Titel: Deeble's neue Einrichtung und Verbindung von Metallblöken.
Autor: Deeble, Edw. Barnard
Fundstelle: 1829, Band 32, Nr. XLIII. (S. 233–240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj032/ar032043

XLIII. Neue Einrichtung und Verbindung von Metallblöken zur Verfertigung von Kastenwerken, Brükenpfeilern, Kayen, Uferbauten, Leuchtthürmen, Grundfesten, Wällen, und überhaupt zu solchen Gebäuden, zu welchen Metallblöke sich verwenden lassen, und worauf Edw. Barnard Deeble, Baumeister in St. James Street, Westminster, sich am 12. Julius 1827 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem London Journal of Arts. Jäner 1829. S. 203.

Mit Abbildungen91) auf Tab. VI.

Die vielen Fälle von Einbrüchen, welche die See jährlich in den Küsten Englands und anderer Länder macht, veranlaßten den Patent-Träger auf einen Uferbau zu denken, der die mächtigen Vortheile einer weit größeren Schnelligkeit im Baue vor jedem Wasserbaue mit Bausteinen voraus haben, und viel wohlfeiler, und eben so fest oder noch fester seyn soll, als die gewöhnliche Art des Wasserbaues.

Das neue Baumaterial und die neue Bauart des Patent-Trägers besteht in Kasten aus Gußeisen, die reihenweise nach Erforderung der Umstände eingesenkt werden. Diese Kasten werden durch Schwalbenschweif-Gefüge in einander gefügt, und, da sie hohl sind, nachdem sie in gehöriger Lage angebracht wurden, mit Steinen oder |234| anderen Materialien gefüllt, so daß sie dann eine dichte und große Masse bilden.

Tafel VI. zeigt verschiedene Formen dieser Kasten, die so zu sagen, für alle mögliche Lagen und Umstände berechnet sind. Fig. 1. zeigt die einfachste Form: eine längliche Kiste mit Schwalbenschweif-Gefüge. Diese Form läßt sich überall anwenden, wo in gerader Linie gebaut wird, entweder beim Eindämmen der See, oder beim Landbaue zu Grundfesten großer Gebäude, Unterlagen u. dergl. unter der Erde. Diese Form erlaubt bei ihrer Anwendung nur wenige Abänderungen; in Bezug auf Stärke und Schwere aber kann die Dike der Wände nach Bedarf verstärkt werden.

Fig. 2. ist, wie es scheint, die allgemeinste Form, die ausgedacht werden kann, um für die meisten Fälle zu passen. Sie läßt sich in's Unendliche vervielfältigen, und bleibt doch immer in sich vollkommen, so daß die Form der Seiten nicht verändert werden darf, wenn man irgend ein Werk mittelst derselben vollenden will.

Fig. 3. ist die Radial-Form, die zu einer wellenförmigen Linie an einer Kiste gebraucht werden kann, wo große Stärke nothwendig ist. Der punktirte Vorsprung a ist ein halber Schwalbenschweif, der zur Verbindung mit einem Kreuzgefüge nothwendig ist. Ein solcher Radial-Kasten dient, wenn es nöthig ist eine andere wellenförmige Linie mit der vorigen zu verbinden, als Bogen und Gegenbogen.

Fig. 4. ist ein Radial-Kasten mit besonderen Schwalbenschweifen, um die Hauptlinie mit einem Walle zu verbinden, wie in Fig. 12. Auf diese Weise kann diese Verbindung unter jedem Winkel geschehen, je nachdem man demselben eine andere Lage gibt.

Fig. 5. kann so abgeändert werden, daß man entweder ein gleichseitiges oder ein gleichschenkeliges Dreiek erhält. Dieser Kasten ist außerordentlich stark und einfach. Eine Idee von der Wichtigkeit dieser Form kann man sich aus Fig. 15. machen, wo sie wiederholt vorkommt.

Fig. 6. besteht aus zwei rechtwinkeligen Dreieken. Man bildet auf diese Weise Vertiefungen und Vorsprünge, wodurch, wie man in Fig. 16. sieht, wieder ein Schwalbenschweif-Gefüge entsteht.

Fig. 7. ist das Sechsek. Es verbindet sich eben so durch Vertiefungen und Vorsprünge (Kehlen und Zungen), gibt aber keinen vollkommenen oder sicheren Bau, bis nicht drei oder mehrere derselben unter einander verbunden sind, wie in Fig. 17; dann erhält es aber eine erstaunliche Stärke, und dient als Grundfeste für Leuchtthürme, Festungswerke, Waarenhäuser, und überhaupt für größere Gebäude, die man in Sand- oder Marsch-Land oder an Ufern von Flüssen aufführen muß.

Fig. 8. ist der tragbare Schwalbenschweif, den man dort braucht, |235| wo zwei Kasten mit ihren Schwalbenschweif-Kehlen an einander stoßen, was in dem Inneren großer Gebäude sich häufig ereignen kann.

Fig. 9. ist die halbkreisförmige Form, die sich an den äußeren Schwalbenschweifen der Universalform, Fig. 2., anbringen läßt, wie man in Fig. 19. sieht.

Fig. 10. ist eine Verbindung von Fig. 1 u. 2. Sie zeigt die Anwendung des länglichen Kastens, Fig. 1., zu Kreuzverbindungen, wo eine größere Metall-Masse reine Verschwendung seyn würde.

Fig. 11. ist eine Wiederholung der allgemeinen Form. Man sieht an derselben einen Beweis für die allgemeine Anwendbarkeit derselben, und erhält eine Idee von der Stärke, die sie den mit ihr verbundenen ähnlichen Kasten mittheilt, und durch dieselben zugleich wieder zurük erhält.

Fig. 12. zeigt einen Theil eines Walles (Spornes, Bastey) und die Verbindung desselben mit der Hauptlinie.

Fig. 13. ist die Wellenlinie mit einer angebrachten Kreuzverbindung bei a. Wenn eine andere Wellenlinie damit verbunden, und ein Bogen vor dem anderen vorgesprengt wird, so läßt sich dadurch eine große Festigkeit erhalten.

Fig. 14. zeigt den tragbaren Schwalbenschweif, Fig. 8, in Verbindung mit zwei länglichen Kasten, Fig. 1.

Fig. 15. zeigt die Verbindung zweier dreiekigen Kasten. Der Schwalbenschweif ist an dem Scheitelwinkel, und zeigt, daß jede andere Form daselbst noch angebracht werden kann. Wenn aber der Schwalbenschweif der See zugekehrt ist, muß er schief gegen die Kasten, die er schüzt, abgedacht seyn, so daß er stumpfe Winkel darbietet, die durch punktirte Linien, a und b, angedeutet sind.

Fig. 16. wiederholt die Fig. 6. in ihrer Verbindung, und taugt für jedes Werk, das sehr stark seyn soll. Wenn außen Schwalbenschweife angebracht werden, so läßt diese Form auch eine größere Breite im Baue zu. Diese Form wird vorzüglich dort höchst nüzlich, wo ein kleines Werk einen außerordentlichen Druk aushalten soll, indem jeder Theil des Inneren dieser Bauart gleiche Stärke bei dieser Einrichtung erhält.

Fig. 17. ist die sechsekige Form von außen in Verbindung gebracht. Kehle und Zunge in den Zwischenwinkeln bei a kann hier auch wegbleiben. Diese Form kann beim Uferbaue an den Seeküsten von großem Nuzen seyn.

Fig. 18. ist eine Form für leichtere Baue, kann auf allen Seiten ziemlich leicht gegossen werden, und wird dessen ungeachtet sehr stark seyn.

Fig. 19. zeigt die halbkreisförmige Form (Fig. 9.) Sie dient sowohl zur Verstärkung als zur Verschönerung.

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Fig. 20. zeigt den Durchschnitt einer Batterie an der See, oder eines abgedachten Uferbaues: der Winkel kann hier nach Umständen abgeändert werden. Da die Kasten hier eine größere Länge haben, so können sie mit zwei Schwalbenschweifen versehen werden, wie bei a und b. Alle Batterie-Kasten sind hier mit der Mauer in Einer geraden Linie verbunden, mit Ausnahme des obersten Kastens c, der einen Theil der Mauer bildet, und über die oberen Kasten hervorragt, und sie dadurch um so fester zusammen hält92).

Fig. 21. zeigt drei verschiedene Arten, nach welchen die Seiten dieser Kasten offen, oder wenigstens leichter verfertigt werden können, sowohl in Hinsicht auf Metall, als auf Kosten.

Fig. 22. stellt eine Art von Verbindung dar, durch welche mittelst diagonaler Streber, die Stärke auf eine unendliche Weise vermehrt werden kann. Sie ist hier nur im leichteren Baue gezeigt, als innerer Bau von Brükenpfeilern und Wällen gegen die See.

Fig. 23. ist dieselbe Bauart, nur in weit größerem Maßstabe der Schlußkasten a ist weniger lang gestrekt und besizt desto größere Stärke.

Fig. 24. zeigt eine andere Art, Kreuzverbindungen anzubringen. Der Central-Kasten zwischen den beiden Diagonal-Strebern kann von der Universal-Form, Fig. 2, etwas abweichen, und zu beiden Seiten Schwalbenschweif-Kehlen führen, dafür aber eine Zunge an jeder äußeren Eke haben. Die schief zulaufenden Kasten d und e werden sich zu jeder Seite des Central-Kastens anschließen.

Der Patent-Träger sagt, daß er sich vorzüglich auf Küstenbau und Wasserbau überhaupt beschränkt, indem er gefunden hat, daß seine Methode hier öfters gelang, wenn jede andere vergebens versucht wurde; daß indessen diese Bauart auch zu verschiedenen anderen Bauen, sowohl in Hinsicht auf Schnelligkeit in der Aufführung als auf Störke, verwendet werden kann. Er findet Gußeisenfasten sicherer und wohlfeiler als Stein93).

Die Verbindung dieser Kasten mittelst des sogenannten Schwalbenschweifes, oder richtiger Taubenschweifes (dovetail) ist, mathematisch betrachtet, von solcher Stärke, daß man sie beinahe für vollkommen erklären kann. Da sie aus Gußeisen sind, so kann man |237| sie so schwer machen, als die Umstände es erfordern, ohne daß man in Form und Verbindung einer Abänderung bedarf. Die Verbindung selbst ist allgemein, in jeder Richtung anwendbar, schief, horizontal und senkrecht. An Kosten, gegen Stein, kommen sie, die Wandelbarkeit der Preise in Anschlag genommen, „(in England)“ im Durchschnitte um Ein Drittel wohlfeiler, als Stein. An Zeit erspart man hingegen im Baue, was weit wichtiger ist, volle vier Fünftel.

Die Formen dieser Kasten lassen sich in's Unendliche vervielfältigen, und ihre Stärke wird in den meisten Fällen die Stärke eines Schlußsteines seyn, ohne daß sie so vielen Zufälligkeiten ausgesezt wären, wie dieser.

Der Bau eines solchen Kastens überlaßt dem Techniker, sowohl in Hinsicht auf Material als auf Form, ein weites Feld: er kann denselben so stark wie Stein, und noch weit stärker machen. Als metallner, gewöhnlich oben und unten hohler, Kasten kann man die Wände von einem halben Zoll bis auf Einen Zoll und darüber verdiken, je nachdem man nach Umständen mehr oder weniger Stärke nothwendig hat. Bei gewöhnlichem Werftenbaue und bei Canal-Ufern braucht die Wasserseite nur drei Viertel Zoll dik zu seyn: wo allenfalls ein stärkerer Druk der See Statt hat, etwas mehr. Die anderen Seiten können dünner seyn. Der innere hohle Raum wird mit flüssigem Kalke und kleinem Steingerölle, oder mit anderem tauglichen, an Ort und Stelle vorkommenden, Materiale ausgefüllt, so daß eine feste Masse gebildet wird, die das Metall-Gehäuse einschließt.

Die Kasten, welche die unterste Lage bilden, müssen mit einem Boden versehen seyn. Der Patent-Träger schlägt vor, diese Kasten sieben Fuß lang, drei Fuß hoch, und zwei bis fünf Fuß breit zu machen, je nachdem das Werk seiner Anlage und Stärke nach diese oder jene Breite fordert.

Wenn bloß eine einzelne Mauer an einem einfachen Werke nothwendig ist, so ist nur an jedem Ende des Kastens eine Schwalbenschweif-Verbindung nothwendig; soll aber eine dreifache Mauer aufgeführt werden, und diese Eine Masse bilden, so wird jeder Kasten, obschon nur 5 Schwalbenschweif-Gefüge vorhanden sind, von 6 anderen verstärkt werden, und eben so vielen seine Stärke mittheilen. Wenn fünfzig und mehr solche Kasten-Reihen der Breite nach nothwendig wären, so bleibt, dessen ungeachtet, die Form der Kasten immer dieselbe.

Wenn man mehrere Lagen von Kasten auf einander aufsezen muß, so müssen, was kaum erinnert werden darf, die horizontalen Gefüge (wie man sagt) gebrochen werden, was dadurch geschieht, daß man die Reihen abwechselnd mit einem halben Kasten anfängt. Auf diese Weise bilden dann alle Reihen zusammen eine dicht geschlossene |238| Masse, indem so jede Reihe mit der zunächst darüber und darunter befindlichen verbunden wird.

Der Patent-Träger theilte dem Herausgeber des London Journal noch folgende Bemerkungen über seine Bauart mit.

„Was die Kosten dieser Metall-Kasten betrifft, so läßt sich hierüber nichts mit Bestimmtheit angeben, da die Preise des Gußeisens sehr schwanken, und die Ortsverhältnisse selbst die Preise des Eisens sowohl als der Steine sehr verschieden stellen. Ich kann, nach Rechnungen, die ich in Händen habe, nur so viel versichern, daß die Ersparung bei Anwendung dieser Gußeisen-Kasten in einigen Fällen 20 p. C., in anderen 30, in anderen selbst 50 p. C. und darüber beträgt.“

„Der große Gewinn, den man bei Wasserbau jedes Mal macht, wenn man Zeit erspart, ist offenbar von noch höherer Wichtigkeit. So wie man gegenwärtig am Wasser baut, geht öfters der schönste Bau, der beinahe schon fertig ist, augenbliklich durch neue plözliche Einbrüche des Elementes, das man gewältigen will, zu Grunde, weil man um einige Tage zu spät fertig wurde, die Steine nicht bei der Hand hatte, der Bau zu langsam vorwärts schritt, etc. Je mehr man daher das Fortschreiten solcher Unternehmungen beschleunigen kann, desto sicherer ist man auch des Erfolges derselben.“

„Ich habe gesagt, daß man bei meinem Baue ungefähr 4/5 an Zeit erspart, und ich glaube ich habe zu wenig gesagt. Ein Baumeister zu London, der viele Erfahrung im Wasserbaue besizt, versicherte mich, daß das Zuhauen der Granitblöke, wie man sie an der neuen Londoner Brüke braucht, so langsam hergeht, daß man beim Wasserbaue an einer Küste, die den Stürmen häufig ausgesezt ist, sich derselben nimmermehr bedienen kann, und ein großer Güterbesizer in Schottland, welcher der See bereits viele Morgen Landes abgewönnen hat, sagte mir, daß er, obschon er den schönsten Granit auf seinen Gütern besizt, und zwar in der Nähe der Küste, wo er ihn am besten brauchen konnte, meine Bauart der seinigen vorzieht, und fortan nicht mehr mit Granit bauen wird“ 94).

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„Die Leichtigkeit, mit welcher diese Gußeisen-Kasten eingesenkt und befestigt werden können, wurde von allen eingestanden, die die Modelle gesehen haben, sowohl von Baumeistern als von Baulustige.

„Ein Baumeister, dem ich sehr viel verdanke, versicherte mich, daß er, unter gewissen Umständen, während Einer Ebbe hundert Yards (300 Fuß) mit meinen Metall-Kasten an der See ausdämmen zu können glaubte; daß man den Küstenbau in den neueren Zeiten viel zu sehr vernachlässigte, weil man durch unglükliche Versuche, die nochwendig mißlingen mußten, sich abschreken ließ; daß bei den Verheerungen, die die See jährlich an den Ufern verursacht, alles, was den Wasserbau zu beschleunigen vermag, die höchste Aufmerksamkeit verdient, indem die herrlichsten Unternehmungen, die Küsten gegen die Einbrüche der See zu schüzen, öfters nur deßwegen mißlangen, weil sie nicht schnell genug ausgeführt werden konnten, und so in Einem Sturme alles zu Grunde gerichtet wurde, was seit Monaten gebaut ward, weil es in Monaten noch nicht fertig werden konnte. Auf diese Weise dauerten nicht bloß die Verheerungen der See fort, sondern es ging mit dem Lande zugleich auch das Geld verloren, das man zur Rettung desselben verwendet hat. Er meint, daß durch diese Kasten dem Meere viele Tausend Morgen Landes abgewonnen, und die Einwohner unserer Insel, die jezt aus Hunger auswandern müssen, dem Staate erhalten werden könnten.“

„In vielen unserer Colonien muß Wasserbau unterhalten werden, |240| und es fehlt an Steinen. Der Transport solcher Gußeisen-Kasten auf Schiffen ist möglich, während Steine nicht auf denselben dahin verfahren werden können“ 95).

Wir haben von diesen hohlen Gußeisenblöken als Baumaterial im Polyt. Journ. Bd. XXVIII. S. 283 u. XXX. S. 228. bereits Nachricht gegeben, und einiges pro und contra angeführt. Die Journale, aus welchen wir diese Notizen entlehnten, enthielten aber bloß Bruchstüke, und das London Journal bringt erst jezt einen vollständigen Auszug aus dem Patente selbst mit den dazu gehörigen Abbildungen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß nicht bloß der Rost, sondern die in Länge der Zeit unvermeidliche Verwandlung des Eisens in Graphit, ein wichtiger Einwurf gegen die Anwendung dieser Kasten aus Gußeisen ist. Indessen kann es doch mehrere Fälle geben, wo sie zwekmäßiger und wohlfeiler seyn können, als jedes andere Baumaterial, und es darf wohl auch die Frage gestellt werden: „ob in Ländern, in welchen Mangel an Brenn-Material und Mangel an Steinen ist, wie in vielen Gegenden Ungerns gegenwärtig ist, und einst gewiß noch in vielen anderen Ländern Europens seyn wird, ähnliche Kasten aus Gußeisen, mit Lehmen oder Sand gefüllt, nicht als vortheilhafteres Bau-Material zu Gebäuden benüzt werden könnten, als die Förste verwüstenden Ziegel, und die an der Sonne getrokneten Ziegel zum sogenannten Pisé-Baue. Wenn die alten und die heutigen Indianer mit schlecht gebrannten hohlen Töpfen bauen, die sie auf die Kante stellen, so könnten auch wir mit hohlen eisernen Büchsen bauen. Für jeden Fall können Zimmer- und Baumeister aus diesen Figuren Material sparen, und doch vollkommene Festigkeit gewähren lernen; heute zu Tage ist aber gerade das Gegentheil Sitte. A. d. U.

|236|

Der Uebersezer erlaubt sich hier die Bemerkung, daß diese Batterie wohl gut seyn mag, wenn man aus derselben schießt, nicht aber wenn man auf dieselbe schießt; denn Gußeisen zerstäubt wie Glas unter einer Kanone. Wenn Hr. Deeble seine Kasten für Batterien aus gewalztem Eisen verfertigen, und mit Baumwolle oder Werg, statt mir Steinen oder Sand füllen läßt, dann mag sie auch passiv als Batterie dienen können. A. d. U.

|236|

Lezteres ist für England richtig, und mag auch für Preußen gelten, dessen Eisengußwerke sich so sehr gehoben haben: nur die Dauer ist zweifelhaft. A. d. U.

|238|

Gerade diese Wohlfeilheit und der Gewinn an Zeit wird ein großes Hinderniß bei Einführung dieser Bauart seyn; denn, so viel wir aus Erfahrung wissen, ist gerade dieser Zeit- und Geldgewinn dasjenige, was gewisse Aemter und gewisse Leute in gewissen Ländern am meisten scheuen. Vergebens versuchte der unsterbliche Mederer von Wuthwehr die Plünderungen der Feldapotheken-Regie aus den, Militär-Spitälern zu verbannen, und bewies an mehr als 20,000 Kranken, deren ärztliche Behandlung seiner Oberleitung anvertraut war, daß in großen Spitälern drei Pfennige des Tages an Arzeneien für jeden Kranken hinreichen. Obschon in seinen Feld-Spitälern bei dieser höchst einfachen Behandlung mitten unter den Drangsalen des Krieges weit weniger Kranke starben, als |239| in den mit allen Bequemlichkeiten versehenen Civil-Spitälern der Hauptstadt, so gelang es ihm doch nicht, der Hydra des Charlatanismus und Büreaukratismus alle ihre Köpfe abzuschlagen, und der edle Greis hatte bis an sein Grab mit Charlatanen und mit Schreibern zu kämpfen, die sich in die Beute theilten, die sie an dem großen Beutel, genannt Aerarium, zu machen sich nicht entblödeten. Vergebens lehrte der unsterbliche Baron v. Born, wie Bergbau getrieben werden soll; selbst der edle Graf v. Wrbna konnte dieser Lehre nicht Eingang verschaffen. Vergebens kämpfte der vortreffliche Lenoble von Edlersberg mehr denn 40 Jahre lang gegen den Schlendrian des Salinen-Wesens; es ist, einige kleine Verbesserungen abgerechnet, noch das alte Chaos, das die Götter der Finsterniß beherrschen. Wahrlich einer der achtbarsten Lehrer der Wiener-Universität unter Joseph II. und am Ende des vorigen Jahrhundertes, der Hr. Professor der Chirurgie v. Leber, hatte sehr Recht. wenn er das bekannte mundus vult decipi mit den Worten übersezte: große Herren wollen bedient seyn.“ Wenn heute ein Arzt zeigte, wie Kranke in Spitälern mit drei Pfennigen täglich für Arzeneien so geheilt werden können, daß höchstens Einer von dreißig stirbt; man wird sein Verfahren mißbilligen, und dasjenige loben, nach welchem ein Kranker täglich 24 Xr. für Arzeneien braucht, und von 10 bis 12 Kranken Einer stirbt. Wenn heute ein Halurge zeigte, wie der Staat am Salze sechs Mal so viel gewinnen kann, als er gegenwärtig gewinnt; man wird ihn in's Tollhaus sperren. Wenn ein anderer zeigte, wie 4/5 von den gegenwärtigen Schreibern überflüssig sind; wie der Staat zwei Drittel seiner Ausgaben ersparen kann; man wird ihn zu dem Halurgen verweisen. Mundus vult decipi.“ „Es würden wenige Leute in die Kirche gehen,“ sagte der fromme alte v. Leber, „wenn die Messen umsonst gelesen werden müßten, und wenige würden sogar in die Komödie gehen, wenn sie nicht dafür zahlen müßten, daß sie lachen dürfen.“ A. d. U.

|240|

Um den Leser über die Ausdehnung und Zusammenziehung des Gußeisens bei Wechsel der Temperatur zu beruhigen, bemerkt Hr. Deeble am Ende, daß die Ausdehnung eines Gußeisen-Kastens von 7 Fuß Länge vom Frierpunkte bis zum Siedepunkte nur 1/30 Zoll beträgt. A. d. U.

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