Titel: Tücher ohne Appretur.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 32, Nr. LXXXIV./Miszelle 25 (S. 383)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj032/mi032084_25

Tücher ohne Appretur.

„Appretur am Tuche,“ sagte Vater Beckmann, „ist am Tuche dasselbe, was Schminke und Schönpflästerchen für das Gesicht eines Geken oder einer Coquette: sie verbirgt nicht bloß Fehler und Mängel, sondern sie erzeugt sogar neue.“ Es freute uns daher, daß der gute alte Graf Chaptal so sehr darauf dringt, die Appretur an den Tüchern einmahl aufzugeben. Les draps en France sont tous fardés de lustre!“ Die französischen Tücher sind alle geschminkt! Man soll die Tücher verkaufen, wie sie seyn müssen, wenn man sie tragen soll. „Für jede Elle Tuches, das Appretur erhielt, und nicht alsogleich, wie es aus dem Stüke geschnitten wird, zum Roke geschnitten werden kann, sollte der Magistrat einer jeden Stadt, in der es verkauft wird, das Recht haben,“ sagte Beckmann, „10 Thaler Strafe von dem Verkäufer zu fordern: Einen dafür, daß der Käufer Zeit verliert, indem er es wieder nezen (eingehen) lassen muß; Einen dafür, daß das Tuch durch die Appretur schlechter wurde, als es vorher war? Einen dafür, daß es durch das Nezen neuerdings schlechter wird; und sieben Thaler dafür, weil jede Appretur am Tuche nach dem Scheren und Belesen reiner Betrug ist.“ Man kann von einigen Tuch-Fabrikanten sagen, daß die Appretur ihnen mehr kostet, als das Tuch selbst. Hr. Jowedin, ein ausgezeichneter Tuchfabrikant zu Paris, entspricht nun Beckmann's und Chaptal's Ansichten vollkommen, und verkauft sein Tuch, wie es vom Belese-Tische herkommt. Er findet reichlichen Zuspruch. Vgl. Bulletin d. Sc. techn. Janv. 1829. S. 20.

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