Titel: Ueber Hrn. Christie's Zeichenfeder als Schreibfeder.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 32, Nr. XXVII./Miszelle 7 (S. 145–146)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj032/mi032027_7

Ueber Hrn. Christie's Zeichenfeder als Schreibfeder.

Ein Leser schreibt uns über Hrn. Christie's Zeichenfeder, die wir aus dem Repertory of Arts im lezten März-Hefte mittheilten, Folgendes:

„Ich verfertigte mir alsogleich eine solche Zeichenfeder, und war damit nicht bloß im Stande, so fein zu zeichnen, wie ich es bisher mit keiner Rabenfeder vermochte, und feinere und reinere Striche zu liniren, als es mir bisher mit keiner Reißfeder möglich war; sondern ich bemerkte auch sehr bald, daß, wenn man die unendlich feine Spize auf einem Wezsteine etwas zurundet, man mit einer solchen Feder besser und reiner schreiben kann, als mit keiner anderen. Die Zeilen, die ich Ihnen hier zu schreiben die Ehre habe, sind mit einer solchen Feder geschrieben, und ich darf hoffen, daß Sie an der Schönheit und Reinheit dieser Schrift nichts zu tadeln finden werden.“

„Die Vortheile einer solchen Schreibfeder sind wahrlich nicht zu berechnen. Außer dem, daß man damit schöner und reiner schreiben kann, als mit keiner anderen, wird eine solche Feder nie matt, nie stumpf; sie bedarf keines Ausbesserns, keines Schneidens, und bleibt immer gleich scharf, gleich rein, gleich gut. Ich habe mit meinem ersten Versuche mit dieser Feder gewiß mehr als 2 Bücher Papier voll geschrieben, und die Feder schreibt, wie Sie sehen, noch so rein, wie bei dem ersten Striche, den ich mit derselben versuchte. Welcher unendliche Zeitgewinn, da man nun keine Zeit mehr mit dem langweiligen Federschneiden verlieren darf!“

„Ein nicht unbedeutender Vortheil beidem Gebrauche dieser Feder ist auch noch der, daß, da die Tinte mittelst derselben etwas tiefer in die Oberfläche des Papieres gelegt wird, kein Radiren, kein Ausbringen der Tinte mit Chlor oder Sauerkleesalz so leicht möglich ist.“

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„Eines muß ich jedoch bemerken. Dieses Non plus ultra einer guten Schreibfeder fordert eine leichte Hand Andrüken dürfen Sie nicht, sonst bleiben Sie steken. Sie müssen, wenn Sie mit einer solchen Feder schreiben, dieselbe so leicht führen, als ob Sie zeichneten, und dann werden Sie zehn Mal schneller und schöner mit den drei Nadel-Spizen schreiben, als mit einer Feder aus irgend einem Federkiele, und kam' er auch aus dem Flügel des Erzengels Gabriel selbst.“

Man kann diese wohlfeile Zeichenfeder von dem Mechaniker Sebastian Müller in Augsburg beziehen.

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