Titel: Miszellen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 33, Nr. LI. (S. 150–160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj033/ar033051

LI.  Miszellen.

Verzeichniß der im Jahre 1829 zu London ertheilten Patente.

Dem Maxwell Dick, Buchhändler zu Irvine in der Grafschaft Air: auf eine verbesserte Eisenbahn und eine Methode Wagen darauf durch Maschinerie fortzubewegen, um Passagiere, Briefe, Zeitungen, Pakete und andere Güter mit großer Schnelligkeit zu befördern. Dd. 21. Mai 1829.

Dem Thomas Robinson Williams, Esq. Norfolk Street, Strand, in der Grafschaft Middlesex: auf Verbesserungen in der Verfertigung des Filzes oder einer Substanz von ähnlicher Beschaffenheit, welche zur Bekleidung der Schiffsböden und zu anderen Zweken anwendbar ist. Dd. 23. Mai 1829.

Dem Thomas Arnold, Blechschmied zu Hoxton, in der Grafschaft Middlesex: auf einen neuen oder verbesserten Apparat oder Maaß, um die Qualität oder Stärke gewisser geistiger oder anderer Flüssigkeiten auszumitteln und um die Menge solcher Flüssigkeiten zu messen, welche aus dem Gefäß oder Behälter, worin sie eingeschlossen sind, abgezogen wurde, dieser Apparat kann so eingerichtet werden, daß er jeden dieser Zweke, wenn man dieses will, allein erfüllt. Dd. 26. Mai 1829.

Dem William Poole, Schmied in der Pfarrei St. Michael on the Mount, in der City von London: auf gewisse Verbesserungen an der Maschinerie, welche zum Forttreiben der Bothe dient, so wie um Mühlen und Maschinen in Bewegung zu sezen. Dd. 26. Mai 1829.

Dem Charles Turner Sturtevant, Seifensieder zu Hackney, in der Grafschaft Middlesex: auf gewisse Verbesserungen in der Seifenfabrikation. – Dd. 26. Mai 1829.

Dem Joseph Clisild Daniell, Tuchmacher zu Limpley Stoke, in der Pfarrei Bradford, in der Grafschaft Wilts: auf gewisse Verbesserungen an der Maschinerie zum Dressiren wollener Tücher. Dd. 26. Mai 1829.

Dem Ross Winans, der früher zu Vernon in der Grafschaft Sussex, dann in dem Staate New Jersey, einem der vereinigten Staaten Nordamerika's sich aufhielt, jezt aber in London ansässig ist: auf gewisse Verbesserungen, wodurch die Reibung an Wagenrädern, Rädern für Eisenbahnen und anderen Rädern vermindert wird, welche Verbesserungen auch zu anderen Zweken anwendbar sind. – Dd. 28. Mai 1829.

Dem William Mann, Gentleman zu Effra Road, in der Pfarrei Lambeth, in der Grafschaft Surrey: auf die Anwendung comprimirter Luft, um feststehenden und wandelbaren Maschinen, Fuhrwerken und Dampfwagen, Schiffen, Bothen und anderen schwimmenden Körpern Kraft und Bewegung mitzutheilen. Dd. 1. Juni 1829.

Dem Andrew Gottlieb, Schlosser, Jubilee Place, Mile-end Road, in der Grafschaft Middlesex: auf gewisse Verbesserungen an oder Zuthaten zu Schlössern und Schlüsseln. Dd. 1. Juni 1829.

Dem John Smith, Mehlmüller zu Bradford, in der Grafschaft York: auf gewisse Verbesserungen an den Maschinen zum Reinigen des Mehles. Dd. 4. Juni 1829.

Dem Charles Brook, Baumwollspinner zu Mielham Mills, bei Huddersfield, in der Grafschaft York: auf gewisse Verbesserungen an den Maschinen zum Spinnen der Baumwolle und anderer Faserstoffe. Dd. 4. Juni 1829.

Dem Robert Porter, Eisenfabrikant zu Carlisle, in der Grafschaft Cumberland: auf gewisse Verbesserungen in der Verfertigung von Vorder- und Hinterabsäzen für Stiefel und Schuhe. Dd. 13. Juni 1829.

Dem Francis Day, Optiker zu Poultry in der City von London, und August Münch, Mechaniker ebendaselbst: auf gewisse Verbesserungen an musikalischen Instrumenten. Zum Theil von einem Fremden mitgetheilt. Dd. 19. Juni 1829.

Dem Charles Wheatstone, Verfertiger musikalischer Instrumente, N. 436. im Strand, in der Grafschaft Middlesex: auf gewisse Verbesserungen an Blase-Instrumenten. Dd. 19. Juni 1829.

Dem Moses Poole, Gentleman zu Lincolns-Inn: auf eine verbesserte Maschine |151| zum Kneten des Teiges. Dd. 19. Juni 1829. –

(Aus dem Repertory of Patent-Inventions, Juli 1829 S. 446.)

Verzeichniß der erloschenen englischen Patente.

Des John Lingford, Gentleman zu Woburn Place, Russel Square, in der Pfarrei St. George, Bloomsbury, in der Grafschaft Middlesex: auf sein anatomisches, sich selbst regulirendes Bruchband. Dd. 1. Juni 1815.

Des John Kilby, Bräuers in der City von York: auf seine Verbesserungen in der Bierbrauerei. Dd. 1. Juni 1815.

Des Benjamin Stevens, Gentleman N. 42., Judd-Street, St. Pancras, in der Grafschaft Middlesex: auf seine verbesserte Methode, harte und weiche Seife zum häuslichen Gebrauch und zum Gebrauch auf der See zu machen. Dd. 3. Juni 1815.

Des Richard Trevithick, Esq. zu Camborne, in der Grafschaft Cornwall: auf gewisse Verbesserungen an Hochdruk-Dampfmaschinen und deren Anwendung mit oder ohne andere Maschinen zu nüzlichen Zweken. Dd. 6. Juni 1825.

Des Julien Jorett, Kräzmüllers zu Wells Street, Oxford Road, und John Postel, Gentleman zu Great Suffolk Street, Charing Cross, in der Pfarrei St. Martin in the Fields, in der Grafschaft Middlesex, und Lewis Contesse, Juweliers zu Bateman's Buildings, in der Pfarrei St. Anne's Soho, in der Grafschaft Middlesex (in Folge einer ihnen von einem Ausländer gemachten Mittheilung): auf eine Methode vermittelst gewisser Apparate Gold und Silber aus der Asche der Gold- und Silberfabrikanten auszuziehen. Dd. 8. Juni 1815.

Des Charles Whitlow, Botanikers, New-York Coffeehouse, Sweeting's Alley, in der Grafschaft Middlesex: auf die Verfertigung gewisser Fabrikate aus gewissen Pflanzen von der Gattung urtica und asclepium (welche in Nord-Amerika wachsen und bisher in diesem Königreiche noch nicht benuzt wurden), womit man die Producte, welche man gewöhnlich aus Flachs, Hanf, Baumwolle, Seide und anderen Faserstoffen oder ihren Samen und Theilen erhält und verfertigt, vortheilhaft erhalten und darstellen kann. Dd. 14. Juni 1815.

Des James Gardner, Mechanikers zu Banbury, in der Grafschaft Oxford: auf Verbesserungen an einer Maschine zum Schneiden des Heues und Strohes. Dd. 14. Juni 1815.

Des William Pope, Parfümirers, St. Augustines Place, in der City von Bristol: auf gewisse Verbesserungen an Wagenrädern, so wie in dem Verfahren die genannten Räder mit oder ohne Hülfe von Thieren in Bewegung zu sezen, welche Verfahrungsweisen auch zu anderen Zweken anwendbar sind. Dd. 14. Juni 1815.

Des Robert Brown, Eisengießers zu Burnham Westgate, in der Grafschaft Norfolk, auf gewisse Verbesserungen an Pflügen. Dd. 14. Juni 1815.

Des John Taylor, zu Stratford, in der Grafschaft Essex, Fabrikanten chemischer Producte: auf Verbesserungen in der Leuchtgas-Bereitung. Dd. 14. Juni 1815.

Der Grace Elizabeth Service, Spinnerin zu Arnold Place, Newington: auf ihre neue Methode Stroh mit Gaze, Tull, Gewebe und anderen ähnlichen Artikeln zu Hüten, Kappen, Arbeitskörbchen und anderen Artikeln zu verarbeiten. Dd. 17. Juni 1815.

Des Charles Silvester, Mechanikers zu Derby, in der Grafschaft Derby: auf mannigfaltige Verbesserungen im Weben der Bobbinspizen. Dd. 22. Juni 1825.

Des Robert Dickinson, Esq. Great Queen Street, Lincoln's Inn Fields, in der Grafschaft Middlesex: auf Verfahrungsweisen, wodurch das Forttreiben der Bothe und anderer Fahrzeuge durch das Wasser erleichtert und sicherer gemacht wird. Dd. 22. Juni 1815.

Des John Taylor, Fabrikanten chemischer Producte, zu Stratford, in der Grafschaft Essex: auf gewisse Verfahrungsweisen, um den Zuker zu reinigen und zu raffiniren. Dd. 22. Juni 1815.

Des Robert Baines, Leimfabrikanten in der Stadt und Grafschaft Kingston-upon-Hull: auf seine Verbesserungen in der Einrichtung vertikaler Windmühlen-Segel. Dd. 22. Juni 1815.

Des Samuel Balden, Müllers zu Reddich, in der Grafschaft Worcester, |152| und John Burtonshaw, Oefenverfertigers, Green Street, Bennett's Row, Blackfriars Road, in der Grafschaft Surrey: auf einen Apparat oder ein Instrument, um die Oefen besser zu heizen. Dd. 24. Juni 1815.

Des Samuel John Smith, Färbers zu Graythorn, Manchester, in der Grafschaft Lancaster: auf ein Verfahren Seide, Wolle und Baumwolle zu färben und zu druken. Dd. 24. Juni 1815. –

(Aus dem Repertory of Patent-Inventions, Juli 1829, S. 443.)

Preis von 2000 und von 1500 Franken auf eine Maschine zum möglich wohlfeilsten Dreschen und Schwingen des Getreides, welche bloß durch die Kraft eines Menschen in Bewegung gesezt wird.

Die Société royale et centrale d'Agriculture wird diesen Preis in ihrer öffentlichen Sizung im J. 1830 zuerkennen. Die Maschinen und Beschreibungen müssen an das Secretariat der Société vor dem 1. Jäner 1830 eingesendet werden.

Die Société bemerkt, daß man immer mehr und mehr den Vortheil der Dresch-Maschinen (vorzüglich jener des Hrn. Meckle) vor dem gewöhnlichen Dreschen einzusehen beginnt, daß aber diese Maschinen viel zu kostbar und zu zusammengesezt sind, um dem ärmeren Landwirthe nüzen zu können. Sie wünscht diese Maschinen vereinfacht und wohlfeiler, für jede kleine Landwirthschaft brauchbar gemacht zu sehen. Um den Preiswerbern sich recht deutlich und verständlich zu machen, beginnt die Société in ihrem Programme mit einer Art von Theorie des Dreschens, und sagt, „daß die Hülle, die die Getreidekörner in der Aehre umgibt, eine gewisse Kraft erfordert, durch welche sie allein gebrochen werden kann, und daß diese Kraft entweder durch Klopfen oder durch Reibung angewendet werden kann; daß diese Kraft gleichförmig und aus die Aehre allein wirken muß, wenn sie mit wahrem Vortheile angewendet werden soll.“

„Nun wird aber nach der gewöhnlichen Methode zu dreschen, entweder mittelst der Flegel oder durch das Austreten mittelst der Pferde, die Kraft sowohl auf das Stroh als auf die Aehre verwendet, und alle Kraft, die auf das Stroh fällt, ist verloren. Ueberdieß entgehen auch viele Aehren noch der Einwirkung dieser Kraft. Ferner ist das Dreschen mittelst der Flegel eine langsame ermüdende, kostbare und selbst der Gesundheit schädliche Arbeit.“

„Die Gesellschaft wünscht daher eine einfachere und wohlfeilere Maschine, als jene des Hrn. Meckle.“

„Die bisherigen Handmühlen zum Reinigen und Schwingen des Kornes beruhen auf folgenden Grundsäzen. Wenn Körper durch ein Mittel fallen, welches Widerstand leistet, so verhält sich die Geschwindigkeit ihres Falles, wie ihre specifische Schwere: je höher also diese Körper fallen werden, desto mehr werden sie sich im Falle von einander entfernen. Nach diesem Grundsäze kann man sie also von einander scheiden, wenn man, so tief als möglich, einen Luftzug anbringt, durch welchen man die Körner durchfallen läßt: die leichteren Körper werden davon gesagt werden, und am Ende des Falles wird die Ausscheidung derselben so vollkommen geschehen seyn, als es auf diese Weise möglich war. Läßt man nun die Körner sammt den Spelzen in einer dünnen Schichte durch einen solchen Luftzug so durchfallen, daß die leichteren Theilchen weggejagt werden können, ohne daß die schweren ein Hinderniß bilden; bringt man eine Scheidewand an, die die guten schweren Körner von den leichten Theilchen des Getreides scheidet; läßt man das Korn eine längere Zeit über diesem Luftstrome ausgesezt; so wird die Absonderung der schweren Theile von den leichteren auf ein Mal geschehen können.“

„Wie ist aber diese Theorie bei den gewöhnlichen Handmühlen angewendet? Bei den meisten derselben fällt das Korn sammt den Spelzen in einer 15 Zoll breiten Schichte durch einen Luftzug, der kaum tiefer ist, als 8 Zoll, während es in einer Schichte von einem halben Zoll Dike durch einen Luftzug von 3 Fuß Tiefe fallen sollte, so daß man bei einer solchen Handmühle einen sehr starken Windstoß braucht, um alle Spelzen und Streue zu beseitigen. Der Lolch und die übrigen leichten Körner lassen sich auf diese Weise auch nicht von dem Korne sondern, in dem dieß in zu großer Menge von einer unbedeutenden Höhe auf ein Mal herabfällt, und so dem Luftzuge den Weg verlegt. Man muß daher dasselbe Korn oft zwei bis drei Mal und noch öfter durch die Handmühle laufen lassen. Die Praxis steht demnach hier in keinem Verhältnisse zur Theorie.“

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„Die Société wünscht eine solche Handmühle zum Schwingen des Getreides, welche die Theorie mit der Praxis verbände, und entweder mit der Druk-Maschine zugleich, oder einzeln gebraucht werden könnte.“

1) Die Druk-Maschine, welche mit der Hand in Bewegung gesezt wird, muß wenigstens um ein Viertel mehr dreschen, als ein Mensch mit dem Flegel zu dreschen vermag. (Ein Drescher in Frankreich drischt täglich 3 Ztr. (150 Kilogr.) Korn, und schwingt es.)

2) Der Preis derselben darf nicht höher zu stehen kommen, als daß ein kleiner Landwirth denselben zu erschwingen vermag.

3) Sie muß dauerhaft seyn, und wenig Unterhaltung kosten.

4) Muß damit zwei Monate lang im Großen gearbeitet haben.

Ueber Steenstrup's Triebmaschine,

von welcher wir im Polyt. Journ. Bd. XXXI. S. 172 Nachricht gaben urtheilt das Repertory nicht so günstig. Es findet, daß dieselbe wenig oder gar nichts Originelles besizt, und aus Stoffen besteht, die in noch unverfallnen Patenten vorkommen. Der Kessel oder Dampf-Erzeuger ist dem zweiten Kessel in Gurney's Patent vom October 1825 ähnlich, von welchem im Repertory pres. Ser. Bd. III. S. 173. (Polyt. Journ. B. XXIX. S. 1.) Nachricht gegeben wurde. Die vielen senkrechten Röhren sind offenbar die des Hrn. Drs. Alban, für welche Hr. Raddatz im Mai 1825 ein Patent nahm. (Repert. II. B. S. 140. Polyt. Journ. B. XXXII. 1.) Kessel dieser Art sind aber sehr jener Art von Explosion ausgesezt die durch plözliche Verdichtung des Dampfes entsteht, worüber Perkins einen eigenen Aufsaz schrieb, der im Repert. V. B. S. 40. (Polyt. Journ. B. XXV. S. 353.) im Auszuge sich findet. Indessen hat dieser Kessel zwei gute Eigenschaften; die erste ist, daß man die äußere Hülle zur Ausbesserung und Reinigung leicht wegschaffen kann; die zweite, der Umlauf des heißen Wassers mittelst der senkrechten Röhren, wodurch auch der Bodensaz in den Röhren selbst vermindert wird. Auf der anderen Seite hindern aber die vielen Röhren, die durch das Feuer laufen, auch beim Heizen, und können durch die beim Schüren nöthigen Werkzeuge leicht gebrochen werden. Die, von dem Patent-Träger vorgeschlagene, Biegung der Röhren wird diese lezteren nicht hindern die gegenüberstehenden Seiten des inneren Kessels zu drüken, wenn sie nicht aus biegsamem Metalle sind, und dann werden sie zu schwach seyn. Auch die Weise, wie der innere und äußere Kessel verbunden ist, gewahrt keine Dauer, in dem der innere Kessel, welcher der unmittelbaren Wirkung des Feuers ausgesezt ist, sich mehr ausdehnt als der äußere, und folglich auch, wenn das Feuer ausgelöscht wird, sich mehr zusammenzieht, und auf diese Weise Sprünge etc. erzeugt.

Die sich drehende Dampfmaschine des Patent-Trägers ist gleichfalls keine neue Vorrichtung. Hr. Galloway hat, in seinem Patente vom December 1826, und vor ihm hat Marquis Combis im Junius desselben Jahres, und lang vor beiden, schon im J. 1790, hat Hr. Brahmah einen Stämpel mit umdrehender Bewegung angewendet. Diese Patente finden sich alle im Repertory (und mit Ausnahme jenes von Hrn. Bramah) auch im Polyt. Journ. Der krumme Schieber des Hrn. Steenstrup macht keinen so bedeutenden Unterschied, und ist schwer zuzurichten, daß er genau paßt und schließt. Der innere sich drehende Cylinder vermindert indessen dadurch, daß der Ring, in welchen der Stämpel läuft, weiter vom Mittelpunkte entfernt ist, den Fehler, den alle Dampfmaschinen mit umdrehender Bewegung besizen, um vieles. Ueber diesen Fehler der Dampfmaschinen mit umdrehender Bewegung hat Hr. Tredgold in seinem Werke über die Dampfmaschine und im Repertory VII. B. S. 237. zugleich mit einem Hrn. B. (Ebendaselbst) Mehreres vorgetragen.

Die Ruder-Räder mit den sich drehenden Rudern sind gleichfalls nicht neu. Ein Modell eines solchen Rades hat Hr. Haley zu Dublin schon vor 30 Jahren verfertigt. Mit diesem Rade sollte ein gedektes Both unter Wasser gerudert werden: wahrscheinlich ist dieses Rad noch in den Händen der Familie des Hrn. Haley. Hr. Hill ließ zeither sich ein Patent auf ein ähnliches Rad ertheilen. (Febr. 1825. Repertory II. B.) Es scheint indessen kein besonderer Vortheil aus diesen Rädern hervorzugehen, wenn sie so, wie die übrigen Ruderräder, mit |154| ihrem unteren Theile unter dem Wasser sind; und wenn sie ganz unter dem Wasser laufen, werden sie nur das Schiff in seinem Laufe hindern.

Wichtige Beiträge zur höheren Mechanik

befinden sich in den Memorie di Matematica e di Fisica della Società italiana delle Scienze residente in Modena. Tomo XX. Modena 1828. tipograf. Camerale; z.B. Reduction der Kreisbogen auf imaginäre Logarithmen v. Calandrelli; Theorie der zusammengesezten Bewegung von Zamboni; (man vergleiche über lezteren Gegenstand auch die in Deutschland wenig bekannten italiänischen Werke: Note ed aggiunte agli aurei Elementi di meccanica ed idraulica di Venturoli. – Sul principio della composizione delle forze, del S. Ab. Magarotto. Vicenza. 1826. – Il parallelogrammo delle forze dimostrate in quanto alla direzione della risultante in una nuova maniera elementare, del Ab. Follador. Padova. 1827. – Nuove ricerche intorno ai sistemi di forze equivalenti ad una forza unica; del Prof. Geminiano Poletti. Pisa. 1827.) über einige Eigenschaften bei Flächen etc. von Caet. Giorgini. (Vergl. Biblioteca italiani. Aprile. 1820. S. 37.)

Hrn. John Hawks's Kettentaue,

von welchen wir im Polytechn. Journ. B. XXXI. S. 412 bereits Nachricht gegeben haben, werden jezt auch im Repertory of Patent-Inventions, Junius S. 366 gelobt, vorzüglich deßwegen, weil sie an beiden Enden, wo die Abnüzung größer ist, stärker sind, und weil sie nicht im Buge geschweißt werden, wo die Spannung immer am stärksten ist, sondern an der Seite, so daß also der schwerste Theil, die geschweißte Stelle, dorthin fällt, wo am wenigsten Gefahr droht. Das Repertory meint jedoch, die Stüzen könnten wegbleiben, in dem die Kette dadurch um 1/6 schwerer wird, aber nicht um eben so vieles stärker.

Schiffsbau in England im October, J. 1828 und 1829.

Im J. 1828 wurden vom Stapel gelassen Bombay von 84 Kanonen (in Indien); Hotspur von 45 Kanonen zu Pembroke; Speedy, Cutter von 8 Kanonen zu Pembroke; Nimsod von 20 Kanonen zu Deptford; Pearl von 20 Kanonen zu Colchester; Sparrow Cutter von 10 Kanonen zu Pembroke; Comet von 18 Kanonen ebendaselbst; Snipe Cutter von 8 Kanonen ebendaselbst; Royal Adelaide von 110 Kanonen zu Plymouth; Clyde von 45 Kanonen zu Woolwich. Im Baue stehen zu Deptford: Worcester von 52 Kanonen; zu Woolwich: Trafalgar von 120 Kanonen; Thunderer von 84; Boscaven von 80;. Chichester von 52; zu Chatham: Waterloo von 120 Kanonen; London von 92; Monarch von 84; zu Portsmouth: Royal Frederick von 120 Kanonen; Neptune von 120; Indus von 80; President von 32; zu Plymouth: Saint George von 120; Nila von 92; Hindostan von 80; Valiant von 76; Liverpool von 52; Jamaica von 52; Pembroke: Royal William von 120 Kanonen; Rodney von 92; zu Bombay: Calcutta von 84 Kanonen; zu Kingston in Canada: Canala von 104 Kanonen; Wolfe von 104. Ueberdieß stehen noch 75 Schiffe von minderer Größe im Baue, von welchen einige jedoch ziemlich bedeutend: 14 derselben führen nämlich 46 Kanonen. (United service Journal. Register of Arts. N. 69. S. 833.)

Versuche mit Ruderrädern und Ruderbothen.

Die Galathea von 42 Kanonen wurde vor dem Hafen von Portsmouth mit Ruderrädern versucht, die von der Bemannung, 190 Mann getrieben wurden. Sie lief 3 Knoten in Einer Stunde, während der Briton von gleicher Größe, von seinen Bothen und von den Bothen eines anderen Schiffes mit gleicher Mannschaft in's Tau genommen und gerudert, in derselben Zeit nur 2 Knoten und 2 Faden weiter kam. Das Bugsiren, durch einzelne Ruderer in Bothen steht demnach |155| den Ruderrädern an Schiffen nach. Mech. Mag. N. 303. 30. Mai S. 256. (Nun sollte aber der Versuch umgekehrt, die Ruderräder sollten auf die Bothe gebracht, und dann das Schiff in's Tau genommen oder bugsirt werden. Ue.)

Hrn. Neilson's eisernes Dampfboth.

Hr. Neilson zu Glasgow, einer der besten Baumeister der Dampfbothe, baut jezt ein solches Fahrzeug aus Eisen: Kiel-Länge 90 Fuß, Verdek 100. Breite 15 Fuß. Es wird ein Eil-Schiff. (Galignani N. 4411.)

Die schnellste bisher bekannte Fahrt von N. Amerika nach Europa

ergab sich Anfangs dieses Jahres. Am 3. Januar langte das Schiff: the Silas, Capt. Richards von New-York zu Liverpool in 19 Tagen an: machte also täglich 168 engl. Seemeilen. Noch schneller kam das Paket-Both Edward Bonaffe; es lief in 16 Tagen von New-York nach Havre, eine Streke von 3,225 englische Seemeilen, machte also täglich über 200. (Observer. Galignani. N. 4413.)

Verbesserte Hähne für Dampfmaschinen. Von Hrn. Louvrier Gaspart.

Der Industriel bringt im August-Hefte 1828 S. 211. (der Bulletin de Sc. techn. im Januar l. J. S. 67.) folgende Verbesserung des Herrn Gaspart an den Hähnen der Dampfmaschinen, welche, sie mögen auch noch so sorgfältig gearbeitet seyn, bei starkem Druk immer Dampf entweichen lassen, und, bei der Form, die man ihnen bisher gab, immer entweichen lassen müssen. Hr. Gaspart dachte eine solche Form der Hahne aus, daß der Dampf, in dem er über die Schraube des Hahnes hinzieht, Statt dieselbe loker zu machen, sie vielmehr kräftig gegen den Stiefel derselben andrükt, so daß nichts entweichen kann.

Die neue von Hrn. Gaspart für den Stiefel und für die Schraube des Hahnes vorgeschlagene Form ist die eines abgestuzten Kegels, dessen dünneres Ende oben ist. Die Schraube ist in ihrer Mitte, bis in eine gewisse Entfernung von der Spize mit einem ähnlichen Loche durchbohrt, und da sie den Dampf mit ihrer Basis aufnimmt, so drükt dieser Dampf, der von unten nach aufwärts wirkt, im Verhältnisse zur Stärke seiner Elasticität von unten nach oben, und drükt in eben diesem Verhältnisse die äußere Wand der Schraube an die innere des Stiefels. Lezterer ist, um dem Dämpfe Ausweg zu geben, mit einer Dille versehen. Der Dampf tritt in diese Dille durch ein Auge oder durch eine kreisförmige Oeffnung, die in der Dike der Schraube angebracht ist. Leztere wird entweder mittelst einer Stange, oder durch eine Kurbel gedreht, die man durch ein Loch am Scheitel der Schraube stekt. Man kann diese Anlaß-Dillen an diesem neuen Hahne vervielfältigen, ohne daß deßwegen der Hahn minder genau sperrte; nur muß dafür gesorgt werden, daß der Dampf immer von unten oder von dem breiten Theile der Schraube komme.

Ueber Hrn. Child's geometrische Drehebank zur Zeichnung krummer Linien.

Wir haben diese Drehebank und diese Zeichnungen unseren Lesern schon so oft in unseren Blättern empfohlen. Dr. Greenwood versichert nun im Mechan. Mag. N. 304., 6. Jun. 1829. S. 267., daß schon vor 43 Jahren ein Herr Whitehead zu Halifax ihm solche Zeichnungen vorwies (von welchen auch im Mechan. Mag. a. a. O. drei sehr schöne Muster gezeichnet sind) und ihm erzählte, daß ein Knabe (a boy) in der Nachbarschaft diese Zeichnungen auf seiner Drehebank auf Metall, Holz etc. gravire. (Während sich nun ausgezeichnete Geometer, Ibbetson, Child etc. um das Verdienst der Erfindung der geometrischen Drehebank streiten, finden wir einen Knaben,“ dessen Name verschwunden ist aus der Reihe der Erfinder, als den ersten Erfinder dieser Art von Drehebänken in England. Ue.)

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Ornamente für Baumeister, Bildhauer, Gold- und Silber-Arbeiter.

Die Herren Architekten Jenkins und Hosking haben bei Charpenter and Son zu London ein Werk unter dem Titel:

„Selection of architectural and other ornaments, greek, roman and italian, drawn from the originals in various Museums and buildings in Italy“

in 5 Heften herausgegeben, welche fünf lithographische Platten enthalten. Diese Sammlung enthält Ornamente aus den blühendsten Zeiten der Griechen und Römer und der Italiäner des 15ten Jahrhundertes, die nach der Versicherung des London Magazine und des Register of Arts N. 69., 29. Mai S. 332., äußerst elegant und geschmakvoll sind, und Architekten, Bildhauern, Gold-, Silber- und Bronze-Arbeitern von großem Nuzen seyn können.

Ueber Holzschnitte

theilt Hr. A. J. Mason am Ende April's eine äußerst interessante Vorlesung mit. Er zeigte, durch Exemplare und Drukformen aus der an Incunabeln so reichen Spencer'schen Bibliothek, daß die Kunst des Holzschnittes im Anfange der Erfindung der Buchdrukerei, wo eigentlich in Holz stereotypirt wurde, und der ganze Saz einer Seite in Holz geschnitten wurde, auf der höchsten Stufe der Vollkommenheit stand; daß, als man später anfing, mit beweglichen Lettern zu druken, diese Kunst so sehr in Verfall gerieth, daß man sie beinahe ein ganzes Jahrhundert lang als verfallen und verloren betrachten konnte77). Bewik war der Erste, der sie (in England) wieder vom Tode erwekte, und so roh auch seine Arbeiten ausfielen, erhielt er doch von der Society of Arts Preise und Belohnung. Thurston, Branston, Hervey u.a., auch Hr. Mason selbst, stellten diese Kunst im Verlaufe von 50 Jahren nicht bloß wieder her, sondern übertrafen selbst die alten Meister. Ehevor schnitt man die Formen (Mödel) (meistens Buchs-Baumholz) nach der Länge der Fasern; gegenwärtig schneidet man sie aber stets gegen die Faser, wodurch die Arbeit feiner und zarter wird. Hierdurch entsteht aber der Nachtheil, daß die Drukformen kleiner ausfallen, selten größer werden, als ein Octav-Blatt, und daß, wenn die Zeichnung groß wird, man mehrere Formen an einander schrauben muß: ein Verfahren, das nicht bloß schwierig, sondern auch gefährlich ist. Hervey's Zeichnung des Dentatus fordert nicht weniger als sechszehn Drukformen. Unsere heutigen Holzschneider haben, wie Hr. Mason vorwies, auch ganz andere Werkzeuge, als die Alten: Hr. Mason fertigte während der Vorlesung in wenigen Minuten ein paar sehr nette Bildchen. Er bemerkte, daß die Chinesen in dieser Kunst außerordentliche Fortschritte machten, und daß, obschon es in China mehr denn noch ein Mal so theuer ist, als in England, man sehr schöne Holzschnitte zu Canton für Einen Dollar und Ein Viertel bekommen kann, die man in England mit 3 bis 4 Pfd. (36–48 fl.) bezahlen müßte. Hr. Mason schloß mit einigen Bemerkungen über die Schwierigkeit dieser Kunst, die weit schwerer ist, als Kupfer- oder Stahl-Stich. Der Holzschneider kann nämlich seine Fehler nie wieder gut machen: jeder Schnitt muß bleiben, wie er war, gut oder schlecht78). Er wird noch eine Vorlesung über diesen Gegenstand halten, und wahrscheinlich bei den Vortheilen verweilen, welche der Buchhandel jezt durch die Holzschnitte in Büchern erhält.

Le Blond's Firniß für Kupferstiche.

Man nimmt von Copaiva-Balsam 4 Pfund, gepulverten Copal, 1 Pfd., wovon man täglich eine Unze dem Balsam zusezt, den man an einem warmen Orte oder in der Sonne hält, und öfters umrührt. Nachdem Alles aufgelöst ist, sezt man eine hinlängliche Menge Terpenthin-Geist zu. Mechan. Mag. a. a. O. (Dieser Firniß wird zu gelb ausfallen.)

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Steine zur Lithographie in Frankreich.

Hr. A. Chevalier meldet im Nouveau Journal de Paris, 28. Febr. l. J., daß er zu Vermanton, bei Auxerre, in Burgund, sehr gute Steine zur Lithographie gefunden habe. Er machte den Maire hierauf aufmerksam, erhielt aber von seiner Herrlichkeit nicht ein Mal eine Anwort. Bei dieser Gelegenheit erfahren wir, daß in den Jahren 1823–24 für 139,420 Franken Steine zur Lithographie aus dem Auslande, (also aus Bayern) eingeführt wurden. Mancher solche Stein kommt in Frankreich auf 60 Franken; von Vermanton nach Paris gebracht würde er nur 30 Sous kosten. (Bulletin de Scienc. technol. April S. 366.)

Memento Mori für Baumeister.

Am 1sten April versammelten sich die Abgeordneten der Baumwollen-Spinner zu Manchester, Stockport, Bolton, Oldham, Burysc in dem neu erbauten Gasthofe: Norfolk Arm Inn, Hyde, um gegen die Beschlüsse der Spinn-Meister (Spinn-Masters), welche verlangten, daß jeder Arbeiter eine Urkunde unterzeichnen soll, kraft welcher er sich verbindet, keinen anderen Arbeiter, der wegen Verminderung des Arbeitslohnes austritt, mittelbar oder unmittelbar zu unterstüzen, einen Gegenbeschluß zu unterzeichnen. Um 8 Uhr Abends waren bereits 600 Menschen in dem Saale des Gasthofes versammelt, und der Abgeordnete von Stockport hätte so eben unter großen Beifalls-Bezeigungen seine Rede geendet, als man bemerkte, daß einer der Hauptbalken am Fußboden nachgab. Man riß die Fenster auf, durch welche diejenigen, die denselben am nächsten standen, hinaussprangen, und sich fürchterlich beschädigten: ungeachtet dieser Erleichterung brach aber dennoch der Boden ein, und die ganze Versammlung fiel durch, und ward unter den Trümmern begraben. Die Leute, die zur Hülse herbeigerufen wurden, glaubten man habe sie zum Besten, weil eben der erste April war, und so verging einige Zeit, bis Hülfe kam. 27 Personen beiderlei Geschlechtes wurden todt aus dem Schutte hervorgezogen, und zwischen 30 und 40 sind so schwer verwundet, daß man an ihrer Rettung verzweifelt. Das Haus war viel zu leicht erbaut. Courier. Galignani. N. 4392.

Hrn. Brook's verbesserte Ofen zur Leuchtgas-Bereitung aus Steinkohlen,

worauf derselbe am 6. März 1828 ein Patent nahm, wird im Repert. of Patent-Inventions. Jun. S. 358 gelobt, die ohne Abbildung gegebene Beschreibung ist aber unverständlich. Ueber einige wichtige Mängel an diesem Ofen verweist das Repertory auf Grafen Rumford's Werk. Da dieses Werk des unsterblichen Rumford bereits sehr selten geworden ist, und da es noch immer eines der besten Werke über Pyrotechnik ist, so wäre es wohl sehr zu wünschen, daß irgend eine Buchhandlung eine neue, mit dem Texte des Originales verglichene Auflage von demselben veranstaltete, damit unsere Gewerbsleute, die Feuer brauchen, Brenn-Material ersparen lernten. Rumford kam für sein Jahrhundert zu frühe; wir sind ihm jezt nachgerükt, und fangen jezt erst an einzusehen, wie sehr wir eilen müssen um dahin zu gelangen, wo Rumford vor 50 Jahren stand.

Hize, in welcher Menschen in England arbeiten.

Das Mechanics' Magaz. N. 298 bemerkt, in Hinsicht auf die Angabe der Temperatur, in welcher die Feinspinner zu Manchester nach Mechanics' Magaz. N. 296 arbeiten müssen (nämlich in einer Temperatur von 90 bis 100° Fahr. (25–30° R.), daß in den Bergwerken zu Tyne und Wear das Thermometer auf 53° R. steht.

Salpetersaures Silber als Prüfungsmittel auf vegetabilische und animalische Substanzen.

Hr. John Davy bemerkt, daß salpetersaures Silber in reinem Wasser aufgelöst, durch die Sonnenstrahlen nicht verändert wird; wenn aber die geringste |158| Menge einer vegetabilischen oder animalischen Substanz gegenwärtig ist, wird die Auflösung (purpurroth) gefärbt und mit gewöhnlichem destillirtem Wasser ist die Färbung stark. Um sich zu überzeugen, daß die Ursache der Farbenveränderung wirklich die angegebene ist, braucht man nur die gefärbte Substanz sich absezen zu lassen, die farblose Auflösung abzugießen und sie wieder dem Sonnenschein auszusezen. So kräftig auch die Sonnenstrahlen seyn mögen, zeigt sich doch keine fernere Wirkung; sezt man aber mehr destillirtes Wasser zu, so tritt dieselbe Erscheinung sogleich wieder ein. Er glaubt, daß salpetersaures Silber, auf diese Art angewandt, eines der besten Reagentien auf die Gegenwart sehr geringer Mengen vegetabilischer Substanzen in dem Wasser ist; sollte sich wegen eines in dem Wasser vorhandenen salzsauren Salzes Chlorsilber bilden, so muß man dieses sich im Dunkeln vollständig absezen lassen, ehe man die Flüchtigkeit abgießt und dem Lichte aussezt. (Edinb. new phil. Journ. Dec. 1828.)

Abend-Unterhaltungen und Vorlesungen über Künste und Gewerbe an der Society of Arts zu London.

Die Society of Arts zu London hat für die ersten vier Monate dieses Jahres bestimmt, an welchen über ältere und neuere Töpferkunst, Stereotypen und Drukerei, Abgießen in Gyps und Glas, und über Papiermacherei Vorlesungen gehalten werden sollen.

Die Mitglieder der Gesellschaft sind eingeladen, die Materialien, die sie über diese Gegenstände besizen, oder die sie bei ihren Freunden aufzutreiben wissen, zu diesen Abend-Unterhaltungen mit zu bringen, und so jeden Gegenstand so anschaulich und lehrreich als möglich zu erläutern. (Philosoph. Magazine. Februar.)

Süß aus Bitter.

Dr. W. Herschel hat gefunden, daß eine Mischung aus salpetersaurem Silber und Soda-Hyposulfat, zwei an sich bitterlich schmekende Körper, den süßesten Körper gibt, den man kennt. (Journal of Faits. Repert. of Pat.-Inventions, a. a. O. p. 271.)

Krappblumen (Fleurs de Garance) des Hrn. Lagier zu Avignon.

Da es jezt erwiesen ist, daß der rothe Färbestoff des Krapps für sich allein roth, scharlachroth, rosenroth, violett, braun, schwarz u.s.w. färben kann, ohne daß die gelben, falben, bitteren, zukerigen und schleimigen Theile, welche die Wurzel außerdem enthält, dazu erforderlich sind, so suchte Hr. Lagier theils durch mechanische, theils durch chemische Mittel dem Krapp alle fremdartigen, unnüzen und seinem Färbestoffe nachtheiligen Substanzen zu entziehen, ohne jedoch seine färbenden Eigenschaften zu beeinträchtigen, um dadurch seinen Farbestoff in einen kleineren Raum zu concentriren und den Fabrikanten ein Product zu liefern, welches leichter, sicherer und wohlfeiler anzuwenden ist, als der gewöhnliche Krapp. Er nennt seinen gereinigten Krapp Krappblumen (Fleurs de Garance).

In diesem reineren Zustande ist der Krapp so zu sagen eines der empfindlichsten Reagentien, in dem sehr geringe Mengen von Säuren oder Kalksalzen hinreichend sind, seine Farbe gänzlich zu verändern. Aus diesem Grunde haben einige Fabrikanten, deren Wasser zu viel kohlensauren Kalk enthielt, damit keine günstigen Resultate erhalten. Das Wasser muß jedoch ein wenig kohlensauren Kalk enthalten, aus dem einfachen Grunde, weil die Krappblume noch einen Theil ihrer natürlichen Säure enthält, die, so unbeträchtlich sie auch ist, doch hinreicht, ihre Farbe zu verändern und ihrer Ergiebigkeit zu schaden; wenn man daher reines, z.B. destillirtes Wasser anwendet, muß man ein wenig kohlensauren Kalk zusezen; und umgekehrt, wenn das Wasser zu viele Kalksalze enthält, muß man in dem Farbebade ein wenig sehr schwach gegohrene Kleie zertheilen.

Hr. Lagier hat der Soc. industr. zu Mülhausen ein Muster seiner Krappblumen eingeschikt und nach dem Berichte, welchen Hr. Penot, im Namen des chemischen Comités, der Gesellschaft erstattete, ergaben mehrere Versuche, welche |159| in der Fabrik der HHrn. Nicolas Koechlin und Brüder, damit angestellt wurden, daß sie ihr fünffaches Gewicht Krapp ersezen können, obgleich sie nur vier bis vier und ein halb Mal so viel kosten, als ein guter Krapp zu Avignon. Die Krappblume gibt schon satte Farben, ohne daß man das Bad ins Kochen bringt, und durch Kochen erhält man damit schöne Nuancen. Das Violett und Roth ohne Säuren, waren nach den Passagen und einem viertägigen Ausbreiten auf dem Bleichplan, von den mit Krapp selbst dargestellten nicht verschieden; aber das Rosenroth blieb noch ein wenig orange. Indessen hofft das chemische Comité, daß Hr. Lagier, wenn er seine Bemühungen fortsezt, dahin gelangen wird, ein Product in den Handel zu bringen, welches den Krapp mit einigem Vortheil ersezen kann. (Bulletin de la Société industr. de Mulhausen, N. 8., p. 209.)

Aufmerksamkeit des gegenwärtigen englischen Parliamentes auf den Zustand der Industrie in England.

Sir Richard Vyvyan (ein ehrwürdiges altes Mitglied des Parliamentes aus jenen Zeiten, wo noch die Sprache der Wahrheit und der Liebe des Vaterlandes im Parliamente gesprochen wurde) lud die Mitglieder des gegewärtigen. Parliamentes ein, den traurigen Zustand der arbeitenden Classe in England in reifliche Erwägung zu ziehen. Und wie haben die Patres Conscripti diesem Rathe eines ihrer Aeltesten, diesem höchsten Bedürfnisse des heutigen Englands entsprochen? Um vier Uhr Nachmittags „(was so viel ist als um 12 Uhr bei uns)“ waren nur mehr acht und dreißig Mitglieder im Parliament, und die Nacht-Sizung (bei uns die Nachmittags-Sizung) könnte gar nicht Statt finden. Ungefähr eben so viel hielten sich in den Rauchzimmern und Rost-beaf-Conservatorien auf bei Hrn. Bellamy, und fanden es für besser, eine ruse de Parlement zu brauchen, und sich nicht zählen zu lassen. Die Idee, lieber einen Cigarro zu rauchen, als sich mit den wichtigsten Gegenständen der Staatshaushaltung zu beschäftigen, bei welchen es sich nicht um juristische Schnurrpfeifereien handelt, ist ganz charakteristisch für unser heutiges Parliament. Sie bezeichnet den Gehalt unserer heutigen Staatsmänner. Sie zeigt, daß Vaterlandsliebe für sie nur ein schwacher Sonnenstrahl ist, den jeder ministerielle Nebel verdunkeln kann, und daß das Wohl des Landes in ihren Händen nur eine Seifenblase ist. Solchem Unwesen muß ein Ziel gesezt werden, und zwar bald. (Morning-Journal. Galignani. N. 4438).

Verfall der englischen Fabriken durch das System der freien Einfuhr.

In dem einzigen Orte Paisley in West-Schottland fanden sich 1112 Familien-Häupter und 1099 Knaben und Mädchen brotlos bei der Anfangs Mai's vom Magistrate vorgenommenen Zählung, seit dieser Zeit, seit einer Woche, sind 300 Stühle mehr außer Umtrieb gekommen. (Scotsman.) Die Seiden-Mühlen des Oertchens Stamford, die seit 30 Jahren so blühend waren, sind still gestellt, und 400 Weiber und Kinder sind brotlos. Dieß ist eine neue tröstliche Wirkung des liberalen Systemes des Hrn. Huskisson. (Stamford News.) Zu Dublin sind jezt 418 Seiden-Weber gänzlich brotlos. (Globe.) Alle in Galignani N. 4422. Der Manchester Guardian (Galignani N. 4424.) bemerkt, daß bei den lezten Plünderungen zu Manchester – was unsere hochgelehrten Maschinenfeinde in Deutschland sich gut hinter ihre Ohren schreiben mögen – die Kunst- oder Maschinen-Stühle unangetastet blieben. Der Aufruhr entstand, weil der Schweifer-Lohn von 2 Shill. auf 1 Shill. 9 Pence (d.h. von 1 fl. 12 kr. auf 1 fl. 3 kr.) herabgesezt wurde. Bei dem alten Lohne gewann der englische Weber in der Woche 9 Shill. (= 5 fl. 24); bei dem herabgesezten nur 7 Shill. 6 Pence (= 4 fl. 30, d.i. so viel, als ob er bei uns 45 kr. die Woche gewänne, da es bei uns sechs Mal wohlfeiler ist.)

Die Weber zu Macclesfield

bieten in den Londoner Blättern ihre Zähne zum Verkaufe aus, da Hr. Huskisson ihnen nichts mehr zu nagen übrig läßt. Globe Galignani N. 4406.

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Manchester's Baumwollenwaaren-Fabriken.

An einem Sonnabende wurden 1100 Fein-Spinner und 9000 Arbeiter in Baumwollen-Fabriken brotlos. Manchester Guardian. Galignani. N. 4400.

Strafe gegen Eingriffe in Patent-Rechte in Frankreich.

Am 29. Jäner l. J. wurden von der Cour Royale de France, wegen Eingriffes in Patent-Recht des Bleistiften-Fabrikanten Humbolt Conté, mit 3 Monat Arrest und 2000 Franken Buße Graf Mich. Claude, mit 2 Jahren Arrest und 2000 Franken Buße Hr. Elie Joël, und mit 3 Monat Arrest und 400 Franken Buße Neph. Lepman bestraft. (Register of Arts, N. 69. S. 333.)

Ueber das Patentwesen in Frankreich

findet sich im Recueil industriel, N. 28. April S. 52 ein langer Aufsaz des Chef du bureau des manufactures unter dem Titel instruction théoretique et pratique sur les brevets d'invention, de perfectionnement et d'importation,“ auf welchen wir diejenigen unserer Leser verweisen, die an diesem Unwesen Geschmak und Behagen finden. Wir finden uns nicht berufen Mohren weiß zu waschen.

Amerikanische Patente.

Das London Journal of Arts, Mai, 1829. liefert S. 107. u. f. Notizen über amerikanische Patente, und versucht in 10–12 Zeilen das ganze Patent darzustellen, leistet aber dadurch nicht um ein Haar breit mehr, als der Patent-Träger in der bloßen Aufschrift seines Patentes durch Angabe des Gegenstandes bereits gesagt hat. Solche Notizen, die man auch im Franklin-Journal, und in mehreren Französischen und Deutschen technologischen Zeitschriften findet, ist wahrer Zeitverlust, und wahre Papier-Verwüstung. Es ist eine halbe Maßregel, die, wie alle halbe Maßregeln, zu nichts, wie zu Unheil führt, und die es einmal Zeit wäre aus der Litteratur zu verbannen.

W. Joh. Dowding's Patent

auf eine Vorrichtung zum Abrollen der Wolle von der Kardätschen-Maschine, vom 22. Nov. 1827 liefert das London Journal of Arts im April-Hefte S. 45 im Auszuge und ohne Abbildung, so daß es, obschon es für die Wollen-Spinnereien sehr wichtig ist, doch nicht benüzt werden kann. Ebendieß gilt von dem eben daselbst S. 50 befindlichen

Patente Th. Stirling's

auf Verbesserung an Filtrir-Apparaten.

Weise Parliaments-Verordnung über Wirthe.

Nach einer neueren Parliaments-Verordnung verliert ein Wirth in England das Recht zu schenken auf drei Jahre, wenn er Ein Mal betrunken betroffen wird. (Courier Galignani. Galignani. N. 4404.)

Englische Schwelgereien.

Drei Duzend grüne Erbsen-Schoten, die ersten auf dem Markte in Covent-Garden, wurden für den Tisch eines Edelmannes 79) um 2 Guineen (24 fl.) gekauft. (Observer. Galignani. 4413)

|156|

In Deutschland war dieß nicht der Fall.

A. d. U.

|156|

Einzelne Stellen können durch Ausschneiden und Einsezen eines anderen Stükchen Holzes allerdings wieder anders hergestellt werden, was bei den Drukformen öfters geschehen muß.

A. d. R.

|160| Wer in dem Land, wo Hunderte jezt täglich Hungers sterben, Wo Tausende aus Noth und Gram verkümmern und verderben; Wer jezt in England solche Bissen kauen kann, Der ist, sey er auch Edelmann, – kein edler Mann.
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