Titel: Ueber das Austroknen der Sümpfe und Moräste
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 32, Nr. LXI./Miszelle 10 (S. 311–312)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj032/mi032061_10
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Ueber das Austroknen der Sümpfe und Moräste

hat Hr. Gill im technological and microscop. Repository, März, S. 183 einen, wenn gleich in mancher Hinsicht unvollständigen Auszug aus Nugent's Travels in Germany T. II. geliefert. Hr. Nugent erzählt die Schwierigkeiten, mit welchen Baron Dewitz im Herzogthume Meklenburg zu kämpfen hatte, um seinem Fürsten und seinem Vaterlande viele Quadrat-Meilen Landes mitten im Frieden durch Austroknen der Sümpfe und Moräste zu erobern. Man sagte Anfangs dem edlen Freiherrn nach, die Engländer hätten ihm den Kopf verrükt; jezt fängt man aber an die Augen zu öffnen, und einzusehen, daß es besser ist, fette Rinder auf ausgetrokneten Marschländern, als Kröten und Frösche in Sümpfen und Morästen zu haben. Wir können nicht umhin, uns hier eines Tischgespräches zwischen einem großen Güter-Besizer, seinem Pfarrer, und dem Bader, der der Excellenz Ader lassen mußte, zu erinnern, bei welchem wir zufällig gegenwärtig waren. Die Güter dieser Excellenz lagen in einem Lande, das, obschon im Ganzen genommen höchst fruchtbar, doch eines der am wenigsten bevölkerten Länder des deutschen Bundes ist, und dessen zwölfter Theil ungefähr Sümpfe und Moräste sind. Der Bader bemerkte, daß die Fieber so sehr herrschen, weil die Möser nicht ausgetroknet werden, und wünschte, daß sie ausgetroknet würden, indem die Gesundheit der Einwohner weniger leiden würde, und Hunderte von Familien dort leben und wohlhabend werden könnten, wo jezt bloß Kröten und Frösche sind. „Und im Herbste und Frühlinge Schnepfen, Wildenten etc.“ fiel die Excellenz mit Unwillen ein; „wo sollen wir denn jagen, wenn wir unsere Moser austroknen? Sollen wir gar keine Freude mehr auf dem Lande haben?“ Der Bader meinte, daß in den Wäldern und auf den Feldern noch genug zur Befriedigung der Jagdlust übrig bliebe, daß die neuen Unterthanen, die sich hier ansiedeln könnten, durch ihre Abgaben und Zehende den Ertrag des Gutes reichlich erhöhen würden etc. „Erhöhen? fiel der Graf ein; sollen noch mehr Leute im Lande Getreide bauen, als ohnedieß gebaut wird? Hat das Getreide nicht ohnedieß schon beinahe keinen Werth mehr? Wenn noch mehr Leute Getreide bauen, werden die Getreide-Preise noch mehr fallen, als sie ohnedieß von Jahr zu Jahr mehr fallen. Ich wollte lieber, daß weniger Getreide gebaut würde, als daß noch mehr gebaut wird, so würden doch die Kornpreise steigen. Der Bader bemerkte unterthänigst, daß die Preise darum fallen, weil zu wenig Leute da sind, die das, was gebaut wird, aufzehren helfen; daß die Bevölkerung zu gering ist; daß mehr Nachfrage nach dem Getreide seyn würde, wenn mehr Menschen da wären, die Getreide brauchen, und daß dann die Preise von selbst steigen würden. „Zu wenig Leute!“ seufzte der Pfarrer; ich behaupte wir haben zu viele! Ich habe 2000 in meiner Pfarre, wenn ich noch ein paar Hundert mehr hätte, müßte ich mir noch einen Kapellan mehr halten. Wir haben ohnedieß zu viel Leute; das ist meine Meinung. Und der Herr Landrichter sagt auch, daß er vor Arbeiten sich nicht mehr zu helfen weiß; daß er kaum ein paar Stunden des Tages mehr auf die Jagd gehen kann, und manchen Abend gar keine Karte mehr in die Hand bringt. Das Heirathen sollte man verbieten, nicht bloß erschweren. Wir haben ohnedieß Gesindel genug.“ Der edle Baron Dewitz mag sich trösten; es gibt noch viele Länder, wo Egoismus, Faulheit und Unwissenheit alles Gute nicht bloß in der Ausführung erschwert, sondern selbst in der Idee schon erstikt und erdrükt. Das einzige Mittel es zu fördern, ist den Egoismus und die Faulheit zu besteuern, und für jeden unbebauten Morgen Landes, der benüzt werden könnte, drei Mal so viel Grundsteuer zu fordern, als für das bebaute. Dann würden die Capitalien bald dorthin ihren Zug nehmen, wohin sie ihn nehmen müssen, wenn sie für das Land wohlthätig werden sollen, auf Verbesserung des Grundes und Bodens, während sie jezt bloß zum Untergange des Landes, zum Handel mit Staatspapieren gegen das Interesse des Landes gekehret werden.

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