Titel: Französische Diligence mit Einem Rade.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 32, Nr. CIII./Miszelle 24 (S. 456)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj032/mi032103_24

Französische Diligence mit Einem Rade.

Galignani's Messenger N. 4401. vom 18. April sagt unter dem Titel Paris: „so eben ließ sich Jemand ein Patent auf eine Diligence ertheilen, die nur Ein Rad hat, und 30 oder 40 Personen fassen kann. Jeder Passagier hat seinen eigenen Siz, und sizt so bequem, daß er lesen und schreiben kann, die Diligence mag noch so schnell fahren. Das Umwerfen ist an dieser Diligence durchaus unmöglich.“ Wahrscheinlich ist dieß eine Modifikation des amerikanischen Fuhrwerkes wovon wir schon vor mehreren Jahren im Polytechnischen Journale einmal sprachen. Es ist wirklich unbegreiflich, wie faul wir in Europa geworden sind, und am Alten kleben, wie der Gimpel am Vogelleime, an dem er einmal hängen blieb. Jedermann sieht den Mistkäfer die Schafbällchen, die größer und schwerer sind, als er selbst, mit den Hinterfüßen an den beiden Enden irgend eines ihrer horizontalen Durchmesser paken, und mit der größten Leichtigkeit fort, rollen. Wir sehen alte lahme Pferde in Garten und bei Garten-Anlagen mit der größten Leichtigkeit eine Walze, die sich um ihre Achse bewegt, hinter sich herziehen, während zwei Pferde nicht im Stande wären, diese Walze von der Stelle zu bringen, wenn sie auf einem Wagen läge. Wir sehen Alles dieß vor unseren Augen, und wenden es doch nicht zur Förderung von Lasten an. Wir hören, daß die Amerikaner so klug sind, diese Vorrichtung zu benüzen, und benüzen sie doch nicht. Bei welchem Sinne wird man dann endlich noch einen Europäer paken müssen, wenn man ihn vorwärts bringen will? Muß man ihm vielleicht die Nase darauf stoßen?

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