Titel: Ueber Wollaston's Doppel-Mikroskop.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 32, Nr. LXXXIV./Miszelle 5 (S. 377–378)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj032/mi032084_5

Ueber Wollaston's Doppel-Mikroskop.

Der kürzlich verstorbene Vice-Präsident der Roy. Society zu London, Med. Dr. Wollaston, las noch am 27. Nov. 1828 einen Aufsaz über sein aus welchem das Philos. Magazine, April, 1829. S. 300 einen, eben nicht sehr deutlichen, Auszug liefert. Vielleicht kann unser vortreffliche Optiker, Hr. Niggl zu München, die hier gegebenen Andeutungen benüzen. Es heißt am a. O.

Dr. Wollaston bemerkt, daß bei allen Mikroskopen das Deutlichsehen durch jedes Licht, welches auf den Gegenstand außer demjenigen auffällt, das von dem Objectiv-Glase vollkommen beherrscht werden kann, vielmehr gehindert, als befördert wird. Er hilft diesem Uebel dadurch ab, daß er das zugelassene Licht in einem Brennpunkte sammelt, worin der Gegenstand untersucht werden muß. Zu diesem Ende bedient er sich eines stachen Spiegels, durch welchen er das Licht lenkt, und einer flach erhabenen Linse, welche dieses Licht sammelt: die Fläche Seite der Linse ist gegen den beleuchteten Gegenstand gekehrt. Er bedient sich hierzu des Ocular-Stükes an dem sogenannten Huygens'schen Stern-Teleskope, wodurch alle chromatische und sphärische Abweichung vermieden wird, und wendet dasselbe, umgekehrt, auf die Mikroskope an. Er gibt seinem Instrumente eine Fassung, die aussieht wie zwei Fingerhüte, die in einander geschraubt sind, und wovon jeder an seinem Ende mit zwei Oeffnungen versehen ist. In diesen |378| Oeffnungen werden zwei passende, flach convexe, Linsen befestigt, deren Achsen mittelst ihrer flachen Flächen leicht in dieselbe Linie gebracht werden können, während ihre Entfernung von einander mittelst Schrauben so gestellt werden kann, daß sie endlich die möglich beste Wirkung hervorbringen. Das beste relative Verhältniß der Brennpunkte der beiden Linsen scheint, nach den Versuchen des Dr. Wollaston, das wie Drei zu Eins. Die Entfernung zwischen ihren stachen ebenen Flächen sollte, im Allgemeinen, ungefähr 4, 4 der kürzeren Brennweite seyn, muß aber durch Versuche so lang ausgemittelt werden, bis man den möglich höchsten Grad von Deutlichkeit erlangt hat. Die Linsen müssen so in ihren Zellen befestigt werden, daß ihre stachen ebenen Flächen gegen den Gegenstand zu liegen kommen, den man beobachtet. Die äußere Zelle dieses zusammengesezten Vergrößerungs-Glases muß mit einem stachen Rande versehen seyn, so daß sie auf dem zur Aufnahme bestimmten Stüke ruhen kann. Die flach-convexe Linse, mittelst welcher der Gegenstand beleuchtet wird, ist in eine ungefähr 6 Zoll lange Röhre eingeschlossen, die innenwendig schwarz angestrichen ist, und unten eine kreisförmige Oeffnung von ungefähr drei Zehntel Zoll im Durchmesser hat, um das von dem stachen Spiegel zurükgeworfene Licht zu begränzen. Der Mittelpunkt dieser Oeffnung muß in der gemeinschaftlichen Achse der Linsen liegen, und das Bild der Oeffnung, welches von der großen Linse erzeugt wird, muß durch gehörige Stellung der Entfernung dieser Linse in dieselbe Fläche mit dem zu untersuchenden Gegenstande gebracht werden. Mit einem solchen Mikroskope sah Hr. Wollaston die Streifen und Sagezähne an den Schuppen des Lepisma und der Podura und die Schuppen auf den Flügeln einer Müke mit einem Grade von Deutlichkeit und Klarheit, die kein anderes Mikroskop ihm gewähren konnte. Da die Fläche Seite der Linse gegen den Gegenstand zunächst zu liegen kommt, kann man mittelst derselben ohne alles Hinderniß auch flüssige Gegenstände beobachten.“

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