Titel: Ueber die Methode der Chinesen, die Fische aufzuziehen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 32, Nr. CIII./Miszelle 34 (S. 458–459)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj032/mi032103_34
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Ueber die Methode der Chinesen, die Fische aufzuziehen.

Im Recuiel industriel, März, S. 298, findet sich unter der Aufschrift: Notice extraite d'un Manuscrit non publié sur la Chine et les Chinois'' folgende Stelle, die wir wörtlich übersezen: Einer der wichtigsten Handelszweige der Einwohner von Thong-Schu-Fu „(einer Vorstadt von Pekin)“ ist der Fisch-Rogen; es gibt nichts Sinnreicheres, als das Verfahren, wodurch die Chinesen denselben ausbrüten. Sie suchen in Flüssen und im stillstehenden Wasser die gallertartige Substanz, welche den Rogen (die Gier) der Fische einschließt, füllen sie in Flaschen, und verkaufen sie den Eigenthümern der Teiche. Wann die zum Ausbrüten derselben günstige Zeit gekommen ist, läßt man ein Hühnerei auslaufen, füllt es mit dieser gallertartigen Substanz, schließt das Ei wieder an der Oeffnung, durch welche man es auslaufen ließ, hermetisch zu, und läßt es von einer Henne bebrüten. Nach einigen Tagen öffnet man das Ei, und gießt den Inhalt desselben in ein Gefäß, das mit Wasser gefüllt ist, welches an der Sonne erwärmt wurde. Man bewahrt nun diesen Fischsaz so lang auf, bis die kleinen Fischlein so stark geworden sind, daß sie die äußere Temperatur ertragen können, worauf man sie in den Teich bringt, wo sie bald ihre natürliche Größe erreichen.“

Die Jesuiten haben uns in ihren Nachrichten über die Industrie der Chinesen und über die Naturgeschichte China's, namentlich über Seidenzucht, Rhabarber etc., so sehr belogen und betrogen, wie nur immer ein Jesuite einen ehrlichen Mann belügen und betrügen kann. Obige Notiz scheint ein solcher jesuitischer Hoax zu seyn. Daß die Chinesen uns in mancher Hinsicht in der Landwirthschaft und in Gewerben voraus sind, ist Thatsache, daß sie in der Fischzucht und im Fischfange Meister sind, wissen wir aus sichereren Nachrichten, als jene sind, die uns die Jesuiten gaben: wir wissen aber auch in Europa schon lang, daß die künstliche Befruchtung des Fischrogens die einzige vorteilhafte Teichwirthschaft ist, und daß es keines weiteren künstlichen Bebrütens desselben bedarf. Wir wundern uns daher, wie Hr. Moléon a. a. O. schreiben kann: „Obiges Verfahren ist so einfach, warum sollen wir es nicht nachahmen, obschon es aus China herkommt? Ein Versuch mit demselben kommt nicht theuer zu stehen, und es bedarf nur eines beharrlichen Teichbesizers, um dasselbe in einem Departement einzuführen. Beispiel und Gelingen des Versuches wird eine Menge von Nachahmern herbeiloken.“ Wir fürchten sehr, das Resultat dieses Versuches wird kein anderes, als das, was wir langst wissen, daß die Jesuiten in China, wie in Europa, überall faule Fische machen.

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