, während des ganzen Versuches, seine horizontale Lage behalten, ohne welche sich kein entscheidendes Resultat erlangen läßt.

Nach der Stärke der Maschine und der Geschwindigkeit des Umfanges des Cylinders muß man das Gewicht, P, der Achse der Umdrehung nähern oder von derselben entfernen, so daß es am Ende des Versuches so, wie in der Figur steht.

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Wenn die Bedingung der Horizontalität des Zaumes erfüllt ist, so hat nun Folgendes Statt.

Das Gewicht, P, ist gleichsam an dem Ende eines horizontalen Hebels aufgehängt, und strebt beständig nieder zu steigen. Die Ursache, die es an dem Niedersteigen hindert, ist offenbar die Reibung an der Oberfläche des Cylinders, und es ist klar, daß, je mehr die Schrauben-Bolzen, G, angezogen werden, desto größer die Reibung und desto größer auch P seyn muß, oder sich von der Achse der Umdrehung entfernen muß. Man macht also die Bewegung der Maschine, deren Kraft man prüft, langsamer, und kann sie endlich ganz still stehen machen, wenn man immer fortfährt den Zaum anzuziehen, und das Gewicht, P, von der Achse zu entfernen oder zu vermehren.

Es ist also gewiß, daß die durch den Zaum erzeugte Reibung, die mit einem Hebelarme wirkt, der dem Halbmesser, r, des Cylinders, C, gleich ist, die Triebkraft ganz oder zum Theile verschlingt, je nachdem man die Schrauben-Bolzen, G, mehr oder minder angezogen hat, und daß, wenn man diese Reibung auf irgend eine Weise mißt, man die Stärke der Maschine dadurch kennen lernt.

Diese Reibung wird aber durch das Gewicht, P, im Gleichgewichte erhalten, dessen Mittelpunkt der Schwere in einer Entfernung von dem Anwendungs-Punkte sich befindet, die ich R nennen will. Man hat also zwischen, P, R, F und r folgendes Verhältniß:

F : P : : R : r, oder Fr = PR;

es ist also F = PR/r.

Wenn n die Zahl der Umläufe des Cylinders, C, in Einer Secunde bezeichnet, so ist die Geschwindigkeit der Oberfläche desselben in Einer Secunde 2πrn (wo π das Verhältniß des Umfanges zum Durchmesser = 314 ausdrükt) und die gemessene dynamische Wirkung, die ich M nenne, ist

M = F2πrn. Nun ist aber F = PR/r; folglich wird, wenn man diesen lezteren Werth von F an die Stelle desselben bringt,

M = PR2πrn/r und durch Reduction wird als Endgleichung folgende Formel zum Vorschein kommen:

M = PR2πn.

Da ich durch Versuche und auf eine zuverlässige Weise die Kraft eines Wasserrades von bedeutender Stärke zu bestimmen hatte, versuchte ich die Anwendung des Zaumes des Hrn. de Prony. Ich muß gestehen, daß ich die Anwendung desselben an großen Maschinen für beinahe unmöglich hielt; ich habe mich aber bald vom Gegentheile überzeugt. |46| Indessen mußte dieser Zaum einige Abänderungen erleiden, indem er, so wie er vorgeschlagen wurde, nicht angewendet werden konnte, ohne auf Unrichtigkeiten im Resultate zu führen, ja selbst sogar gefährlich für diejenigen werden konnte, die sich desselben bedienten.

Ich verfuhr auf folgende Weise. Es handelte sich um ein Schaufel-Rad, das zwei Blech-Strekwalzen trieb. Ich benüzte den Augenblik, wo dieses Rad, das zu sehr vom Schwalle (des eaux d'aval) gehindert wurde, um mit der zur Arbeit gehörigen Geschwindigkeit zu laufen, wie man sagt, ersäuft (noyé) war. Die Kraft des Rades war dann weit geringer, als bei geringerer Höhe des Schwall-Wassers, und ich konnte meine ersten Versuche mit mehr Bequemlichkeit anstellen und sehen, ob sich der Zaum anbringen ließe.

Ich sperrte ein Walzenwerk, und nahm den oberen Cylinder desselben ab, um an dem unteren, der zwischen zwei Säulen gehörig befestigt war, einen Zaum anzubringen, den ich eigens hierzu verfertigte, und dem ich alle mögliche Stärke gab13).

Da ich mich von der Schwierigkeit, oder vielmehr von der Unmöglichkeit überzeugte, diesen Zaum immer gehörig horizontal zu halten, so mußte ich darauf Bedacht nehmen, diesen Fehler zu verbessern, und dieß gelang mir auf folgende Weise. An dem Ende des Balkens, an welchem ich das Gewicht aufhängen wollte, welches ich nöthig hatte, brachte ich einen Abschnitt eines Kreises an, welcher leztere mit einem Halbmesser beschrieben wurde, dessen Mittelpunkt der Schwingungs-Punkt des Gewichtes war. Auf diese Weise konnte der Zaum mit dem Gewichte um mehr als drei Fuß steigen oder fallen, ohne daß der Hebel sich änderte, und der Arbeiter, der den Zaum anziehen oder nachlassen mußte, konnte denselben in gehöriger Lage erhalten.

Der Boden der Werkstätte hinderte, daß der Zaum weder von dem Cylinder noch von dem Gewichte fortgerissen werden konnte, wenn der Arbeiter, der denselben zu regieren hatte, nachlässig war, und die Schrauben entweder zu viel oder zu wenig anzog.

Fig. 2 zeigt die Anordnung, die ich getroffen habe.

Der Hebel, D, C, hatte vierzehn Fuß Länge. H, D, I, ist ein Kreisbogen, der mit einem Halbmesser von derselben Länge gezeichnet wurde. Am Ende war eine Schnur von 10 Linien im Durchmesser angebracht, die in eine an dem Umfange des Kreisbogens angebrachte Kehle von 5 Linien Tiefe paßte. Diese Schnur lief über zwei Rollen, o, o, und hatte an ihrem Ende eine Schale zur Aufnahme der Gewichte.

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n, n, ist eine andere Schnur, die als Ersaz für diejenige dient, die von der Seite der Schale läuft, wenn diese sinkt.

C, ist der Mittelpunkt des Cylinders, umfaßt von dem Zaume. K, L, und A, B, sind zwei Holzstüke, die als Polster dienen. Sie sind an dem Stüke, D, E, mittelst der Bolzen, f, g, aufgebolzt, welche durch alle drei Stüke laufen.

Das Stük, D, E, aus Eichenholz hatte 8 Zoll auf 7 im Gevierte; die Stüke, K, L, und A, B, hatten im Grunde der Kehle 5 Zoll Dike und 14 Zoll Breite.

Der Cylinder hatte 15 1/2 Zoll im Durchmesser.

Ich hatte vorläufig dieses ganze System in's Gleichgewicht gebracht, und zu diesem Ende, 124 Kilogramm auf die Wagschale, N, gelegt, und hierauf die Maschine in den Gang gesezt. Ich ließ sie ihre volle Geschwindigkeit erreichen, dann den Zaum anziehen und die Schale mit den Gewichten belegen. Die Maschine ging jezt weniger schnell. Nachdem ihre Bewegung endlich gleichförmig geworden ist, zählte ich die Zahl der Umdrehungen, die sie bei jedem neuen Gewichte in Einer Minute machte; ein Mann beobachtete die Bewegung des Zaumes, und sobald dieser herabgestiegen zu seyn schien, zog er eine Schraube etwas an; wenn er aufzusteigen schien, ließ er die Schraube etwas nach, so daß er ihn immer in einer gewissen Entfernung von den Aufhältern hielt. Dieß geschah alles sehr leicht, indem der Zaum ohne alles Hinderniß um 18 Zoll steigen oder um eben so viel fallen konnte.

Wenn man die Schraube zu stark angezogen hätte, so würde das Ende, I, des Kreisbogens die Erde berührt haben, und wenn man zu wenig geschraubt hätte, so würde das Ende, B, des Stükes, A, B, die Erde berührt haben. Auf diese Weise konnte demnach unmöglich ein Unglük geschehen.

Dieses Spiel von drei Fuß war für den Zaum hinreichend: er hat niemals während der angestellten Versuche den Boden berührt; denn der Mann, der zum Anziehen und Nachlassen der Schrauben bestellt war, versah seine Arbeit gehörig.

Da die Wassermenge immer dieselbe blieb, so ließ sich die Wirkung, die erzeugt wurde, wenn das Rad sich mit dieser oder jener Geschwindigkeit bewegte, leicht bestimmen, und man fand das Maximum, das sie erreichen konnte.

Ich werde hier nur eine einzige Beobachtung mittheilen; denn es handelt sich nicht um die Wirkung des Rades, sondern um die Anwendung des Zaumes als Mittels, dieselbe kennen zu lernen. Ich werde die oben gefundene Formel anwenden, und dann bloß eine praktische Rechnung führen, damit Jedermann mich verstehen kann.

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Ich will also die nothwendigen Angaben zur Berechnung eines Versuches hier mittheilen, und die Längen und Gewichte der größeren Leichtigkeit wegen auf Decimal-Einheiten zurükführen, und nur für das Zeitmaß die Sexagesimal-Secunde behalten.

Länge des Zaumes, R = 14 Fuß; = 4 Meter, 55 Decim.

Halbmesser des Cylinders, r = 7 Zoll 9 Lin.; = 0 Meter, 208 Decim.

Gewicht auf der Schale, P = 213 Kilogr.

Zahl der Umläufe des Cylinders in Einer Minute = 16;
dtto Secunde = n; =16/60.

Wenn man nun in der oben gefundenen Formel:

M = PR2πn

statt der Buchstaben ihre Zahlenwerthe sezt, so erhält man als dynamische Wirkung des Rades in Kilogrammen auf Ein Meter Höhe in Einer Secunde gehoben; also für M = 213 Kilogr. × 4m,55 × 6,28 × 16/60; und, nach wirklich verrichteter Multiplikation, wird M = 1623 Kilogramm auf die Höhe Eines Meters in Einer Secunde gehoben.

Wenn man nun wissen will, wie viel Pferde diese dynamische Wirkung hervorzubringen vermögen, so darf man nur diese 1623 Kilogramm mit derjenigen Zahl theilen, die man als Gleichwerth (Equivalent) der dynamischen Kraft, genannt Pferdekraft, gelten lassen will. Wenn man die englische Schäzung der HHrn. Bolton und Watt, = 73,69 Kilogramm, als diese Einheit gelten läßt, so erhält man als Kraft dieser Maschine in Pferdekraft

16,23/73,69 = 22 Pferde.

Wir wollen noch eine andere Weise, obige Rechnung zu führen, hier angeben, die zwar von der Formel etwas abweicht, die aber dieselbe vielleicht mehr klar und deutlich machen kann. Die Resultate sind übrigens, wie man sich überzeugen wird, dieselben.

Man muß hier den Durchmesser des Cylinders, C, sehr genau messen, um den Halbmesser und den Umfang desselben in die Rechnung bringen zu können, und ich seze, daß dieses geschehen ist.

Man hat gesehen, daß das am Ende des Hebelarmes, R, aufgehängte Gewicht, P, daselbst immer im Gleichgewichte erhalten wurde; daß der Widerstand, der sich dem Falle desselben entgegensezt, von der Reibung der Polster gegen die Oberfläche des Cylinders abhängt, und daß es dieser Widerstand ist, der die Bewegung der Maschine langsame machte; der Werth derselben, den wir durch |49| F ausdrükten, muß mit dem Arme des Hebels, an dessen Ende sie auf die Maschine wirkt, multiplicirt werden. Dieser Arm des Hebels ist r = dem Halbmesser des Cylinders, indem der Widerstand als Tangente auf denselben wirkt. Dieser Widerstand wird also durch Fr ausgedrükt werden. Der Ausdruk für das Gewicht, das mit demselben im Gleichgewichte ist, ist P, multiplicirt mit seinem Hebelarme, R; also PR; da aber diese beiden Kräfte mit einander im Gleichgewichte sind, so sind sie unter sich gleich, und man hat Fr = PR. Von diesen vier Größen ist F allein die unbekannte. Wenn man nun dieselbe aus obiger Gleichung zu erhalten sucht, so wird F = PR/r wie wir oben gefunden haben.

Da man nun den Widerstand kennt, der der Maschine entgegen arbeitet, so darf man denselben nur mit dem Raume multipliciren, den er während der Einheit der Zeit durchläuft, um die gesuchte dynamische Wirkung zu erhalten.

Bei einiger Aufmerksamkeit wird man finden, daß dieser Raum gleich ist der Geschwindigkeit eines jeden Punktes des Umfanges des Cylinders, C, den der Zaum umfaßt, und da man den Durchmesser desselben genau kennt, und die Zahl der Umdrehungen der Maschine gezählt hat, so darf man nur den Durchmesser mit π = 3,14 multipliciren, um den Umfang zu finden, und dann diesen Umfang mit der Zahl der Umdrehungen in Einer Minute, so erhält man die Geschwindigkeit eines der Punkte des Umfanges während dieser Zeit, und wenn man diese Geschwindigkeit mit 60 theilt, so hat man den während Einer Secunde von dem Widerstande durchlaufenen Raum.

Wir wollen nun nach dieser lezteren Methode rechnen, und sehen, ob wir dasselbe Resultat erhalten.

Um den Werth der Reibung, F, zu erhalten, muß man, wie wir sahen, das Gewicht (213 Kilogramm) mit dem Arme des Hebels (4 M., 55 Dec.) multipliciren, und das Produkt durch den Halbmesser des Cylinders, = 0m,208 theilen. Wenn man hiernach rechnet, so erhält man, als Werth von F, 4659 Kilogramm; d.h., das an dem Ende des Zaumes angebrachte Gewicht sezt der Maschine denselben Widerstand entgegen, als ob man sie nöthigte ein Gewicht von 4659 Kilogramm an dem Ende einer Schnur zu heben, die sich auf dem Cylinder aufrollt (abgesehen jedoch von der Dike dieser Schnur).

Es bleibt jezt die Geschwindigkeit zu bestimmen, mit welcher dieses Gewicht gehoben wird, was sehr leicht ist.

Da der Durchmesser des Cylinders 0m,416 ist, so ist der Umfang 0m,416 × 3,14 (dem Verhältnisse zum Durchmesser); also |50| 1m,306. Während des Versuches machte der Cylinder 16 Umdrehungen in Einer Minute. Jeder Punkt des Umfanges durchläuft demnach sechzehn Mal 1m,306 in Einer Minute, oder 20 Meter, 896 in Einer Minute. Dieß ist die Höhe, zu welcher das Gewicht von 4659 Kilogramm in Einer Minute gelangen würde. Wenn man nun diese Höhe durch 60 theilt (durch die Zahl der Secunden in Einer Minute), so hat man 0m,348 als die Höhe, zu welcher dieses Gewicht während Einer Secunde gehoben wird.

Die gesuchte dynamische Wirkung ist also gleich 4659 Kilogramm, in Einer Secunde auf 0 Meter, 348 gehoben, oder = 1621 Kilogramm 33 Hundertel auf Ein Meter gehoben.

Nach der ersten Rechnung fand man 1623 Kilogramm. Dieser kleine Unterschied rührt von den in der lezten Rechnung vernachlässigten Brüchen her. Man sieht übrigens, daß beide Rechnungen zu demselben Resultate führen, und daß man sich ohne Unterschied der einen, wie der anderen, bedienen kann.

Indessen würde ich doch die erstere vorzugsweise empfehlen, weil man bei derselben nicht nöthig hat den Durchmesser des Cylinders zu messen, und in der Rechnung nicht auf denselben Rüksicht nehmen darf.

Dieß sind die Mittel, die ich bei verschiedenen Versuchen, und namentlich bei Bestimmung der Größe der Wirkung eines hydraulischen Wasserrades nach einer neuen Theorie, das ich vor neun Monaten aufsezte, und dessen Resultate ich mit aller Genauigkeit wissen wollte, angewendet habe.

Ich darf es wagen zu gestehen, daß diese Mittel mir über alle Erwartung gelangen, und ich theile unten den Bericht mit, den Hr. Thirria, Markscheider an den Bergwerken des Departement de la haute Saône, der bei allen mit dem Zaume angestellten Versuchen zugegen war, hierüber erstattete.

„Der unterzeichnete Markscheider begab sich am 27. April 1827 an das Strekwerk zu Pont sur l'Ognon, um daselbst bei dem Versuche gegenwärtig zu seyn, den Hr. Fourneyron mit einem Wasserrade von der Art der sogenannten Kreiselräder oder Turbinen anstellte. Dieser Versuch wurde mittelst des Zaumes des Hrn. de Prony gemacht, mittelst dessen man im Stande ist die Kraft einer jeden sich drehenden Maschine mit Genauigkeit zu bestimmen. In drei verschiedenen Versuchen, die unter verschiedenen Gewichten, welche man auf die Maschine wirken ließ, angestellt wurden, hat man gefunden, daß das Maximum der Kraft gleich ist der Kraft von 6 3/100 Pferden, die Kraft eines Pferdes zu 70 Kilogramm, in Einer Secunde auf Ein Meter gehoben, gerechnet. Diese Wirkung, obschon |51| an und für sich höchst genügend, würde noch weit größer gewesen seyn, wenn man die Reibung aufgewogen hätte, und wenn das Rad sich nicht in Folge eines Fehlers bei dem Aufsezen um 16 Linien gesenkt hätte, wodurch ein Verlust an Wasser entstand. Man hat die Reibung nicht aufgewogen, damit die Wirkung unter derjenigen blieb, die das Rad wirklich zu erzeugen vermag, und das Senken des Rades entstand durch die Unmöglichkeit, in welcher man sich befand, schnell unter dem Wasser die Pfanne zur Aufnahme des Zapfens des Wellbaumes herzustellen. Da die theoretische Größe der Wirkung des Wassers 7 2/10 Pferde war, so verhält sich demnach das Maximum der erhaltenen Wirkung zu der theoretischen Wirkung wie 83 zu 100. Nun ist aber in den neuen Poncelet'schen Rädern (roues à la Poncelet 14)) die nüzliche Wirkung zur theoretischen Wirkung (unser Ersaz für die Reibung) im Verhältnisse wie 67 zu 100. Folglich ist dieses Rad des Hrn. Fourneyron in Hinsicht auf die Wirkung, die sie zu leisten vermag, dem Rade des Hrn. Poncelet vorzuziehen, und verdient auch den besten Eimer-Rädern vorgezogen zu werden, indem bei diesen das Maximum der theoretischen Wirkung zwischen 0,60 und 0,75 spielt. Es ist ferner auch den sogenannten Seiten-Rädern (roues de côté) vorzuziehen, die höchstens nur 0,45 der Größe der Wirkung des Wassers mitzutheilen vermögen, und vielmehr nach den Schaufel-Rädern, deren Maximum in ihrer Wirkung nur 0,33 der theoretischen Wirkung ist. Abgesehen von dem Vortheile der großen Wirkung des Kreisel-Rades oder der Turbine im Vergleiche mit allen übrigen Rädern hat es auch noch den Vorzug, daß es arbeiten kann, wann es ganz erläuft ist. Man hat gefunden, daß, in diesem Falle, und unter einer Einsenkung von 0 Met. 51 in Wasser (was einen Unterschied von 1 Met., 03 in der Höhe des Wasserstandes zwischen dem Rükwasser und Schwallwasser, [eau d'amont et d'aval] gibt) die Kraft des Rades 3,88 Pferde beträgt, während das Maximum der theoretischen Wirkung 4 57/100 Pferde beträgt.

Wir wollen noch beifügen, daß das Kreisel-Rad im Verhältnisse zu der Kraft, die es erzeugt, wenig Raum einnimmt, und wellig kostet. Wir sind daher der Meinung, daß das Kreisel-Rad, das sich in jedem fließenden Wasser anbringen läßt, allen anderen Arten von Wasserrädern zum Treiben eines jeden Maschinen-Werkes, wie der Gebläse, Strekwerke, Spinnmühlen etc. vorzuziehen ist.“

Pont zur Ogon, den 26. April. 1827.

Thirria etc.

Ich will mit einigen Bemerkungen über die Anwendung des Zaumes schließen.

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Man kann sich kupferner oder hölzerner Polster bedienen; man muß dafür sorgen, daß sie öfters geschmiert werden, damit die Bewegung sanfter und nicht stoßweise geschieht. Es ist ferner unerläßlich, die Polster und den Cylinder mit kaltem Wasser zu begießen, damit sie sich nicht zu sehr erhizen.

Um die Versuche gehörig anstellen zu können, braucht man drei Arbeiter; nämlich, einen zum Auflegen der Gewichte auf die Schale; einen zum Anziehen und Nachlassen des Zaumes, je nachdem es nothwendig ist (man nennt diesen den Leiter (gouverneur); er muß einige Geschiklichkeit besizen), und einen dritten, der die Zahl der Umdrehungen der Maschine zählt, an welcher man den Zaum anbringt.

Nachdem alles gehörig vorgerichtet, die Länge des Zaumes genau gemessen und sein Gewicht in's Gleichgewicht gebracht wurde, sezt man die Maschine in Bewegung und läßt sie das Maximum ihrer Geschwindigkeit erreichen. Hierauf fängt man an, ein geringes Gewicht auf die Wagschale zu legen (z.B. 10 Kilogramm). Der Leiter sieht, ob der Zaum den unteren oder den oberen Behälter berührt; in einem oder in dem anderen Falle zieht er den Zaum etwas an, oder läßt ihn etwas nach, so daß er zwischen beiden ungefähr in die Mitte kommt. Nachdem er dahin gelangt ist, beobachtet er seine Bewegung, wie man sie an dem Schenkel einer Schnellwage beobachtet. Wenn er sich zu senken scheint, zieht ihn der Leiter etwas an; im entgegengesezten Falle läßt er denselben nach, damit der Zaum während des ganzen Verlaufes des Versuches die Aufhälter nicht berührt. Nachdem er ein Mal dahin gelangt ist, macht er den Zähler aufmerksam, damit dieser sich von der Gleichförmigkeit der Bewegung überzeugt; derselbe zählt dann mit lauter Stimme die Zahl der Umdrehungen, die während zwei oder drei Minuten Statt haben. Man nimmt hieraus das mittlere Verhältniß für Eine Minute, und schreibt die gefundene Zahl hinter das Gewicht. Dieß geschieht nun bei Einem Versuche.

Man bringt nun eine neue Last auf die Wagschale, z.B., wieder 10 Kilogramm. Der Leiter zieht den Zaum an, und hält denselben in der gehörigen Lage. Der Zähler gibt Acht, wann die Bewegung Gleichförmigkeit erlangt hat. Dann zählt er die Umdrehungen, und man schreibt diese, zugleich mit dem Gewichte, auf. Dieß gibt den zweiten Versuch. Auf diese Weise fährt man fort, bis die Maschine nur mehr die zu ihrer bestimmten Arbeit nöthige Geschwindigkeit besizt. Um diese Geschwindigkeit mit Genauigkeit bestimmen zu können, läßt man das Gewicht nur mehr um Ein oder um zwei Kilogramm vermehren oder vermindern, und zählt bei jeder neuen Gewichts-Veränderung.

Alle diese Beobachtungen bringt man in eine Tabelle, in welcher man zuvörderst die Länge des Zaumes bemerkt, und indem man jeden |53| Versuch nach den oben angegebenen Formeln und Methoden berechnet, findet man für jeden einzelnen Fall die Größe der Wirkung, die die Maschine äußerte. Durch Vergleichung der erhaltenen Resultate entdekt man endlich die mit dem Maximum der Wirkung, deren die angewendete Triebkraft fähig ist, correspondirende Geschwindigkeit. Es ist in praktischer Hinsicht äußerst wichtig, diese leztere zu kennen. Die Wasserräder liefern, z.B., äußerst verschiedene Resultate, je nachdem man sie mit verschiedener Geschwindigkeit laufen läßt, und man sieht nicht selten Räder von demselben Baue, bei gleicher Menge und bei gleichem Falle des Wassers, höchst verschiedene Größen der Wirkung erzeugen, wenn ihre Geschwindigkeit sich mehr oder minder von derjenigen entfernt, die sie haben müßten, wenn sie den höchsten Vortheil von dem Falle des Wassers ziehen sollten.

Der Zaum des Hrn. de Prony, auf die von mir angegebene Weise abgeändert, dient also 1) die Gesammtkraft irgend einer Triebkraft zu finden; 2) den Theil derselben zu bestimmen, der von irgend einer Maschine, die dadurch in Bewegung gesezt wird, verschlungen wird; 3) noch den Theil anzugeben, der von dieser Triebkraft übrig bleibt, wenn ein Ueberschuß an bewegender Kraft vorhanden ist.

Man kann noch mittelst dieses Zaumes auch die Vollkommenheit einer Maschine beurtheilen, wenn man den Widerstand, den sie der Triebkraft darbietet, mit jenem vergleicht, den eine andere Maschine, die dieselbe Arbeit liefert, entgegensezt.

Ich habe den Zaum an liegenden und an senkrecht stehenden Wellen angewendet, immer mit gleichem guten Erfolge.

Die Aufgabe, von welcher ich am Anfange dieses Aufsazes sprach, ist also gelöset, und man kann mit geringen Kosten eine Maschine von was immer für einer Kraft auf eine sichere und der ganzen Welt begreifliche Weise prüfen.

Ich wünsche, daß die Société industrielle zu Mülhausen meine Versuche an den zahlreichen Maschinen, die sie besizt, wiederholen und sich selbst von der Richtigkeit der Mittheilungen überzeugen möge, die ich die Ehre hatte ihr zu machen.

St. Etienne, 12. Dec. 1827.

Fourneyron.

Bericht des Hrn. Albert Schlumberger im Namen des mechanischen Ausschusses, über obigen Aufsaz des Hrn. Fourneyron, und über die Anwendung des Zaumes des Hrn. de Prony zur Bemessung der dynamischen Wirkung einer Triebkraft.
In der Februar-Sizung des Jahres 1828.

Der Ausschuß hält es für überflüssig, sich in eine umständliche |54| Prüfung der Theorie des Zaumes einzulassen, die an und für sich einfach, und durch die Entwikelung, die Hr. Fourneyron ihr gegeben hat, klar und verständlich genug ist. Da nun die Theorie richtig ist, so hatte der Ausschuß sich bloß mit Versuchen zu beschäftigen. Hr. Ed. Köchlin war so gütig eine kleine Dampfmaschine zu diesem Zweke anzubieten und den nöthigen Apparat vorrichten zu lassen.

Der Zaum, dessen man sich bediente, ist in der Sammlung der Gesellschaft aufgestellt, wo jedes Mitglied sich desselben bedienen kann. Es besteht aus einem hölzernen Hebel, der an einem Ende mit einem Kreisbogen versehen ist, dessen Halbmesser die Achse der Welle, an welcher der Zaum angebracht wird, zum Mittelpunkte hat. An dem unteren Theile des Bogens befindet sich ein kleiner Ring; man befestigt daran die Schnur, die, nachdem sie über zwei Rollen lief, die Schale aufgehängt hält, auf welche die Gewichte gelegt werden. An dem anderen Ende des Hebels sind zwei Polster aus hartem Holze angebracht, die die Welle umfangen. Zwei starke Bolzen vereinigen sie, und befestigen sie auf dem Hebel. Statt der Schraubenniete ist ein Zahnrad auf jedem Bolzen aufgezogen. Ein Triebstok, der die Bewegung mittelst eines vierarmigen Schlüssels erhält, der sich um seine Achse dreht, greift in beide Räder zugleich ein.

Mit Ausnahme dieser Räder und des Triebstokes ist der ganze übrige Apparat jenem des Hrn. Fourneyron vollkommen ähnlich. Ich werde später von der Ursache sprechen, die dieses Räderwerk nothwendig gemacht hat; für jezt beschränke ich mich bloß auf die Bemerkung, daß man auf diese Weise einen weit stärkeren Druk auf den Cylinder hervorbringen, und beide Bolzen zugleich anziehen und nachlassen kann.

Die Haupt-Dimensionen dieser Maschine sind:

Länge des Hebels, von der Achse der Umdrehung bis zur äußeren Oberfläche des Kreisbogens, 10 Fuß (3,24839 Meter).

Länge der Polster, 1 Fuß 5 Zoll (0,46019 Meter).

Breite der Polster, 6 Zoll (0,16242 Meter).

Dike der Polster, 4 Zoll (0,10828 Meter).

Durchmesser des Cylinders, 4 Zoll 4 Linien (0,11730 Meter).

Zahl der Zähne an dem Rade, das statt des Schraubennietes dient, 52.

Zahl der Zähne des Triebstokes, 9.

Länge eines der vier Arme des Schlüssels, 1 Fuß (0,32484).

Höhe des Schraubenganges an den Bolzen, 0,64 Lin. (0,00144384 Linien).

Durchmesser der Bolzen, 9 Linien.

Aus allen diesen Angaben folgt, daß der Hebel das angewendete |55| Gewicht um 55 38/100 Mal vermehrt; daß das Räderwerk mittelst des Schlüssels und die Schraubengänge an den Bolzen die Kraft, die als Tangente auf den äußeren Kreis, den ein Arm des Schlüssels beschreibt, wirkt, um 8168 2/10 Mal verstärkt; daß die sich reibende Oberfläche der Welle 80 Quadrat-Zoll betrug, und daß jeder Quadrat-Zoll einen 120 Mal größeren Druk erlitt, als derjenige ist, der an dem Ende eines Armes des Schlüssels angebracht ward.

Die Maschine, an welcher der Versuch angestellt wurde, war eine Dampfmaschine mit niedrigem Druke nach Boulton und Watt's Systeme, und wurde von dem englischen Fabrikanten zu einer Kraft von vier Pferden berechnet.

Der Ausschuß befolgte in seinen Versuchen die von Hrn. Fourneyron angegebene Methode mit 3 Arbeitern.

Nachdem die Maschine einen ziemlich regelmäßigen Gang angenommen hatte, war das mittlere Gewicht, wodurch Gleichgewicht hergestellt wurde, 33 1/2 Kilogramm, und die mittlere Zahl der Umdrehungen in Einer Minute 39. Hieraus folgt als Resultat nach obiger Berechnungs-Weise eine Kraft von 444,20 Kilogramm auf Ein Meter in Einer Secunde gehoben. Boulton und Watt's rechneten bei Verfertigung ihrer Dampfmaschinen 44,000 engl. Pfund Einen englischen Fuß hoch in Einer Minute gehoben als die Kraft Eines Pferdes15), was eben so viel ist, als 101 Kilogramm, 35 auf die Höhe Eines Meters in Einer Secunde gehoben. Obiges Resultat, nach Boulton und Watt's Pferdekraft berechnet, gäbe demnach 444,20/101,35 = 4,38 Pferdekraft.

Diese Kraft wurde dann nach und nach zum Umtriebe mehrerer Maschinen verwendet, und der Ueberschuß der Kraft, der durch das Gewicht gemessen wurde, welches den Hebel im Gleichgewichte hielt, war

bei zwei Waschrädern, 15 1/2 Kilogramm;

bei einer Kreissäge von 30 Zoll im Durchmesser, wann sie leer ging, 17 Kilogramm;

bei einer Holzsäge, 10 Kilogramm;

bei einer Reibmühle zum Zerreiben von Farbe-Materialien, 25 Kilogramm.

Diese Zahl von 33 1/2, Kilogramm abgezogen, d.h. von dem Gewichte, welches mit der ganzen Kraft der Triebkraft im Gleichgewichte ist, gibt

für die zwei Waschräder, 18 Kilogramm = 2,35 Pferdekraft;

für die Kreissäge im Gange, 16 Kilogramm = 2,09 Pferdekraft;

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für die Holzsäge, 23 1/2, Kilogramm = 3,07 Pferdekraft;

für die Reibmühle 8 1/2 Kilogramm = 1,11 Pferdekraft.

Es wäre sehr interessant, das zwekmäßigste Verhältniß zwischen dem Durchmesser der Welle, seiner Geschwindigkeit, der zu messenden Kraft, der Breite der Polster und der Länge des Hebels zu kennen.

Die ersten Versuche haben uns gezeigt, daß die sich reibende Oberfläche der Welle zu klein war; die Orts-Verhältnisse gestatteten keine Vergrößerung, und es blieb kein anderes Mittel übrig, als einen größeren Druk auf die Welle anzubringen. Durch das angebrachte Rad, von welchem wir oben sprachen, ist uns dieses gelungen.

Indessen darf man nur dann zu diesem Mittel seine Zuflucht nehmen, wenn kein anderes mehr übrig bleibt; denn eine schnelle Entwikelung des Wärmestoffes, die immer die Folge hiervon ist, verkohlt die Oberfläche der Polster sehr bald.

Der Ausschuß ist der Meinung, daß der große Durchmesser der Strekwalze, deren Hr. Fourneyron sich bediente, und die großen Polster, die er anwenden konnte, sehr viel zum Gelingen seines Versuches beitrugen.

Wenn man die verschiedenen Theile seines Apparates mit jenen des unsrigen vergleicht, und auch die bemessenen Kräfte, so findet man:

daß seine Welle 15 1/2 Zoll im Durchmesser hatte, und

die unsrige nur 4 1/2 Zoll;

daß seine Triebkraft einer Kraft von 16 1/2 Pferden nach Boulton und Watt gleich war, und

die unsere nur einer Kraft von 4 Pferden;

daß seine Polster 14 Zoll lang waren, und

die unseren nur 6 Zoll;

daß die Oberfläche seines Wellbaumes 881,38 □ Zoll hielt, und

die des unseren nur 80 □ Zoll.

Er hat also eine 10 Mal größere sich reibende Fläche, während seine Triebkraft nur 4 Mal größer war, als die unsrige.

Ueberdieß machte sein Wellbaum nur 16 Umdrehungen in Einer Minute, während der unsrige in dieser Zeit 39 Mal umlief.

Wenn es sich darum handelt, die reibende Oberfläche zu vergrößern, so hält der Ausschuß es für besser den Durchmesser als die Breite der Welle zu vergrößern.

Man könnte sich mit Vortheil eines runden Schliefers aus zwei Stüken bedienen, dem man irgend einen beliebigen größeren Durchmesser geben, und den man dann auf die meisten Wellen mittelst Bolzen und Keilen aufsezen könnte. Auf einen Theil der Oberfläche dieses Schliefers könnte man dann den Zaum wirken lassen.

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Man hat die Idee gehabt, die Polster mit Blei, Kupfer, oder mit irgend einer Legirung auszufüttern; man ist jedoch der Meinung, daß, bei dem großen Druke, der auf die Welle Statt hat, Holz das schiklichste Material hierzu ist; daß die Welle, selbst bei einer großen sich reibenden Oberfläche, sich immer erhizen, und Metall auf Metall sich noch schneller abnüzen müßte.

Indessen hat die Anwendung des Holzes auch ihren Nachtheil; nämlich den, der von der Verkohlung herrührt, welche bei einem gewissen Grade von Hize immer Statt hat. Während des ersten Versuches hat sich das Innere der Polster verkohlt, ungeachtet des ohne Unterlaß auf die Welle und auf die Polster aufgegossenen Wassers. Um diesem Nachtheile vorzubeugen, hat man vor dem lezten Versuche die Polster in's Wasser geworfen, und sie so lang darin gelassen, bis sie davon gehörig durchdrungen waren.

Ich muß nun noch den Unterschied zwischen dem Zaume des Hrn. de Prony und jenem des Hrn. Fourneyron angeben.

Bei ersterem ist das Gewicht immer dasselbe, aber der Hebel, oder vielmehr der Punkt, auf welchem das Gewicht auf dem Hebel angebracht ist, ist veränderlich, wie an einer Schnellwage.

Bei dem zweiten ist der Punkt, an welchem das Gewicht angebracht wird, immer derselbe, immer in gleichem Abstande von der Achse der Umdrehung, und nur das Gewicht wird verändert.

Der Ausschuß hat, mit einem Worte, Hrn. Fourneyron's Vorrichtung als leichtes und einfaches Mittel befunden, die Triebkraft zu bemessen, und die Vorrichtung mit dem Rade erleichtert die Anwendung noch mehr.

Bericht des Hrn. Emil Dollfus, im Namen des mechanischen Ausschusses, über einen Versuch, den man an der Spinn-Mühle der Hrn. Dollfus-Mieg und Comp. zu Mülhausen mit einem Zaume zum Messen der Triebkraft angestellt hat.
In der Mai-Sizung 1828.

Hr. Dollfus erstattet hier Bericht über einen Zaum, der nach der Idee des Hrn. Fourneyron vorgerichtet, aber für Getriebe von einer bestimmten Kraft berechnet ist, und zugleich an jeder Welle einer jeden Maschine angebracht werden kann.

Beschreibung dieses Zaumes.

Fig. 1, 2, 3 und 4.

A, A, ist eine Rolle aus Gußeisen, die auf ihrem Umfange zugedreht ist, und 24 Zoll im Durchmesser, 12 Zoll in der Breite hält. Diese Rolle hat zwei erhabene Ränder, B, B, um hölzerne Baken auf denselben fest zu halten. Das Loch oder die Oeffnung im Mittelpunkte |58| dieser Rolle bildet ein Vierek von 8 Zoll in der Länge und Breite, um auf einen Wellbaum von einer gewissen Stärke aufgekeilt werden zu können. C, C, ist ein Schliefer, der in den Mittelpunkt der Rolle, A, eingekeilt wird, und nach Belieben gewechselt werden kann, so daß er sowohl auf runde, als auf vierekige Wellen paßt. Der bei gegenwärtigem Versuche angewendete Schliefer hat ein vierekiges Loch von 4 Zoll Höhe und Breite, und der Wellbaum, an welchem der Versuch angestellt wurde, hat drei Zoll im Gevierte. D, D, sind die Baken, welche die Reibung auf der Rolle hervorbringen sollen. Diese Baken sind Pfosten aus Ahorn, die zusammengefügt und horizontal gestellt sind, und gleiche Breite mit der Rolle zwischen den Rändern, B, B, haben. Der eine ist 6, der andere 5 Zoll tief ausgeschnitten damit sie die gegossene eiserne Rolle gehörig umfassen. Bei dieser Vorrichtung wird die reibende Oberfläche der beiden Baken 530 3/4 □ Zoll; eine Oberfläche, die, ohne vielen Druk, eine starke Reibung gestattet. An dem unteren Baken, D, D, ist der Hebel, E, E, mittelst zwei Bolzen, F, F, von 18 Linien im Durchmesser, die alles zusammenschrauben, befestigt. Der Hebel, E, E, hat, von dem Ende des Kreisbogens, G, G, bis zum Mittelpunkte der Rolle, 15 Fuß in der Länge. Der Kreisbogen, G, G, ist fest auf dem Ende des Hebels mittelst der eisernen Arme H, H, befestigt, und führt einen Haken, I, zur Aufnahme der Schnur, K, an welcher eine Schale, M, hängt: die Schnur läuft über die Wechselrolle, L.

Ehe wir den Versuch selbst beschreiben, müssen wir erwähnen, daß wir die Baken, statt sie mit Wasser zu begießen, sehr stark geschmiert haben. Es ist vielleicht nicht überflüssig zu bemerken, daß man sich wohl hüten müsse, kein Wasser zwischen die Rolle und die Baken kommen zu lassen, sey es nun, daß man sie dadurch schlüpfriger machen oder abkühlen wolle. Wir haben gleich bei einem ersten Versuche alle Nachtheile der Anwendung des Wassers erfahren, die selbst nicht ohne Gefahr ist; denn das Wasser erzeugt eine zu große Reibung. Man war durch das zitternde Schwingen, welches dadurch entstand, in Gefahr den Hebel oder irgend einen anderen Theil des Zaumes zu brechen.

Versuch.

Der von uns angestellte Versuch wurde an einem senkrecht stehenden Wellbaume unternommen, was die hervorstehenden Ränder auf der Rolle, A, nothwendig machte, um den Apparat haltbar zu machen. Es ist hier nothwendig zu bemerken, daß, wenn man es mit einem senkrechten Wellbaume zu thun hat, der Hebel so vorgerichtet werden muß, daß er an dem Ende, E, nicht zu schwer wird. Da dieses Ende sowohl durch seine eigene Schwere, als durch jene |59| des Kreisbogens, G, G, immer zu sinken strebt, so konnte es die Ränder der Rolle beschädigen oder selbst brechen, oder wenigstens den Versuch weniger genau und entscheidend machen. Diese Vorsicht wird überflüssig, wo der Zaum an einer horizontalen Welle angebracht wird; denn in diesem Falle kann der Hebel mittelst eines Gegengewichtes in's Gleichgewicht gebracht werden. Noch eine Vorsicht, die wir getroffen haben, bestand darin, daß wir die untere Seite der Baken mit zwei eisernen Reifstüken an jener Stelle beschlagen ließen, wo sie sich auf dem Rande der Rolle reiben mußte, damit das Holz sich nicht zu schnell abnüzte.

Die Dampfmaschine, an welcher der Versuch angestellt wurde, war eine Maschine mit niedrigem Druke aus der Fabrik der HHrn. Peel und Williams, nach Boulton und Watt's Systeme. Sie ward für eine Maschine von der Kraft von 20 Pferden ausgegeben.

Man fing damit an, die Höhlung, O, O, der Rolle mit kaltem Wasser auszufüllen, nachdem man vorläufig mit Kitt die Zwischenräume zwischen den Keilen und der Welle, P, ausgefüllt und verstopft hatte. Das Wasser sollte dazu dienen, die Erhizung des Gußeisens soviel möglich zu verspäten. Nachdem die Welle, P, welche gewöhnlich 41 Umdrehungen in Einer Minute macht, diese Geschwindigkeit erlangte, und einige Umdrehungen in dieser Schnelligkeit machte, fing man an die Niete der Schrauben-Bolzen, F, F, anzuziehen, und die Schale, M, mit Gewichten zu belegen. Diese Gewichte wurden nach und nach bis auf 100 Kilogramme gebracht, wobei man immer die Schrauben anzog, bis endlich die Welle, P, nur mit Mühe mehr ihre gewöhnliche Zahl von Umdrehungen zu Stande brachte, und wir schließen mußten, daß die Last ihr Maximum erreicht hat. Nun wurde der Versuch unterbrochen, nachdem er bereits eine Viertel-Stunde gedauert hatte, damit die Rolle sich nicht zu sehr erhizte, die bereits heiß genug geworden ist, indem das Wasser, welches im Anfange des Versuches zugegossen wurde, schon wirklich siedend heiß wurde, obschon man beständig Talg an der sich reibenden Oberfläche auftrug. Zu den 100 Kilogrammen auf der Schale, die das Maximum der Wirkung gaben, muß man noch 8 Kilogramm, als die Schwere der Schale selbst, hinzusezen, was 108 Kilogramm gibt.

Da nun der von dem Hebel beschriebene Umfang = 30 Meter, 59 war, und die Welle 41 Umdrehungen in Einer Minute machte, so war die während Einer Secunde auf die Höhe Eines Meters gehobene Last = 2258 Kilogr., 27. Dieß gibt nach Boulton und Watt, in Pferdekraft ausgedrükt, 2258,27/101,35 = 22,28 Pferde.

Nachdem die Rolle, A, mittelst einer hinlänglichen Menge Wassers, |60| das man zu wiederholten Malen in die obere Höhlung eingoß, gehörig abgekühlt war, wurde der Versuch von Neuem angestellt, indem man die Welle mit der Uebertragung der Triebkraft, die die Maschine in Umlauf sezt, in Verbindung brachte. Wir verfuhren auf die vorige Weise, beluden die Schale nach und nach mit Gewichten, und zogen die Baken gegen die Rolle an. Nach 15 Minuten, als bereits 77 Kilogramm auf der Wagschale lagen, fanden wir, daß die Last wieder ihr Maximum erreicht hatte; denn die Welle, P, fing alsogleich an langsamer zu laufen, wenn man mehr Gewicht auf die Schale legte. Der Versuch wurde dann beendet und der ganze Apparat abgenommen, damit die erhizten Theile sich abkühlen konnten. Wenn man nun zu den 77 Kilogramm noch 8 Kilogramm, die Schwere der Schale, hinzu sezt, so erhält man 85 Kilogramm, die die Maschine aushielt, nachdem sie die Bewegung auf die Theile übertrug, die sonst durch die Triebkraft in Gang gebracht werden. Da nun die Maschine, wo sie leer ging, eine Last von 108 Kilogramm ertrug, so verschlingt die Uebertragung der Bewegung 23/108 der Gesammt-Kraft, oder ungefähr 4 1/2 Pferde-Kraft. Wir haben uns während dieses Versuches überzeugt, daß es nothwendig ist, auf bedeutende sich reibende Oberflächen zu wirken, wenn der Versuch gelingen soll; dadurch beseitigt man die Nachtheile einer zu schnellen und zu starken Erhizung des Gußeisens und des Holzes, indem man eine bedeutende Kraft mittelst eines geringen Drukes aufwiegen kann, den man auf jeden einzelnen Punkt des sich reibenden Theiles wirken läßt.

Da Hr. Fourneyron die Preisaufgabe über Messung der dynamischen Wirkung der Triebkräfte durch seine Versuche gelöset hat, so trägt der Ausschuß darauf an, ihm die Medaille zuzuerkennen.

Man vergleiche hiermit den Aufsaz des Hrn. L. M. P. Coste im Industriel. Août 1828. p. 225 (mit einigen Bemerkungen hierüber im October-Hefte des Bulletin des Sciences technologiques S. 258), in welchem Hefte Hr. Coste auch S. 253 einige Bemerkungen über die Reibung mittheilt, und sich gegen einen Recensenten rechtfertigt. – Ueber Prony's Zaum haben wir schon im J. 1822 im Polytechn. Journale Nachricht mitgetheilt, und Hrn. Prony's Abhandlung selbst aus den Annales de Chimie et Physique im Polytechn. Journale Bd. VIII. S. 431 übersezt. A. d. u.

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Sie findet sich nicht im Originale, ersezt sich aber zum Theile aus Fig. 4. A. d. u.

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Später, als ich den Zaum anzulegen bereits besser gelernt hatte, verfertigte ich denselben weit leichter, so daß er auch leichter angelegt werden konnte, ohne daß die Genauigkeit dabei gelitten hätte. A. d. O.

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Siehe Polytechn. Journal Bd. XIX. S. 417.

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Mémoire de Robert Burnton, Industriel. Mai. 1828.

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