Titel: James's Patent-Dampf-Wagen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 32, Nr. XXIX. (S. 167–169)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj032/ar032029

XXIX.  James's Patent-Dampf-Wagen.

Aus dem Register of Arts. N. 62. 30. März S. 212.

Wir haben, sagt der Redakteur des Registers das Vergnügen unseren Lesern anzukünden, daß Hr. James am 5. dieß einen höchst gelungenen Versuch mit seinem Patent-Dampf-Wagen nach den in unserem Journal Bd. IV. S. 20. angegebenen Systeme angestellt hat.

Seit dieser Zeit war Hr. James ohne Unterlaß bemüht, alle Hindernisse zu beseitigen, die sich bisher bei ähnlichen Unternehmungen nur zu oft und zu kräftig in den Weg stellten. Er bediente sich eines cylindrischen Dampfkessels mit ringförmigen Röhren, wie in unserer Zeitschrift IV. Bd. S. 354. abgebildet und beschrieben wurde. Ein solcher Kessel verträgt den starken Druk, und gewährt die vollkommenste Sicherheit; er nimmt weniger Raum ein, braucht weniger Feuermaterial, und erzeugt schneller seinen Dampf. Dem Bodensaz in den Röhren wußte der Patent-Träger vorzubeugen. Der Bau des Wagens beschäftigte ihn über 12 Monate, indem, wie es bei neuen Erfindungen und zusammengesezten Maschinen so häufig zu geschehen pflegt, immer ein Tag zerstört, was der andere baute. Durch dieses Aufbauen und Einreißen, Zerschlagen und Zusammenfliken erhielt dieser Dampf-Wagen zum ersten Versuche die gewiß nicht unbedeutende Schwere von drei Tonnen, d.i. 60 Ztr. Dieses scheinbare Unglük ward aber zum wahren Glüke: es bewies, daß, wenn ein so schwerer Wagen läuft, ein leichter noch besser laufen wird.

Diese Arche Noah's aus Holz und Eisen wurde mit zwei Cylindern, wovon jeder nur 3 1/2 Zoll im Durchmesser hält, und mit zwei kleinen Dampfkesseln nach obigem Systeme ausgerüstet, wovon jeder 4 Fuß 6 Zoll lang ist und 1 Fuß 9 Zoll im Durchmesser hält. Und mit diesen kleinen Vorrichtungen fuhr diese Last von 60 Ztr. durch den Epping-Forst über eine neu aufgeschüttete Straße 4 englische Meilen |168| weit anfangs mit 15, dann mit 24 Passagiers mit einer Geschwindigkeit von 15 engl. Meilen auf Eine Stunde. Ein Herr, der die Kutsche zu Pferde begleitete, mußte immer in vollem Galoppe neben ihr herreiten.

Die Röhren des Kessels waren bloße Gasröhren, halbzusammengeschweißt: offenbar waren sie zu schwach für Dampf von hohem Druke; indessen, sie hielten den Versuch aus. Eine derselben gab jedoch nach, ließ Dampf fahren und löschte das Feuer aus. Indessen reichte der andere Kessel noch hin, um den Wagen glüklich nach Hause zu bringen. Die Landleute hatten solche Freude an dem Wagen, daß man sie nicht abwehren konnte: ein Mal saßen sechsunddreißig Menschen auf diesem Wagen, so daß man die Schwere desselben füglich auf 6 Tonnen, oder 120 Ztr. rechnen konnte, und doch fuhr der Wagen, wie im Triumphe, mit einer Geschwindigkeit von 7 englischen Meilen auf die Stunde, und fuhr dabei einen Hügel hinan, der eine Viertel engl. Meile dauerte, und so tief beschüttet war, daß die Räder zwei bis drei Zoll tief im Schutte liefen; hier lief der Wagen mit einer Geschwindigkeit von 5 engl. Meilen auf die Stunde. Man hielt mitten auf dem Hügel. Als man die Maschine neuerdings spielen ließ, ging es so rasch aufwärts, als man nur immer wünschen konnte. Ein Wagenmacher, der die ungeheuere Kraft, mit welcher der Wagen sich durch den Schutt bergauf durcharbeitete, genau beobachtete, schäzte dieselbe auf eine Kraft von sechs Pferden. Der Unfall mit der schlechten Röhre beweist uns ferner, daß ein kleiner Kessel von 4 Fuß 6 Zoll und 1 Fuß 9 Zoll Durchmesser stark genug war, eine Last von 6 Tonnen auf gewöhnlichem Wege zu treiben, eine Erscheinung, die wir kaum für möglich gehalten haben würden, wenn wir sie nicht gesehen hätten.

Da nun ein neuer Wagen viel stärker und zugleich viel leichter um die Hälfte leichter gebaut werden kann, so wird man mit einem doppelt leichteren Dampf-Wagen doppelt schneller fahren können.

Obschon indessen der Versuch glüklicher, als noch kein anderer mit ähnlichen Wagen, gelungen ist; obschon es auf die unwiderlegbarste Weise gelungen ist die Möglichkeit zu beweisen, daß ein Wagen mit Dampfkraft 20 engl. Meilen (5 bayerische) in Einer Stunde fahren kann; so wollen wir es gegenwärtig doch noch Niemanden, dem sein Geld lieb ist, rathen, sein Capital darauf zu wenden, ehe alles vollendet ist. Die erforderliche Kraft hat man gefunden; diese muß nun auf Wagen von dem gewöhnlichen Geleise angewendet werden; Kraft, Leichtigkeit und Einfachheit im Baue, Verminderung der Reibung müssen erst noch auf diese berechnet werden; an Geschwindigkeit wird's nie fehlen.

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Sir James Anderson, Baronet, hat sich mit Hrn. James verbunden, große Werkstätte in der Nähe von Vauxhall-Bridge errichtet, und die Unternehmung wird kräftig fortgesezt. Die Resultate werden in Bälde bekannt werden.

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