Titel: Ueber das Straßen-Pflaster zu Paris und über die Vergrößerung dieser Stadt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 32, Nr. LXXXIV./Miszelle 23 (S. 382)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj032/mi032084_23

Ueber das Straßen-Pflaster zu Paris und über die Vergrößerung dieser Stadt.

Die Unterhaltung des Straßen-Pflasters zu Paris kostet der Stadt Paris jährlich 480,000 Franken; eine geringe Summe, die sich nur aus der Nähe des leicht zu bearbeitenden Pariser Pflastersteinbruches erklären läßt. Kostbarer kamen die erhabenen Wege an den Seiten der Straßen für die Fußgänger (die Trottoirs), zu welchen die Steine weit hergeholt werden mußten: man holte den Basalt aus der ehemaligen Auvergne, Granit aus der Normandie, den festen Sandstein aus Flandern und Tafelsteine aus der Bretagne. Diese erhabenen Seitenwege würden in der Stadt Paris, wenn sie nur einfach (nicht wie zu London doppelt, zu jeher Seite nämlich der Gasse) sind, eine Streke von 90 franz. Meilen (lieues) betragen: denn so viel beträgt die Länge aller Straßen in dieser Stadt. Im J. 1822 hatte Paris aber erst 267 Meter Trottoirs. Im J. 1827 hatte es 6,145 Meter; also erst 1 2/2 franz. Meilen.155) Da haben sich die Steine, die Deukalion warf (unde homines nati, durum genus) schneller in Paris vermehrt: nämlich vom J. 1788 bis 1827 um 290,441 (die Bevölkerung von Paris betrug nämlich im J. 1827 bereits 890,000); in den lezten 10 Jahren allein um 170,465, ungeachtet der ungeheueren Mortalität. Die Menschen vermehrten sich also zu Paris in 10 Jahren um 25 p. C., während die Wohnungen derselben, die Häuser, sich nur um 40 p. E. vermehrten: denn im J. 1817 waren deren 27,493 zu Paris, im J. 1827 ungefähr 30,000. Indessen hat dieser geringe Zuwachs an Häusern, da er plözlich geschah, eine ungeheuere Steigerung Heß Werthes des Grundes hervorgebracht. Im J. 1805 konnte man die □ Klafter Baugrund im Viertel Rivoli zu Paris für 5 Frank bekommen. Im Jahre 1823 und 24 zahlte man dieselbe □ Klafter im Viertel Rivoli mit 3000 Franken; in 19 Jahren ist also der Werth einer □ Klafter um das Sechshundertfache gestiegen. Fast jeder Bauplaz ist, seit 20 Jahren, 2 bis 300 Mal theurer geworden, als er vor dieser Zeit gewesen ist. Seit dem terror panicus, der im J. 1826 von der Themse bis in die Seine durch das Weltmeer schwamm, sind aber diese hohen Preise wieder gewichen.

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Das beste und herrlichste Straßenpflaster unter allen großen Städten Europens hat Wien an seinen Granitquadern. A. d. U.

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