Titel: Ueber die Band-Fabriken zu St. Etienne und St. Chamond,
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 32, Nr. XLII./Miszelle 22 (S. 221)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj032/mi032042_22

Ueber die Band-Fabriken zu St. Etienne und St. Chamond,

enthält der Bulletin industriel de St. Etienne, Julius u. August 1828 und aus diesem der Bulletin d. Scienc. techn. Jan. 1829 einige interessante Notizen, aus welchen wir zur Warnung für unsere Leser Einiges hier ausheben wollen. Im ersten Vierteljahre konnte unsere Band-Fabrik kaum allen Bestellungen, die von allen Seiten wie angeflogen kamen, Genüge leisten; vorzüglich den englischen seit die Einfuhr der Seidenwaaren in England erlaubt wurde. Allein, schon im Anfange des zweiten Vierteljahres ahndeten wir eine Krisis. Die Engländer wurden, indem sie viel brauchten, so streng in ihren Forderungen, daß mehrere Londoner Häuser die ganze Bestellung absagten, weil ein Theil derselben um Einen Tag später abging, als accordirt war. Den Pariser Fabrikanten ging es auch nicht besser. Die Engländer fingen ihre Concurrenz von Neuem an, nach der Bill wie vor derselben.

Von Deutschland, wo das Fabrikwesen weit zurük ist, hatten wir keine ähnlichen Nachtheile. Indessen wäre es doch sehr gut, wenn die deutschen Commissionäre gezwungen wären, die Waare, die ihnen von St. Etienne nach Lyon geschikt wird, in Lyon in Empfang zu nehmen, so daß sie nicht aus Deutschland her unter allerlei Vorwänden den Fabrikanten mit Abzügen u. d. gl. drüken könnten, wenn er seine Waare lieber zurük als abgedrükt haben will.

Amerika bestellte nichts und hatte keinen Einfluß auf die Rükschritte unserer Fabrikation: seine Märkte sind mit alter Waare überfüllt; seine Kaufleute haben durch ihre Bankerotte Credit verloren.

Italien, Rußland und einige andere Bandfabriken werden uns nie beeinträchtigen, aber mit Spanien, das keinen Handel mehr besizt, hat aller Verkehr aufgehört.

Zum Unglüke kamen noch die Prud'hommes mit unsinnigen Zwangs-Maaßregeln, wollten bestimmen, wie lang jedes Stük Band seyn soll, wie viel ein Gesell von einem gewissen Dessin arbeiten müsse, und jezt ward durch das Einmengen der Schreiber das Maaß des Elendes voll.

Der Verfasser wünscht, daß alte Bänder, die keinen Abgang mehr finden, mit Druk modernisirt würden: ein Verfahren, das in Deutschland längst bekannt ist.

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