Titel: Ueber Beleuchtung.
Autor: Clément,
Fundstelle: 1829, Band 32, Nr. LIII. (S. 270–280)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj032/ar032053

LIII.  Ueber Beleuchtung.

Zweite Vorlesung des Hrn. Clément. Aus dem Recueil industriel. Febr. 1829. S. 121. Fortsezung der im polytechn. Journ. Bd. XXXII. S. 104. enthaltenen Abhandlung.

Da die mechanischen Verfahrungsarten bei der Fabrikation der Talg- und Wachskerzen und die Construktion der Oehllampen nicht in das Gebiet der Chemie gehören, so werden wir uns damit nicht beschäftigen; wir begnügen uns, eine Tabelle über die Menge des Brennmateriales zu geben, die bei den verschiedenen Beleuchtungsmethoden verzehrt wird, welche am meisten im Gebrauch sind.

Verbrauch in einer Stunde.

Reverberirlampe mit plattem Docht von 13 1/2 Millimeter106) Breite 8 Grammen107)
Argand'sches Gehäuse von 15 Millimeter Durchmesser 20
Talglichter, wovon 12 auf das Kilogramm gehen108) 12 50
Wachslichter, wovon 10 auf das Kilogramm gehen. 8 40
|271| Kerzen aus Wallfischthran 8 40 Gram.
Kerzen aus Margarinsaure 12 50
Steinkohlengas 150 bis 160 Liter109).

Die fetten Substanzen, welche man zum Beleuchten anwendet, verwandeln sich in dem Dochte in Kohlenwasserstoffgas, dessen Verbrennung die Flamme hervorbringt. Der Dockt kann daher als ein Apparat betrachtet werden, worin das Gas erzeugt wird, und aus chemischem Gesichtspunkte betrachtet, hat die Beleuchtung durch direkte Verbrennung der fetten Körper mit der Gasbeleuchtung Aehnlichkeit; in praktischer Hinsicht unterscheidet sie sich aber von lezterer wesentlich dadurch, daß das Gas vorher in Apparaten hervorgebracht wird, welche oft weit von dem Orte entfernt sind, wo die Verbrennung Statt findet.

Man hat angefangen zur Beleuchtung das Gas aus Steinkohlen zu bereiten; da aber die Apparate, worin es aus fetten Substanzen und hauptsächlich aus Oehl bereitet wird, einfacher sind, so wollen wir sie zuerst beschreiben.

Ueber das Oehlgas.

Der Apparat zur Bereitung von Gas aus Oehl besteht aus einem sehr diken gußeisernen Cylinder von 20 bis 25 Centimeter innerem Durchmesser, welcher an seinen beiden Enden verschlossen ist. Er wird durch einen Heerd erhizt, der so weit unter ihm angebracht ist, daß die Flamme ihn nicht beschädigen kann. Diese Entfernung des Heerdes verursacht in der Praxis keinen Nachtheil, weil eine zu hohe Temperatur der Gasbildung mehr nachtheilig als nüzlich ist. Es ist sogar zwekmäßig das Feuer so zu regieren, daß der Cylinder keine stärkere Hize erhält, als man gewöhnlich unter Kirschrothglühhize versteht.

Man füllt ihn mit Kohks an und läßt das Oehl tropfenweise oder in einem dünnen Strahl hineinlaufen. Zu diesem Ende bringt man am oberen Theile der Retorte oder noch besser an einem ihrer Enden eine Tubulatur an. Das über die Kohks und die Seltenwände der Retorte zerstreute Oehl kommt mit einer großen Anzahl erhizter Oberflächen in Berührung und zersezt sich in Kohlensäure und Kohlenwasserstoff. Es entbindet sich außerdem ein wenig Luft und dampfförmiges unzerseztes Oehl.

Diese verschiedenen Substanzen treten durch eine zweite am anderen Ende der Retorte befindliche Tubulatur aus, und gehen durch gehörig angebrachte Röhren in ein oberhalb befindliches Gefäß, wo sie durch |272| eine dünne Schichte Oehl streichen, die das unzersezt in Dampfgestalt entwichene Oehl zurükhält.

Nach dieser Reinigung wird das Gas durch andere Röhren in einen Apparat geleitet, welchen man uneigentlich Gasometer nennt, weil es darin bloß gesammelt und angehäuft wird. Er besteht aus einer Gloke, welche mit ihrem unteren Rande in eine mit Wasser gefüllte Kufe taucht und wird durch eine Kette oder ein Gegengewicht getragen.

Die Röhre, welche das Gas in den Reinigungsapparat führt, darf nur schwach in das Oehl tauchen und die Gloke des Gasometers muß vollkommen im Gleichgewicht gehalten werden, damit das Gas die Oehlschichte durchstreichen und den Gasometer heben kann, ohne einen Druk zu erleiden, denn es würde sonst auf die Seitenwände der Retorte wirken und sie bei der hohen Temperatur, welcher sie ausgesezt ist, schnell zerstören.

Das Gas wird neuerdings durch Röhren bis zu der Stelle geleitet, wo es verbrannt wird. Es ist eine wichtige Bemerkung, daß je kleiner die zum Brennen des Gases angewandten Gehäuse sind, desto mehr Licht im Verhältniß zum verbrannten Gase hervorgebracht wird. In London hat man bei der Straßenbeleuchtung ein Gehäuse angewandt, welches aus einer am Ende einer Röhre befindlichen und mit drei Löchern durchbohrten Kugel besteht. Das Gas bildet beim Austreten aus derselben eine sehr lebhafte und glänzende Flamme.

Die Quantität des durch das Gas hervorgebrachten Lichtes hängt auch noch von der Quantität der kalten Luft ab, welche seine Verbrennung unterhält und die Flamme trifft. Hr. Clément hat über diesen Gegenstand einen Versuch angeführt, den er mit Hrn. Taylor anstellte. Sie richteten ein Gasgehäuse so her, daß es ein sehr schönes Licht gab, wenn es nicht mit seinem Kamine (Muff) bedekt war; es schien sogleich zu verlöschen, wenn man diesen aufsezte und es blieb an jedem kleinen Loche, aus welchem anfangs ein langer Lichtstrahl austrat, nur noch ein kleines Kügelchen von blauer Farbe; man konnte die Quantität des Lichtes beliebig vermehren oder vermindern, indem man den Kamin mehr oder weniger erhöhte. Die Quantität des verzehrten Gases blieb jedoch immer gleich; wenn aber die kalte Luft zu reichlich zuströmte, entzog sie den zur Erzeugung einer glänzenden Flamme nöthigen Wärmestoff, und obgleich das Gas in allen Fällen vollständig verbrannte, so wurde doch eine sehr veränderliche Menge Licht hervorgebracht.

Es ist sehr wichtig, daß die Apparate, in welchen Gas aus Oehl bereitet werden soll, so vorgerichtet werden, daß sie sehr regelmäßig gespeist werden; auch darf die Temperatur der Retorte nicht |273| über den erforderlichen Grad erhöht werden; denn bei einer zu großen Hize bildet sich viel Kohle, welche, abgesehen von dem dadurch entstehenden Verlust, den Apparat verstopft und bei der Operation Hindernisse in den Weg legt. Von der Wirkung einer erhöhten Temperatur auf das Gas kann man sich dadurch überzeugen, daß man es durch eine weißglühende eiserne Röhre streichen läßt. Das vollkommen gekohlstoffte Wasserstoffgas wird bei diesem Versuche Halbkohlenwasserstoffgas, indem es einen Theil seines Kohlenstoffs verliert.

Bei der Gasbildung entbinden sich auch noch Oehl in Dampfgestalt, Essigäther, Kohle, ein wenig Wasser, und einige andere Substanzen, worunter ein wesentliches Oehl ist, wovon Hr. Mackintosh eine sehr nüzliche Anwendung machte, indem er damit Kautschuk (Gummi elasticum) auflöste. Er verfertigt mit dieser Auflösung undurchdringliche Gewebe, die man zu Mänteln, undurchdringlichen Kleidungsstüken, mit Luft aufgeblasenen Kissen, Rettungsbojen u. f. w. benuzt hat.

Wenn die Operation zur Verwandlung des Oehles in Gas vollkommen gut geleitet wird, und kein nachtheiliger Umstand sich einstellt, bringt jedes Kilogramm Oehl 800 Liter Gas hervor, und 1000 Liter Gas enthalten 125 Liter Kohlensäure und 775 Liter Kohlenwasserstoff; man erhält aber in der Praxis nicht leicht so genügende Resultate.

Wir haben nun bloß noch zu untersuchen, ob das Oehl, wenn es vorläufig in Gas umgeändert wird, eine Quantität Licht entwikelt, welche die durch direkte Verbrennung des Oehles in einer Lampe erhaltene um so viel übertrifft, daß sich der Unterschied zwischen dem Preise des so eben beschriebenen sehr complicirten Apparates und dem der Lampen ausgleicht. Nehmen wir nun an, daß dieser Apparat mit aller möglichen Geschiklichkeit und Oekonomie hergestellt ist, so kommt er wenigstens auf 500 Franken für ein Gas-Gehäuse zu stehen, während man sich eine gute Lampe mit doppeltem Luftzuge für 12 bis 15 Franken verschaffen kann.

Andererseits belaufen sich die jährlichen Auslagen für die Speisung und Unterhaltung einer Lampe höchstens auf 65 bis 80 Franken, je nach der Lokalität. Wenn also der Gebrauch des Gases vortheilhaft seyn soll, so darf das Interesse des zur Herstellung des Apparates erforderlichen Capitales nebst den Kosten, welche die Erzeugung eines in Intensität und Dauer demjenigen eines Lampengehäuses gleichen Lichtes erheischt, diese Summe nicht überschreiten.

Nun muß aber das Interesse des zur Herstellung eines ähnlichen Apparates erforderlichen Capitales wenigstens zu 10 Procent angenommen werden; man muß außerdem eine gewisse Summe für die Tilgung |274| des Capitales bestimmen, welche nicht geringer als 8 bis 10 Procent seyn kann. Diese beiden Gegenstände nach diesem Anschlage, welcher gewiß nicht übertrieben ist, berechnet, nehmen allein schon die ganze Summe, welche der Gebrauch einer Lampe kostet, in Anspruch und es bleibt nichts mehr übrig, um den zur Gasproduction nöthigen Urstoff und die Handarbeit bei der Fabrikation zu bezahlen.

Es dürften also nicht leicht irgendwo die Umstände so günstig seyn, daß die Fabrikation von Gas aus Oehl einigen Gewinn darbieten kann. Hr. Clément hatte diese Berechnung angestellt, ehe noch eine Fabrik dieser Art in Frankreich errichtet worden war, und das Resultat bekannt gemacht, aber sein Rath wurde nicht gehört. Er hatte sein Bedauern bezeugt, daß man ihn nicht befolgte, denn es ist immer ärgerlich, Capitalien auf Unternehmungen aus Mangel an Vorsicht verwenden zu sehen und man kann in dieser Hinsicht nicht streng genug seyn. Man muß bei einer jeden industriellen Unternehmung vor Allem eine Berechnung der Einnahme anstellen und bei dieser Berechnung besonders sein Augenmerk auf die Zeitumstände und die Localität, wo man sich befindet, richten.

Bei der Frage, welche uns beschäftigt, mußte vor Allem bewiesen werden, daß das Oehl, wenn man es in einem besonderen Apparate zersezt, mehr Licht gibt, als wenn man es in einer Lampe anwendet.

Nach den Versuchen, welche Hr. Clément in dem Etablissement des Hrn. Taylor bei London, anstellte, wo ein sehr schöner Apparat vorhanden war, geben hundert Theile Oehl, direkt verbrannt, weniger Licht, als hundert Theile desselben Oehles, vorläufig in Gas verwandelt. Die beiden Quantitäten stehen in dem Verhältniß von 100 zu 133; wenn man aber dieses Resultat erhalten will, muß man die Operation sehr sorgfältig leiten, damit sich während derselben keine andere Substanz als Gas bildet; die Temperatur darf ferner den erforderlichen Grad nicht überschreiten, und weder Kohle noch Essigsäure frei werden; dieses Resultat ist in der Praxis sehr schwer zu erhalten.

Auf den ersten Blik möchte es schwer zu erklären scheinen, warum man durch eine vorläufige Operation aus dem Oehl mehr Gas erhält, als sich in einem Dochte, wo die Verbrennung vollständig ist, entwikelt; denn im ersten Falle hat man durch Entweichung von Gas und die in den Leitungsröhren abgesezte Kohle unvermeidlichen Verlust. Diese Anomalie verschwindet aber, wenn man den Wärmestoff berüksichtigt, welcher in den Lampen durch die Zersezung des Oehles absorbirt wird, während diese Operation bei der Gasbeleuchtung schon geschehen ist.

|275|

Die Kosten der zur Bereitung von Gas aus Oehl erforderlichen Apparate sind also ein Hinderniß für die vortheilhafte Anwendung dieser Beleuchtungsart, ausgenommen an den Orten, wo man sich fette Substanzen, die zum Brennen in Lampen nicht geeignet sind, zu niedrigem Preise verschaffen kann; aber auch dieser Umstand kann nicht leicht die Kosten der Röhren ersezen, welche erforderlich sind, um das Gas von der Fabrik, wo man es bereitet, weit weg zu leiten; wenn es sich hingegen darum handelt, einen Ort von geringer Ausdehnung zu beleuchten, über welchen man eine große Menge Licht verbreiten muß, kann diese Methode wirklich vortheilhaft seyn. Dieses ist z.B. in den Webereien bei Manchester der Fall, welche gewöhnlich sieben Stokwerke von vierhundert Fuß Länge und sechzig Fuß Breite haben und stark beleuchtet werden müssen. Hier sind kleine, wenig kostspielige Leitungsröhren hinreichend, um das Gas in vielen, auf einen kleinen Raum zusammengedrängten Gehäusen zu sammeln. Die Beleuchtung mit Oehlgas kann also je nach der Lokalität und dem damit zu erreichenden Zweke mit Vortheil oder Schaden verbunden seyn und man muß alle diese Umstände kennen, ehe man über die Zwekmäßigkeit ihrer Anwendung sich erklären kann.

Man hat die durch die Anlegung großer Leitungsröhren entstehenden Kosten dadurch zu vermeiden gesucht, daß man das Gas in kleine tragbare Gasometer comprimirte. Man transportirte so dreißig Cubikfuß Gas in einem Gefäße, welches nur einen Cubikfuß einnahm; durch diese Compression litt das Gas nicht im Geringsten und die zum Comprimiren desselben in den Fabriken angewandten Apparate waren sehr gut ausgedacht und vortrefflich ausgeführt, indessen gelangen die Versuche, welche man im Großen hierüber zu London, Paris, Bordeaux, Lille und Rouen anstellte, ganz und gar nicht.

Um die Kraft zu ersparen, welche erforderlich ist, um das Gas auf dreißig Atmosphären zu comprimiren und zugleich auch die Kosten der hierzu erforderlichen Apparate, kam man auf den Gedanken, die aus der chemischen Verwandtschaft hervorgehende Kraft zu benüzen. Hr. Clément hatte vorgeschlagen bei der Fabrikation der Mineralwasser die Kraft zu benüzen, womit sich die Kohlensäure entwikelt, weil sich diese Säure auch unter einem Druk von hundert und zwanzig Atmosphären noch entbindet: Hr. Rillieux machte von diesem Fingerzeige eine scharfsinnige Anwendung in einem ähnlichen Falle; er kam nämlich auf den Gedanken, das Gas erst dann aus der Retorte entweichen zu lassen, wenn seine fortwährende Erzeugung einen hinreichen Druk hervorgebracht hat.

Zu diesem Ende gebrauchte er einen Cylinder aus geschmiedetem |276| Eisen, aus welchem er das Gas erst dann austreten ließ, als der an dem Apparate angebrachte Manometer110) einen Druk von dreißig Atmosphären anzeigte. Der nachtheiligen Wirkung, welche der Druk des Gases auf die inneren Wände dieser Retorte ausübte, kam er dadurch zuvor, daß er sie durch eine mit Blei ausgefüllte Hülse gegen das Feuer schüzte, so daß sie in ein Bad von geschmolzenem Blei eingetaucht war. Der obere Theil des Gefäßes, welches das zur Speisung der Retorte bestimmte Oehl enthielt, stand mit lezterer in Verbindung, damit die Speisung auch ungeachtet des Drukes Statt fand. Indessen ist die Fabrikation von Gas nach diesem Verfahren, wobei es durch seinen eigenen Druk comprimirt wird, nicht besser gelungen.

Wahrscheinlich ist die Unregelmäßigkeit, womit das Gas aus den Gehäusen, worin es eingeschlossen ist, entweicht, die Ursache des Nichtgelingens; denn in dem Maße als es verzehrt wird, vermindert sich der Druk, welchen es auf sich selbst ausübt, und die Schnelligkeit, mit welcher es austritt, nimmt verhältnißmäßig ab. Man hat sehr verschiedene Mittel ausgedacht, um die Entweichung des Gases zu reguliren, aber keines hat seinen Zwek vollständig erreicht, und es ist wahrscheinlich, daß man wegen der Schwierigkeiten, welche die Auflösung dieses Problemes darbietet, den Gebrauch des comprimirten Gases wird aufgeben müssen.

Ueber das Steinkohlengas.

Es gibt eine große Menge verschiedener Steinkohlenarten, welche nicht alle in gleichem Grade zur Gasbereitung geeignet sind. Die einen entbinden auch bei sehr starkem Erhizen kein Gas, während andere, wenn man sie in eine Retorte bringt, ganz flüssig werden, und eine große Menge Gas, Theer und Oehl geben, und nur sehr wenig Rükstand lassen. Den sehr großen Abstand zwischen diesen beiden Varietäten füllt eine unendliche Menge von Steinkohlenarten aus, die unter einander nur unmerklich differiren.

Die Steinkohle aus der Umgegend von Fresnes, welche unter dem Namen magere Steinkohle (houille maigre) bekannt ist, gibt weder Flamme noch Rauch, und ist zur Gasbereitung nicht geeignet. Sie ist hingegen sehr gut zum häuslichen Gebrauch und zum Malzdarren; auch wendet man sie vortheilhaft zum Kalkbrennen nach dem in den Niederlanden üblichen Verfahren an, weil dabei das Brennmaterial mit dem zu erhizenden Körper in Berührung ist; sie könnte |277| hingegen zum Gipsbrennen nicht dienen, wenn man dabei das allgemein gebräuchliche fehlerhafte Verfahren anwenden würde, welches darin besteht, die Flamme eines abgesonderten Heerdes über die in Haufen aufgestellten Steine zu leiten.

Die unter dem Namen halbharte (demi-dure) bekannte Steinkohle, eignet sich besser zur Gasbereitung; hingegen kann man sie mit dem größten Vortheil anwenden, wenn die Wärme eines Feuerherdes durch eine Flamme, welche den zu erhizenden Gegenstand umgibt, auf eine gewisse Entfernung gebracht werden muß, z.B. zum Erhizen der Dampfkessel.

Die fette Steinkohle (houille grasse) gibt die größte Menge Gas; in England kommt davon eine unter dem Namen Canel-Kohle bekannte Varietät vor, wovon ein Kilogramm 340 bis 350 Liter Gas gibt, während die in Frankreich angewandte Steinkohle davon nur die Hälfte liefert. Wegen dieses Umstandes muß man nicht nur die doppelte Quantität Material anwenden, sondern auch die Apparate zur Gasfabrikation zwei Mal so groß machen.

Ein Kilogramm Steinkohle gibt gewöhnlich:

zu Paris 160 bis 180 Liter
zu London 185
zu Manchester 166
zu Liverpool 238
zu Glasgow 309.

Das Verfahren zur Gasbereitung aus Steinkohlen ist demjenigen ähnlich, welches man bei der Bereitung von Gas aus Oehl befolgt; nur werden die Retorten auf Einmal mit der zu zersezenden Substanz beschikt und nach beendigter Operation wird auch der aus Kohks bestehende Rükstand auf Einmal herausgenommen. Die Retorten sind von sehr verschiedener Größe; in England wendet man solche an, die achtzig oder sogar hundert Kilogrammen fassen. Ihre Erneuerung verursacht beträchtliche Kosten, denn oft sind sie nach fünfzehn Tagen schon unbrauchbar geworden; manchmal halten sie auch drei Monate lang aus.

Wenn das Gas aus der Retorte tritt, ist es sehr heiß; bei dieser hohen Temperatur zieht es Theer in Dampfgestalt, eine flüssige dem Theer ähnliche Substanz, kohlensaures Ammoniak, Wasser und Kohle mit sich; man läßt es durch lange Röhren gehen, wo es die erste Reinigung erhält, indem es sich abkühlt und die eben aufgezählten Substanzen absezt. Nachdem es so das erste Mal durch Erkälten gereinigt wurde, enthält es noch den Schwefelwasserstoff, welcher durch die Zersezung der mit den Steinkohlen gemengten Schwefelkiese |278| entstand und der bei der Beleuchtung wegen seines übeln Geruches und seiner Wirkung auf die Metalle sehr nachtheilig ist.

Das sicherste Mittel, das Gas davon zu befreien, besteht darin, es durch Kalkmilch streichen zu lassen, welche sich des Schwefelwasserstoffs bemächtigt und nur das zur Beleuchtung dienliche Gas, mit einer geringen Menge Kohlensäure vermischt, entweichen läßt. Diese Verfahrungsweise ist aber mit großen Unannehmlichkeiten verbunden, weil man erstlich den aufgeweichten Kalk beständig umrühren muß, damit er suspendirt bleibt und dann, weil das Gas eine Flüssigkeitssäule verdrängen muß, deren Druk schnell die Retorten beschädigt.

Man hat diesen Druk dadurch zu vermeiden gesucht, daß man im oberen Theil des Reinigungsgefäßes die Luft auspumpte, entweder vermittelst Luftpumpen oder vermittelst einer Art Archimedischer Schneke, welche Hr. Cagnard erfand und die man Cagnardelle genannt hat. Durch diese Verfahrungsweise wurde zwar wohl der Druk aufgehoben, sie kam aber nicht stark in Gebrauch und ist nun ganz aufgegeben worden.

Hr. Clément gab eine Methode an, wodurch nicht nur dieser Druk beseitigt, sondern auch die zum beständigen Umrühren der Kalkmilch erforderliche mechanische Kraft, welche gewöhnlich eine Dampfmaschine ist, erspart wurde. Es ist der sinnreiche Apparat, welchen er chemischen Wasserfall (Cascade chimique) genannt hat und der aus einem großen aus Mauersteinen erbauten Cylinder besteht, welcher mit zugerundeten Kieselsteinen, Kugeln aus Eisen oder gebrannter Erde, oder Eisenblech-Spänen angefüllt wird; ein Behälter mit Kalkmilch, welcher am oberen Theile des Cylinders angebracht ist, läßt immer eine geringe Menge Flüssigkeit auslaufen; das Gas dringt durch eine am unteren Theile angebrachte Seitenöffnung hinein und entweicht durch eine andere Oeffnung am oberen Theile. Bei diesem Durchzuge vertheilt es sich, indem es durch die Zwischenräume geht, welche die Kugeln unter einander lassen, und trifft hier immer Kalkmilch an, womit es noch nicht in Berührung war und mit welcher es durch eine große Anzahl von Oberflächen in Berührung kommt.

Zu Stokholm und zu Glasgow wendet man eine ähnliche Methode an, welche darin besteht, das Gas durch einen Cylinder streichen zu lassen, der ungebrannten Kalk in Stüken enthält. Das Gas circulirt in den Zwischenräumen, welche durch die Unregelmäßigkeit der Kalkstüke entstehen, die sich des Schwefelwasserstoffs bemächtigen, indem sich ein Subsulphuretum des Kalks bildet.

Nachdem das Gas auf solche Art gereinigt worden ist, wird |279| es in Gasometern gesammelt, aus welchen es durch Röhren bis zu den Gehäusen geleitet wird, in denen es brennt.

Man verdankt Davy die wichtige Entdekung, daß die Verbrennung des Wasserstoffgases desto mehr Licht gibt, je mehr Kohlenstoff es enthält, und dadurch wurde es erklärbar, daß das aus verschiedenen Substanzen bereitete Gas beim Verbrennen nicht immer dieselbe Menge Licht hervorbringt.

Nun bleibt uns noch zu untersuchen übrig, ob diese Gasfabrikation, welche in wissenschaftlicher Hinsicht auf einen so hohen Grad von Vollkommenheit gelangt ist, in ökonomischer Beziehung Vortheile darbietet; unglüklicher Weise ist diese Frage durch die Erfahrung gelöst worden; und es ist nun erwiesen, daß dieser Industriezweig sich in Frankreich nicht halten kann, wenn man den Verkaufspreis des Lichtes nicht erhöht; ohne diese Preiserhöhung wird sogar die Hauptstadt bald dieser nüzlichen und brillanten Beleuchtungsart, welche so bedeutend zu ihrer Verschönerung beiträgt, beraubt seyn; folgende Berechnung, welche Hr. Clément seinen Zuhörern vorlegte, läßt wenigstens dieses beweinenswerthe (déplorable) Resultat erwarten.

Berechnung des Ertrages der Gasbeleuchtung.

Textabbildung Bd. 32, S. 279

Diese Unternehmung hat nicht überall in England gleich günstigem Erfolg; der Ertrag nähert sich im Allgemeinen 5 Procent. Zu Glasgow aber, welches eine günstige Lage hat, ist der Ertrag auf 10% gestiegen, zu Edinburg betrug er 7, zu Bath aber nur 4%.

Abgesehen von allen ökonomischen Rüksichten, bietet die Gasbeleuchtung dem Fabrikanten, welcher sie in seinen Werkstätten anwenden |280| will, Vortheile dar, welche man nicht verkennen darf, denn bei dem Gebrauch der Lampen werden seine Waaren oft durch Oehl beschmuzt und die umständliche Unterhaltung der Lampen verursacht großen Zeitverlust.

|270|

1 Millimeter entspricht 4/10 Linien. A. d. O.

|270|

Der Gramm wiegt ungefähr 19 Gran. A. d. O.

|270|

Ein Kilogramm ist 2 Pfund, 5 Unzen und 35 Gran. A. d. O.

|271|

Ein Liter beträgt ungefähr eine Pinte. A. d. O.

|276|

Dieses Instrument ist eine Art Barometer, dessen offener Theil mit dem Gefäße, worin der Druk ausgeübt wird, in Verbindung steht; die Höhe des Queksilbers in der Röhre zeigt die Tension der comprimirten Flüssigkeit an. A. d. O.

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