Titel: Saulnier, Maschine zum Spalten und Zurunden der Zähne der Räder in Räderwerken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 33, Nr. II. (S. 3–12)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj033/ar033002

II. Maschine zum Spalten und Zurunden der Zähne der Räder in Räderwerken; erfunden von Hrn. Saulnier, dem älteren, Mechaniker, Rue St. Ambroise, Popincourt, Nr. 5. zu Paris.

Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement N. 292. S. 303.

Mit Abbildung auf Tab. I.

Diese Spaltungs-Maschine ist ein Instrument, womit man die Zähne der Räder und Triebstöke nach dem Zweke der Maschine, zu welcher sie bestimmt sind, eintheilen kann. Dieses Instrument, welches eben so genau als schnell arbeitet, hat mächtig zu den Fortschritten der Künste und zur Vervollkommnung der Maschinen beigetragen.

Vor Erfindung dieser Maschine mußte man, um ein Zahnrad zu verfertigen, den Kreis, der das Rad bilden sollte, mittelst eines Zirkels in eben so viele gleiche Theile, als das Rad Zähne erhalten sollte, eintheilen; man zeichnete, nach diesen Eintheilungen, die Zähne und |4| die Zwischenräume, die dieselben von einander trennen, und nahm hierauf diese Zwischenräume mittelst einer Feile weg. Hieraus mag man schließen, wie unsicher und wie langweilig diese Arbeit war; man war immer der Gefahr ausgesezt, Zähne von ungleicher Dike, und folglich ein höchst unregelmäßiges Eingreifen des Räderwerkes zu erhalten.

Die Spaltungs-Maschine verbannte alle diese Schwierigkeiten, und die Bildung eines regelmäßigen Räderwerkes, die ehevor die schwierigste Arbeit des Mechanikers war, der solche Triebwerke zu verfertigen hatte, wurde jezt äußerst leicht. Durch die Regelmäßigkeit der Zähne erhielten die Maschinen einen eben so sanften, als genauen Gang, so daß man sie zu den feinsten und verwikeltsten Arbeiten anwenden konnte.

Der Haupttheil dieser Maschine ist eine kreisförmige kupferne Platte, auf welcher sich mehrere concentrische Kreise befinden, die nach verschiedenen am häufigsten vorkommenden Zahlen eingetheilt sind. Jede Eintheilung ist mit einem tiefen Punkte bezeichnet, der die Spize eines Diopterlineals aufnimmt, und die Platte so befestigt, daß sie sich nicht drehen kann. Wenn man nun concentrisch und parallel mit dieser Platte an ein Rad „(welches geschnitten werden soll)“ befestigt, so wird es offenbar, daß, wenn man dieser Platte eine kleine Umdrehung mittheilt, das Rad einen Bogen von eben so viel Graden oder Bruchtheilen eines Grades beschreiben wird, als die Platte selbst; und daß, wenn man nach jeder dieser kleinen Drehungen der Platte dieselbe feststellt, indem man die Spize des Diopterlineals in das Loch der correspondirenden Abtheilung stekt, und dann ein schneidendes Instrument immer gleichförmig auf den Umfang des Rades einwirken läßt, dieses Instrument vollkommen gleich weit von einander entfernte Einschnitte machen kann.

Das Werkzeug, dessen man sich zum Spalten oder Schneiden der Räder bedient, ist ein sogenanntes Erdbeer-Eisen, das man so schnell als möglich laufen läßt, was mittelst einer Laufschnur geschieht, die um eine kleine an der Achse derselben angebrachte Rolle und um ein großes Rad läuft, das ein Mann in Bewegung sezt.

Das Erdbeer-Eisen muß sich auf einem Wagen oder Schlitten befinden, der folgende Bewegungen machen kann. Er muß 1) sich in geradliniger Richtung gegen den Mittelpunkt der Platte bewegen können, damit man Räder von verschiedenem Durchmesser spalten, und den Einschnitten, die die Zähne von einander trennen, eine größere oder geringere Tiefe geben kann. 2) Muß er sich senkrecht heben und senken können, damit man auch solche Räder schneiden kann, deren Zähne auf der Fläche des Rades senkrecht stehen. 3) Muß er einer senkrechten schiefabweichenden Bewegung fähig seyn, damit das Erdbeer-Eisen eine beliebige schiefe Richtung annehmen kann, wenn man Steigräder schneiden will. 4) Muß auch die Achse des Erdbeer-Eisens selbst schief gestellt |5| werden können, damit man Winkel-Räder (abgestuzt kegelförmige Räder, roues d'angle) schneiden kann.

Wir wollen nun nach Aufstellung der Grundsäze, auf welchen diese Maschine beruht, zur Beschreibung dieser Erfindung des Hrn. Saulnier, des älteren, übergehen, eines trefflichen Mechanikers, der sich durch viele nüzliche Erfindungen bekannt gemacht hat, und dem die Société d'Encouragement auch ihre große Medaille d'Encouragement zuerkannte.

Diese einfache und dauerhaft gebaute Maschine kann Räder zu Räderwerken aller Art, bis auf einen Durchmesser von 3 Meter, und 22 Centimeter Dike schneiden. Das gewöhnliche Erdbeer-Eisen ist hier durch einen Zahnmeißel aus gehärtetem Stahle ersezt, der die Zähne spaltet, und zugleich zurundet. Die Form und Größe dieser Meißel ist offenbar nach Art der verschiedenen Zahne verschieden.

Die Spizen der Achse, die den Meißel führt, laufen in Pfannen, deren Mittelpunkt mit einem sehr kleinen Loche versehen ist, das mit einem Oehlbehälter in Verbindung steht. Durch diese sehr sinnreiche Vorrichtung sind diese Spizen gegen alles Heißwerden gesichert, wodurch man den Vortheil erhält, dem Meißelführer eine Geschwindigkeit von 7–8000 Umdrehungen in Einer Minute zu geben. Dadurch wird nicht nur die Arbeit beschleunigt, sondern auch die Unterhaltungs-Kosten werden dadurch vermindert; überdieß erhält der Meißel, durch die Schnelligkeit, mit welcher er hier geführt wird, alle Vortheile eines Erdbeer-Eisens, ohne daß er die Nachtheile desselben besizt; denn man weiß, daß lezteres sich schwer stellen läßt und nicht lang dauert.

Hr. Saulnier hat dieser Maschine zwei wichtige Verbesserungen beigefügt; die eine besteht in einem Instrumente zur Centrirung des Rades, welches gespalten werden soll, nachdem es auf seiner Achse aufgezogen ist, und zur Sicherheit, daß es wirklich parallel mit der Platte steht; das andere ist der allgemeine Theiler (diviseur universel), um Räder von einer beliebigen Anzahl Zahne schneiden zu können, was auf obiger Platte nicht möglich ist.

Erklärung der Figuren.

Fig. 5. Die Spaltungs-Maschine von der Vorderseite.

Fig. 6. Aufriß von der rechten Seite.

Fig. 7. Grundriß.

Fig. 8. Durchschnitt nach der Linie AB des Grundrisses, in welchen man den allgemeinen Theiler (diviseur universel) sehen kann, von welchem wir unten sprechen werden.

Einzelne Theile der Maschine in verdoppeltem Maaßstabe.

Fig. 9. Seiten-Aufriß und Rüken-Ansicht der Säule und der Dille des Schlittens, der den Meißel führt.

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Fig. 10. Grundriß derselben Theile.

Fig. 11. Alhidade im Grundrisse und von der Seite.

Fig. 12. Platte des Schlittens in Form eines Winkelhakens von vorne und von der Seite. Auf dieser nimmt die Achse, die den Meißel führt, ihre Neigungs-Bewegung, wenn man schiefe Zähne für Steig-Räder schneiden will.

Fig. 13. Durchschnitt der senkrechten Achse aus Gußeisen, auf welcher die Platte aufgezogen ist.

Fig. 14. Untersaz, welcher mit der Achse einen Körper bildet.

Fig. 15. Stangen, die man in die Achse einzieht, und die das Rad, welches gespalten werden soll, aufnehmen.

Fig. 16. Scheiben oder Untersäze, die mit den Stangen Einen Körper bilden.

Fig. 17. Ausschnitt in Form eines Schwalben-Schweifes, von vorne, von der Seite und im Grundrisse, in welchem die Platte des Meißelführers auf- und niedersteigt.

Fig. 18. Die H-förmige Platte (wegen der Form, die sie an älteren Maschinen hatte, also genannt) von vorne, von der Seite und im Grundrisse. Sie dient zur Aufnahme der Achse, die den Meißel führt.

Fig. 19. Zäume mit Schrauben-Bolzen, durch welche die Oehlbehälter gestellt werden.

Fig. 20. Andere Schrauben-Zäume zur Stellung derselben Behälter.

Fig. 21. Achse, die den Meißel führt, von vorne und im Durchschnitte.

Fig. 22. Längen-Durchschnitt der Oehlbehälter.

Fig. 23. Der allgemeine Theiler (Diviseur universel) von der Rükseite und im Grundrisse.

Fig. 24. Centrirer, im Aufrisse und im Grundrisse.

Fig. 25. Das Rad, welches gespalten werden soll, zwischen seinen beiden Platten.

Fig. 26. Meißel, von vorne und von der Seite. Er ist doppelt um Stahl zu sparen, beißt aber jedes Mal nur mit Einem Ende in das Metall ein; das andere ist, wenn er an seiner Stelle steht, in der Dike der Achse begraben. Diese Meißel, aus Guß-Stahl und gut gehärtet, können lang gebraucht werden, ohne daß sie sich abnüzen. Sie bilden vollkommen reine, fehlerfreie Zähne.

Dieselben Buchstaben bezeichnen in allen Figuren dieselben Gegenstände.

Die Maschine ist in einem eisernen Gestelle a aufgezogen und ruht in einem vollkommen genau nivelirten hölzernen Gestelle, in welchem sie mittelst eines Zaumes b fest gehalten wird, der mittelst Schrauben-Ringen befestigt wird. In der Mitte ihrer Länge wird sie von einer Säule c |7| gestüzt, welche Polster führt, in welchen die beiden parallelen Achsen dd laufen, die untere Achse e und die große Stellschraube f, die auf diese Weise nicht wanken und nicht zittern kann. Diese Schraube, die den Schlitten nach vorwärts zieht, hat sehr gedrängte Schraubengänge, um selbst sehr kleine Bewegungen am Schlitten hervorbringen, und seichte Zähne schneiden zu können. Das Hintere Ende der großen Schraube ist mit einem Zahnrade versehen g, das man mittelst der Kurbel h treibt, und das in einen Triebstok i eingreift, der auf einer Stange j befestigt ist, die auf der Seite der Platte eine Kurbel k führt. In Folge dieser Einrichtung kann der Arbeiter, ohne seine Arbeit zu unterbrechen, den Schlitten l leiten, der auf seinem Polster m ruht. Dieser Polster, den man einzeln, in größerem Maaßstabe, in Fig. 9. sieht, nimmt in einer Schraubenmutter n die Stellschraube auf, die den Schlitten bewegt. Dieser ist auf einer Säule o aufgesezt, um welche sich eine Dille p dreht, die mit dem Meißelführer einen Körper bildet: diese Bewegung gibt man ihm, wenn man Zähne schneiden will, die auf die Achse des Rades schief stehen. Man hält dann die Dille auf, indem man die Schraubenbolzen qq anzieht. Der Meißelführer besteht aus der H-förmigen Platte, die in Fig. 18. mit r bezeichnet ist. Auf dieser Platte, deren Räder schief abgedacht sind, sind zwei gegen einander gebogene Arme ss angebracht, zwischen deren Enden die Achse t Fig. 19. (im Original steht, verdrukt, Fig. 21.) aufgezogen ist, welche zwei Drehespizen uu aus gehärtetem Stahle führt; auf einem der beiden Enden dieser Achse ist eine Kehle v eingeschnitten, die eine Rolle bildet, welche die Schnur aufnimmt, die die Achse in Umlauf sezt. Diese Schnur stüzt sich auf eine eiserne Rollenscheibe x. Der Meißel y Fig. 20. aus gehärtetem Stahle, ist auf dem zweiten Drittel der Länge der Achse mittelst einer kleinen kegelförmifen Schraube z und einem Halbniete a' befestigt, wodurch Alles auf das Festeste zusammengehalten wird. Die Spizen uu laufen in den Löchern der kleinen Pfannen b', die mit dem Inneren eines hohlen eisernen Cylinders in Verbindung stehen c', in Fig. 22. welcher mit Oehl gefüllt ist, wodurch sie immer schlüpfrig erhalten werden. Die Pfanne ist zwei Linien in dem Cylinder vertieft, damit die Achse t nicht fallen kann, wenn allenfalls die Spize u bräche. Bei dieser Vorrichtung nüzen die Spizen sich nicht ab, was bei der großen Schnelligkeit der Bewegung so leicht geschieht, und ihr Spiel wird erleichtert1). Die Oehlbehälter laufen in die Büchsen d Fig. 5. |8| und 7., und werden durch die Schraubenbolzen e', Fig. 19. gegen die Spizen u festgehalten. Ihre Lage wird durch andere Schraubenbolzen f gestellt.

In dem Verhältnisse, als der Meißel sich dreht, drükt der Arbeiter auf den Hebel g, um die H-förmige Platte in ihrem Ausschnitte oder Falze h niederzudrüken, und das Metall nach der Dike des Zahnes wegzunehmen. Damit diese Bewegung aber nicht zu rasch geschieht, ist ein an einer Schnur aufgehängtes Gegengewicht angebracht; die Schnur läuft über eine Rolle, ist an dem Ringe i Fig. 5. befestigt, und das Gewicht hält Gleichgewicht mit dem Druke. Der Mittelpunkt der Bewegung des Hebels g ruht auf dem Schraubenbolzen k, der in einen Längen-Ausschnitt eintritt l', damit man ihn nach der Dike des zu schneidenden Rades höher oder tiefer stellen kann. Ein in demselben Hebel angebrachtes Loch nimmt das Ende einer Schraube m' auf, wodurch es auf dem Stüke r befestigt wird.

Der Meißelführer kann eine mehr oder minder nach vorne geneigte Stellung auf den Gewinden n' annehmen, wenn man Winkelräder schneiden will. Diese Stellung, die mittelst eines Kreis-Segmentes o' das mit einem Ausschnitte (Falze) versehen ist, regulirt werden kann, läßt sich endlich festhalten, wenn man die Schraubenmutter p' anzieht. Eine Stüzschraube q' befestigt sie noch mehr. Wenn man den Meißel neigen will, um Zahne zu schneiden, die auf die Achse des Rades schief stehen, so dreht man ihn auf der Schraubenmutter r' Fig. 12., die durch die winkelhakenförmige Platte s' läuft. Diese Bewegung wird mittelst eines Falzes oder Ausschnittes t' in dem oberen Theile der Platte geregelt, in welche sich ein anderer Bolzen schiebt.

Die Abtheilungen, die mit den verschiedenen Zahn-Systemen, welche man aus den Rädern schneiden will, correspondiren, konnten auf der kupfernen Platte u' Fig. 11. nicht angedeutet werden; man begnügte sich, 18 concentrische Linien darauf zu zeichnen, Statt der wirklich vorhandenen 100. Die Zahl der Eintheilungen auf dem äußeren Umfange, oder auf dem größten concentrischen Kreise, ist 1440. Man kann also, mittelst dieser Maschine, Räder von 1440 Zähnen schneiden. Wenn man aber mehrere solche Zähne, oder wenn man dieselben in ungleicher Zahl schneiden will, die diese Platte nicht geben kann, so bedient man sich des allgemeinen Theilers, (diviseur universel). Dieß ist ein Schlitten v'v' Fig. 6, 7 und 8., mit einer Achse x'x', die man auf einer Schraube mit einer Spize y' mittelst einer Kurbel z' sich drehen läßt. Das Mittelstük dieser Achse ist in eine Schraube ohne Ende a'' ausgeschnitten, welche in ein Zahnwerk am Rande der kupfernen Platte eingreift. Die Zahl dieser Zähne |9| ist der Zahl der Eintheilungen des äußeren concentrischen Kreises gleich. Die Achse x' ist mit zwei Zeigern b'' versehen, welche die Abtheilungen andeuten, die man vorher auf ein Kartenblatt, wie ein Zifferblatt hinzeichnet, und das später auf die kreisförmige Platte c'' aufgelegt wird. Wenn man sich dieses Stükes nicht bedient, wird es in die in Fig. 6 und 7 angedeutete Lage zurükgeschoben. Die punktirten Linien in Fig. 6. zeigen die Stelle an, welche sie einnimmt, wann sie in Thätigkeit ist.

Die Platte u' ist auf einer senkrechten Achse aufgezogen d'', die aus Gußeisen ist, und in Fig. 13. in einem größeren Maßstabe vorgestellt wurde. Diese Achse dreht sich auf einem Zapfen aus gehärtetem Stahle e'', der kegelförmig zugeschnitten ist, in einer Pfanne f'', deren Lage durch eine Regulir-Schraube g'' gestellt wird. Die Platte ist mittelst Schrauben mit Nieten h'', unter dem Untersaze i'', der mit der Achse d'' einen Körper bildet, gehörig befestigt. Diese Achse ist in ihrem Mittelpunkte und der ganzen Länge nach von einem Loche durchbohrt, in welches die runde Stange j'' eingestekt und eingerieben werden kann. Diese Stange endet sich in einen in eine Schraubenspindel auslaufenden Spieß k'' und dient zur Aufnahme des Rades l'', in welchem man die Zahne ausschneiden will. Der obere Theil der Stange j'' stellt ein Stük eines Kegels m'' dar, und das Halsband o'' dient zur Centrirung der Achse. Das Rad findet einen festen Stüzpunkt auf der Leiste n'', deren Größe nach dem Durchmesser des Rades, das geschnitten werden soll, verschieden ist. Man bedekt das Rad endlich mit einer Scheibe w' Fig. 25, so daß nur der Kreis des Rades hervorsteht. Nachdem dieß geschehen ist, schraubt man mittelst des Nietes p'' Fig. 6. fest. Diese Vorrichtung fand man zur Befestigung der Räder von sehr geringer Dike und zum Reinschneiden der Zähne, die keinen Fehler haben dürfen, nothwendig. Die Stange j'' und die Achse d'' ist mit einem kleinen Bolzen durchschossen q'' in Fig. 5, auf welchem die weibliche Schraube oder das Niet r'' so ruht, daß, wenn man dasselbe dreht, es auf den Bolzen drükt, und denselben nöthigt, niederzusteigen, so daß er die Stange j'' mit sich zieht, bis die Leiste m'' fest gegen die Wand des Loches angedrükt wird, in welchem sie sich befindet.

Das Diopterlineal s'', das einzeln in Fig. 11. dargestellt ist, und bei den Eintheilungen des Umfanges der Platte festgehalten werden muß, hat seinen Mittelpunkt der Bewegung auf dem Bolzen t'', der an einer Stüze u'' außen an der Platte angebracht ist. Auf derselben Stüze befindet sich eine Platte mit einem Falze v'', durch welche ein Bolzen mit einem Schraubenniete x'' läuft. Nachdem man dem Diopterlineal die gehörige Stellung gegeben hat, zieht man das Niet an, |10| wodurch dasselbe festgehalten wird. Man kann mittelst des Flügel-Nietes y'' die auf dem in eine Schraubenspindel ausgeschnittenen Ende des Lineals aufgezogen ist, dieses verlängern oder verkürzen. Durch diese Vorrichtung ist das Diopterlineal zweier verschiedenen horizontalen Bewegungen fähig: durch die eine derselben kann es sich so verlängern und verkürzen, daß die Spize z'' in alle auf der Platte gezeichneten Abtheilungen paßt; durch die andere, die zu demselben Zweke beiträgt, kann es einen Theil einer Kreisbewegung vollenden, zu welcher die Platte mit dem Ausschnitte oder Falze v'' willig nachläuft.

So oft man die Platte dreht, um einen neuen Zahn zu schneiden, hebt man das Lineal und seine Spize mittelst des Hebels 1 der auf der drehbaren Stüze 2 beweglich ist, und dessen Ende unter dem Haken 3 eingreift.

Der Regulirungs-Zähler (Compteur regulatuer), der den Gang der Platte regeln hilft, besteht aus einem Ringe 4 der den Untersaz i'' umfaßt, und mit einem Griffe 5 versehen ist, welcher einen Zeiger mit einem Ausschnitte 6 führt, den man mittelst einer Flügelschraube 7 anzieht. Eine gekrümmte Stange 8 die unter der Platte angebracht ist, stößt gegen den Griff 5 und hält ihn auf, während man die Platte dreht.

Nachdem das Rad auf der Stange j'' aufgezogen wurde, versucht man sich zu überzeugen, ob es auch gehörig centrirt ist. Zu diesem Ende bedient man sich eines eigenen Instrumentes, des sogenannten Centrirers, der in Fig. 24. von vorne und von der Seite dargestellt ist. Dieses Instrument ist eine Stange mit einem Abschnitte oder Falze 9, welche auf der Schraube 10 des eisernen Gestelles aufgezogen ist, und an ihrem Ende einen senkrechten Spieß 11 führt, auf welchem ein in einem Winkel gebogener Rand 13 aufgestekt ist, der sich mittelst der Schraube 12 in beliebiger Hohe befestigen läßt. Dieses Stük ist mit einem Zeiger versehen 14, der mittelst einer Feder niedergedrükt wird, und die Abtheilungen auf dem Rande anzeigt. Das Hintertheil desselben stüzt sich gegen den Umfang des Rades, das man dreht. So lang der Zeiger in der durch die Figur angedeuteten Lage bleibt, kann man gewiß seyn, daß das Rad vollkommen centrirt ist; wenn er, im Gegentheile, auf dem Rande vorrükt, muß man die Stellung verbessern.

Die Art, wie man sich dieser Maschine bedient, ist folgende. Der Arbeiter sezt das zu schneidende Rad auf den in eine Schraubenspindel zugeschnittenen Spieß k'', die Zähne mögen gerade oder schief werden sollen, und schraubt es mittelst des Nietes p'' vollkommen fest. Nachdem es, mittelst des Centrirers, gehörig centrirt worden, bringt er die Spize z'' des Diopterlineals auf jene Abtheilung |11| der Platte, welche mit der Zahl der Zahne correspondirt, die das Rad bekommen soll. Dann richtet er den Regulirungs-Zähler vor, und dreht den Griff 5 so, daß die Spize des Stükes 6 auf der Platte genau jenen Punkt zeigt, in welchem die Spize des Lineals während des Drehens der Platte eingesezt werden muß.

Nachdem nun diese Vorkehrungen getroffen wurden, bringt der Arbeiter, wenn es sich darum handelt, Zähne in ein Rad zu schneiden, die mit der Achse parallel sind, den Meißel-Führer in die, in Fig. 5 und 6 angezeigte, Lage, und zieht das Niet p' fest an, so daß Alles in dieser Lage bleiben muß. Zu gleicher Zeit läßt er die Stüz-Schraube q sich stüzen, und dreht hierauf die Rükzug- oder Stellschraube mittelst der Kurbel k, bis der Meißel in die gehörige Lage kommt, um einen Zahn zu schneiden.

Wenn man schiefe Zähne schneiden will, so neigt man den Meißel-Führer auf seinem Gewinde ss nach der Neigung der Zähne, nach vorwärts, worauf man das Schrauben-Niet p' kräftig anzieht, um ihn in dieser Lage fest zu halten. Nachdem dieses geschehen ist, hat der Arbeiter nun weiter nichts zu thun, als daß er in seiner Arbeit fortfährt und auf den Hebel g' drükt, um den Meißel mehr oder minder tief in das Metall, welches weggeschafft werden soll, eingreifen zu lassen.

Die Rolle v des Meißel-Führers wird mittelst eines großen Nades in Umlauf gesezt, welches von einem Arbeiter getrieben wird. Wenn man große Räder zu schneiden hat, muß die Schnur stark gespannt seyn, damit sie nicht auf der Rolle v leer hinläuft. In dieser Hinsicht bedient man sich dreier Rollen mit Hohl-Kehlen, wovon zwei unten sind, und eine Zwischenrolle über denselben. Das Gewicht der lezteren, welches auf die Schnur drükt, vermehrt die Spannung.

Die Dille p kann um die Säule o des Schlittens einen Kreisbogen beschreiben, welcher dem Gestelle des Meißel-Führers jede Neigung zu geben verstattet, die zur Bildung der Steigräder nothwendig ist. Nachdem man den Meißel in die gehörige Stellung gebracht hat, zieht man die Schrauben-Bolzen qq gehörig fest an.

Außer der kreisförmigen Bewegung, von welcher wir gesprochen haben, hat noch eine andere Statt, die sich dem ganzen Systeme mittheilt. Sie geschieht um den Bolzen r', der durch das Stük h läuft. Ein gewölbter Ausschnitt oder Falz, t, erleichtert die Bewegung des Meißel-Führers, durch welche derselbe geneigt wird, so daß, wenn man den Meißel senkt, er auf dem Rade, welches geschnitten werden soll, Zähne bildet, die, statt parallel zu seyn, gegen die Achse |12| des Rades geneigt sind. Auf diese Weise werden auch die Seiten der Zähne frei oder abgefettet (dégrissés), und kommen alle in ihrer Richtung gegen den Mittelpunkt des Rades zu liegen.

Diese Maschine, die 5000 Franken (833 Laubthaler) kostet, kann in einem Tage 3–4000 Zähne schneiden: eine Arbeit, zu welcher, wenn sie aus freier Hand geschieht, wenigstens 20 Tage erfordert werden. Man kann daraus den Gewinn berechnen, den diese Maschine gibt2).

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Die Spizen nüzen sich allerdings nicht ab, aber die Löcher werden weiter. Die englische Einrichtung, Kugel auf Kugel, scheint uns besser. Dann brechen auch keine Spizen.

A. d. U.

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Wir müssen gestehen, daß, obschon wir glauben, daß diese Maschine für jeden Sachverständigen genau genug beschrieben ist, dieselbe doch nicht mit jener Klarheit und Deutlichkeit dargestellt ist, die sonst die Beschreibungen französischer Erfindungen so sehr zu ihrem Vortheile auszeichnet. Es wird nöthig seyn, daß Uhr-Fabrikanten sich du selbe kommen lassen. Uebrigens haben wir auch in Deutschland Theilungs-Scheiben (die Reichenbach-Liebherr'sche zu München ist durch ihre feine Arbeiten für astronomische Instrumente weltberühmt geworden), und es steht zu erwarten, welche Anwendung man noch in Deutschland von diesem Instrumente auf die irdische Mechanik machen wird, nachdem man sie bereits mit so großem Vortheile für die Mécanique céleste verwendete. Es ist uns ferner auffallend, daß hier der so wichtigen epicykloidischen Figur der Zähne (Polytechn. Journ. Bd. XXV. S. 347.) keine Erwähnung geschah.

A. d. U.

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