Titel: Bonastre, über das flüchtige Sassafrasöhl und das Verfahren.
Autor: Bonastre,
Fundstelle: 1829, Band 32, Nr. XXII. (S. 122–129)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj032/ar032022

XXII. Ueber das flüchtige Sassafrasöhl und das Verfahren, wodurch man seine Verfälschung erkennen kann, von Hrn. Bonastre.

Aus dem Journal de Pharmacie. Dec. 1828. S. 645.

Obgleich alle flüchtigen Oehle eigenthümliche physische und chemische Eigenschaften besizen, so hat man doch meines Wissens ihre verschiedenen chemischen Eigenschaften noch nicht benüzt, um diejenigen von einander zu trennen, welche bei pharmaceutischen Präparaten, Schminkmitteln u.s.w. vereinigt, oder in der betrügerischen Absicht mit einander vermengt worden sind, um das Gewicht seltener und theurer flüchtigen Oehle durch solche zu vergrößern, welche häufig vorkommen und fast gar keinen Werth haben. Aus den unten beschriebenen Versuchen wird man jedoch ersehen, daß man zu einem genügenden Resultate gelangen kann, besonders wenn die zu untersuchenden flüchtigen Oehle sehr auffallende chemische Eigenschaften haben. Ihre Farbe, ihr Geruch, ihr Geschmak, ihr specifisches Gewicht, ihre Färbung durch Salpetersäure in der Kälte, die Wirkung dieser Säure auf sie in der Wärme, die Wirkung des Chlors bei niedriger Temperatur, ihre mehr oder weniger leichte Vereinigung mit den äzenden Alkalien und den anderen salzfähigen Grundlagen, geben eben so viele eigenthümliche Eigenschaften ab, welche ich benüzte, um gewisse flüchtige Oehle zu erkennen und vollkommen frei von aller Beimischung darzustellen; so wie auch um mich zu versichern, ob sie nach ihrer Isolirung noch ganz dieselben chemischen Eigenschaften wie zuvor besaßen.

Vor einigen Monaten stellte ich mehrere Versuche mit dem flüchtigen Sassafrasöhl an, um zu erfahren, ob es keine anderen flüchtigen |123| Oehle, als das Gewürznelkenöhl, Jamaikapfefferöhl und Nelkenzimmetöhl gibt, welche sich mit den Alkalien oder den Metalloxyden verbinden können. Nachdem mein Vorrath ganz erschöpft war, nahm ich sogleich zu denjenigen Sassafrasöhlen meine Zuflucht, welche man in einigen Materialwaarenhandlungen verkauft. Aus der Verschiedenheit des Geschmaks, des Geruchs und des Preises konnte ich bald gewahr werden, daß das käufliche Sassafrasöhl nicht immer von gleicher Beschaffenheit ist: in der That variirte der Preis der Unze von 1 Fr. 25 Ct. bis 6 Franken. Dadurch war ich also von der Verfälschung desselben überzeugt und es handelte sich jezt darum auszumitteln, womit es verfälscht wird, was nicht leicht war, weil die verfälschten Oehle außer dem Sassafrasgeruch, der bei ihnen allgemein vorherrscht, so wie ächtes Sassafrasöhl die Eigenschaft hatten, sich in Berührung mit Salpetersäure in der Kälte nacaratroth zu färben.

Wenn man solche Versuche mit Erfolg anstellen will, so muß man ein flüchtiges Oehl besizen, auf dessen Reinheit man sich verlassen kann, um Vergleichungen anstellen zu können. Ein solches Oehl verdanke ich der Güte meines Collegen, des Hrn. Lodibert, welcher eine sehr große Menge Sassafrasholz mit kochendem Wasser zu behandeln hatte, was er in einer mit einem Helm versehenen Destillirblase vornahm, wodurch er den größten Theil des flüchtigen Oehles erhielt, welches ohnedieß verloren gegangen wäre; ich habe es durch eine zweite Destillation rectificirt.

Das flüchtige gut rectificirte Sassafrasöhl besizt folgende Eigenschaften: Es ist flüssig, farblos und durchsichtig; hat ganz den Geruch und Geschmak des Sassafrasholzes; es enthält eine geringe Menge von einem Oehle, welches leichter und ein anderes, welches schwerer als Wasser ist. Sein specifisches Gewicht kann nicht genau bestimmt werden, weil das Verhältniß dieser beiden Oehle, welche eine verschiedene Dichtigkeit haben, nach der Darstellungsart desselben wahrscheinlich verschieden ist. In Berührung mit Salpetersäure in der Kälte nimmt es eine nacaratrothe Farbe an; aber diese Farbe entwikelt sich nicht so leicht wie die des Gewürznelkenöhls, welches leztere sich augenbliklich färbt und außerdem eine blutrothe, derjenigen des Morphiums sehr ähnliche Farbe annimmt. Wenn man es mit seinem acht- bis zehnfachen Gewichte kochender Salpetersäure in einer Retorte behandelt und das Uebergehende bis zur vollständigen Auflösung des Oehles immer wieder zurükgießt, so ändert es sich in Sauerkleesäure um; 100 Theile flüchtiges Oehl gaben 15 Theile sehr reiner und vollkommen krystallisirter Sauerkleesäure.

Das Sassafrasöhl verbindet sich nur schwach mit den äzenden |124| Alkalien und den anderen salzfähigen Basen43). Wenn man es in einer erkältenden Mischung zwanzig Minuten lang einem Strome Chlorgas aussezt, verdikt es sich, wird undurchsichtig weißlich, zeigt aber nicht die grüne Farbe, welche man bei dem Gewürznelkenöhl bemerkt, wenn dieses demselben Gase ausgesezt wird. Wenn es längere Zeit mit Ammoniakgas in Berührung bleibt, trübt es sich, erhält Consistenz, bildet aber keine Krystalle, wie man sie aus Gewürznelkenöhl und gasförmigem Ammoniak erhält. – Wenn man diese schwache Ammoniakverbindung in einem luftdicht verschlossenen Glasgefäße stehen läßt, nehmen mehr als 2/3 des Oehles bald wieder ihren flüssigen Zustand an.

Hieraus sieht man, daß das Sassafrasöhl außer dem Geschmak, Geruch und specifischen Gewicht, chemische Eigenschaften hat, welche von denjenigen des Gewürznelkenöhls sehr verschieden sind. Nachdem nun seine physischen und chemischen Eigenschaften bestimmt sind, ist es sehr leicht, dasselbe von den Verfälschungen, welche man damit vornimmt, zu unterscheiden.

Erste Verfälschung.

Sie bestand aus der bloßen Vermischung ächten Sassafrasöhles mit Lavendelöhl (ohne Destillation); von diesem Oehl kostete die Unze 1 Fr. 25 Ct. – Seine Farbe war grünlichgelb, sein Aussehen trübe; der Sassafrasgeruch war bei ihm vorherrschend, jedoch mit einem schwächern, dem von Lavendel, vermischt. – Sein brennender Geschmak hielt auch das Mittel zwischen dem von Sassafras und Lavendel. – Sein specifisches Gewicht war viel geringer als das des reinen Sassafrasöhles. – Als es tropfenweise in Wasser geschüttet wurde, fiel nur eine sehr geringe Menge davon auf den Boden der Flüssigkeit; der größte Theil blieb auf der Oberfläche. Der auf der Oberfläche des Wassers gebliebene Theil röthete sich langsam in Berührung mit Salpetersäure in der Kälte; dasselbe war auch bei demjenigen Theile der Fall, welcher unter dem Wasser stand. Die Färbung durch Salpetersäure kann also kein in jedem Falle verläßliches Kennzeichen abgeben. Wahrscheinlich hatte sich der leichtere und flüchtigere Theil des Sassafrasöhles mit dem Lavendelöhl vereinigt44), weil beide eine ziemlich gleiche Dichtigkeit und Flüchtigkeit haben und das Lavendelöhl durch |125| diese Vereinigung die Eigenschaft erhalten, durch Salpetersäure eine rothe Farbe anzunehmen, denn für sich allein röthet es sich nicht.

Dieses verfälschte Oehl bestand also aus Lavendel- und Sassafrasöhl. Die ausgemachte Thatsache, daß das Sassafrasöhl durch das Lavendelöhl an Dichtigkeit verliert, veranlaßte mich zu untersuchen, wie viel Lavendelöhl nöthig ist, um dieses Resultat hervorzubringen. Ich habe mich nach mehreren Versuchen überzeugt, daß hiezu das Verhältniß von einem Drittel leichtem Oehl, wie Lavendel- oder Terpenthinöhl, auf zwei Drittel schweres Oehl, wie Sassafras- oder Gewürznelkenöhl erforderlich ist. Diejenigen, welche die ausländischen Oehle mit inländischen verfälschen, thun dieses gewöhnlich auch mit einem Drittel dieser lezteren und selten mit mehr; weil bei einem größeren Verhältnisse das Gemisch der beiden Oehle auf der Oberfläche des Wassers bleibt, obgleich sie eine verschiedene Dichtigkeit haben; auch habe ich wirklich in dem verfälschten Sassafrasöhl ein Drittel Lavendelöhl gefunden.

Zweite Verfälschung.

Dieses Sassafrasöhl war mit rectificirtem Terpenthinöhl verfälscht; da sich diese beiden Oehle inniger vereinigen, so war das reinere Product auch schwieriger zu zerlegen. Sein Geruch war gemischt, obgleich der des Sassafrasöhles immer vorherrschte. In Berührung mit Salpetersäure in der Kälte, nahm es eine nacaratrothe Farbe an, wodurch die Gegenwart des Sassafrasöhles ziemlich sicher angezeigt wurde. Sein specifisches Gewicht war geringer, als das des reinen Sassafrasöhles. Um das Gemisch zu zerlegen, destillirte ich es mit Wasser und sammelte im Recipienten zwei sehr verschiedene flüchtige Oehle. Das erste schwamm auf dem Wasser; ich erkannte es für ziemlich reines Terpenthinöhl; ich sage für ziemlich reines, denn durch Salpetersäure nahm es wie das Sassafrasöhl eine rothe Farbe an; übrigens hatte es ganz den Geruch und Geschmak des Terpenthinöhls. Das zweite schwamm auf dem Boden der Flüssigkeit; es war farblos, durchsichtig, und unterschied sich, wie man sieht, durch seine Dichtigkeit. Sein sehr auffallender Geruch und Geschmak stimmten vollkommen mit denen des Sassafrasöhles überein. Es röthete sich außerdem in Berührung mit Salpetersäure in der Kälte. Es ist also kein Zweifel mehr, daß dieses Sassafrasöhl mit Terpenthinöhl verfälscht war; auch habe ich gefunden, daß eine sorgfältig geleitete Destillation das beste Mittel ist, um zwei flüchtige Oehle von verschiedener Dichtigkeit von einander zu trennen.

Von diesem Oehl kostete die Unze 2 Fr. 50 Ct.

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Dritte Verfälschung.

Von diesem Oehl kostete die Unze 6 Franken; es war schwieriger zu untersuchen, weil es aus drei flüchtigen Oehlen, welche verschiedenen Pflanzengattungen angehörten, zusammengesezt war. Seine specifischen Eigenschaften, wie Geschmak, Geruch, seine Färbung durch Salpetersäure waren ziemlich die nämlichen wie bei den vorhergehenden verfälschten Oehlen.

Ich destillirte es mit Wasser, und versezte 300 Theile des Gemenges mit nur 100 Theilen äzenden Natrons. Auf der überdestillirten Flüssigkeit schwamm ungefähr ein Drittel wesentliches, klares, durchsichtiges und farbloses Oehl; es war Terpenthinöhl, welches Sassafrasöhl mit sich gerissen hatte, denn es röthete sich in Berührung mit Salpetersäure langsam; den untersten Theil der Flüssigkeit nahm ein anderes Product ein, welches ich für achtes Sassafrasöhl erkannte. Der in der Retorte gebliebene Rükstand wurde abgedampft und stehen gelassen; es bildeten sich darin zahlreiche Krystalle: diese Krystalle wurden nach einer sorgfältigen Untersuchung durch ihren Geschmak und ihre Form für eine Verbindung von Gewürznelkenöhl mit Natron erkannt.

Dieses dritte verfälschte Oehl bestand also aus Sassafras-, Terpenthin- und Gewürznelkenöhl.

Mit diesen inländischen flüchtigen Oehlen verfälschen im Allgemeinen die Materialwaarenhändler und selbst die Parfümirer die ausländischen Oehle. Diese Herren ändern die Gemische nach Umständen ab und ohne sich in dieser Hinsicht an bestimmte Vorschriften zu halten: indessen kann man ihnen eine gewisse Geschiklichkeit in der Kenntniß gewisser chemischen Charactere – welche oft die unterrichtetsten Leute übersehen, die sich aber die Materialwaarenhändler sehr gut zu Nuzen zu machen wissen – nicht absprechen.

Obgleich diese Versuche ganz überzeugend sind, so veranlaßten sie mich doch zu untersuchen, ob man nicht zwei flüchtige Oehle, deren jedes sehr ausgezeichnete chemische Eigenschaften hat, durch einen directen Versuch vollständig von einander trennen kann. Zu diesem Ende nahm ich gleiche Theile von rectificirtem Terpenthin- und Gewürznelkenöhl und äzendem Natron: ich brachte Alles in eine gläserne Retorte mit einer hinreichenden Quantität Wasser und ließ das Gemisch zwölf Stunden lang auf einander wirken, nachdem ich die Retorte verkittet hatte; ich destillirte sodann und fing die Dämpfe in einem mit gestoßenem Eis umgebenen Recipienten auf.

Auf der übergegangenen Flüssigkeit schwamm ein farbloses, leichtes und durchsichtiges flüchtiges Oehl; es war reines Terpenthinöhl ohne alle Beimischung von Gewürznelkenöhl, denn die Salpetersäure |127| ertheilte ihm keine rothe Farbe. Auch konnte man auf dem Boden des Recipienten keine andere flüchtige Substanz gewahr werden; die Flüssigkeit selbst röthete sich in Berührung mit Salpetersäure nicht, was bestimmt geschehen wäre, wenn sie die geringste Menge Gewürznelkenöhl mit sich gerissen hätte.

Das Terpenthinöhl war also in einem reinsten Zustande abgeschieden worden und alles Gewürznelkenöhl mußte daher in der Retorte geblieben seyn; auch krystallisirte der Rükstand, nachdem er concentrirt und stehen gelassen worden war, in seidenartigen Nadeln, welche den brennenden und starken Geschmak der Gewürznelken hatten. Sie waren auch wirklich eine Verbindung von Gewürznelkenöhl mit Natron; in dieser Verbindung verliert das Gewürznelkenöhl ganz die Eigenschaft, sich bei der Wärme des kochenden Wassers zu verflüchtigen, wie ich dieses schon in einer früheren Abhandlung (Journal de Pharmacie Bd. XIII. S. 464 und 514) gezeigt habe. Man brauchte nun blos das überschüssige Natron mit einer Säure zu sättigen und zu destilliren, um das Gewürznelkenöhl zu erhalten. Zu diesem Ende brachte ich in der Retorte neuerdings Wasser, welches ich zuvor mit so viel Schwefelsäure versezt hatte als nöthig war, um das mit dem Gewürznelkenöhl verbundene Natron zu sättigen; die Schwefelsäure bemächtigte sich nun des Natrons und das Gewürznelkenöhl erschien in außerordentlich braunen Tropfen. Bei der Destillation ging es in den Recipienten über, auf dessen Boden es sich absezte. Dieses Oehl war vollkommen klar, durchsichtig, schwerer als Wasser, hatte den brennenden Geschmak und Geruch der Gewürznelken, färbte sich in Berührung mit Salpetersäure in der Kälte, augenbliklich blutroth, verband sich neuerdings mit den Alkalien und den anderen salzfähigen Basen, und besaß endlich alle chemischen Eigenschaften wie zuvor45).

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Da die angeführten Thatsachen die ersten wohl erwiesenen Beispiele sind, daß mehrere vorher mit einander verbundene flüchtige Oehle von einander getrennt werden können, so mußte ich zur Vervollständigung dieser Reihe von Versuchen davon eine mehr directe Anwendung machen, die sich jedoch auf dieselben Principien gründet, nämlich die Eigenschaft des einen Oehles, mit den Alkalien sich zu verbinden und fix zu werden, und die Eigenschaft des anderen, sich mit den Alkalien nicht zu vereinigen und flüchtig zu bleiben.

Ich wählte zwei flüchtige Oehle von ziemlich gleicher Dichtigkeit, nämlich solche, die schwerer als Wasser waren: Gewürznelkenöhl und Sassafrasöhl, wovon ersteres sich mit den Alkalien vereinigen kann, lezteres aber nicht, oder doch nur in sehr geringer Menge. Ich mischte beide Oehle zu gleichen Theilen, sezte die Hälfte ihres Gewichtes äzendes Natron und eine hinreichende Menge Wasser zu und destillirte; durch ein behutsam geleitetes Kochen erhielt ich dann auf dem Boden des Recipienten nur reines, weißes, ganz farbloses und vollkommen durchsichtiges Sassafrasöhl. Das Gewürznelkenöhl blieb in Verbindung mit Natron zurük und diese Verbindung krystallisirte auch47). Als sie durch eine sehr verdünnte Säure zersezt wurde, schied sich das Gewürznelkenöhl ab; durch Destillation in einer Retorte ging das Oehl in den Recipienten über. Es besaß noch den Geruch, Geschmak und die Dichtigkeit des ächten Gewürznelkenöhls, nur seine Farbe war etwas dunkler geworden, was um so auffallender war, weil es vollkommen durchsichtig war und nicht die Farbe des Sassafrasöhles hatte, womit es gemischt worden war. Diese beiden flüchtigen Oehle, welche ziemlich gleiche Dichtigkeit haben, aber schwerer als Wasser sind, wurden also vollkommen von einander geschieden48).

|129|

Schluß.

Aus den angeführten Versuchen folgt, daß gewisse flüchtige Oehle, welche sehr bezeichnende chemische Eigenschaften haben, durch die chemische Analyse von einander abgeschieden werden können; daß man zwei flüchtige Oehle von verschiedener Dichtigkeit am besten durch Destillation mit Wasser von einander trennen kann; daß wenn zwei flüchtige Oehle gleiche Dichtigkeit haben, das heißt schwerer als Wasser sind und das eine derselben sich mit gewissen Alkalien verbinden kann, das andere aber nicht, die beiden Oehle durch Zusaz von Alkali und Destillation mit Wasser von einander getrennt werden können; daß man auch drei mit einander vermischte flüchtige Oehle, wenn sie sehr ausgezeichnete chemische Eigenschaften haben, durch dieselben Verfahrungsweisen von einander trennen kann; endlich zeigen uns diese Versuche auch die Möglichkeit, bei den Analysen gewissen vegetabilischen Substanzen eben so genaue Resultate zu erhalten, wie bei den Analysen der Mineralsubstanzen, wenn aber dieses Resultat erreicht werden soll, so muß man mit sehr reinen und von aller Beimischung freien vegetabilischen Substanzen arbeiten, deren Eigenschaften man zuvor vollkommen ausgemittelt hat.

|124|

Es Verbindet sich besser mit dem Kalk, als mit dem Kali oder Natron; die Kalkverbindung ist sogar sehr beständig. A. d. O.

|124|

Alle flüchtigen Oehle lösen einander nicht so leicht auf, wie man dieses glauben könnte; man braucht, um sich davon zu überzeugen, nur einige Tropfen Gewürznelken- oder Sassafrasöhl in rectificirtes Terpenthinöhl zu gießen. Die beiden ersteren fallen sehr schnell in Gestalt von Kügelchen auf den Boden; man muß die Oehle lange Zeit schütteln, wenn sie sich innig mischen sollen und diese Auflösung ist auch nicht immer durchsichtig, wenigstens wenn sie frisch bereitet ist. A. d. O.

|127|

Wenn ich das Gewürznelkenöhl als rein und mit allen seinen physischen und chemischen Eigenschaften wiedererscheinend betrachte, so will ich damit keineswegs der von unseren berühmtesten Chemikern aufgestellten Meinung über die Zusammensezung der flüchtigen Oehle im Mindesten entgegen treten: Hr. Chevreul unter anderen, stellt in feinen (Considérations sur l'analyse organique et sur ses applications die Meinung auf, daß es sich mit den flüchtigen Oehlen eben so wie mit den fixen verhält und daß sie offenbar aus mehreren in unbestimmten Verhältnissen vereinigten näheren Bestandtheilen zusammengesezt sind. Ich bin um so mehr geneigt die Meinung des Hrn. Chevreul über diese Substanzen anzunehmen, denn als ich mit vieler Vorsicht und in einer sehr verdünnten Atmosphäre Mazoa-Rinde (écorce de mazois) destillirte46), erhielt ich daraus ein flüchtiges Product, welches aus drei verschiedenen Substanzen, einem leichten, einem |128| schweren und einem festen flüchtigen Oehle bestand. Dessen ungeachtet kann jedoch ein flüchtiges Oehl, welches aus mehreren näheren Bestandtheilen zusammengesezt ist, nach seiner Vereinigung mit einem Alkali und seiner Trennung aus dieser Verbindung durch eine schwache Säure, neuerdings bei der Destillation mit seinen vorigen generischen Kennzeichen wieder erscheinen. A. d. O.

|127|

Der Verfasser hätte von Mazois und dem weiter unten folgenden Lanson den systematischen Namen angeben sollen, da sie in den französischen Wörterbüchern nicht aufgenommen sind und Trivialnamen keine Auctorität in der Sprache der Schriftsteller über naturhistorische Gegenstände besizen können. A. d. U.

|128|

Das Jamaikapfefferöhl und Mazearindenöhl, welche man aus zwei verschiedenen Pflanzengattungen erhält, können durch das nämliche Verfahren auch von einander getrennt werden. Bei dem Nelkenzimmetöhl und dem Jamaikapfefferöhl, welche einer und derselben Pflanzengattung angehören, ist dieß hingegen nicht der Fall. Da die beiden lezteren Oehle die Eigenschaft haben, sich mit den Alkalien zu verbinden, so verlieren sie in dieser Vereinigung ihre Flüchtigkeit. Das Gewürznelkenöhl, welches derselben natürlichen Familie, aber nicht derselben Gattung wie die beiden lezteren Oehle angehört, könnte auch nicht durch Alkalien von denselben getrennt werden. A. d. O.

|128|

Das flüchtige Baldrianöhl und das Oehl aus Lanson-Harz (résine de Lanson) haben, wie ich gezeigt habe die Eigenschaft, in Berührung mit Salpetersäure in der Kälte, eine indigoblaue Farbe anzunehmen. Es wäre wichtig, durch Versuche auszumitteln, ob diese beiden Oehle nach ihrer Vermischung mit Gewürznelkenöhl, durch Zusaz von Alkali, Destillation u.s.w. so vollkommen von dem Gewürznelkenöhl getrennt werden können, daß sie mit ihrer charakteristischen Eigenschaft, in Berührung mit Salpetersäure blau zu werden, wieder erscheinen. |129| Mit dem flüchtigen Oehle des Lansonharzes gelang der Versuch vollkommen und es färbte sich mit Salpetersäure noch dunkelblau, nachdem es von dem damit vermischten Gewürznelkenohl abgeschieden worden war. Als hingegen Gewürznelkenohl mit Baldrianöhl gemischt wurde, trat nicht ganz derselbe Erfolg ein: lezteres Oehl blieb großen Theils in dem verseiften Gewürznelkenöhl zurük: ich glaube daher, daß das Baldrianöhl eine gewisse Neigung hat, sich mit den äzenden Alkalien zu verbinden. A. d. O.

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