Titel: [Verbesserter Bau der Mauern.]
Autor: Hitch, Caleb
Fundstelle: 1829, Band 33, Nr. VII. (S. 20–21)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj033/ar033007

VII. Verbesserter Bau der Mauern, worauf Caleb Hitch, d. jüng., Ziegelmacher zu Ware in Hertsshire, sich am 21. Febr. 1828 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem London Journal of Arts. März 1829. S. 524.

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Der Patent-Träger sagt, daß seine Verbesserung im Baue einer Ziegelmauer dann besteht, „dieselbe mit Höhlungen oder Vertiefungen innerhalb derselben so zu bauen, daß die einzelnen Theile derselben durch Mörtel verbunden Eine feste Masse bilden, die weit wohlfeiler kommt als eine gewöhnliche Mauer, weit weniger Mörtel kostet, weniger Fugen hat, weit fester hält, und weit weniger Reparatur erfordert.“

Der Patent-Träger beschreibt nun in seiner Patent-Erklärung die Model, in welchen die Ziegel geformt werden müssen; aus der Figur der Ziegel werden aber auch die Model deutlich werden.

Die Form der Ziegel ist etwas verschieden, je nachdem die Mauer verschiedene Dike haben, neun oder zwölf Zoll dik werden soll. Fig. 23 zeigt die Form verschiedener Ziegel einer neun Zoll diken Mauer. Die Ziegel aaa, die der Patent-Träger Fledermaus-Köpfe (bat headers) nennt, liegen der Länge nach; die Ziegel bb, die er die Streker (Stretchers) nennt, kommen quer zu liegen. Sie haben ein sogenanntes Schwalbenschweif-Ende, und passen mit demselben in ähnliche gebildete Höhlungen in den Fledermaus-Köpfen.

Wenn diese Ziegel aufgemauert werden, werden sie in ihren Lagen und Gefügen mit Mörtel verbunden. Wenn eine zweite Ziegellage auf das Mörtellager der ersten gelegt wurde, so daß die Gefüge der Ziegel auf die Mitte der darunter liegenden Ziegel, und die Bind-Löcher (Dowel holes) auf einander zu liegen kommen, wird eine gehörige Menge Mörtels in diese Löcher und in die leeren Räume zwischen den Ziegeln gegossen, wodurch, wenn derselbe erhärtet ist, die obere und die untere Lage der Ziegel über einander fest gehalten wird.

Der Patent-Träger räth zum Mörtel, ungelöschten Kalk (hot stone lime), Ziegelmehl, scharfen Sand, Dachschiefer (Shingle) und Feuerstein, oder reinen groben Sand und so wenig Wasser, als möglich, oder nur so viel als gerade hinreicht, um diesem Gemenge die Consistenz des Mörtels zu geben.

Jede zweite Ziegellage wird auf diese Weise mit Mörtel belegt, und der Kern, der dadurch gebildet wird, hält die ganze Mauer zu einer festen Masse zusammen.

Wenn die Mauer diker als neun Zoll werden, oder irgend eine |21| starke Steinmasse aufgemauert werden soll, wird eine andere Form und Lage der Ziegel nothwendig. Die Mauer muß an der Eke mit einem sogenannten Winkelkopfe beginnen Fig. 24. Auf diesen folgt der Schließer, und dann der Streker so, daß er in den Schließer paßt; hierauf kommen die Fledermauskopfe und die Streker abwechselnd. Bei der zweiten darauf zu legenden Ziegellage werden die Gefüge verschränkt und die Löcher auf einander gelegt und vermörtelt, wie vorher. Bei Thüren und Fenstern werden eigens dazu verfertigte Ziegel angewendet.

Wenn, wie bei Erdwallen, ein Druk von rükwärts auf die Mauern wirkt, können eiserne Stangen in die Bindungs-Löcher von oben bis unten eingelassen werden, so daß man auf diese Weise einen Schuz mehr von dem Druke nach rükwärts erhält. Die eisernen Stangen werden dann unten in der Grundmauer befestigt und über die eiserne Stange hinabgelassen.

Diese Ziegel werden auf dieselbe Weise verfertigt, wie die gewöhnlichen, nur daß der Model eine andere, nämlich diejenige Gestalt hat, die die Ziegel nach dieser Einrichtung haben müssen. Die Löcher in den Ziegeln werden mittelst eines Stokes durchgestochen5).

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Der Uebersezer hat bei Gelegenheit der Kasten aus Gußeisen, die Hr. Deeble patentisiren ließ, bemerkt, daß die Baukunst sowohl in der Maurerei als in dem Zimmerwerke durch Anwendung ähnlicher Formen vielleicht verbessert werden könnte. Hr. Hitch, dessen Ziegel hier sehr undeutlich beschrieben sind, scheint seine Ziegelformen von jenen Kasten entlehnt zu haben. Es ist kein Zweifel, daß man bei einer zwekmäßigeren Form der Ziegel fester bauen, und nicht bloß Mörtel, sondern selbst Ziegel, und das zum Brennen derselben nothwendige kostbare Holz würde ersparen können. Wenn auch die Ziegel dann an und für sich selbst höher sollten zu stehen kommen, so würde, in obiger Hinsicht, doch genug durch dieselben erspart werden, und wenn, selbst der gesammte Bau, durch Handarbeit, theuerer werden sollte, so würde es, wenn nur die Wälder dadurch geschont werden können, für das Gemeinwohl vorteilhafter werden, mit solchen Ziegeln zu bauen, und lieber den Kunstfleiß der Menschen zu belohnen, als Wälder muthwillig zu Grunde richten und den Preis des Holzes dadurch so zu erhöhen, daß andere Zweige der Industrie gelahmt werden müssen. Wie viele Quadrat-Meilen Waldes steken nicht in mancher einzigen Gasse einer großen Stadt! A. d. U.

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