Titel: Tthierische Körper in Flüssigkeiten aufzubewahren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 32, Nr. C. (S. 432–437)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj032/ar032100

C. Ueber verschiedene Arten, thierische Körper in verschiedenen Flüssigkeiten aufzubewahren, vorzüglich auf Lands und Seereisen173).

Aus dem Dictionnaire classique d'Histoire naturelle im Edinburgh New Philosophical Journal. N. 11. S. 160.

Im Auszuge.

Unter den verschiedenen Mitteln, thierische Körper gegen die nach dem Tode derselben eintretende Fäulniß zu schüzen, ist Eintauchung |433| derselben in Flüssigkeiten eines der wichtigsten. 1) Wasser. Dieses begünstigt für sich allein die Fäulniß. Alaun demselben beigesezt zieht die Fasern zusammen, aber so schwach, daß es die Fäulniß nicht abhält. Wasser mit Salz erhält bloß Pflanzen. 2) Terpenthingeist. Er verändert die Textur und hat noch überdieß den Nachtheil, dik und schmierig zu werden. 3) Oehle. Sie taugen für gewisse weiche Thiere, z.B. Fische. 4) Salzlake, gesättigte Salzauflösung. Sie ändert die Form und die Farbe der Gegenstände. Fische mit diker Haut erhalten sich indessen gut in derselben, und sie taugt auch zur Aufbewahrung großer Thierhäute. 5) Säuren. Sie zerstören die Textur oder andern sie wenigstens, indem der Eiweißstoff dadurch gerinnt und die Gallerte aufgelöst wird. Gemeiner Essig mit Kochsalz gesättigt, und reichlich mit Pfeffer oder mit Pimento versezt, dient gut zur Aufbewahrung mancher Thiere. 6) Rother Wein. Mit etwas salpetersaurem Queksilber, auf Schiffen, wenn man nichts Besseres hat. 7) Brennzelige Holzsäure. Man kennt ihre Wirkung noch nicht genau; es läßt sich aber erwarten, daß sie ein sehr kräftiges Mittel gegen Fäulniß geben wird. Eben dieß gilt auch von der schwefeligen Säure, die Dr. Joh. Davy jeder anderen Flüssigkeit vorzieht. (Med. Chir. Trans. III. P. I. p. 230.) 8) Alkoholische oder geistige Flüssigkeiten. Sie werden für kleinere Gegenstände am häufigsten gebraucht und dienen am besten. Franzbrantwein ist allen anderen geistigen Flüssigkeiten vorzuziehen. Arrak, Tafia, Rum, Whisky, Gin etc., die man in Hafen leicht bekommt, taugen, so ähnlich sie dem Weingeiste sind, doch nicht so gut. Je weniger eine dieser Flüssigkeiten von den Stoffen des Körpers enthält, aus welchen sie bereitet ist, desto besser ist sie. Indessen haben alle geistige Flüssigkeiten den Nachtheil, daß die Textur des darin aufbewahrten thierischen Körpers härter und die Natur desselben verändert wird. Diesem Nachtheile läßt sich zum Theile dadurch abhelfen, daß man die Stärke der Flüssigkeit der Größe des aufzubewährenden Gegenstandes anpaßt. Je durchscheinender sie sind, desto besser sind sie für Sammlungen. Je stärker sie sind, desto mehr zerstören sie die Farbe. Je schwächer sie sind, bis zu dem Grade der Stärke, in welcher sie noch zur Erhaltung des Körpers taugen, desto besser sind sie.

Reiner Alkohol zerstört die Farbe der thierischen Körper und ihre Organisation. Ein Zusaz von Säuren verbessert diesen Fehler. Mit Wasser verdünnt, also geschwächt, wirkt er weniger gut, als Weingeist: |434| bekanntlich wird Alkohol mit gemeinem („englisch schlechten“) Wasser verdünnt milchig, aber nicht mit destillirtem. Eine alkoholische Flüssigkeit von 16–22° auf Beaumé's Aräometer reicht, nach verschiedener Größe und Durchdringlichkeit des aufzubewährenden Körpers, hin: für größere Thiere nimmt man die stärkste. Schwachem Brantweine sezt man mit Vortheil aufgelösten Kampher zu, der die fäulnißwidrige Kraft vermehrt, ohne die Flüssigkeit selbst zu verstärken. Diese Mischung wirkt auch nicht auf die Farbe. Für weiche Thiere taugt eine Mischung aus zwei Theilen reinem Wasser, einem Theile Alkohol, und zwei Unzen Alaun auf jedes Liter Flüssigkeit.

Guyot's Flüssigkeit, die so ziemlich berühmt ist, kann in Colonien leicht bereitet werden. Man nimmt 20 Pinten des besten Cogniak-Brantweins und zieht davon 5 Pinten ab. Dem Rükstande sezt man gleiche Theile Brunnen-Wasser und 1 Pfd. Lavendel-Blüthen oder Kraut, und destillirt ihn bis zur Trokenheit. Hierauf nimmt man 11 Theile von den ersten 5 Pinten, mengt sie mit 69 Theilen Brunnen-Wasser, und sezt dieser Mischung gleiche Theile von dem lezten Destillate zu. Dieß ist nun Guyot's Aufbewahrungs-Flüssigkeit; sie ist vollkommen durchsichtig, hat einen bitteren Geschmak und etwas aromatischen Geruch, und hält nur 1 Theil Alkohol in 13 Theilen Wasser. Dr. Monro sezte seinen Flüssigkeiten etwas weniges Salpeter, oder Kochsalzsäure zu. Der berühmte Ruysch nahm Brantwein über schwarzen Pfeffer, Kardamom und Kampher abgezogen.

Ehe man den aufzubewährenden Körper in die Erhaltungs-Flüssigkeit taucht, muß derselbe in etwas lauem Wasser gereinigt und in Ordnung gebracht werden. Vorzüglich muß man ihn vom Seewasser reinigen, wenn er, wie z.B. Crustaceen, aus diesem käme: ohne diese Vorsicht ist er unvermeidlich verloren. Man muß den aufbewahrten Gegenstand immer unter seinen Augen halten; die Flüssigkeit nachfüllen, wenn sie verdampft; die Stöpsel genau schließen. Auf Reisen sind vierekige Flaschen aus starkem Glase den runden vorzuziehen; sie lassen sich besser paken.

Man muß die Körper, die man aufbewahren will, in der Flüssigkeit aufhängen, und nicht auf dem Boden des Gefäßes liegen lassen. Der Schleim, Nahrung, Unrath, die von dem Thiere abgehen, beschleunigen das Verderben derselben. Reptilien, Fische etc. verlieren auf diese Weise leicht einige ihrer Theile, oder gehen in dem Schleime schneller zu Grunde.

Dufresne in seiner Taxidermie („so nennen die Gelehrten heute zu Tage bei allen neun Musen wahrhaftig zu hochgelehrt die Kunst des Ausstopfens“) empfiehlt folgendes Verfahren auf Reisen. Geistige Flüssigkeiten, sagt er, sind allen übrigen zur Aufbewahrung |435| der Thiere vorzuziehen. Für größere Reisen empfiehlt er kleine Fäßchen mit eisernen Reifen, und einer Oeffnung von 6 Zoll im Durchmesser an einem Ende derselben. Diese Faßchen sollen bis auf zwei Drittel mit Weingeist gefüllt seyn. Das Thier, das man aufbewahren will, z.B. ein Fisch, wird in einen Lappen eingehüllt, an welchem ein kleines Stükchen Holz befestigt ist, auf welchem mit einem Messer in römischen Zahlen die Nummer eingeschnitten ist, unter welcher man das Thier in seinem Verzeichnisse eingetragen hat. Wenn ein Fisch viel Rogen hat, muß dieser herausgenommen werden. Wenn auf diese Weise eine Lage Fische voll ist, wird Baumwolle oder Flachs darauf gelegt, und eine neue Lage Fische auf leztere gelegt, damit sie nicht durch das Rollen des Schiffes leiden174).

Auf diese Weise wird aber die Fäulniß der Fische, zumal in heißen Klimaten, nicht verhindert. Peron empfahl eine andere bessere Methode. Der Fisch wird vor dem Einsenken in Brantwein in Seewasser, Essig, Rum, Tafia, oder was man bei der Hand hat, gewaschen, der Schleim, der ihm anklebt, mit einer Haarbürste weggeschafft, und dann mit Kork versehen, so daß er auf dem Brantwein schwimmen kann. Bei Schlangen muß der Kork in Spiral-Linien geschnitten und um das Thier gewikelt werden. Wenn das Thier größer ist, muß es bis in die Höhlen seines Körpers eingeschnitten werden, damit der Weingeist in dieselben eindringen kann. Die Eingeweide dürfen weder verlezt noch herausgenommen werden. Sollte Lezteres geschehen müssen, so müssen sie besonders aufbewahrt werden. Auf diese Weise aufbewahrt leiden die Thiere weder durch die Hize, noch durch das Rollen des Schiffes.

Zum Verschließen der Gefäße bediente man sich ehemals des Pergamentes, das man mit einer Auflösung von Siegellak in Alkohol überzog: allein Pergament geht durch Feuchtigkeit und Hize leicht in Fäulniß über, und Wachs wird durch den Alkohol erweicht und läßt diesen verdünsten. Man fand es besser. Kork einige Zeit über in einer Mischung von 3 Theilen Wachs und 1 Theile Talg, welche beide man bei mäßiger Wärme schmilzt, weichen zu lassen: hierdurch werden alle Poren desselben verstopft, und das Verdünsten des Alkohols wird verhindert. Man bedekt auch zuweilen den Kork mit einem Kitte aus 4 Theilen Pech, 1 Theil Schwefel, und einen halben Theil Talg, welche alle zusammengeschmolzen und warm auf den Kork aufgetragen werden. Dr. Sue legte eine runde Glasplatte auf die Oeffnung des gläsernen Gefäßes, und über diese Platte geöhltes Pergament |436| und einen Streifen gewalztes Blei, worüber ein zweites Stük Pergament kam, das in Oehl geweicht wurde, welches mit Lampenschwarz gefärbt war, worauf er alles so fest wie möglich zuband.

Hr. Peron nimmt lieber Korkstöpsel, als Glasstöpsel und Glasplatten, die leicht brechen, und kittet sie mit einem Kitte aus Pech, rothem Ocher, gelbem Wachs und Terpenthin-Oehl ein, wovon er bald mehr, bald weniger nimmt, je nachdem derselbe hart oder weich seyn soll. Das Pech und das Wachs werden zuerst geschmolzen, hierauf wird der Ocher, in geringen Mengen auf ein Mal, zugesezt und das Gemenge mit einem Spatel gerührt und sieben bis acht Minuten lang gekocht, worauf man Terpenthin zusezt und noch einige Zeit über kochen läßt. Das Gefäß, in welchem diese Mischung gekocht wird, muß wenigstens drei Mal so viel von dieser fassen können, als man in derselben kocht, und mit einem Stiele versehen seyn, damit man es, wenn die Mischung brennend werden sollte, leicht vom Feuer wegnehmen kann. Im lezten Falle muß das Gefäß mit einem hölzernen oder eisernen Dekel schnell bedekt werden, wo dann die Flamme alsogleich verlöschen wird. Wenn man sich dieses Kittes bedient, troknet man die Mündung des gläsernen Gefäßes mit einem Tuche, paßt den Korkstöpsel so genau wie möglich in denselben ein, und trägt mit einem Pinsel, den man sich aus grober Leinwand verfertigt, von dem Kitte, den man auf dem Feuer erwärmt und umrührt, damit der Ocher nicht zu Boden sinkt, eine dünne Schichte außen auf dem Korke auf. Man wiederholt dieß, so oft es nöthig ist. Hierauf wird ein Läppchen Leinwand darüber gelegt, und über dieses kommen noch einige Lagen Leinwand, die in Oehl oder Pech geweicht ist, und an dem Halse mit Bindfaden fest gebunden wird175).

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Wir wollen hier noch aus dem Bulletin universel und aus derselben Nr. des Edinburgh new phil. Journal S. 188. die daselbst angegebene neue Methode, Fische aufzubewahren, mittheilen. Wenn sie ihre Farbe behalten sollen, müssen sie alsogleich, so wie sie gefangen sind, in Alkohol von 36° getödtet werden, und 6 Tage lang in demselben liegen bleiben, wobei man die Vorsicht brauchen muß, ihnen, nach dem Tode, den Bauch zu öffnen, und die Gedärme durch leichten Druk, ohne sie zu verrüken, von ihrem Inhalte zu befreien. Man legt in dieser Hinsicht den Fisch auf den Rüken, mit dem Kopfe gegen den Operateur gelegt, welcher zwischen den Brustflossen einschneidet, und den Schnitt schief gegen die linke Seite des Schweifes führt. Auf diese Weise kann der Fisch in der Folge leichter zugenäht werden, wenn die Haut desselben zubereitet werden soll. Nachdem dieß geschehen und der Fisch 6 Tage lang in Alkohol gelegen ist, wird er auf 6 andere Tage in Alkohol von 18° gebracht. Große Fische werden hierauf auf ein Brett gelegt; und acht Stunden lang unter Salz gehalten, mit welchem man sie über und über bedekt, worauf man sie an einem trokenen Orte des Tages über der Einwirkung der Sonne aussezt, des Nachts aber gegen Feuchtigkeit schüzt. Hierauf werden sie sorgfältig abgewischt, damit kein Salz an ihnen hängen bleibt, und in Leinwand eingefatscht, damit keine Schuppen abgehen. Nun kommen sie in Alkohol von 18°, in welchem sie transportirt werden. Das Fleisch wird von dem Salze durchdrungen, und wenn der Fisch in 18gradigem Alkohol liegt, der viel Wasser enthält, so ergreift dieses Wasser das Salz, und bildet eine Alkohol-Salzlake, die den Fisch vollkommen frisch und in seiner Natürlichen Farbe Monate lang selbst im Tropen-Klimate erhält, wie Hr. Ricord auf seiner Reise nach Hayti gefunden hat. Das Fäßchen, in welchem der Fisch transportirt wird, muß außen mit Pech überzogen, und innenwendig mit Kalkchlorür, und hierauf mit Alkohol von 36° zu Entfernung des Chlorüres, damit die Farbe nicht leidet, gut ausgewaschen werden. Wenn die Fische an Ort und Stelle ankommen, legt man sie in Alkohol von 25°. Dieses Verfahren ist allerdings kostspieliger, als das altere: es ist aber besser. Wenn man von Fischen bloß die Haut abzieht, um diese aufzubewahren, so muß dieses in einem tiefen mit Alkohol gefüllten Gefäße geschehen: dann werden die Schuppen nicht abgehen. Auf die zubereitete Haut wird Seidenpapier mit Gummischleim aufgeklebt, so daß dieselbe vollkommen bedekt wird: auf diese Weise wird das Abgehen der Schuppen auf der Reise verhindert. Das Papier läßt sich bei Hause leicht wieder wegschaffen, wenn man die Haut auf einige Minuten in Wasser legt. Die Farbe der Augen der Fische muß gemahlt, oder wenigstens beschrieben werden.

Wir theilen diesen Aufsaz, der zunächst für Naturhistoriker berechnet war, den Technikern mit, weil auch diese hieraus manches für ihre Gewerbe lernen können, und weil die Naturgeschichte reisenden Technikern und Kaufleuten wenigstens unter den Holländern, Engländern, Franzosen und Schweden, durch Sammlung einzelner Gegenstände vielleicht eben so viel zu danken hat, als den Gelehrten selbst. A. d. U.

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Im Originale heißt es noch: „das Fäßchen soll überhaupt nur zwei Drittel Fische enthalten; das Uebrige soll Baumwolle oder Flachs seyn.“ Da es nun aber oben heißt, das Faßchen soll bis auf zwei Drittel mit Brantwein gefüllt seyn, so sehen wir nicht ein, wie beides zugleich geschehen kann.

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Wir erlauben uns hier die Bemerkung, daß uns manche von diesen Vorrichtungen zu gelehrt scheint. Die Fäßchen sind für größere Thiere allerdings das Beste; für kleinere die vierekigen Flaschen; es gibt aber solche Mitteldinge, die für das Fäßchen zu klein und für die Flasche zu groß sind, und diese werden am besten in einem bauchigen Kruge aus Steingut aufbewahrt, den man oben mit einer in Oehl geweichten Blase gut zubindet, und die Blase dann mit sogenanntem fetten Kitte, den man bei jedem Glasmacher findet, überstreicht und verkittet. Alle obigen Kitte sind überflüssig. Wenn der Korkstöpsel in die Flasche gehörig eingepaßt ist, darf er nur mit einer in Oehl geweichten Blase verbunden werden, die man wieder mit fettem Kitte überzieht, den man außen mit gepulvertem Thone oder Kalke überstreut, welchen man gehörig in den Kitt einreibt, und dann mit einem Lappen aus fester Leinwand verbindet. Man kann auch den Stöpsel bloß, wie bei Champagner-Flaschen, in Pech eintauchen; nur muß, wenn diese Flaschen die Linie passiren, oder langer zwischen den Wendekreisen liegen bleiben sollen, immer noch, während das Pech weich ist, fein gepulverter Thon oder Kalk auf dasselbe aufgestreut und dann eingerieben werden. Was das Aufbewahren der Thiere und Präparate in Cabinetten betrifft, so geschieht dieß, wenn man sich nicht der Spenkuch'schen Methode bedienen will, am besten durch aufgekittete Glasdekel, die an ihrer unteren Flache am Rande matt geschlissen sind, und mit diesem auf der halben Dike des oberen Randes des Glases, welcher gleichfalls matt geschliffen ist, aufliegen, so daß sie mit irgend einem der vielen dampfdichten Kitte aufgekittet werden können. A. d. U.

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