Titel: Ueber die Stellung der Kirchen, Wirthshäuser etc.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 32, Nr. LXXXII. (S. 369–370)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj032/ar032082

LXXXII. Eine Kirche, ein Wirthshaus, oder überhaupt ein Haus, in welches man öfters gehen muß, unter mehreren zerstreuten Häuser-Gruppen oder Weiler so zu stellen, daß die Einwohner dieser Häuser bei dem Hin- und Hergehen am wenigsten Zeit verlieren150).

Aus dem Mechanics' Magazine N. 291. S. 61.

Mit Abbildung auf Tab. VII.

Es handelt sich hier darum, den Mittelpunkt der mittleren Abstände der Häuser von dem Punkte, auf welchen die Kirche oder das Wirthshaus errichtet werden soll, zu finden.

Die verschiedenen Häuser-Gruppen seyen in Fig. 14. A, B, C, D, E, F, in beliebigem Maßstabe auf einem Grundrisse hingezeichnet. Man zeichne die beiden Geraden IM, IN, so daß sie bei I sich unter |370| einem rechten Winkel durchschneiden, und ihre Durchschnittspunkte sowohl, als sie selbst, außer den verschiedenen Gruppen zu liegen kommen. Aus den respektiven Mittelpunkten dieser Gruppen läßt man senkrechte, Aa, Bb, Cc, Dd, Ee, Ff, auf die Linie IN, fallen, und zieht andere Senkrechte, A'a, B'b, C'c, D'd, E'e, F'f, auf die andere Linie IM, und mißt die Längen derselben auf dem allgemeinen Maßstabe des Planes ab.

Man nimmt hierauf die Summe der Produkte aus der Zahl der Einwohner in jeder dieser Hausergruppen und der Entfernung des Mittelpunktes einer jeden dieser Häusergruppen von der Linie IN, und theilt diese Summe der Produkte durch die Zahl der Einwohner in allen diesen Häusergruppen oder Weilern: der Quotient gibt die Entfernung des gesuchten Punktes, oder den Mittelpunkt der mittleren Entfernungen von der Linie IN.

Auf dieselbe Weise verfährt man, um die Entfernung dieses Punktes von der Linie IM zu finden.

Wenn also, im gegebenen Falle, A, B, C, D, etc. die Zahl der Einwohner in den verschiedenen Häusergruppen bezeichnet, so ist (A. Aa + B. Bb + C. Cc. + D. Dd. + E. Ee + F. Ff) ÷ (A + B + C + D + E + F)= IM Ferner A. A'a + B. B'b + C. C'c + D. D'd + E. E'e + F. F'f.) ÷ (A + B + C + D + E + F) = IN.

Man trage nun Im auf IM, In auf IN nach den erhaltenen numerischen Resultaten auf, und zeichne mG parallel mit IN, und nG, parallel mit IN. Der Durchschnitts-Punkt G ist der verlangte Punkt, auf welchem die Kirche oder das Wirthshaus erbaut werden muß.

Man sieht aus dieser Aufgabe, wie sehr die goldene Regel: „Zeit gewonnen, ist Alles gewonnen; Zeit ist das höchste Gut des Menschen“ den Engländer bei allen seinen Unternehmungen leitet. Der Engländer scheint allein unter allen Handels-Völkern den Mythos der Flügel am Helme und an den Knöcheln des Merkur richtig aufgefaßt zu haben. Alles ist bei ihm auf Zeitgewinn berechnet. Vielleicht haben wenige Güterbesizer auf dem festen Lande bei Erbauung einer Kirche für ihre Unterthanen, bei Anlegung eines Wirthshauses etc. auf Zeitgewinn für die Gehenden und Kommenden gedacht. Am allerwenigsten scheint in manchen Ländern bei Anlage der Landgerichte, Rentämtern etc. auf Ersparung der Zeit für den Landmann Rüksicht genommen zu seyn, und man darf wohl sagen, daß, was der Bauer an Zeit verliert, die Beamten an Diäten gewinnen. A. d. U.

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