Titel: Koechlin-Schouch, über die Anwendung der Kleie.
Autor: Koechlin‐Schouch, Daniel
Fundstelle: 1829, Band 33, Nr. XL. (S. 110–119)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj033/ar033040

XL. Ueber die Anwendung der Kleie zur Buntbleiche, von Hrn. Koechlin-Schouch.

Aus dem Bulletin de la Soc. industr. de Mulhusen, 1829, N. 9, S. 277.

Ich will hier die Resultate einiger Versuche anführen, welche im Großen in der Absicht angestellt wurden, mehr Regelmäßigkeit in die Anwendung der Kleie bei derjenigen Operation zu bringen, welche man die Bunt- oder Schekenbleiche (debouillissage) oder die Passage nennt, und welche den Zwek hat, durch Sieden in Kleienwasser die Färbestoffe zu entfernen, welche die nicht gebeizten Theile des Zeuges während des Ausfärbens (in Krapp) angezogen haben, so wie auch die falben Stoffe, welche die Farben der gebeizten Theile beschmuzen.

Obgleich diese Operation allgemein üblich ist, so wird sie doch nicht so ökonomisch als möglich bewerkstelligt, und da uns heute zu Tage die Umstände zwingen, auch die geringsten Ersparnisse aufzusuchen, so suchte ich durch diese Versuche vorzüglich auszumitteln:

1) die Quantität der zum Auskochen einer gewissen Anzahl Stüke erforderlichen Kleie;

2) die mittlere Dauer des Auskochens in Kleienwasser, wenn es sich hauptsächlich darum handelt, den weißen Grund zu reinigen;

3) die zwekmäßigste Quantität Wasser zum Auskochen einer gewissen Anzahl Stüke;

4) die vortheilhafteste Kleienart; ob diese die Weizens oder die Roggen- oder die Gerstenkleie ist; ob es die feine Kleie ist, welche mehr oder weniger Mehl enthält, oder die grobe Kleie, welche fast gar kein Mehl mehr enthält;

5) welche Bestandtheile der Weizenkleie bei dem Auskochen vorzüglich wirksam sind;

6) ob es vortheilhaft ist, die Kleie mit Seife zu vermengen u. f. w.

Alle Passagen wurden in Kufen vorgenommen, die mit Dampf erhizt wurden und deren Hohlraum 15 Hektoliter (1060 Wiener Maaß) |111| betrug. Es wurden jedes Mal 10 Stüke mit einander in einer Kufe ausgekocht und zu diesem Ende 10 bis 12 Hektoliter siedendes Wasser in dieselbe gebracht59).

Es wurden nur gut gebleichte Zeuge von derselben Sorte angewandt; nämlich 3/4 breite Louisiana-Kattune von 75 Gängen, die 25 bis 26 Ellen lang waren. Ihr Grund war weiß, violett bedrukt und mit zwei Roth eingedrukt. Sie waren zwei und eine halbe Stunde lang in Krapp ausgefärbt und zulezt noch fünf Minuten lang im siedenden Krapp-Bade behandelt worden.

Die angewandte grobe Kleie war so gereinigt, daß sie beinahe Zar kein Mehl mehr enthielt.

Zu den vergleichenden Versuchen wurden die Stüke immer durch dieselben Operationen vorbereitet, und da immer eine Operation Einfluß auf die andere hat, so hütete man sich wohl, die Stüke, welche zuerst durch das Kuhmistbad genommen wurden, mit denjenigen zu vermengen, welche zulezt hindurch genommen wurden, weil der weiße Grund dieser lezteren sich oft bei dem Ausfärben in Krapp starker färbt, besonders wenn die Zeuge nicht vollkommen gebleicht worden sind.

Endlich wurden alle Versuche zwei Mal angestellt.

Erster Versuch.

Um das zwekmäßigste Verhältniß von Kleie zu bestimmen, machte man vier Passagen, jede mit zehn Stüken, mit verschiedenen Quantitäten von Kleie, und ließ das Kochen eine Stunde lang anhalten.

Die erste Passage wurde mit einem Scheffel oder 6 1/2 Kilogrammen (13 Pfund) Weizenkleie gemacht;

die zweite Passage mit zwei Scheffel oder 13 1/2 Kilogrammen;

die dritte Passage mit vier Scheffel oder 26 Kilogrammen;

die vierte Passage wurde mit einem Wasser, ohne Kleie vorgenommen.

Man bemerkte, daß das Weiß und die Farben der durch siedendes Wasser hindurchgenommenen Stüke nicht merklich von den färbenden und falben Theilen gereinigt worden waren.

Die Stüke der ersten Passage waren nicht so weiß geworden, wie sie gewöhnlich durch eine Kleien-Passage werden.

Bei den Stüken der zweiten Passage waren das Weiß und die Farben von derselben Beschaffenheit, wie bei gut gebleichten, aus der ersten Kleien-Passage herauskommenden Zeugen.

Bei den Stüken der dritten Passage war das Weiß etwas reiner, als bei denjenigen der zweiten Passage, aber dieser Unterschied war |112| nicht sehr auffallend. Es geht also aus diesen Versuchen hervor, daß zwei Scheffel Kleie für die Passage ziemlich das beste Verhältniß sind.

Zweiter Versuch.

Diese vierzig Stüke von dem ersten Versuche, welche in reinem Wasser und Kleienwasser ausgekocht worden waren, wurden genau mit einander vermengt, worauf ich sie durch ein Seifenbad durchnahm, um zu erfahren, wie die in verschiedenen Verhältnissen angewandte Seife auf Zeuge wirkt, welche durch verschiedene Quantitäten von Kleie gereinigt worden sind, und um durch diesen Versuch zugleich die zu einer Passage erforderliche Quantität von Seife zu bestimmen.

Zur ersten Passage, von zehn Stüken, wurde Ein Pfund weiße Marseiller Seife genommen;

zur zweiten Passage, zwei Pfund Seife;

zur dritten Passage, drei Pfund Seife;

zur vierten Passage, vier Pfund Seife.

Man ließ jedes Mal eine Stunde lang kochen.

Dadurch ergab sich, daß Ein Pfund Seife nur schwach auf den weißen Grund wirkt, besonders bei solchen Stüken, welche vorläufig nur durch siedendes Wasser oder durch Einen Scheffel Kleie genommen worden sind.

Bei den Stüken der zweiten Passage waren das Weiß und die Farben zwar reiner, aber doch noch nicht so rein, wie sie durch eine Seifen-Passage werden müssen, besonders bei Stüken, welche in reinem Wasser und bei solchen, welche in einem Scheffel Kleie ausgekocht worden sind.

Die Stüke der dritten Passage waren schon hinreichend weiß und die Wirkung der Seife zeigte sich bei ihnen nach dem Aviviren der rothen und lilas Farben, besonders aber bei den in Wasser und bei den in Einem Scheffel Kleie ausgekochten Stüken.

Die Stüke der vierten Passage zeigten sich wenig von denen der dritten Passage verschieden, nur schienen die rothen Farben mehr geschönt zu seyn; mehr als drei Pfund Seife anzuwenden, wäre also nur in dem Falle vorteilhaft, wenn man das Schönen der rothen Farben beschleunigen wollte, oder wenn bei schlecht gebleichten Zeugen das Weiß nach dem Ausfärben in Krapp zu schmuzig wäre.

Dritter Versuch.

Um sich zu versichern, ob man ohne Nachtheil in demselben Kleienwasser zwei Passagen vornehmen kann, in dem man bloß Kleie nach der ersten Passage zusezt, wodurch man an Brennmaterial und Zeit ersparen würde, nahm man zehn Stüke durch zwei Scheffel Kleie hindurch, sezte dann zwei Scheffel Kleie zu, und nahm noch zehn Stüke auf dieselbe Art hindurch.

|113|

Es zeigte sich, daß das Weiß der Stüke von der zweiten Passage nicht so vollkommen war, wie das der Stüke von der ersten Passage, aber die Farben schienen bei beiden wenig verschieden: diese Methode könnte also nur bei Stüken von gewöhnlichem Druk mit Vortheil angewandt werden.

Ein anderer Versuch wurde in der Absicht angestellt, das kochende Kleienwasser, welches schon gedient hat, zu benuzen. Nachdem man die Stüke herausgenommen hätte, sezte man zwei bis drei Pfund Chlorkalk-Auflösung zu, um die Farbestoffe, womit sich das Wasser und der rindenartige Theil der Kleie beladen hatten, zu zersezen, worauf man zwei Scheffel Kleie zusezte und noch zehn Stüke durchnahm; obgleich aber die Flüssigkeit entfärbt war u.s.w., zeigte sich doch das Weiß der Stüke von dieser zweiten Passage nicht so vollkommen, wie das der zuerst durchgenommenen.

Vierter Versuch.

Um die Dauer des Kochens zu bestimmen, welche bei einer Reinigung in Kleienwasser erforderlich ist, damit nicht nur der weiße Grund entfärbt wird, sondern auch die Farben geschönt werden, machte man drei Passagen, jede von zehn Stüken, mit gleichen Quantitäten Kleie.

Bei der ersten Passage, mit zwei Scheffel Kleie, ließ man das Kochen fünfzehn Minuten lang dauern;

bei der zweiten Passage, mit zwei Scheffel Kleie, ließ man die Flüssigkeit dreißig Minuten kochen;

bei der dritten Passage, mit zwei Scheffel Kleie, sechzig Minuten.

Es zeigte sich, daß ein fünfzehn Minuten lang anhaltendes Kochen hinreichend ist, wenn man hauptsächlich den weißen Grund zu reinigen beabsichtigt, in gewissen Fällen aber ist ein dreißig Minuten dauerndes Kochen nöthig, um die Farben zu schönen: zwischen den Stüken der beiden lezteren Passagen bemerkte man keinen Unterschied.

Wenn man durch einen größeren Zusaz von Kleie die Dauer des Kochens sehr abkürzen könnte, so wäre dieß eine Ersparniß; denn zu einer Passage von zehn Stüken, die man in einer durch Dampf erhizten Kufe vornimmt, sind ungefähr 50 Kilogrammen gute Steinkohle erforderlich, die 2 Fr. 50 Ct. bis 3 Fr. kosten, während zwei Scheffel Kleie nur 1 Fr. kosten.

Fünfter Versuch.

Um die zu einer Passage von zehn Stüken erforderliche Quantität Wasser zu bestimmen, machte man zwei Passagen, jede von zehn Stüken, mit zwei Scheffel Kleie, und ließ bei jeder die Flüssigkeit eine halbe Stunde lang kochen: zur ersten Passage nahm man 12 Hektoliter Wasser, also die gewöhnliche Quantität; und zur zweiten Passage 6 Hektoliter Wasser.

Der weiße Grund war bei den Stüken beider Passagen nicht merklich |114| verschieden und der Unterschied war vielmehr zu Gunsten der großen Masse Wasser; doch schienen die Farben bei wenig Wasser etwas besser geschönt, und da man durch Verminderung der Wassermenge viel Brennmaterial erspart, so könnte man dieses Verfahren ohne Nachtheil anwenden60).

Sechster Versuch.

Um sich zu versichern, ob die feine Kleie, welche mehr oder weniger Mehl enthält, vorteilhafter als die grobe Kleie ist, und ob dieses Mehl zum Theil als Reinigungsmittel dient, machte man die drei folgenden Passagen:

Die erste Passage mit zwei Scheffel grober (von Mehl gut gereinigter) Kleie;

die zweite Passage mit zwei Scheffel feiner, viel Mehl enthaltender Kleie;

die dritte Passage mit einem Scheffel feiner Kleie und vier Pfund Mehl.

Man erhielt bei allen drei Passagen die Flüssigkeit dreißig Minuten lang im Kochen.

Man fand, daß der weiße Grund der durch grobe Kleie hindurchgenommenen Stüke reiner als bei den Stüken der anderen Passagen war; denn das Weiß war bei den durch feine Kleie und Mehl genommenen Stüken viel weniger gereinigt, als bei den durch grobe Kleie genommenen.

Die feine Kleie wäre also nur zu den Passagen der haarigen Zeuge u. f. w. empfehlenswerth, an welche sich die grobe Kleie anlegt und dann schwer durch Walken wieder beseitigt werden kann.

Mehrere im Kleinen angestellte Versuche bestätigten es ebenfalls, daß das Mehl zur Reinigung der Zeuge, ganz und gar nichts beiträgt. Man gibt also ohne gegründete Ursache im Allgemeinen der feinen und mehligen Kleie den Vorzug; ihr Gebrauch ist mit einem doppelten Verlust |115| verbunden; erstens ist sie theurer und zweitens nimmt sie, bei gleichem Gewichte, einen viel kleineren Raum ein, als die gereinigte Kleie.

Siebenter Versuch.

Um zu erfahren, in wie fern sich in der Praxis die Kleien von verschiedenen Getreidearten als Reinigungsmittel unterscheiden, machte man die drei folgenden Passagen:

Die erste Passage mit zwei Scheffel Weizenkleie;

die zweite Passage mit zwei Scheffel Roggenkleie;

die dritte Passage mit zwei Scheffel Gerstenkleie.

Bei allen drei Passagen wurde die Flüssigkeit eine Stunde lang im Sieden erhalten.

Der weiße Grund der durch Weizenkleie genommenen Stüke war viel reiner als derjenige der anderen Passagen; die Roggenkleie hätte noch ziemlich gut gewirkt, aber die durch Gerstenkleie genommenen Stüke waren fast gar nicht gereinigt.

Achter Versuch.

Um sich zu versichern, ob es vorteilhaft ist, ein Gemenge von Seife und Kleie anzuwenden, nahm man zehn Stüke durch zwei Pfund weiße Marseiller Seife und zwei Scheffel Kleie und ließ die Flüssigkeit eine Stunde lang kochen. Deßgleichen nahm man zehn Stüke durch drei Pfund Seife allein.

Das Weiß war bei der mit Seife und Kleie gemachten Passage wirklich etwas besser entwikelt, als bei der mit Seife allein vorgenommenen; aber die Farben schienen bei beiden wenig verschieden und der Unterschied im Weiß war nicht so beträchtlich, daß man ein solches, übrigens kostspieligeres, Gemenge vorziehen dürfte, es sey denn, daß die Beschaffenheit des Druks es erheischt oder das Wasser, welches man gebraucht, viel erdiges Salz oder andere fremdartige Substanzen enthält: in diesem Falle ist es zwekmäßig, vorläufig das Wasser mit der Kleie zu kochen und selbst etwas Potasche zuzusezen, um einen Theil der Kalksalze zu fällen, und hierauf bloß die Seife zuzusezen.

Neunter Versuch.

Dieser Versuch wurde in der Absicht angestellt, zu erforschen, auf welche Art die Kleie als Reinigungsmittel wirkt; ob das Hautchen, welches das Sazmehl umhüllt, oder der schleimartige und mehlige, in siedendem Wasser auflösliche, Theil für sich die Eigenschaft hat, die färbenden und falben Substanzen, welche nicht innig mit dem Zeuge verbunden sind, auszuziehen, oder ob bloß beide zusammengenommen dieses bewirken können.

Man kochte vier Scheffel Kleie mit der nöthigen Menge Wasser zwei Mal in derselben Kufe, welche zu den Passagen gebraucht wird, |116| jedes Mal zwei Stunden lang aus; der Absud wurde durch eine grobe Leinewand in eine andere Kufe abfiltrirt, um die rindenartigen Theile davon zu trennen, welche man sodann wieder in die Kufe zurükbrachte, worin man sie mit der zu einer Passage erforderlichen Quantität Wassers übergoß; lezteres wurde dann eine Stunde lang im Sieden erhalten und während dieser Zeit zehn Stüke hindurchgenommen; die beiden Absude wurden vereinigt, zum Sieden erhizt, und ebenfalls zehn Stüke eine Stunde lang hindurchgenommen.

Das Weiß derjenigen Stüke, welche die Passage mit dem Rükstand erhalten hatten, war nur schwach gereinigt und hätte einen Stich ins Rosenrothe. Das Weiß der durch den filtrirten Absud genommenen Stüke hingegen war reiner und hatte eher einen Stich ins Gelbliche; es war jedoch bei beiden Passagen lange nicht so rein, wie es bei den auf gewöhnliche Weise durch zwei Scheffel Kleie genommenen Stüken ist; hieraus kann man also schließen, daß sowohl die auflöslichen als die unauflöslichen Theile der Kleie zur Erzielung eines guten Resultates erforderlich sind, was zu der Vermuthung führt, daß das Häutchen der Kleie sich mit einem Theile der in dem Kleienabsud aufgelösten Farbestoffe verbindet.

Freilich wurden diese Versuche nicht mit aller erforderlichen Genauigkeit angestellt; sie wurden auch im Kleinen wiederholt, immer in der Absicht, zu bestimmen, welche Bestandtheile der Kleie hauptsächlich als Reinigungsmittel wirken: zu diesem Ende kochte man die Kleie drei Mal aus, filtrirte alle drei Absüde zusammen durch Leinewand und kochte dann ein mit Krapp gefärbtes Muster darin aus; nach dreißig Minuten langem Sieden war jedoch das Weiß erst zur Hälfte entfärbt; man kochte auch ein Muster mit dem Rükstand oder den unauflöslichen Theilen der Kleie aus; nach dreißig Minuten anhaltendem Sieden war jedoch der weiße Grund nicht mehr verändert, als wenn man das Muster in reinem Wasser ausgekocht hätte.

Ein drittes Muster, welches durch gewöhnliches Kleienwasser genommen wurde, war nach fünfzehn Minuten anhaltendem Kochen weiß.

Ein viertes Muster, welches durch (vorläufig ausgewaschene) Stärke genommen wurde, war nach dreißig Minuten anhaltendem Kochen nicht weißer, als ein gleiches, in reinem Wasser ausgekochtes Muster.

Ein fünftes Muster zeigte sich, nachdem es dreißig Minuten lang in Weizenmehl ausgekocht worden war, nicht merklich gebleicht61).

Es ist durch diese Versuche erwiesen, daß die ganze Kleie wirksamer ist, als jeder ihrer Bestandtheile für sich, und daß das Mehl |117| und das Amilum unnüz sind. Anders verhält es sich mit der schleimartigen Substanz, welche ein Drittel vom Gewichte der Kleie ausmacht und die mit Hülfe der unauflöslichen Theile folgendermaßen zu wirken scheint: in dem Maße, als der schleimartige Absud die Färbestoffe und falben Theile auflöst, bemächtigt sich das Hautchen derselben zum Theil62).

Man troknete den Rükstand einer Kleie, welche schon zu einer Passage von Stüken mit weißem Grunde gedient hätte, aus, um auszumitteln, ob er viele färbende Theile enthält; eben so troknete man Kleie aus, welche zu zwei Passagen für Stüke mit farbigem Grunde gedient hätte; als man aber jenen und diese mit alkalischem Wasser behandelte, waren die Auflösungen ziemlich gleich stark gefärbt. Die Wirkungsart der Seife, als Reinigungsmittel bei den Passagen, scheint leichter erklärt werden zu können, als diejenige der Kleie; denn erstens hat die alkalische Substanz die Eigenschaft, die Färbestoffe aufzulösen, und zweitens hat der öhlartige oder fette Bestandtheil eine sehr große Verwandtschaft zu den Pigmenten, womit er eine unauflösliche Verbindung eingeht und die er also niederschlägt, während er zugleich den Glanz derjenigen Farbestoffe, welche inniger mit dem Zeuge verbunden sind, erhöht.

Bemerkungen.

Da ich durch diese Versuche bloß das wohlfeilste Verfahren bei Anwendung der Kleie ausmitteln wollte, so hätte ich nicht nöthig, ausführlich von den Passagen und dem Aviviren aller Arten von Druk zu handeln, die fast in jeder Fabrik auf eine verschiedene Weise ausgeführt und nach der Localität, dem Wasser, der Art des Druks, der feinen oder gewöhnlichen Waare, der Jahreszeit und dem Klima abgeändert werden.

Ich habe bloß zu bemerken, daß man der Kleie ganz und gar, besonders bei den Krappfarben, entbehren kann, wenn das Wasser keine erdigen Salze enthält: es gibt Fabriken, welche zum Bleichen des Grundes und zum Aviviren der Farben mit sehr gutem Erfolg die Zeuge bloß in eine mit lauwarmem Wasser verdünnte Auflösung von |118| Chlorkalk oder Chlorkali63) eintauchen und darauf eine Passage mit Seife folgen lassen.

Wenn man hauptsächlich den Grund eines in Krapp ausgefärbten Stükes zu bleichen, und nicht auch die rothen Farben zu schönen beabsichtigt, so sind die Passagen mit Kleie sehr zwekmäßig und wohlfeiler als diejenigen mit Seife, besonders wenn der rothe und falbe Farbestoff, welche sich auf dem weißen Grund während des Ausfärbens befestigen, in dem siedenden Krappbade keine zu große Festigkeit erhalten haben.

Die Passagen mit Kleienwasser bieten hinsichtlich der Ersparniß größeren Vortheil dar, als diejenigen mit Seife. Der mittlere Preis der Kleie ist im Elsaß 3 Fr. 50 Ct. bis 4 Fr. für 50 Kilogrammen; zu einer Passage von 10 Stüken von 25 Ellen braucht man 12 1/2 Kilogrammen oder zwei Scheffel Kleie, welche nur 1 Fr. kosten. Der Preis der weißen Marseiller Seife ist ungefähr 60 Fr. für 50 Kilogr., 60 Ct. das halbe Kilogr.; um dieselbe Anzahl Stüke mit Erfolg durch Seife zu reinigen, braucht man drei bis vier Pfund davon; hiernach würde diese Passage auf 1 Fr. 80 Ct. bis 2 Fr. zu stehen kommen; die Seife wirkt jedoch besser als die Kleie, besonders wenn man in gewissen Fällen, wobei Ersparniß nicht unumgänglich nöthig ist und wo es hauptsächlich auf die Erzielung eines lebhaften Roths und eines schönen Weiß ankommt, eine größere Quantität davon anwendet.

Es ist noch zu bemerken, daß mehrere Farben eine Passage mit Kleienwasser bei hoher Temperatur nicht nothwendig erheischen oder nicht ohne Nachtheil ertragen, und daß in diesem Falle zur Reinigung des weißen Grundes kein anderes Mittel übrig bleibt, als sie einige Minuten in dem Kleienbad zu lassen; dann muß man aber immer die Kleie zuvor mit wenig Wasser kochen lassen, worauf man die Temperatur durch Zusaz von kaltem Wasser erniedrigt: auf diese Art macht man die Passage für das Weiß nach dem Ausfärben in Quercitron und einigen anderen Farbebädern.

Die in Wau gefärbten Stüke, und die in Krapp gerötheten Farben, die braunen Farben u.s.w. nimmt man durch ein fast siedendheißes Kleienwasser, aber so, daß man nur ein oder zwei Stüke auf einmal in demselben herumhaspelt und sie nicht länger darin verweilen läßt, als es zur Entfärbung des weißen Grundes nöthig ist.

Man kann bei mehreren Pigmenten, besonders aber bei dem Krapp, die Bemerkung machen, daß, je mehr die Temperatur während des Ausfärbens erhöht und je länger sie unterhalten wurde, desto stärker auch die Färbestoffe und fremdartigen Substanzen, welche sich |119| auf den nicht gebeizten Theil des Zeuges werfen, befestigt werden, und dann eine um so höhere Temperatur erfordern, um durch die Passagen ausgezogen zu werden; wenn man z.B. in einem kochenden Krappbade gefärbt hat, so würde man umsonst zur Passage ein Kleienwasser von 50° C. (40° R.) anwenden.

Man machte eine Passage von zehn Stüken, welche beim Ausfärben fünf Minuten lang im siedenden Krappbade gelassen worden waren, und um zu erfahren, bei welchem Temperaturgrade das Kleienwasser zu wirken anfängt, brachte man sie in ein Kleienwasser von 30° C. (24° R. und erhöhte dessen Temperatur dann allmählich bis zum Kochen; man fand, daß das Kleienwasser erst bei 50° C. (40° R.) merklich auf das Weiß zu wirken anfing und bis zum Siedepunkt immer wirksamer wurde. (Es ist zu bemerken, daß die Kleie dem Wasser bei 30° C. (24° R.) zugesezt wurde, ohne daß sie zuvor gekocht worden war.)

In mehreren Gegenden, wo die Kleie selten ist, ersezt man sie durch Kuhmist: man fängt damit an, die Stüke, wenn sie aus dem Krappbade kommen, einige Tage lang auf dem Bleichplan auszulegen, worauf man sie in einen Absud von Kuhmist auskocht64).

Als man mit Krapp gefärbte Muster in einem Digestor (Papinian'schen Topf) bei hohem Druk in Kleienwasser auskochte, wurde der weiße Grund vollkommen weiß und die Flüssigkeit war ganz und gar nicht gefärbt; die violetten Farben waren graulichblau geworden, ohne daß sie an Intensität verloren hatten.

|111|

Ein Hektoliter beträgt 70,669 Wiener Maaß oder 85,444 Berliner Quart.

A. d. R.

|114|

In den Färbereien, namentlich in den Baumwollenwaaren-Färbereien wird in der Regel sowohl beim Färben als auch bei den Vor- und Nacharbeiten der Baumwollenfabrikate in den meisten Operationen viel zu viel Flüssigkeit in Anwendung gebracht, und gerade in diesem Zweige klebt man dem lieben alten Herkommen noch so fest an, daß man mit vollem Rechte sagen kann, daß diese Färbungsweise, namentlich das Krappfärben sich noch gleichsam in der Kindheit befindet, und dabei an die Hälfte wo nicht noch mehr Krapp ganz überflüssig in Anwendung kommt, wie uns davon unsere Untersuchungen in der Wollen- und Baumwollenfärberei sattsam überzeugt haben. In unserer Kattundrukerei sind beim Krappfärben die Vorarbeiten, nämlich das Troknen der mit Mordant bedrukten Callicos, das Aussieden und Walken ganz beseitigt, und es werden die mit Mordant gedrukten Callicos gleichsam vom Druktisch weg in den Kessel zum unmittelbaren Ausfärben gebracht. Zum Vordruk wird nur ein schwacher Mordant (5 Grade nach Beck = 1,035 spez. Gewicht) angewendet, und in einem Kessel, in dem man in anderen Fabriken höchstens 12 Stüke färbt, werden deren 30 bis 32 Stüke auf ein Mal ausgefärbt, wo bei sehr reichhaltigen Dessins auf ein Stük Callico von 44 brab. Ellen Länge und 7/8 Ellen Breite zu einem kräftigen Roth nicht mehr als Ein Pfund Krapp erforderlich ist.

A. d. R.

|116|

Behufs dieser Versuche wurde ein in Krapp ausgefärbter Zeug in fünf Theile getheilt.

A. d. O.

|117|

Ich machte auf folgende Art eine unvollständige Analyse der Weizenkleie:

Ein Pfund Weizenkleie wurde öfters mit Wasser ausgekocht: die Absüde wurden vereinigt und durch Leinewand filtrirt; beim Erkalten sezten sie eine geringe Menge einer graulichen Substanz ab, von welcher die Flüssigkeit abgegossen wurde; der klare Absud wurde zur Trokniß verdunstet und gab:

Vier Unzen einer bräunlichen brüchigen Substanz, welche hauptsächlich aus Schleim und ein wenig Kleber und Sazmehl bestand.

Eine halbe Unze grauen Rükstand, der sich beim Erkalten des Absudes abgesezt hatte.

Neun Unzen rindige Theile der Kleie.

Zwei und eine halbe Unze Verlust, worin auch das hygrometrische Wasser der Kleie begriffen ist.

A. d. O.

|118|

Wirksamer noch Chlor-Natron.

A. d. R.

|119|

Bei diesem Anlasse verweisen wir auf Kurrer's Abhandlung über die Buntbleiche im Polytechnischen Journale Bd. VIII. S. 169.

A. d. R.

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