Titel: Wasserdichte Kleider.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 32, Nr. LXXXIV./Miszelle 24 (S. 382–383)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj032/mi032084_24

Wasserdichte Kleider.

Die HHrn. Rattier und Guibal haben die Verfertigung wasserdichter Kleider (deren sich auch Hr. Parry auf seiner Nordpol-Expedition bediente) aus England nach Frankreich eingeführt. Die Société d'Encouragement beschäftigt sich gegenwärtig mit Versuchen, um zu bestimmen, in wiefern die englische Methode, zwischen Futter und dem Zeuge, der zum Kleide bestimmt ist, eine dünne Schichte Kautschuk-Auflösung zu bringen, und beide hierauf durch starkes Pressen zu Einem Zeuge zu vereinigen, vortheilhaft ist. So viel ist gewiß, daß ein Filtrum aus einem solchen Stük Zeuge einen ganzen Monat über mit Wasser gefüllt blieb, ohne ein Tröpfchen durchzulassen.156) Die HHrn. Rattier und Guibal |383| verfertigen auch Kissen aus Kautschuk, die man aufblasen kann, elastische Matrazen u.s.w. Bulletin d. Scienc. techn. Janv. S. 23.

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Wenn diese Kleider keinen Tropfen Regen durchlassen, so lassen sie auch keinen Tropfen Schweiß, kein Atom Hautausdünstung durch, und werden folglich die Hautausdünstung unterdrüken, verdorbene Luft in der Nähe der Haut anhäufen, und, wenn nicht andere Krankheiten, doch wenigstens Hautkrankheiten erzeugen. Ein Mantel oder Ueberrok von einem solchen wasserdichten Stoffe für einen Steuer-Mann auf dem Verdeke, für Matrosen und Soldaten auf dem |383| Posten mag allerdings für einige Stunden gut seyn; einen solchen wasserdichten Rok aber z.B. auf Reisen Tag und Nacht auf dem Leibe zu haben, könnte vielleicht eben so böse Folgen haben, als bis auf die Haut naß zu seyn; er könnte das Kleid der Deianira werden. Es ist sonderbar, daß wir, ungeachtet unserer hohen Cultur, in mancher Hinsicht noch weit hinter Völkern zurük sind, die, wie wir wenigstens glauben, weit hinter uns stehen. Der japanische Bauer ist gewiß 1000 Mal klüger, als der europäische Bauer und Bürger: er baut nicht Hanf und Flachs und Baumwolle; er spinnt nicht, sondern er läßt die Seidenraupe spinnen, und webt bloß das, was sie gesponnen hat, zum Kleide. Seide ist in jeder Hinsicht der beste Kleidungsstoff; er ist der leichteste und kühlste im Sommer; im Winter, ausgefüttert mit Filoselle oder Seiden-Quatte, der wärmste, und doch wieder der leichteste. Gut gewebt ist er auch der dauerhafteste. Ist der japanische Bauer nicht klüger wie wir? Könnte nicht auch bei uns jeder Bauer eben so gut in Seide, als in Zwillich gehen, wenn er sich Seidenraupen ziehen wollte, die bei uns so gut fortkommen, wie in Japan, weil der Maulbeerbaum bei uns eben so gut gedeiht? Damit ihm das Naßwerden vom Regen nicht schadet, trägt er, wenn er ausgehen muß, wo Regen droht, eine Rolle von leichtem japanischen, mit japanischem Firnisse überzogenen, Papiere in seiner Hand, das kein Wasser durchläßt. Regnet es, so hüllt er sich in diese Paar Bogen Firnißpapier von Elefanten-Format, wie ein Venezianer, in seinen Mantel, und läßt, wie die Nürnberger, regnen, da er nicht naß davon wird. Das Wasser läuft von dem gefirnißten Papiere ab, und ist troken, wenn es abgelegt wird. A. d. U.

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