Dieses Projekt wird gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und präsentiert von der Sächsischen Landesbibliothek — Staats- und Universitätsbibliothek Dresden und der Humboldt-Universität zu Berlin.
XII. Ueber Rettungs-Anstalten bei Feuers-Gefahr.Mit einer Abbildung auf Tab. II.Man kann nicht läugnen, daß es in England eben so viele herzlich gute Menschen gibt, als die Polizei in diesem Lande herzlich schlecht ist. Die vortreffliche humane Society, die so viele Hunderte seit einigen 50 Jahren rettete, die Gesellschaft zur Abstellung der Barbarei des Schornsteinfegens mittelst Kinder19), Capt. Manby's Anstalten, ja sogar die Spitäler und übrigen Wohlthätigkeits-Anstalten sind lediglich das Werk der Privaten; die Polizei kümmert sich nur insofern um dieselben, als sie eine Finanz-Quelle für sie werden. London hat nun durch Hrn. Hudson eine Privat-Anstalt zur Rettung des Menschen-Lebens aus Feuers-Gefahr erhalten. Das Mechanics' Magazine hat in einer Reihe von Nummern die Rettungs-Apparate, die der Gesellschaft zugeschikt wurden, bekannt gemacht; wir haben auf dieselben hingewiesen, obschon wir keinen derselben empfehlen konnten. Da aber die neueste Nummer dieser Zeitschrift (N. 297. 18. April, S. 146.) einen Rettungs-Apparat liefert, So brauchbar uns die Idee dieses Apparates zu seyn scheint (vielleicht tauschen wir uns, weil wir sie selbst bereits einige Male schon mitgetheilt haben), so sehr fürchten wir, daß Männer, die mit der Praxis beim Feuerlöschen und Retten aus den Flammen vertraut sind, das Mangelhafte an diesem Apparate schon beim ersten Anblik so lebhaft fühlen werden, daß wir uns alle weitere Bemerkungen hierüber ersparen können. Die Idee, eine Art von Krahn hier anzuwenden, und seinen hülfreichen Arm zum Fenster hineinstreken zu lassen, ist indessen, so scheint es uns wenigstens, zu schön, als daß man sie aufgeben sollte. Man muß sie verfolgen, und vielleicht läßt sich etwas finden, was einfacher und leichter und schneller zu handhaben ist, als |46| Fig. a) zeigt den Bau eines solchen Prismas, an welchem die Verschränkung der Deutlichkeit wegen weggelassen ist. Diese Verschränkung ist in Fig. b) angedeutet, und in einer Latte eingezapft, die auf die Bäume ab, bc etc. aufgenagelt ist, damit die Bäume selbst durch keine Löcher leiden. Die Bäume sind überdieß an den Eken a, b, c, d, wo sie in einander eingezapft werden müssen, mit starken eisernen Bändern beschlagen und überdieß durch eiserne Klammern ef verbunden. Bei g ist der eiserne Ring, in welchen der Feuerhaken gebracht wird, der die Prismen stüzt. Fig. c zeigt diese Haken hik mit den drei Prismen von der Seite in der stüzenden Stellung. Das einfachste und beste scheint uns jedoch immer ein fahrbarer Krahn nach Art eines kolossalischen Meßtisches, der sich, wie dieser, leicht auf seine drei Füße stellen ließe, und bei aller möglichen Leichtigkeit in der Handhabung die gehörige Festigkeit und Sicherheit gewährte. Auf einen solchen Krahn, der, nach Bedarf, auf 50 bis 80 Fuß Höhe gestellt werden kann, sollte irgend eine Gesellschaft oder eine Polizei-Behörde einen ansehnlichen Preis ausschreiben: des könnte |47| Daß die Seile und Materialien zu den Körben entweder durch gehörige Beize unverbrennlich, oder wenigstens nicht so leicht verbrennlich gemacht werden müßten, als gewöhnlich; daß Eisen und Ketten hier besser sind, als Holz und Hanf, ist offenbar; und ward, leider, bei dem lezten Brande am Basar zu Paris erwiesen, wo der geschikteste und beherzteste Retter in Feuersgefahr unter den Franzosen (die gute Feuermänner sind), wo der, der sich früher schon den Orden der Ehren-Legion durch seine menschenfreundlichen Anstrengungen in Feuersnoth verdiente, ein Opfer einer angebrannten Strikleiter wurde, und zwei Stokwerke hoch herabfiel. Ich kann hier eine Idee nicht unterdrüken, die ich längere Zeit schon hatte, und die irgend ein menschenfreundlicher Polizei-Commissär in einer deutschen Stadt wohl leicht wird prüfen können. Ließen sich nicht drei Feuerleitern, die oben mittelst eines gleichseitigen Dreiekes aus starken eisernen Stangen, dessen Seiten um einige Zolle länger sind, als die Breite der Leitern, oben mittelst Gewinden um diese drei eisernen Stangen so verbinden, daß sie auf diese Weise ein dreifüßiges sicheres Gestell geben konnten, auf welchem oben, im Mittelpunkte des Dreiekes, der Querbalken des Krahnes sicher ruhen könnte? Die, für jeden Fall nöthige, Höhe des Krahnbalkens ließe sich durch das Auseinanderdrüken der Leitern leicht geben. Die Leitern sind leicht transportabel, denn sie bilden, zusammengelegt, nur ein dreiseitiges Prisma. Soll ich Ihnen eine umständliche Zeichnung schiken, oder glauben Sie, daß jeder Zimmermann mich ohnedieß versteh? |44| Erst am 26. März erstikte wieder ein armer Knabe zwischen 7 und 8 Jahren in einem Schornsteine zu London. Wir haben dieß Jahr schon sieben solche Unglüksfälle in London gezahlt in engl. Blättern. Wir haben neulich vorgeschlagen, die Schornsteine bloß aus Röhren zu verfertigen, und wir sehen unsern Vorschlag jezt in engl. Blättern (Mechan. Magaz. N. 297. S. 151.) wiederholt. |44|
So heißt es im Original; nach der Zeichnung und nach der Natur der Sache scheint es aber 6 Fuß heißen zu müssen. A. d. U. |
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