Titel: Beitrag zur Geschichte der Argand'schen Lampe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 32, Nr. LXXXIV./Miszelle 4 (S. 376–377)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj032/mi032084_4

Beitrag zur Geschichte der Argand'schen Lampe.

Hr. J. A. Bardier-Marcet, Argand's Nachfolger, ließ im Courier français, 7. März l. J. ein Schreiben über die Verdienste und Schikfale Argand's einrüken, welches sich auch im Galignani Mess. N. 4381. befindet, und aus welchem wir Einiges ausheben wollen. Hr. Bardier-Marcet, Argand's Nachfolger, half Lord Cochrane bei seinem verlornen Prozesse zu London wegen der Straßenbeleuchtung dieser Stadt, in Folge dessen der edle Lord zu seinen Kreuz- und Querzügen auf der südlichen Hälfte des Erdballes veranläßt ward.

Hr. Marcet bemerkt, daß weder Hr. Argand, noch dessen Familie, irgend einen Vortheil durch seine Lampe erhielt, obschon Ludwig XVI. dieselbe in seinen |377| Schuz nahm, und dieselbe vom J. 1788. bis zum J. 1815. sich so sehr in Frankreich verbreitete, daß der Oehlbau, der ehevor in Frankreich sich bloß auf den Olivenbaum beschränkte, durch den täglich häufiger werdenden Gebrauch der Argand'schen Lampe, nach Montalivet, sich bis auf einen jährlichen Ertrag von 250 Millionen gehoben hat, da man nun überall Oehl in Argand's Lampe statt der Kerzen brennt. Sogar sein Name war in Gefahr seiner Erfindung entrissen zu werden, wie Hr. Reybas in seinen bekannten Versen bemerkte:

Voyez Vous cette lampe ou, muni d'un cristal, Brille un cercle de feu qu'anime l'air vital: Tranquille avec éclat, ardente, sans fumée, Argand la mit au jour, et Quinqué l'a nommée.

Wie viele Hunderte von Lampen-Machern und Kaufleuten hat Argand, nicht bloß in Frankreich, sondern in allen großen Städten Europa's bereichert! Welche Ersparungen, welchen Genuß an dem hellen Lichte, das Er ihnen schenkte, haben so viele Tausend Familien durch ihn erhalten! Wie viele Tausende von Landleuten beschäftigen sich jezt durch ihn mit dem Baue der Oehlgewachse, deren Bau vor Verbreitung der Argand'schen Lampe beinahe unbedeutend gewesen ist! Argand starb im J. 4803, und seiner Familie blieb kein Erbtheil von ihrem Oberhaupte, das so viele Tausende bereichern half. Sein Bruder, jezt ein Greis von 90 Jahren., lebt zu Paris nur durch Unterstüzung seiner Landsleute, der Genfer: Graf Siméon hat dem Greise erst vor Kurzem, wo einige Mitglieder der Akademie sich seiner annahmen, eine Unterstüzung von 200 Franken zugewiesen.

Was die sogenannte hydrostatische Lampe betrifft, so war der Schotte Keir der Erste, der sich in England ein Patent darauf geben ließ, Salz-Auflösung zum Emportreiben des Oehles zu benüzen. Er verkaufte sein Patent dem Quaker Howard, der Hrn. Argand für jede Lampe, die er ihm verfertigte, noch ein Prämium gab Argand bemerkte Hrn. Howard, daß er früher mit Keir in Verhältniß war; daß er diesem die Idee, die Salz-Auflösung zu benüzen, mittheilte; daß er zeither aber Syrup nehme, weil dieser das Metall weniger angreift, als die Salz-Auflösung. „Ich muß Dir also,“ sagte der Quaker, „künftig jede Lampe, die Du machen wirst, doppelt bezahlen?“ und er hielt sein Versprechen auch gewissenhaft bis zum I. 1798.

Argand kehrte nach Bersoix, bei Genf, zurük, verfertigte viele solche hydrostatische Lampen, die er seinem Bruder nach Paris zum Verkaufe sandte, und denen er gedrukte Anweisungen zum Gebrauche derselben beilegte. Hieraus entstand nun Lange's melastatische Lampe und die hydrostatische der HHrn. Girard.

Argand und Keir sind also die ersten und wahren Erfinder der hydrostatischen Lampe; beide aber hatten die Erfindung noch nicht vollendet: das Oehl stieg zu langsam. Hr. Thilorier hat diesem Nachtheile abgeholfen: er ist in den Hafen eingelaufen, weil er die Erfindung allgemein brauchbar zu machen verstand.

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