Titel: Ueber ein neues Verfahren, Papier in der Bütte zu leimen, welches Hr. Lespremont erfunden hat, und in seiner Papiermühle zu Fonteny, bei Salins, anwendet.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 32, Nr. CIII./Miszelle 13 (S. 451–452)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj032/mi032103_13
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Ueber ein neues Verfahren, Papier in der Bütte zu leimen, welches Hr. Lespremont erfunden hat, und in seiner Papiermühle zu Fonteny, bei Salins, anwendet.

Das bisherige Verfahren der Papiermacher, das Papier in der Bütte zu leimen, konnte bei gemeinem Papiere nicht angewendet werden, weil es, so gut es auch immer gelingen mochte, zu theuer kam. Die meisten dieser Verfahrungs-Arten gelangen aber nicht, theils weil sie dem Papiere nicht die gehörigen Eigenschaften ertheilten, theils weil sie zu schwierig und zu kostbar waren.

Diese Schwierigkeiten auf der einen, und auf der anderen Seite die Vortheile des Leimens des Papieres in der Bütte veranläßten Hrn. Lespremont Versuche anzustellen, die ihm gelangen, und er bietet jezt feinen Kunstgenossen eine sichere, neue, bequeme und leichte Verfahrungs-Weise an, mittelst welcher jede Art von Papier vom feinsten bis zum schlechtesten in der Bütte geleimt werden kann. Das Mittel ist wohlfeiler, als der gewöhnliche Leim, in dem 100 Pfund Papier dadurch nur um fünf Centimes theurer werden. Er hat hierüber bereits eine Reihe von Erfahrungen gesammelt, und verbürgt jedem, daß, nach seinem Verfahren, 1stens vollkommen gut geleimt wird; 2tens der Zeug kaum merkbaren der Farbe leidet. 3tens viele Zeit erspart wird, indem, bei trokener Witterung, das Papier in 24 oder 36 Stunden nach dem Schöpfen sortirt und zugerichtet werden kann. 4tens alle die häufigen Zufälligkeiten bei dem Leimen beseitigt werden. 5tens grobes und feines Papier selbst bei einer Temperatur von 28° gleich gut geleimt werden kann. 6tens während der weiteren Zurichtung des Papieres beinahe gar kein Ausschuß durch Risse etc. entsteht. 7tens mehr als die Hälfte der Arbeit nach dem Schöpfen dadurch erspart wird, so wie 8tens auch viel Brennmaterial: denn dieser Leim läßt sich weit leichter und schneller bereiten, als der bisher gebräuchliche; 9tens diese Art zu leimen um 50 bis 60 p. C. wohlfeiler ist, als die gewöhnlichen Arten in der Bütte zu leimen; selbst wohlfeiler als die gewöhnliche Art zu leimen. 10tens man das Aufhangen bis auf den anderen Tag nach dem Schöpsen verschieben kann, die Bausche mögen gepreßt worden seyn oder nicht; was man bei keinem anderen Verfahren kann. 11tens man sogleich nach dem Schöpfen aufhängen kann, die Bausche mögen gepreßt worden seyn oder nicht, und zwar zu 2 bis 6 und mehr Bogen, ohne fürchten zu dürfen, daß das Papier im Inneren, oben oder unten, ungleich geleimt ausfällt; was bei keiner anderen Verfahrungs-Weise möglich ist. 12tens das Papier um 1/10 schwerer wird, wodurch man ebensoviel an Zeug erspart. 45tens das Papier eben so fest wird, wie nach dem alten Verfahren, und durchaus geruchlos bleibt. 14tens das Papier nicht zwei Mal aufgehängt werden darf, wodurch viel Raum erspart wird. 15tens keine neue Einrichtung in der Mühle, an den Gerathen etc. nothwendig wird.

Er will sein Verfahren jedem Papiermacher mittheilen, will, wenn man es verlangt, ihn persönlich und in seiner eigenen Mühle dasselbe lehren, und die Bedingungen, unter welchen er dasselbe mittheilt und lehrt, und die (wie er, ohne sie jedoch anzugeben, versichert) nicht hoch seyn sollen, sollen nicht erfüllt werden dürfen, wenn nicht alle obigen 15 Punkte nach Wunsch erfüllt werden184).

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Dieses Verfahren, eine Erfindung für sich zu benüzen, finden wir weit rechtlicher, als ein Patent sich geben zu lassen. Auch ist es zu wünschen, daß dieses Verfahren bald nach Deutschland verpflanzt wird. (Aus dem Reccueil industriel. April 1829. S. 84.)

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