Titel: Windbüchsen-Wagen, von Lemuel Wellman Wright.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 32, Nr. LXXXIV./Miszelle 48 (S. 389–390)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj032/mi032084_48

Windbüchsen-Wagen, von Lemuel Wellman Wright.

Hr. Lemuel Wellman Wright, Mechaniker in Mansfield-Street, Borough Road, Surrey, ließ sich am 15. April 1828 ein Patent auf eine Vorrichtung ertheilen, Wagen zu treiben oder zu ziehen. Diese Vorrichtung besteht in Anwendung auf hohem Grade zusammengedrükter, und dann noch stark erhizter Luft. Das Repertory of Patent-Inventions gibt im April-Hefte l. J. Notiz von dieser Vorrichtung, allein, ohne alle Abbildung, wie es jezt in englischen Journalen allgemeine Sitte zu werden beginnt, damit das Ausland von den insularischen Ideen keinen Gebrauch machen kann.

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Nach einer vier Seiten langen Beschreibung, die keinem Mechaniker etwas nüzen kann, fährt das Repertory fort: „ein unerklärliches Mißgeschik161) scheint über den zahllosen Versuchen so vieler Individuen, die seit Kurzem Patente auf das Treiben der Wagen mittelst Maschinen nahmen, zu walten, und das Gelingen derselben gehindert zu haben. Da wir aber den Zwek, mit welchem sie sich beschäftigen, für höchst wohlthätig hatten, so hoffen wir, daß der gegenwärtige Patent-Träger denselben in vielen Hinsichten erreichen wird, indem er die Fehler seiner Vorgänger großen Theils vermieden hat.“

„Die Idee, zusammengedrükte Luft zum Treiben der Maschinen zu benüzen, bat Hr. Medhurst im J. 1799 zuerst patentisiren lassen. (Repertory of Arts. II. Series. IV. Bd. S. 406.) Hr. Wright hat diese Idee verbessert, indem er die Gewalt der zusammengedrükten Luft durch Wärme verstärkt. Vielleicht gelingt ihm die Ausführung derselben besser, als Hrn. Medhurst, dessen Idee gleich Anfangs wenig versprach, und zeither wenig leistete.“

„Die Leichtigkeit des Apparates des Hrn. Wright verspricht großen Vortheil, wenn derselbe „(ungeachtet der Relays mit Cylindern mit zusammengedrükter Luft)“ einiger Ausdauer auf bedeutende Entfernungen fähig ist, worüber indessen, obschon wir daran zweifeln, bloß Erfahrung entscheiden kann.“

„Wir haben bei früheren Gelegenheiten uns gegen horizontale Cylinder an Dampfmaschinen erklärt, und dieselben Bemerkungen gelten auch hier, und gegen diese sich drehende Luftmaschine.“

„Die Art, wie hier die Kurbel-Achse mit der Hinteren Achse verbunden ist, ist dieselbe, wie bei Hrn. Nath. Gough.“

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Ein sehr leicht erklärliches Mißgeschik: das Patent-Wesen! Seit Julius Griffiths, seit 1815, haben mehr denn 50 Individuen in England (die Franzosen wollen wir gar nicht in Anschlag bringen) ein Patent auf Dampfwagen genommen. Wir wollen nur 30, als runde Zahl, gelten lassen. Ein Patent in England und Schottland kostet 180 Pfd. (2160 fl.) Dreißig solche Patente kosteten den armen Erfindern das Sümmchen von 70,800 fl. Von allen diesen ist seit 14 Jahren erst Einer, Hr. James, wirklich 4 Meilen weit gefahren. Der Bau eines solchen Dampfwagens in England kann nicht geringer als zu 500 Pfd. (oder 6000 fl.) angenommen werden. Dieß gibt für die 30 Unglüklichen, mit der Patent-Taxe, einen Verlust von 250,800 fl. Für das Publicum einen Verlust von 15 Jahren! Wir wissen, daß mancher dieser Patent-Träger auf Dampfwagen 10–12,000 fl. auf seinen Wagen gewendet hat; einer sprach uns von 20,000 fl. Und was hat er jezt davon? Daß man sich über seine Fehler lustig macht, und das Gute, was er zu Tage förderte, in einer zwekmäßigeren Verbindung benuzt, ohne seiner auch nur mit einer Sylbe zu erwähnen. Am Ende wird ein Dampfwagen vielleicht zu Stande kommen, der von allen diesen 30 Patenten einzelne Theile benüzt hat, und auf diese Weise 30 Mal das Patent-Recht verlezte. Er wird wieder ein Patent erhalten, und diejenigen, die früher ihre Taxe bezahlten, bekommen nichts. Ist dieß Recht? Sollte der Staat nicht alle lohnen, die zu dieser Erfindung beigetragen haben, und, nachdem das Ziel endlich durch vereinte Anstrengung erreicht wurde, allen, die nach demselben männlich strebten, erlauben, die Vortheile des errungenen Zieles zu genießen? A. d. U.

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