Titel: Ueber Platin.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 32, Nr. XXVII./Miszelle 20 (S. 149–150)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj032/mi032027_20

Ueber Platin.

Am 20. Nov. 1828 las Hr. Wm. Hyde Wollaston vor der königlichen Societät der Wissenschaften zu London eine Abhandlung über eine von ihm erfundene Methode das Platin dehnbar zu machen. Der Verfasser sezt in dieser Abhandlung die Verfahrungsarten aus einander, welche er nach langer Erfahrung in der Bearbeitung des Platins, für die wirksamsten hält, um dieses Metall vollkommen dehnbar zu machen. Wenn man es durch Auflösen in Königswasser und Füllen mit Salmiak reinigt, übersieht man es meistens, das in dem Erze enthaltene Iridium durch gehörige Verdünnung des Auflösungsmittels abzuscheiden. Der Verfasser bestimmt genau den Grad, bis zu welchem die Auflösung zu diesem Ende verdünnt werden muß und die Verhältnisse, in welchen die Sauren angewandt werden müssen. Man muß drei oder vier Tage lang, und zwar bei einer allmählich verstärkten Hize digeriren und das feine pulverförmige Iridiumerz vollständig sich absezen lassen, ehe man das Ammoniaksalz zusezt. Der so erhaltene gelbe Niederschlag muß gut ausgewaschen und gepreßt, hierauf aber mit der größten Vorsicht erhizt werden, damit das Ammoniaksalz ausgetrieben wird und die Plalintheilchen möglichst wenig Zusammenhang bekommen. Er muß dann in ein Pulver verwandelt werden, und zwar dadurch, daß man ihn zuerst zwischen den Händen reibt und sodann die gröberen Theile in einem hölzernen Mörser mit einem hölzernen Läufer zerreibt, denn durch das Reiben mit irgend einer anderen härteren Substanz würden glänzende Oberflächen entstehen, welche durch Erhizen nicht zusammengeschweißt werden können. Das Ganze wird dann gut mit reinem Wasser gewaschen. Bei diesem Verfahren hat das mechanische Zertheilen in Wasser denselben Zwek wie das Schmelzen durch Hize bei anderen Metallen; die erdigen Unreinigkeiten kommen durch ihre größere Leichtigkeit auf die Oberfläche des Wassers zu stehen und die auflösende Kraft des lezteren ersezt die Wirkung der Flüsse.

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Der graue Platin-Niederschlag, welchen man dadurch in Gestalt eines gleichförmigen Teiges erhält, wird jezt in eine Form eingedrükt, welche aus einem messingenen Gehäuse besteht, das sechs und einen halben Soll lang ist und innenwendig sich gegen das Ende verengert, so daß der gebildete Metallklumpen leichter herausgebracht werden kann. Das Platin wird darin zuerst mit der Hand vermittelst eines hölzernen Pflokes zusammengedrükt, so daß der größte Theil des Wassers ausgetrieben wird. Es wird dann horizontal in eine eiserne Presse gelegt, worin es sehr stark zusammengedrükt werden kann. Hierauf wird der Platinkuchen durch Kohlenfeuer bis auf die Nothglühhize erhizt, damit alle übrig gebliebene Feuchtigkeit ausgetrieben wird, sodann der intensivsten Hize eines Windofens ausgesezt und endlich mit gewissen Vorsichtsmaßregeln, während er noch heiß ist, mit einem schweren Hammer geschlagen, um die Poren gut zu verstopfen. Der so erhaltenen Barre kann wie jedem anderen Metall durch Erhizen und Schmieden eine beliebige Form ertheilt werden. Sie kann dann zu Blech geschmiedet, zu Drath gezogen und überhaupt wie die meisten anderen dehnbaren Metalle verarbeitet werden.

Daß obige Methode ein vollkommen dehnbares Platin liefert, ergibt sich daraus, daß ein Platindrath von einem nach diesem Verfahren dargestellten Metall, ein specifisches Gewicht von 21,5 hatte, während ein ähnlicher Drath, der aus einem König dargestellt war, welchen der verstorbene Dr. Clarke vor dem Knallgasgebläse vollkommen geschmolzen hatte, nach dessen Angabe nur ein specifisches Gewicht von 21,16 hatte. Einen anderen Beweis für die Vortrefflichkeit der von dem Verfasser angewandten Methode liefert die große Zähigkeit des so erhaltenen Platins, welche sich durch Vergleichung der Gewichte ergab, die erforderlich sind, um aus diesem Metall verfertigten Drath und Gold- und Eisendrath zu brechen. Diese respectiven Gewichte verhielten sich in seinen Versuchen wie die Zahlen 590, 500 und 600.

Bei dieser Gelegenheit gab Hr. Wollaston auch noch ein Verfahren an, um dehnbares Palladium vermittelst Schwefel darzustellen, so wie auch um Osmiumoxyd in einem reinen, weißen und krystallisirten Zustande zu bereiten. (Aus dem Philosoph. Mag. and Ann. of Philos. Jan. 1829. S. 65.

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