Titel: Ueber Rettungs-Anstalten bei Feuers-Gefahr.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 33, Nr. XII. (S. 44–47)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj033/ar033012

XII. Ueber Rettungs-Anstalten bei Feuers-Gefahr.

Mit einer Abbildung auf Tab. II.

Man kann nicht läugnen, daß es in England eben so viele herzlich gute Menschen gibt, als die Polizei in diesem Lande herzlich schlecht ist. Die vortreffliche humane Society, die so viele Hunderte seit einigen 50 Jahren rettete, die Gesellschaft zur Abstellung der Barbarei des Schornsteinfegens mittelst Kinder19), Capt. Manby's Anstalten, ja sogar die Spitäler und übrigen Wohlthätigkeits-Anstalten sind lediglich das Werk der Privaten; die Polizei kümmert sich nur insofern um dieselben, als sie eine Finanz-Quelle für sie werden. London hat nun durch Hrn. Hudson eine Privat-Anstalt zur Rettung des Menschen-Lebens aus Feuers-Gefahr erhalten. Das Mechanics' Magazine hat in einer Reihe von Nummern die Rettungs-Apparate, die der Gesellschaft zugeschikt wurden, bekannt gemacht; wir haben auf dieselben hingewiesen, obschon wir keinen derselben empfehlen konnten. Da aber die neueste Nummer dieser Zeitschrift (N. 297. 18. April, S. 146.) einen Rettungs-Apparat liefert, „der nach der Ansicht der ersten Kenner jeden anderen bisher gebrauchten übertrifft“ (in the opinion of very good judges superior to any yet made public), so wollen wir unseren Lesern diesen Apparat, der eine Erfindung des Hrn. Wilkinson ist, mittheilen, damit sie von diesem Apparate, als den besten, auf die übrigen schließen können.

A, Fig. 34. der unterste Theil dieses Rettungs-Apparates, wird aus zolldiken Brettern zusammengeschlagen, ungefähr so, wie eine vierekige Wasserkufe oder ein Schlauch. Er ist 20 Fuß hoch, innenwendig 6 Zoll20) weit, und an dem oberen und unteren Ende mit einem |45| starken eisernen Reifen versehen. Bei 1 ist eine Walze angebracht im Holzwerke, über welche ein Seil E läuft, das an dem Boden eines ähnlichen, innerhalb A befindlichen Schlauches B angebracht ist, wie die punktirten Linien zeigen. Innerhalb B befindet sich wieder ein ähnlicher Schlauch C, an dessen Boden bei 2 wieder auf eine ähnliche Weise ein Seil angebracht ist, das über eine Walze in dem Holzwerke von B läuft, und außen an A bei Nr. 3. angeheftet ist. Auf der Spize von C befindet sich ein Krahnbalken, der in einem Nußgelenke beweglich und an einem Ende mit einem Haken versehen ist, mittelst dessen er an irgend einem Theile des in Flammen stehenden Hauses gehörig befestigt werden kann. DDD sind Stüzen, um den Apparat gehörig zu unterstüzen, wann er in Thätigkeit ist.“

„Die Art und Weise, wie dieser Apparat gebraucht wird, läßt sich nun leicht begreifen. Wenn das Seil E gezogen wird, so hebt sich der Schlauch B und aus diesem steigt auf ähnliche Weise der Schlauch C empor, so daß man im Augenblike eine Höhe von 60 oder 70 Fuß erreicht, je nachdem nämlich der Apparat eingerichtet ist. Bei F ist an dem Seile E ein Querholz angebracht, das man in das eine oder andere Paar der Augen aa , aa , aa einschieben kann, wodurch man dann den Apparat nach Bedarf höher oder niedriger stellen kann. Bei ii sind zwei Doppelrollen angebracht, über welche die Strike laufen, an denen die Körbe II aus grober Leinwand sich befinden. In diesen Säken können Menschen und Güter mit aller Bequemlichkeit gerettet werden, auch Menschen aufgezogen werden, um retten zu helfen. kk sind Seile, die unten an den Säken angebracht sind, um diese nöthigen Falles von den Flammen und aus dem Rauche wegzuziehen. L ist ein Leitungs-Seil, mittelst dessen der Krahnbalken in jede verlangte Richtung gebracht werden kann.“

„Dieser Apparat kann von ein paar Männern aufgerichtet und gehandhabt werden. Er sollte sich bei jeder Feuersprize befinden, oder auf einem eigenen Wagen derselben nachgefahren werden.“

So brauchbar uns die Idee dieses Apparates zu seyn scheint (vielleicht tauschen wir uns, weil wir sie selbst bereits einige Male schon mitgetheilt haben), so sehr fürchten wir, daß Männer, die mit der Praxis beim Feuerlöschen und Retten aus den Flammen vertraut sind, das Mangelhafte an diesem Apparate schon beim ersten Anblik so lebhaft fühlen werden, daß wir uns alle weitere Bemerkungen hierüber ersparen können. Die Idee, eine Art von Krahn hier anzuwenden, und seinen hülfreichen Arm zum Fenster hineinstreken zu lassen, ist indessen, so scheint es uns wenigstens, zu schön, als daß man sie aufgeben sollte. Man muß sie verfolgen, und vielleicht läßt sich etwas finden, was einfacher und leichter und schneller zu handhaben ist, als |46| diese vierekige Maschine. Es wäre z.B. schon dadurch gewonnen, wenn man diese Schläuche, Statt sie vierekig zu haben, dreiekig machte; es wäre größere Leichtigkeit und stärkere Festigkeit zugleich erreicht. Da ferner die Stärke des dreiekigen Prisma nicht sowohl in den Wänden desselben, als in den Kanten beruht, so scheint es, daß ein solches Prisma, aus drei starken gesunden dreizölligen Bäumen von 20 Fuß Höhe und 6 Fuß Weite gebaut, leichter und starker und leichter Zu handhaben wäre. In dem untersten Prisma stekte ein zweites und drittes, gerade so, wie an Wilkinson's Apparat, dessen Krahnbalken ganz so, wie er ihn angab, beibehalten würde. Die Weise, die Prismen aus einander, oder vielmehr über einander, in die Höhe zu ziehen, könnte dieselbe bleiben, nur könnten, zur Erleichterung der Bewegung, einige kleine Reibungswalzen an der inneren Seite der Bäume, die die Scheitel der Winkel bilden, angebracht seyn. Es würde sich auch hier leicht eine bessere Befestigung anbringen lassen, da die Seiten des Prismas ohnedieß eine Verschränkung erhalten müßten, bei welcher die bekannte Form des Sir Sepping wohl die beste und auch die leichteste wäre. Ueberdieß konnte in der Mitte eines jeden oberen Querbalkens ein eiserner Ring angebracht seyn, in welchen man, in dem Augenblike, wo die Prismen aus einander gehoben oder gezogen würden, mit einem gewöhnlichen starken Feuerhaken eingreifen, dadurch die Bewegung nach aufwärts erleichtern, und endlich auch die ganze Säule stüzen könnte, die auf diese Weise 9 Stüzen erhielte, was mehr als genug wäre.

Fig. a) zeigt den Bau eines solchen Prismas, an welchem die Verschränkung der Deutlichkeit wegen weggelassen ist. Diese Verschränkung ist in Fig. b) angedeutet, und in einer Latte eingezapft, die auf die Bäume ab, bc etc. aufgenagelt ist, damit die Bäume selbst durch keine Löcher leiden. Die Bäume sind überdieß an den Eken a, b, c, d, wo sie in einander eingezapft werden müssen, mit starken eisernen Bändern beschlagen und überdieß durch eiserne Klammern ef verbunden. Bei g ist der eiserne Ring, in welchen der Feuerhaken gebracht wird, der die Prismen stüzt. Fig. c zeigt diese Haken hik mit den drei Prismen von der Seite in der stüzenden Stellung.

Das einfachste und beste scheint uns jedoch immer ein fahrbarer Krahn nach Art eines kolossalischen Meßtisches, der sich, wie dieser, leicht auf seine drei Füße stellen ließe, und bei aller möglichen Leichtigkeit in der Handhabung die gehörige Festigkeit und Sicherheit gewährte. Auf einen solchen Krahn, der, nach Bedarf, auf 50 bis 80 Fuß Höhe gestellt werden kann, sollte irgend eine Gesellschaft oder eine Polizei-Behörde einen ansehnlichen Preis ausschreiben: des könnte |47| vielleicht ein sinnreicher Zimmermann, der nicht lesen und nicht schreiben kann, einen solchen Preis ehe gewinnen, als mancher feine Mathematiker.

Daß die Seile und Materialien zu den Körben entweder durch gehörige Beize unverbrennlich, oder wenigstens nicht so leicht verbrennlich gemacht werden müßten, als gewöhnlich; daß Eisen und Ketten hier besser sind, als Holz und Hanf, ist offenbar; und ward, leider, bei dem lezten Brande am Basar zu Paris erwiesen, wo der geschikteste und beherzteste Retter in Feuersgefahr unter den Franzosen (die gute Feuermänner sind), wo der, der sich früher schon den Orden der Ehren-Legion durch seine menschenfreundlichen Anstrengungen in Feuersnoth verdiente, ein Opfer einer angebrannten Strikleiter wurde, und zwei Stokwerke hoch herabfiel.

Ich kann hier eine Idee nicht unterdrüken, die ich längere Zeit schon hatte, und die irgend ein menschenfreundlicher Polizei-Commissär in einer deutschen Stadt wohl leicht wird prüfen können. Ließen sich nicht drei Feuerleitern, die oben mittelst eines gleichseitigen Dreiekes aus starken eisernen Stangen, dessen Seiten um einige Zolle länger sind, als die Breite der Leitern, oben mittelst Gewinden um diese drei eisernen Stangen so verbinden, daß sie auf diese Weise ein dreifüßiges sicheres Gestell geben konnten, auf welchem oben, im Mittelpunkte des Dreiekes, der Querbalken des Krahnes sicher ruhen könnte? Die, für jeden Fall nöthige, Höhe des Krahnbalkens ließe sich durch das Auseinanderdrüken der Leitern leicht geben. Die Leitern sind leicht transportabel, denn sie bilden, zusammengelegt, nur ein dreiseitiges Prisma. Soll ich Ihnen eine umständliche Zeichnung schiken, oder glauben Sie, daß jeder Zimmermann mich ohnedieß versteh?

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Erst am 26. März erstikte wieder ein armer Knabe zwischen 7 und 8 Jahren in einem Schornsteine zu London. Wir haben dieß Jahr schon sieben solche Unglüksfälle in London gezahlt in engl. Blättern. Wir haben neulich vorgeschlagen, die Schornsteine bloß aus Röhren zu verfertigen, und wir sehen unsern Vorschlag jezt in engl. Blättern (Mechan. Magaz. N. 297. S. 151.) wiederholt.

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So heißt es im Original; nach der Zeichnung und nach der Natur der Sache scheint es aber 6 Fuß heißen zu müssen.

A. d. U.

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