Titel: Dubrunfaut, über die Fabrikation des Runkelrübenzukers.
Autor: Dubrunfaut,
Fundstelle: 1829, Band 33, Nr. LVI. (S. 169–222)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj033/ar033056

LVI. Ueber die Fabrikation des Runkelrübenzukers von Hrn. Dubrunfaut.

Aus dem Industriel. April 1829, S. 589 und Mai S. 637.

Die Abhandlung, welche ich im J. 1827 im December-Hefte des Industriel bekannt machte83), hätte zum Zwek, die Fortschritte auseinander zu sezen, welche die Fabrikation des inländischen Zukers seit der Bekanntmachung meiner im J. 1825 über diesen Gegenstand angestellten technischen Arbeit, gemacht hätte. Seit dem Druk meiner lezten Abhandlung ist kaum ein Jahr verflossen und ich sehe mich jezt schon genöthigt, neuerdings eine solche abzufassen, um es unseren Lesern möglich zu machen, gleichen Schritt mit dem Gang dieser Industrie zu halten, welche täglich sich vervollkommnet und ihre Erfahrungen mit neuen Thatsachen bereichert. Das verflossene Jahr war in der That für diese neue Industrie außerordentlich wichtig, sowohl wegen der zahlreichen Versuche, welche darin angestellt wurden, als auch wegen der neuen Bereicherungen, die sie daraus zog, insbesondere aber wegen der größeren Aufmerksamkeit, welche sie sowohl durch ihren Aufschwung als auch durch die Nachforschungen eines mit den Interessen der Industrie und des Handels beauftragten hohen Rathes, auf sich zog.

Die von diesem hohen Rache gesammelten Nachrichten wurden in gedrängter Zusammenstellung in sehr vielen Tagesblattern bekannt gemacht, und da sie erwiesen, daß die Mitglieder der Commission sich von dem wirklichen Daseyn der Runkelrübenzuker-Industrie überzeugt hatten, so überzeugten sie davon auch sehr viele andere Personen, welche geneigt waren, in die in anderer Gestalt bekannt gemachten Nachrichten Mißtrauen zu sezen. Zu diesem glüklichen Einflüsse, welchen die Arbeit der Untersuchungs-Commission bereits auf die Runkelrübenzuker-Industrie geäußert hat, kommt nun noch jener nicht weniger fruchtbare, welchen die officielle Bekanntmachung ihrer Arbeit hervorbringen wird. Ich weiß in der That, daß der Minister des Handels, überzeugt von den Vortheilen, welche die Runkelrübenzuker-Fabriken, |170| als landwirthschaftliche Manufakturen betrachtet, darbieten, ihren Aufschwung und ihre Verbreitung mit aller Macht, welche ein loyaler Minister anwenden kann, begünstigen will. Ich weiß, sage ich, daß der Minister von demjenigen Theil der von der Commission gelieferten Arbeit, welcher sich auf die Runkelrübenzuker-Fabrikation bezieht, eine große Menge Exemplare druken und über ganz Franke reich verbreiten lassen will. Aus dieser Arbeit werden Thatsachen hervorgehen, deren Kenntniß für diese neue Industrie außerordentlich wichtig ist; in der That werden die Unternehmer daraus ersehen, daß die Regierung, in dem sie auf eine eben so freimüthige als kluge Weise das Princip des freien Handels annimmt, geneigt ist, den Zoll auf ausländischen Zuker herabzusezen, aber daß diese langsame und allmähliche Reduction, die Bedürfnisse der Zukerfabriken unserer Colonien so wie der inländischen gleichmäßig berüksichtigend, von der Art seyn wird, daß sie nur sehr geringen Einfluß auf den Curs der Urstoffe ausüben wird, dessen Wandelbarkeit sie im Gegentheil beseitigen muß, weil sie oft dem Producenten nicht weniger lästig als dem Käufer ist. Sie werden daraus auch ersehen, daß die Runkelrübenzuker-Fabrikation ihrer Natur nach keine erkünstelte Industrie ist, welche die Regierung zu erlöschen suchen muß, sondern gerade im Gegentheil eine reelle Industrie, welche nur Zeit bedarf, um vorteilhaft gegen die Productionen der Indier ringen zu können, und welche folglich verdient, von ihr ganz beherzigt zu werden84). Sie werden außerdem |171| daraus ersehen, daß die Regierung den Zuker als eine ganz vorzüglich steuerbare Substanz betrachtet, und daß ihre endliche Absicht bei der Begünstigung der Fabrikation des inländischen Zukers diese ist, ihm in Zukunft die Last aufzulegen, welche heute zu Tage auf dem ausländischen Zuker haftet, und dem Staate einen beträchtlichen Theil seiner Einnahmen verschafft. Vergebens würden wir gegen diese Ankündigung murren, welche ohne Zweifel mehr als einen Unternehmer erschreken und die Errichtung mehr als eines Etablissements lähmen wird. Dieser Gang der Regierung, welcher ganz mit dem Bedürfniß der Auflagen und der Redlichkeit, welche ihre Vertheilung leiten muß, harmonirt, wird in die Plane der Unternehmer mehr Beständigkeit und Gewähr bringen. Leztere werden in der That in ihren technischen Combinationen zurükhaltender werden und über die Mittel der Ausführung mehr nachdenken, sich daher weniger abenteuerlich in die neue Industrie hineinstürzen. Sie werden dann wissen, welche Garantien jezt die Industrie, welcher sie sich hingeben wollen, beschüzen und welche Lasten sie in Zukunft drüken müssen; sie werden also nicht, wenn der Zoll ein Mal festgestellt wird, von der Regierung für die politischen Garantien Rechenschaft verlangen können, die unsere hundert Etablissements, welche unter der Aegide dieser Garantien gegründet wurden, heute zu Tage geltend machen könnten. Dieser Gang scheint mir von dem Augenblike an, wo man die Gesezmäßigkeit der Zölle anerkennt (die ich aber nicht diskutiren will), dieser Gang, sage ich, scheint mir sehr weise und ganz mir unseren liberalen Institutionen zu harmoniren.

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Ueber die beiden Fabrikations-Systeme.

Die während eines Jahres gemachten Erfahrungen haben einige Aufklärung über den relativen Werth der beiden Fabrikations-Systeme gegeben, in welche sich die Industrie gegenwärtig theilt, nämlich das Verfahren mit Krystallisationsgefäßen85) und das Verfahren mit Formen (die regelmäßige Krystallisation und die Körnung des Zukers). Es entstanden Etablissements, welche nach dem einen und nach dem anderen Verfahren arbeiteten, auch solche, welche beide mit einander verbanden, aber man muß gestehen, daß im Allgemeinen das System der Formen in diesem Jahre mehr Proselyten machte, als in den vorhergehenden, es sey nun wegen der Einführung der Dampfheiz-Apparate, oder weil dieses System von den neuen Fabrikanten im Ganzen besser aufgefaßt und besser geleitet wurde, oder wegen des Mißkredits, welchen einige Raffinirer auf den krystallisirten Zuker geworfen haben.

Wegen dieser zwei verschiedenen Fabrikations-Methoden entstanden zwei entgegengesezte Parteien, welche einen wahren technischen Krieg mit einander führen; jede vertheidigt ihre Verfahrungsarten, sie als die besseren bezeichnend und jede verachtet die andere, oft mit Hintansezung aller Ruhe und Vernunft. Man ist erstaunt, den Parteigeist sich hier einer Discussion bemächtigen zu sehen, wobei nur Thatsachen und Verstand Zutritt haben sollten. Abgesehen von dem schlechten Vertrauen, welches eine leidenschaftliche Polemik nothwendigerweise erregen muß, ist so viel gewiß 1) daß man nach beiden Methoden, sowohl durch regelmäßige als durch schnelle oder unregelmäßige Krystallisation unter den gegenwärtigen Umständen vortheilhaft Zuker erzeugen kann; 2) daß das Verfahren mit Krystallisationsgefäßen, weil sein Gang mehr mechanisch ist, und weniger Praxis und Kenntnisse von Seiten des Arbeiters erfordert, im Allgemeinen besser gelang, als das Verkochen; 3) daß lezteres, obgleich weniger leicht ausführbar, als die langsame Krystallisation, in Hinsicht auf die Einrichtung des Etablissements ökonomischer ist, Handarbeit und Brennmaterial erspart, die Capitalien schneller realisirt, und daß man durch dasselbe eben so viel Zuker aus der Wurzel erhalten kann, wenn sie gehörig behandelt wird; 4) endlich, daß man durch das Läutern (defécation), welches man bei dem Verkochen anwenden muß, einen Zuker erhält, welcher mit demjenigen der Colonien identisch ist und bei dem Raffinirungsprozeß keine Modificationen erheischt, während bei der Ausscheidung des Rohzukers durch langsame Krystallisation, unter die Krystalle unvollkommen geläuterter Syrup kommen und folglich |173| der Zuker mit Substanzen verunreinigt werden kann, welche bei dem Raffiniren Hindernisse in den Weg legen.

Diese verschiedenen Behauptungen muß ich jezt auseinandersezen.

Man mag den Zuker aus den Runkelrüben durch Krystallisation oder durch Verkochen des Saftes darstellen, so sind die Krystalle des Rohzukers den durch Raffiniren desselben erhaltenen physisch und chemisch vollkommen gleich. Ihre geometrischen Formen sind ganz so, wie sie Hauy fand und vor Kurzem Hr. Gillot berichtigte. Ihre Grundform ist ein vierseitiges Prisma, dessen Basis ein Parallelogramm ist, wovon die kleine Seite sich zur großen = 7 : 10 verhält. Ich habe außerdem bemerkt, daß die regelmäßigen Krystalle des Kandis dieser Zukersorten, so wie diejenigen des Rohrzukers unter gewissen Umständen Modifikationen an den Kanten der ebenen spizen Winkel erhalten, sie sind aber gewöhnlich sehr unbeträchtlich. Sie haben außerdem eine Spaltungsflache senkrecht auf die Basis des Prisma. Wenn man mit dem Zuker aus den Krystallisationsgefäßen regelmäßige Krystalle von Kandis bereitet, so erhält man gewöhnlich diejenige Krystallisation, welche die Raffinirer hirsenförmige (cristaux gremillés) nennen. Es sind Gruppirungen, welche man auch mit Rohrzuker von schlechter Qualität, und sogar mit gutem, aber schlecht geklärtem und schlecht eingekochtem, Zuker erhält. Wegen dieses Umstandes, welcher nichts gegen die Identität der Krystallformen der beiden Zukerarten beweist, hat sich Hr. Clémendot täuschen lassen, als er neuerdings behauptete, daß diese beiden Zukerarten in dieser Hinsicht verschieden sind.

Der Zuker aus den Krystallisationsgefäßen, als Raffinirungsstoff betrachtet, ist in der That schlechter, als der Zuker aus den Formen, welcher dieselbe Farbe hat. Für's Erste kann jener Zuker nicht ohne Hülfe der Presse von der Melasse gereinigt werden und muß zu diesem Ende die Walzen passiren. Das Zerreiben, welchem er bei dieser Arbeit ausgesezt wird, verändert einen Theil desselben. Es wird nämlich ein Theil des krystallisirbaren Zukers dadurch entmischt, und dieser kann beim Raffiniren nicht wieder zum Vorschein kommen und verhindert bei dieser Arbeit die gegenseitige Annäherung des unveränderten Zukers. Dieß trägt dazu bei, daß diese Zukersorte beim Raffiniren weniger ausgibt. Diese Veränderung gehört unter diejenigen, welche man in der Sprache der Raffinerie unter dem Namen Schmierigwerden (graissage) begreift. Außerdem ist die Farbe eines gewalzten Zukers nur das Resultat des Zerreibens und folglich erkünstelt. Man weiß in der That, daß die weiße Farbe der Zukersorten nur von dem vertheilten Zustande der Krystalle abhängt; aber dieser scheinbare Vorzug, welcher die Käufer tauscht, tauscht keineswegs die |174| Fabrikanten, welche den Zuker schmelzen: leztere haben in der That bemerkt, daß der krystallisirte Zuker in dem Kessel nie die Farbe gibt, welche er versprach, während der Zuker aus den Formen, der sich gleich dem Rohrzuker in kleinen verworrenen Krystallen darstellt, welche unversehrt und durch die Mutterlauge, worin sie sich gebildet haben, befeuchtet sind, niemals den Raffinirer über die wahre Farbe, welche er in dem Kessel annehmen wird, täuscht. Der Zuker aus den Formen ist also bei gleicher Farbe in dieser Hinsicht dem krystallisirten vorzuziehen.

Noch ein anderer Umstand macht den lezteren Zuker ebenfalls zum Raffiniren viel weniger geeignet; nämlich seine sehr wandelbare Reinheit, welche eine Folge des mechanischen und constanten Ganges der Läuterung ist. In der That erfordern die Runkelrüben, je nach ihrer Qualität und der Zeit ihrer Aufbewahrung, sehr verschiedene Quantitäten Läuterungsmittel (Schwefelsäure und Kalk), um bei dem Verkochen gleich gute Resultate zu geben; wenn diese Bedingnisse nicht erfüllt sind, geht das Verkochen schlecht vor sich und der Fabrikant bemerkt sogleich, daß er gefehlt hat und muß folglich seinen Fehler zu verbessern suchen. Ein schlecht verkochter Zuker legt aber bei dem Raffiniren ähnliche Hindernisse in den Weg. Uebrigens kann der Raffinirer diesen Zuker jederzeit leicht erkennen; sein Korn ist wenig voluminös und knirscht nicht unter den Zahnen; er hat keinen Körper, ist teigig, und die Krystalle sind nicht abgesondert; meistens kann man ihn auch durch den Geschmak und Geruch sehr leicht von dem Rohrzuker unterscheiden. Der krystallisirte Zuker kann im Gegentheil ohne Nachtheil für seine physischen Eigenschaften, unvollkommen geläuterten Syrup enthalten, zum Beispiel sauren Syrup; im lezteren Falle geht sogar die Krystallisation oft besser vor sich, als bei einem neutralen Syrup; der Syrup hat dann einen guten Geschmak, behält diesen in der Wärmstube bei, und während er durch Verkochen nur eine geringe Menge und noch dazu schlechten Zuker gegeben hätte, erhält man daraus durch Krystallisation eine große Menge und schön aussehenden Zuker. Aus diesem Grunde müssen die Fabrikanten, welche krystallisirten Zuker bereiten, die sauren Syrupe vorziehen, und dieses ist auch meistentheils der Fall. Bei dem Raffiniren kommen dann die Fehler in der Läuterung wieder zum Vorschein; die unabgeschiedenen Materialien und oft auch die Ammoniaksalze, machen das Verkochen schwierig. Diese Wirkung zeigt sich nicht immer bei den ersten Arbeiten des Raffinirers, wohl aber bei dem zu Gute machen der Syrupe, und zwar um so früher, je unreiner der Zuker ist. Sie ist besonders bei dem mechanischen Verfahren von Achard bemerkbar, welcher für alle gleiche Verhältnisse von Kalk und Säure anzuwenden |175| vorschlägt. Auch ist sie bei dem Zuker, welcher nach dem Verfahren von Derosne bereitet wurde, nämlich durch Krystallisation und schwefelsaure Alaunerde, noch sehr merklich. Wenn nämlich dieser Zuker aus Wurzeln bereitet wurde, welche viel Ammoniaksalz enthielten, so gibt er durch den Kalk, Ammoniak, welches man durch den Geruch allein schon erkennen kann. Auch die unvollkommene Läuterung des nach dem lezteren Verfahren zubereiteten Saftes macht das Verkochen desselben unmöglich. Die Achard'sche Läuterung gibt deßwegen sehr wandelbare Resultate, weil der Runkelrübensaft sehr verschiedenartige Quantitäten Ammoniak enthält. Dieses Ammoniak wird bei dem Achard'schen Verfahren zum Theil mit Schwefelsäure gesättigt und das gebildete schwefelsaure Salz während der Concentration zersezt, wodurch Säuren frei werden, welche meistentheils nicht Schwefelsäure, sondern die Sauren aller in dem Saft aufgelösten Salze sind, nämlich Salzsäure, Salpetersäure, Aepfelsäure, Gallertsäure u.s.w. Dadurch bildet sich in dem Saft eine fremde Substanz, welche man durch kein bekanntes Mittel vermeiden kann; denn wenn man die freien Säuren genau neutralisirt, so ist der so behandelte Syrup schwer zu verkochen und gibt in den Formen immer schlechte Resultate. Diese Substanz ist besonders beim Verkochen des Syrups nachtheilig, denn sie macht ihn steigend, klebrig und braun; man findet sie sodann auch auf den Krystallen des Zukers, welche sich so zusammenhangend macht, als wenn sie auf einander geleimt worden wären; sie ist derjenigen ähnlich, welche man bei der Behandlung des Zukers mit Salpetersäure, wenn man Aepfelfäure bereiten will, erhält, wobei sich außer der Aepfelsäure eine braune, in Wasser auflösliche, in Alkohol unauflösliche, dem Gummi ähnliche Substanz bildet. Diese Substanz ist es, welche den krystallisirten Zuker verunreinigt und beim Raffiniren die angegebenen Hindernisse in den Weg legt.

Wir haben bemerkt, daß die Fabriken, welche nach der Krystallisationsmethode arbeiten, wegen des regelmäßigen und weniger schwierigen Ganges dabei, einen günstigeren Erfolg hatten. Wenn man die Fähigkeiten der Personen kennt, welchen in den meisten Zukerfabriken die Arbeit anvertraut wird, so überzeugt man sich sehr bald, daß jede Methode, welche in ihren Proceduren ein wenig verwikelt und zart ist, oft unübersteigliche Hindernisse darbieten muß. In den neuen Fabriken wird gewöhnlich alles durch einen Director geleitet, der mehr oder weniger Neuling und mehr oder weniger aufgeklart ist; mit den Maschinen und den Agentien, welche er zu handhaben hat, wenig vertraut, muß er sich außerdem Arbeiter heranziehen, welche mit dieser Industrie noch ganz unbekannt sind: dieses Geschäft macht so viele |176| Arbeit und ist so schwierig, daß es oft schlecht besorgt worden ist. Bei dem Verfahren durch Verkochen des Syrups besteht außerdem die Arbeit aus zehnerlei verschiedenen Operationen, wovon jede zu einem günstigen Erfolg unumgänglich nöthig ist, und wenn eine einzige davon vernachlässigt wird, so ist das Resultat schlecht. Diese Operationen werden nun gewöhnlich verschiedenen Arbeitern anvertraut, welche entweder unwissend oder nachlässig handeln können; man begreift also leicht, daß eine Arbeit, deren günstiger Erfolg von dem Eifer so vieler Individuen und von der Erfüllung so vieler Bedingungen abhängt, oft Resultate geben mußte, welche höchst betrübend für den Fabrikanten waren; der selbst wieder oft weder thätig noch aufgeklart genug war, um das Uebel zu heilen. Daher schreibt sich der gute Erfolg des Krystallisirens, welches leztere in der That keine schwierige Operation ist, die, wenn man ohne Vorurtheil sprechen will, manchen Fehler bemäntelt.

Diese Betrachtungen erklären es auch hinreichend, warum man durch Krystallisation im Allgemeinen mehr Zuker erhielt, als durch Verkochen; daraus kann man aber nicht schließen, daß man auch durch ein zwekmäßig geleitetes Verkochen weniger Zuker, als durch Krystallisiren erhält; die Erfahrung beweist im Gegentheil, daß man dadurch eben so viel erhält, und zwar mit geringerem Aufwand an Apparaten, Handarbeit und Brennmaterial, und noch dazu in bei weitem kürzerer Zeit. Ich erhielt durch ein Verkochungs-Verfahren, welches in diesem Jahre zum ersten Male in meiner technischen Werkstätte befolgt wurde, 5 Procent Zuker von dem Gewichte der zerriebenen Wurzeln, deken Saft 7 1/2° am Aräometer86) wog. Diese Wurzeln waren 4 Monate lang im Keller aufbewahrt worden und hatten durch die Reinigung 10% verloren. Vor der Reinigung gaben sie also 4 1/2%. Das zweite Product dieser Wurzeln, nach dem Volum des erhaltenen nochmals verkochten Syrups berechnet, betrug wenigstens 1/3 des ersten Productes. Dieser Versuch, so wie die Resultate, welche man in den Fabriken erhielt, wo der Verkochungsproceß gut geleitet wird, wie in denjenigen der Herren Oudard, Blanquet und Harpignies, Clémendot und Guilbert, Beaujeu, Jallu u.s.w. beweisen, daß man nach diesem Verfahren wenigstens 5% der gesammelten Wurzeln an Zuker erhält; wir wollen noch bemerken, daß dieß auch nach der Angabe des Herrn Crespel der höchste Ertrag ist, dessen Fabrik ohne Widerspruch ein Muster des vollendetsten Krystallisations-Verfahrens darstellt.

Die Einfachheit der Arbeit bei dem Krystallisations-Verfahren, |177| wodurch ich selbst dessen günstigen Erfolg erklärt habe, ist auch von denjenigen, welche dieses Verfahren befolgen, in Anspruch genommen worden, um es den Technikern zu empfehlen, aber es bietet in der That nur scheinbare und augenblikliche Vortheile dar. Denn wenn man verlangt, daß die Runkelrübenzuker-Fabriken mit den Zukerfabriken Indiens sollen concurriren können, so muß man ihnen die am wenigsten kostspieligen Apparate und Verfahrungsweisen empfehlen, man muß ihnen Methoden empfehlen, welche ihnen nicht nur eine augenblikliche, sondern eine möglichst glükliche und dauerhafte Existenz sichern. Eine solche können diese Fabriken meiner Meinung nach aber bloß durch das Arbeiten mit Formen erlangen. Bloß dadurch erhält man ein Product von guter Qualität, das zugleich in allen Beziehungen demjenigen gleich ist, womit es concurriren und welches es im Handel ersezen muß. Nach dem Krystallisations-Verfahren kann man bei dem gegenwärtigen Curs des Zukers mit Gewinn fabriciren; wenn aber diejenigen, welche mit dem zu raffinirenden Zuker Handel treiben, über die erkünstelte Qualität und die unvermeidlichen Fehler des krystallisirten Zukers besser aufgeklärt seyn werden, dann wild der Verkauf dieses Productes größere Schwierigkeiten darbieten, man wird ihn, wie es schon jezt der Fall ist, schlechter bezahlen und der Handel, welcher jezt damit getrieben wird, kann eingehen und dadurch sogar die Existenz dieser Industrie in Gefahr gebracht werden. Alle diese Nachtheile können, sage ich, durch Zufall auch den Zuker aus den Formen treffen, aber sie sind doch nicht durch die Fabrikationsart bedingt, sondern bei dieser ist gerade im Gegentheil alles so angeordnet, daß die gute Qualität der Producte mit der Existenz der Fabriken auf das Innigste verknüpft wird.

In meiner im J. 1824 über den Runkelrübenzuker bekannt gemachten Schrift war ich einer der ersten, welche auf die Nachtheile, die durch Versezung des Saftes und Syrups mit überschüssiger Schwefelsäure entstehen, aufmerksam machten, und ich bin auch jezt noch überzeugt, daß dieser Ueberschuß zwar bei beiden Fabrikations-Systemen nachtheilig ist, aber bei der Bearbeitung durch Verkochen ganz besonders. Meistens waltet in diesem Falle in der That nicht Schwefelsäure vor, denn diese kann in einer Flüssigkeit, welche vegetabilische oder mineralische oder andere Salze enthält, nicht ganz frei bleiben und ich bin überzeugt, daß die nachtheiligen Wirkungen, die man der direkten Einwirkung der Schwefelsäure zuschrieb, von anderen durch sie frei gemachten Sauren herrühren87). Wegen der Nachtheile, welche durch Anwendung zu concentrirter und einer zu großen Menge Schwefelsäure bei der Runkelrübenzuker-Fabrikation entstehen, darf |178| man also dieses Agens nicht überhaupt verwerfen. Die Anwendung dieses oder eines entsprechenden Agens ist im Gegentheil in sehr vielen Fällen unvermeidlich und leistet unter vielen Umständen unschäzbare Dienste. So hat die Erfahrung hinreichend erwiesen, daß ein Zusaz von Schwefelsäure gute Dienste leistet, um den Saft in dem Reservoir gegen das Schleimigwerden zu verwahren, und der so aufbewahrte und mit Kalk gehörig geläuterte Saft ist zum Verkochen eben so gut geeignet, wie derjenige, womit andere Manipulationen vorgenommen worden sind. In anderen Fällen, wo ein stark alkalischer Saft mit Eiweiß nicht gehörig geklärt werden kann, erlangt er diese Eigenschaft durch Neutralisation mit Schwefelsäure. Wenn ein mit Blut geklärter alkalischer Syrup nicht leicht bis zur Probe eingekocht werden kann, so hilft man diesem Umstande durch Zusaz von etwas Säure leicht ab. In allen Fällen, wo die Wurzeln eine große Menge vegetabilischer Salze enthalten, deren Basis Kali ist, muß man unumgänglich Säure bis zur Neutralisation des Kalis zusezen. Diese Betrachtungen zeigen, daß man aus der Einwirkung der Schwefelsäure auf gewisse organische Substanzen und unter gewissen besonderen Umständen, nicht gegen ihre Nüzlichkeit unter anderen Umständen schließen darf, so wie es einige Personen in Bezug auf das mit Krystallisation verbundene Achard'sche Verfahren gethan haben. Die Säure spielt hierbei eine nüzliche Rolle, welche auch auf das Verfahren mit Formen, aber mit den Abänderungen, welche das Verkochen erheischt, anwendbar ist.

Wir gehen jezt alle Operationen bei der Zukerfabrikation, so wie wir es in unserer lezten Abhandlung gethan haben und so wie sie auf einander folgen, durch, und geben die Veränderungen und Verbesserungen an, welche darin vorgenommen, so wie diejenigen, welche bei den erforderlichen Operationen eingeführt worden sind.

Wahl der Localität für die Errichtung einer Runkelrübenzuker-Fabrik.

Die hundert gegenwärtig in Frankreich bestehenden Fabriken sind in dreiundzwanzig unserer Departements zerstreut; die meisten sind in den Departements Pas-de-Calais, Nord, Somme und Aisne. Weil diese Fabriken vorzüglich das nördliche Clima lieben und in dem mittägigen ganz und gar fehlen, und aus einigen anderen Gründen stellte ich in meiner Schrift über den Runkelrübenzuker den Saz auf, daß diese Fabrikation, so wie auch der Bau der Zukerwurzel dem mittägigen Clima nicht zusagt. Die mir seit dieser Zeit zugekommenen Nachrichten über die Qualität der Wurzel des Südens und über die Quantität des krystallisirbaren Zukers, welche man durch Versuche daraus abgeschieden hat, und eine aufmerksamere Untersuchung |179| dieser Frage ließen mich meinen Irrthum erkennen. Ich bin in der That jezt ganz überzeugt, daß die in dem mittägigen Frankreich gebaute Runkelrübe, unter übrigens ganz gleichen Umständen, mehr Zuker, und mehr krystallisirbaren Zuker als die Wurzeln des Nordens enthält, daß dieser Zuker eben so leicht aus der Wurzel abgeschieden werden kann, und daß, wenn im Süden keine Runkelrübenzuker-Fabriken sind, dieses nicht dem Clima, sondern anderen Ursachen zugeschrieben werden muß. Die größere Verbreitung der Zukerfabriken in den nördlichen Departements kann man folgendermaßen erklären:

Auf den Akerbau der Departements des nördlichen Frankreichs mußte die benachbarte Niederlande Einfluß haben und er besaß den Vortheil eines durch gejätete Pflanzen vervollkommneten Anbaues ohne Brachen. Diese Departements waren also seit langer Zeit in Besiz des Runkelrübenbaues, während es in dem mittleren und südlichen Frankreich viele Departements gibt, wo diese Wurzel als Küchengewächs beinahe unbekannt ist. Nachdem die Runkelrübenzuker-Fabrikation so weit begründet war, daß sie eine nuzbare Industrie werden könnte, mußte sie sich natürlich vorzugsweise dorthin verpflanzen, wo sie ihren Urstoff in Ueberfluß vorfand. Andere rein ökonomische Vortheile haben den Fabriken dieser Art in den nördlichen Departements ebenfalls eine große Ueberlegenheit gegeben; nämlich: 1) der niedrige Lohn der landwirthschaftlichen und technischen Handarbeit; 2) die Nähe der Steinekohlengruben und folglich die Wohlfeilheit des Brennmaterials; 3) die große Fruchtbarkeit des Bodens, welche die Runkelrüben zu einem sehr niedrigen Preise sich zu verschaffen erlaubt.

Wenn man bei der Frage also bloß das Clima und den Zukergehalt der Wurzel in Betrachtung ziehen will, so kann man annehmen, daß der Süden wenigstens eben so gut bedacht ist als der Norden.

Ueber die Wahl der Localität für eine Zuker-Fabrik habe ich Folgendes zu bemerken. Wenn man sich dieser Industrie als Güterbesizer widmen und nur die großen Vortheile berüksichtigen will, welche sie dem Akerbau gewährt, durch den Anbau einer Pfahlwurzeln treibenden und gejäteten Pflanze, und durch die Consumtion an Ort und Stelle, die sie realisirt, so wird man zu ihrer Gründung vorzugsweise ein solches Besizthum wählen, dessen Felder einem dreijährigen Brachliegen unterworfen und, wenn auch nicht unfruchtbar, doch wenigstens aller Vortheile eines guten Anbau-Systems beraubt sind; man wird endlich solche Felder wählen, welche schon zum Anbau von Getreidearten geeignet und bestimmt sind. Man braucht dann den Preis des Brennmateriales und der Handarbeit nicht zu berüksichtigen, weil man nicht die Absicht bar, sich die großen Vortheile, welche die Zuker-Fabrikation unter anderen Umständen gewähren |180| würde, zu Nuzen zu machen und diese Industrie nur als einen Nebenzweig der Landwirthschaft betrachtet, wodurch man reichliche Mastung erhält, die Brachen vermeidet und den Werth der Gründe in kürzerer oder längerer Zeit wenigstens verdoppelt. Wenn man hingegen die Zukerbereitung als ein bloßes Fabrikgeschäft betrachten wollte, welches nach Verlauf des Jahres die Unkosten bezahlt und Gewinn abgeworfen haben muß, dann müßte man vorzugsweise eine Gegend wählen, wo der Boden sehr fruchtbar oder der Runkelrübenbau seit langer Zeit nach einem großen Maßstabe eingeführt ist, wo die Handarbeit und das Brennmaterial sehr wohlfeil sind. Unter diesen Umständen würde die Fabrikation des Runkelrübenzukers zwar nicht den größten, wohl aber in der kürzesten Zeit Gewinn bringen, und nur in diesem Falle könnte sie vortheilhaft von dem Akerbaue getrennt werden. Auch wird die Fabrikation des inländischen Zukers in den gut angebauten Departements, in welche sie verpflanzt worden ist, bis jezt bloß aus diesem Gesichtspunkte betrachtet und die Verbesserungen, welche der Akerbau durch sie erhalten kann, sind ohne Vergleich geringer, als sie bei wenig fruchtbaren und brachliegenden Ländereien seyn würden.

Alle Auslagen bei dem Bau der Runkelrüben bestehen in Handarbeit und Dünger. Sie belaufen sich für einen wenig fruchtbaren Boden eben so hoch als für einen fruchtbaren. Man sieht daher leicht ein, welche Vortheile in dieser Beziehung ein fruchtbarer Boden darbietet, in dem er mehr Ausbeute gibt und die Wurzel daher bei weitem wohlfeiler zu stehen kommt. Auch darf man sich nun nicht mehr wundern, wenn man in den nördlichen Departements Landwirthe findet, welche 500 Kilogr. Runkelrüben vortheilhaft für 8 Fr. produciren, während in anderen Departements, wo der locale Werth der Grundstüke geringer ist, dasselbe Gewicht Wurzeln für nicht weniger als 12 Franken erzeugt werden kann.

Man sieht also, daß der inländische Zuker aus zwei sehr verschiedenen Zweken fabricirt werden kann; einerseits aus einem landwirthschaftlichen, welcher der wichtigste und an großen Resultaten fruchtbarste ist, andererseits aus einem technischen, wobei man sich darauf beschränkt, aus den zu dem billigsten Preise aufgekauften Wurzeln mit der möglichsten Ersparung den krystallisirbaren Zuker auszuziehen; ersterer Zwek ist für den Grundeigenthümer, die Fruchtbarkeit des Landes und die Vervollkommnung des Akerbaues, von der höchsten Wichtigkeit und verspricht dieser Fabrikation eine eben so lange als nüzliche Dauer; lezterer, welcher so zu sagen die Fabrikation von der Landwirthschaft isolirt, nimmt bei seinen Berechnungen auf den größeren Werth, welchen der Boden durch den Runkelrübenbau erhielt, |181| gar keine Rüksicht; er berechnet die Einnahme und Auslage und findet nur in einer günstigen jährlichen Balance sein Heil.

Indessen muß man doch zugeben, daß ein Techniker in demjenigen Falle die Zuker-Fabrikation unter den günstigsten und nüzlichsten Verhältnissen unternimmt, wenn er Grundeigentümer ist oder wenigstens das Gut für lange Zeit gepachtet hat. Wenn der Boden wenig fruchtbar ist, werden zwar die ersten Jahre der Zukerfabrikation leinen großen Gewinn abwerfen, wenn aber ein sorgfältiger Anbau und reichlicher Dünger den Boden verbessert, wenn die Arbeiter, an zwekmäßige Feldarbeiten gewöhnt, sie schnell und gut ausführen werden, wenn man sich endlich brauchbare Leute für die Landwirthschaft und die Fabrikation gebildet hat, dann wird der Eigenthümer durch einen beträchtlich größeren Ertrag seiner Felder und durch eine vielen Gewinn abwerfende Zuker-Fabrikation die Frucht seiner Arbeiten reichlich zu erndten anfangen.

Diese Betrachtungen zusammengenommen, führen auf folgende Schlüsse:

1) Alte zum Anbau von Getreide geeigneten Felder, ihre thon-, kalk- oder kieselartige Beschaffenheit mag seyn, welche sie wolle, eignen sich auch zum Runkelrübenbau.

2) Ein Techniker, welcher aus der Zuker-Fabrikation den größten Vortheil ziehen will, muß sich vorzugsweise in einem Departement etabliren, wo man die Runkelrübe mit Oekonomie baut, was gewöhnlich in den fruchtbarsten Gegenden, wie in den nördlichen Departements von Frankreich der Fall ist.

3) In den günstigsten Umständen befindet sich diejenige Runkelrübenzuker-Fabrik, welche einem Grundeigenthümer gehört, der die Fabrikation neben der Landwirthschaft treibt, um dadurch Mastung zu erhalten und seine Gründe fruchtbarer zu machen.

4) Die Runkelrübenzuker-Fabrikation ist dort dem Landwirthe nüzlicher, wo sie dem Fabrikanten weniger Gewinn bringt, und umgekehrt.

An einem Orte, wo noch keine Zukerfabrik existirt, ist eine solche immer schwieriger zu errichten, weil man keine in dem Geschäft unterrichteten Arbeiter erhält; diese Schwierigkeiten sind noch viel größer, wenn man sich in eine Gegend versezt, wo der Bau der gejäteten Pflanzen und wo folglich das Verfahren des Jätens unbekannt ist. Hier muß in der That der Unternehmer die Arbeiter auf seine Kosten unterrichten, er muß besonders Hände für erhöhten Sold herziehen; diese Hände leisten im Anfange wenig Arbeit und sie kommt folglich sehr theuer zu stehen. Unter diesen Umständen richtet man die Sache am vortheilhaftesten so ein, daß man Anfangs nach dem Taglohn, |182| und später, wenn die Arbeiter ihr Geschäft gut zu verrichten wissen, sie unter Aufsicht nach Klaftern arbeiten läßt; dadurch bringt man sie dahin, schneller zu arbeiten und lernt die Arbeit schäzen, welche sie während eines Tages verrichten können. Wenn sie einige Zeit lang auf diesem Fuße gearbeitet haben, und man annehmen kann, daß sie möglichst schnell arbeiten, so hat sich unterdessen ihr Lohn sehr vermehren müssen; dann kann man ihnen den Vorschlag machen, nach Klaftern für einen geringeren Lohn zu arbeiten, so daß derselbe beiläufig auf denjenigen reducirt wird, welchen sie im Anfange erhielten, als sie für Taglohn arbeiteten. Es ist für die Feldarbeiter oft besser, während des ersten Probejahres die Bezahlung für die Klafter, so wie sie seit der Erlernung des Geschäftes nach der an einem Tage ausführbaren Arbeit festgesezt wurde, beizubehalten und sie erst im zweiten Jahre herabzusezen, in dem man Aufmunterungs-Prämien für diejenigen einführt, welche am besten und schnellsten arbeiten,

Cultur der Runkelrüben.

Die mechanische Zubereitung des Bodens ist von der größten Wichtigkeit; denn die Runkelrüben, welche in einem sehr lokeren Erdreich gebaut werden, gedeihen besser, wurzeln tiefer und zeigen eben deßwegen weniger Gabeltheilungen; die Erde hängt ihnen beim Einsammeln weniger an und sie halten sich länger. Der Hofmist und überhaupt der Pflanzendünger sagt den Runkelrüben besser zu. Auch thut man besser sie nach einer gut gedüngten Erndte anzubauen, als selbst zu düngen, denn man hat in der That beobachtet, daß die ohne Dünger erhaltenen Wurzeln sich besser conserviren und leichter zu bearbeiten sind. Der animalische Dünger scheint insbesondere einen nachtheiligen Einfluß auf die Wurzel zu haben, so daß sie schwieriger bearbeitet und aufbewahrt werden kann; man könnte diese leztere Erscheinung durch die Gegenwart einer größeren Menge animalisirter Substanzen erklären und die andere eben dadurch und außerdem durch das Vorkommen einer größeren Menge von Ammoniaksalzen, welche bei der Darstellung des Zukers eine wahre Klippe sind. Es scheint mir außerordentlich wahrscheinlich, daß bei der Währung der Wurzel, welche während ihrer Aufbewahrung Statt findet, unter anderem das durch eine Säure übersättigte Ammoniak gebildet wird.

Das Aussäen mit der Hand und dem Säetuch ist noch immer am gebräuchlichsten. Hr. Blanquet, dessen Verfahrungsweisen außerordentlich beachtenswerth sind, zieht es vor, mit dem Pflanzstok und mit der Hand zu säen. Die Säemaschine ist nur bei einem gut zubereiteten Boden wohl anwendbar, weil dieses Instrument in einem unebenen Boden besonders leicht in Unordnung geräth. Ich weiß nicht |183| ob man schon das Aussäen ins Kreuz angewandt hat. Bei dieser Methode könnte man die Pferdhaue gebrauchen, zum wenigsten bei dem vorlezten und lezten Jäten, und sie wäre in dieser Beziehung außerordentlich beachtungswerth, besonders in den Gegenden, wo das Jäten nicht üblich und folglich sehr theuer ist.

Die gesuchtesten Runkelrübenarten sind immer, die weiße aus Schlesien, die rosenrothe und die gelbe mit weißem Fleische.

Man sucht so viel als möglich die Erndte bei einer recht troknen Witterung vorzunehmen. Wenn man Sonnenschein oder einen troknen Wind hat, und die Rüben einige Tage, bevor man sie in die Magazine bringt, auf dem Beschälplaz liegen läßt, so erhalten sie sich besser. Die Runkelrübe, welche nicht ausgehoben worden und durch ihre Blätter schwach geschüzt ist, kann einer Kälte von 2° unter Null widerstehen. Indessen muß man sie vor dem Eintreten des Frostes einzusammeln und in die Magazine zu bringen suchen.

Das Einsammeln geschieht immer mit dem Spaten (Schaufel), doch haben einige Fabrikanten noch immer die Absicht den Pflug zu versuchen. Die Krautkronen werden am wohlfeilsten mit dem Spaten weggeschafft; dieses Verfahren ist aber so unvollkommen und die Sache von so großer Wichtigkeit, daß man besser thut, sie sehr sorgfältig mit dem Messer, und zwar bis zu den Blattstielen abzuschneiden. Es wäre sogar, wie ich mich davon durch die Erfahrung überzeugt habe, außerordentlich nüzlich, dabei zugleich die Wurzelleime und Wurzelfasern wegzuschneiden und die ihnen anhangende Erde wegzuschaffen. Diese vorläufige Arbeit, welche langsam gehen und eben deßwegen schwierig seyn kann, wäre eine wahrhafte Reinigung, welche diejenige, die dem Zerreiben vorhergehen muß, einfacher und schleuniger machen würde, und ohne Zweifel würden durch dieses Verfahren die Rüben viel haltbarer werden, weil dadurch die Ursachen der Keimung und Gährung entfernt würden.

Aufbewahrung der Runkelrüben.

Große Massen Runkelrüben werden am sichersten in kleinen, wenig tiefen und wenig breiten. Gruben aufbewahrt, die in einem festen Boden ausgegraben sind, welcher hoch liegt und eben deßwegen wenig feucht ist; wenn diese Löcher mit Rüben angefüllt sind, bedekt man sie mit einer Schichte Erde, um sie gegen den Frost zu schüzen. Wenn man aber recht luftige und trokne Magazine hat, so kann man die Rüben auch in diesen aufbewahren und sie halten sich darin sehr gut. Hr. Oudart, dessen Erfahrung von großem Gewicht ist, bewahrt seine Wurzeln nur in Magazinen auf und erhält sie vollkommen gesund. Hr. Bernard zu Sussy, welcher dieses Jahr seine |184| Arbeit sehr frühzeitig anfing, hat einen großen Theil seiner Erndte verarbeitet, ohne sie aufzubewahren. Dieser Umstand ist sehr günstig, wenn man ihn ohne Nachtheil benüzen kann, denn in vielen Departements würde man die Erndte oft verderben, wenn man nach dem Beispiele, welches Hr. Bernard in diesem Jahre gab, Wurzeln bis im Monat December in der Erde lassen wollte. Die wichtigsten Bedingungen, welche man erfüllen muß, wenn man die Wurzeln vollkommen gut erhalten will, sind folgende:

1) Daß man die Krautkronen bis zu den Blattstielen wegschafft;

2) daß man die Wurzelkeime und Wurzelfasern wegschneidet;

3) daß man die den Wurzeln anhängende Erde möglichst gut beseitigt;

4) daß man die durch das Messer gemachten Wunden vollkommen vernarben läßt, ehe man die Rüben in Gruben oder Magazine bringt;

5) daß man die Wurzeln in kleinen Massen zusammen aufbewahrt, die Gruben in einem troknen Boden ausgrabt und sie gegen den Frost schüzt;

6) daß man bei dem Einsammeln und Aufspeichern alle Quetschung vermeidet, wodurch eine Wunde entstehen könnte, die eine Gährung veranlassen würde;

7) daß man alle Umstände berüksichtigt, wodurch eine Erndte von guter Qualität erzielt wird.

Einige im Kleinen angestellte Versuche über die Anwendbarkeit der schweflichen Säure, um die Runkelrüben besser zu erhalten, und die nüzliche Rolle, welche dieses Agens bei der Aufbewahrung des Traubenmostes spielt, ließen mich hoffen, daß man aus diesem Verfahren große Vortheile ziehen könnte; Versuche im Großen haben jedoch meine Vermuthung nicht bestätigt und die schwefliche Säure, an Statt die Erhaltung der Wurzeln zu begünstigen, macht sie im Gegentheil sehr schnell in Fäulniß übergehen88).

Nach dieser Thatsache möchte es scheinen, daß die Runkelrübe als zweijährige Pflanze sich nur durch die Lebenskraft erhält, welche sie im zweiten Jahre ihrer Vegetation befruchten muß, und daß sie, wenn man durch irgend ein Mittel dieses Leben der Pflanze vernichtet, dann die Veränderungen erleidet, welche das lezte Stadium der Zersezung organischer Substanzen charakterisiren. Die Verstümmelung der Wurzel durch Abschneiden ihrer Blattstiele und Fasern, die ihre Reproductions-Organe bilden, sind nicht auf gleiche Weise nachtheilig, |185| und es scheint mir wohl erwiesen, daß diese Verstümmelung die Wirkung der Lebenskraft lähmt, ohne die Pflanze zu tödten. So kann auch die Kraft, welche die Gährung durch Veränderung des Zukers unterstüzt, bis zu einem gewissen Grade durch Verstümmelung der Organe, welcher sie sich bedient, gelähmt werden; aber man muß sich wohl hüten, sie zu vernichten.

Die Wurzeln erleiden bei der Aufbewahrung Veränderungen, welche das specifische Gewicht ihres Saftes, oft nur um ein Geringes, oft aber auch beträchtlich vermindern. Durch das Austroknen der Wurzel während ihrer Aufbewahrung wird die Verminderung der Dichtigkeit ihres Saftes bemäntelt und dieselbe scheinbar erhöht.

Ich habe schon bemerkt, daß man nach Allem glauben muß, daß die Salze mit Ammoniakbasis sich in den Wurzeln während ihrer Aufbewahrung bilden können. Sie bilden sich in noch größerer Menge in den gedüngten Wurzeln und machen die Ausziehung des Zukers schwieriger. Einige haben bemerkt, daß sich der Salpeter ebenfalls unter denselben Umständen erst bilde; obgleich ich aber gern zugebe, daß viele Wurzeln Salpeter enthalten, so muß ich doch gestehen, daß ich keinen Grund einsehe, warum er sich während ihrer Aufbewahrung bilden soll.

Während dieser Aufbewahrung erleiden die Wurzeln immer einen beträchtlichen Gewichtsverlust, besonders wenn man sie in luftige Magazine bringt. Dieser Verlust entsteht durch die Gährung und besonders durch die Verdünstung einer gewissen Menge Wassers; er kann auf 4 bis 5% steigen. Wenn man Wurzeln aufbewahrt, denen noch viele Erde anhängt, so ist der Gewichtsverlust noch größer, weil sich ein Theil der Erde während ihres Transportes von der Grube zu der Reinigungswerkstätte losreißt. Die HHrn. Blanquet und Harpignies schäzen den Verlust, welchen die Runkelrübe von ihrer Erndte bis zur Zerreibung erleidet, zu 17%. Dieser Verlust scheint mir übertrieben, obgleich diese Fabrikanten ihn aus zwei Jahre lang fortgesezten Beobachtungen abgeleitet haben; übrigens sieht man leicht ein, welche Ursachen Irrthümer in dergleichen Beobachtungen bei einer Fabrikation im Großen bringen können.

Die Aufbewahrung der Rüben ist von allen Operationen die wichtigste und vielleicht diejenige, welcher allgemein die geringste Sorgfalt gewidmet wird. Von ihr hängt das Gelingen aller ferneren Operationen ab, und wenn man bedenkt, wie leicht man die gesunden Wurzeln bearbeitet, so sieht man wohl ein, daß der Fabrikant kein Opfer scheuen darf, um sie so zu erhalten.

Fabrikation des Zukers.

Reinigen oder Waschen der Rüben. Das Reinigen hat |186| hauptsächlich den Zwek, die anhängende Erde und die faulen Theile wegzuschaffen. Wegen der lezteren ist es besonders unumgänglich nöthig, wenn die Rüben einige Zeit lang aufbewahrt worden sind. Dann kann vor dem Waschen, welches bei frischen und vollkommen gesunden Rüben ausreichen dürfte, die Reinigung mit dem Messer nicht unterlassen werden, weil man durch leztere allein die faulen Theile entfernen und versichert seyn kann, daß die in Arbeit genommene Rübe in einem Zustande ist, worin sie gute Resultate gehen kann.

Hr. Hallette hat nach den Angaben im Industriel eine Cylinder-Waschmaschine gebaut, welche viel leistet und ihren Zwek bei wenig Kraft und wenig Wasser vollkommen erfüllt. Diese Waschmaschine, welche in dem schönen Etablissement zu Roclincourt bei Arras hergestellt ist, wird durch eine Dampfmaschine vermittelst eines Riemens in Bewegung gesezt. Hr. Champonnois, der Erfinder, empfahl zwei Abschnitte einer Schnekenlinie an den beiden Enden des Cylinders anzubringen, den einen, um die Rüben hineinzuschaffen, den anderen, um sie auf eine geneigte Ebene herauszuwerfen. Ich glaube, daß diese beiden Abschnitte unnüz wären, denn die Rüben, welche an einem Ende hineinkommen, suchen immer sich in horizontalen Lagen abzusezen, und dieses Bestreben bringt sie bei der Umdrehung der Trommel immer von einem Ende des Cylinders zum anderen. Denn man nun beide Enden mit vier Kreuzhölzern sich enden läßt, und von den Rüben immer so viel zuläßt, daß sie mehr als die Hälfte des Hohlraums des Cylinders einnehmen, so wird es offenbar, daß, da die Achse des Cylinders auf den Rändern des Kastens ruht, die Wurzeln nothwendig an jenem Ende herauskommen müssen, das dem Ende gegenüber steht, an welchem sie eintraten. Durch diese Vorrichtung würde der Apparat weit einfacher werden, der an und für sich schon, so wie Hr. Hallette denselben vorrichtete, sehr einfach ist.

Einige Fabrikanten haben das Waschen aufgegeben, in dem sie vorgeben, es bringe Wasser in die Wurzeln, was aber schwer zu beweisen seyn dürfte, denn alles Wasser, welches in das Fleisch kommt, reducirt sich auf die geringe Menge desselben, die nach dem Waschen noch die Oberfläche der Wurzeln befeuchtet.

Zerreiben der Runkelrüben.

Das Zerreiben ist noch immer das einzige Mittel, welches man anwenden kann, um den Saft von den Runkelrüben abzusondern. Offenbar leistet dieses rein mechanische Verfahren nicht so Vollkommenes, als eine chemische Einwirkung erzweken müßte, wodurch alle Zellen ohne Ausnahme angegriffen würden, und man kann daher bei dem jezigen noch unvollkommenen Zustande der Kunst den Saft und folglich den in den Wurzeln enthaltenen Zuker nur unvollständig ausziehen. |187| In meiner lezten Abhandlung hätte ich bemerkt, daß Hr. Champonnois Versuche über das Auskochen (Cuisson) anstellte, welche ein gutes Resultat gaben, wenn man die Vorsicht gebrauchte, die ausgekochten Wurzeln in ganzen Stüken in die Sake zu bringen. Ich habe in diesem Jahre den Versuch wiederholt und schlechte Resultate erhalten, denn ich fand, daß die Wurzeln in diesem Zustande nicht gepreßt werden können, und der Saft auch nicht gut geläutert werden kann. Die Zeitungen der Provinzen und von Paris haben angekündigt, daß Hr. Martin, Zukerfabrikant bei St. Omer, eine neue Methode erfand, wodurch er 95% Saft aus den Runkelrüben ausziehen könnte. Wahrscheinlich hätte Hr. Martin bloß Versuche, und zwar fruchtlose Versuche angestellt, denn es war von seiner ferneren Bearbeitung dieses Gegenstandes nicht weiter die Rede.

Doch darf man nicht glauben, daß diese Methode den Saft auszuziehen ganz und gar unmöglich ist, denn die Zellen werden dadurch wohl zertheilt, und es bleibt jezt nur noch ein Verfahren auszufinden übrig, wodurch man den Saft leicht von dem Zellengewebe trennen und dann die Läuterung so anstellen kann, daß man gute Resultate erhält.

Das Zerreiben ist also im gegenwärtigen Augenblik noch die einzige anwendbare Methode. Die Reibeisen, deren man sich ausschließlich bedient, sind horizontale Walzen, die an ihrem äußeren Umfange mit Sägeblättern versehen sind. Die Hobel, welche die Wurzeln gegen die Zähne dieser Sägeblätter treiben, sind so gestellt, daß die Achse der Wurzel, die sie treiben, sich dem Cylinder in der Richtung des verlängerten Halbmessers darbietet. Diese Bedingung, unter welcher die Runkelrüben-Wurzel sich dem Reibeisen darbieten muß, ist aus zwei Gründen wichtig: 1)weil dann schneller und besser gerieben wird, als unter jeder anderen Richtung; 2) weil das Stük, welches dann nach dem Zerreiben noch von der Wurzel übrig bleibt, dadurch so klein wird, als nur immer möglich ist: denn es kann nichts anderes mehr übrig bleiben, als eine Scheibe, die auf der Achse senkrecht steht.

Man gibt der Walze gewöhnlich eine sehr große Geschwindigkeit. Geschwindigkeit ist hier wirklich eine der Hauptbedingungen, unter welchen allein die Arbeit gut und schnell von Statten gehen kann. Sechshundert Umdrehungen in Einer Minute scheinen indessen genug, selbst wenn das Reibeisen einen Fuß im Durchmesser hat.

Das Modell des Hrn. Thierry, das man allgemein nachzuahmen und zu verbessern suchte, hätte einen Cylinder von Einem Fuß Breite und zwei Fuß im Durchmesser. Hr. Hallette hat den Durchmesser auf Einen Fuß herabgesezt, unter der Voraussezung, die Reibung des Werkzeuges dadurch zu vermindern. Ich habe hierüber keine Erfahrung, indessen wurde diese Verminderung des Durchmessers des Cylinders auf eine |188| sehr verständige Weise vorgenommen, d.h. man ließ ihm dieselbe Anzahl von Sägeblättern. Die reibende Oberfläche ward also dadurch nicht verändert.

Man gab bisher dem Reibeisen seine Bewegung mittelst einer Roßmühle und eines doppelten Getriebes: erst in den neueren Zeiten hat man einen Laufriemen angewendet, und zwar mit Vortheil. Auf diese Weise werden die Reibeisen auf den Mühlen der HHrn. Wery und Peuviou zu Lille, des Hrn. Amoire zu Saultin, des Hrn. Ledru und Comp. zu Roye, des Hrn. Montauvill zu Domfront getrieben.

Man verfertigt auch die Walzen und die Gestelle aus Gußeisen. Die Weise, wie die Sägeblätter auf den Walzen angebracht werden, ist gleichfalls verschieden. Eine der einfachsten Methoden, die mir noch bekannt geworden ist, zeigt Fig. 17 und 18 auf Taf. 3389). Die Walze, die aus Gußeisen, und deren Umfang voll ist, hat zwei hervorragende Halsstüke aa, in welcher man auf der Drehebank zwei kreisförmige Furchen ausdreht. Die Walze führt, stellenweise, korrespondirende Oeffnungen, wie ccc. In diese beiden Furchen bringt man die Sägeblätter, und stellt sie darin mit ihren beiden Enden fest. Sie werden mittelst hölzerner Lager von einander getrennt, die gleichfalls in obige Furchen eingreifen, und mittelst Keilen festgehalten, die durch die Löcher cc laufen, so daß man sie leicht herausnehmen kann, wenn sie einer Ausbesserung bedürfen. Das Einsezen und Herausnehmen dieser Sägeblätter auf den Cylindern geschieht sehr leicht. Die HHrn. Molard d. jung, und Hr. Moulfarine haben diese Vorrichtung ausgeführt.

Man kann auch Reibwalzen verfertigen, deren Cylinder und Gestell aus Holz ist. Die Sägeblätter lassen sich auf den hölzernen Cylinder entweder mittelst ihrer Züge einsezen, oder man kann auch diese Blätter auf dem Umfange der Walze mittelst hölzerner Lager vereinigen, die mit drei Schrauben auf dem Cylinder festgehalten werden. Solche Walzen sind äußerst wohlfeil und taugen sehr gut für ärmere Landwirthe, für bloße Bauern, bei welchen Einfachheit und Wohlfeilheit der Instrumente eine unerläßliche Bedingung ist.

Auspressen des Saftes.

Um den Saft auszuziehen, füllt man das zerriebene Fleisch in Säke, die man mit Weidenflechtwerk umgibt und unter die Presse bringt. Man bedient sich meistentheils der hydraulischen Presse, weil sie leicht |189| zu handhaben ist, eine große Kraft ausübt und dabei schnell in Gang gesezt werden kann.

In den großen Etablissements verbindet man die Pumpen durch Kurbeln oder mit Laufbändern versehene Flaschen mit dem Göpel und sezt so die Presse in Bewegung. Man liebt die doppelten Injectionspumpen mit abwechselnder Bewegung wegen ihres stätigen und regelmäßigen Widerstandes. Wenn man diese Pumpen durch Menschenkraft bewegen lassen will, ist ein Wagebalken, an dessen beide Enden man zwei Menschen hinstellt, unumgänglich nöthig. Im lezteren Falle ist eine einzige Pumpe vorzuziehen, weil sie weniger kostet.

Eine einzige Injectionspumpe mit doppeltem Körper reicht für zwei Pressen sehr wohl aus, weil bei der Fabrikation niemals beide Pressen zugleich gehen, sondern nur immer eine davon eine Ladung erhält.

Man hat in der lezteren Zeit Runkelrüben-Pressen von einer Kraft construirt, welche die erforderliche bei weitem übersteigt; so spricht man von einem Druk von 5 bis 6000 Zentnern. Ich bin noch immer der Meinung, daß eine Presse, welche einen Druk von 2000 bis 2500 Zentnern ausübt, und die durch einen Stämpel von 7 bis 8 Zoll recht gut in Gang gesezt werden kann, für die Säke von allgemein üblicher Größe hinreichend ist. Uebrigens ist es sehr schwierig, den Druk, welchen diese Maschine ausübt, genau zu erfahren, und er wird bloß nach einer Methode berechnet, welche die Mechaniker leicht falsch anwenden können und die sich immer weit von der Wirklichkeit entfernt, weil sie ein absolutes Gleichgewicht voraussezt.

Man hat in der lezteren Zeit eine Schraubenpresse von der Erfindung des Hrn. Revillon empfohlen90). Diese Presse unterscheidet sich von den gewöhnlichen Schraubenpressen bloß dadurch, daß dabei an Statt der Bewegung durch Druk, eine Reihe von Stößen angewandt wird, deren Stärke in der That unbegränzt ist (?). Man hat diesen Apparat übermäßig gerühmt und ihm eine magische Kraft zugeschrieben. Wenn man aber sein Princip, seine Construction und seine Wirkung genau untersucht, so findet man, daß er mit der gewöhnlichen Schraubenpresse identisch ist, daß die Kraft, welche er ausüben kann, wie diejenige aller Pressen, durch den Widerstand der Materialien, woraus er besteht, begränzt ist, und daß er sich bloß durch den Mechanismus unterscheidet, welcher mit einer schwachen Kraft eine große Wirkung, aber mit geringer Geschwindigkeit zu erhalten gestattet. Er arbeitet nicht schneller als die Hebelpressen, und |190| wenn er eine größere Kraft ausüben kann, so geschieht dieß auf Kosten der Geschwindigkeit.

Diese Presse ist jedoch eben so einfach wie die gewöhnliche Schraubenpresse und verdient in dieser Beziehung die Aufmerksamkeit der Landwirthe. Ihr Mechanismus liegt vor Augen; sie braucht nicht so oft ausgebessert zu werden und kommt nicht so leicht in Unordnung wie die hydraulische Presse. Diese Presse dürfte daher in vielen Localitäten, welche von den mechanischen Werkstätten weit entfernt sind, mit Vortheil angewandt werden können.

In unserer lezten Abhandlung erwähnten wir einer Beobachtung, welche die HHrn. Cazalis und Cordier zu Saint-Quentin machten. Wenn man nämlich zwei hydraulische Pressen, wovon die eine das Maximum ihrer Wirkung erreicht hat, während die andere ihre Ladung hat, mit einander in Wechselwirkung sezt, so macht die eine in diesem Falle die andere auf eine gewisse Höhe steigen, welche gleich der Hälfte des Laufes des Stämpels ist. Wir suchten uns Anfangs diese Erscheinung durch die Elasticität und Zusammendrükbarkeit des Wassers zu erklären, was aber ungenügend ist. Seitdem erfuhren wir, daß die Hauptursache dieser Erscheinung die Elasticität der Weidenflechten ist, die, nachdem sie in einer der Pressen zusammengedrükt worden sind, Elasticität genug haben, um die beobachtete Wirkung hervorzubringen. Dieses Verfahren kann also sehr vortheilhaft seyn, weil dabei eine Kraft benüzt wird, welche bei den gewöhnlichen Anordnungen ganz verloren geht.

Zur Verfertigung der Säke nimmt man am besten eine Leinewand, welche sehr rein und aus sehr festem Zwirn, oder besser noch aus sehr feinem Bindfaden verfertigt ist.

In einigen Fabriken hat man die sogenannten Führer (guides), welche zur Anordnung der Säke auf die Platte der Presse dienten, aufgegeben, weil man bemerkte, daß diese Führer die Nachlässigkeit der Arbeiter bei dem Auflegen der Säke begünstigten, und daß folglich die seitwärts gegen die Führer umgeschlagenen Weidenflechten schnell zerstört wurden und ein unvollständig und ungleichförmig ausgepreßtes Fleisch gaben. Wenn keine Führer mehr vorhanden sind, müssen die Arbeiter bei der Zurichtung der Säke sehr sorgfältig und sehr aufmerksam seyn, weil sie ohnedieß das Fleisch nicht vollkommen auspressen könnten, ohne es der Pressung zu wiederholten Malen zu unterziehen; dann wird aber der Director ihre Nachlässigkeit oder Ungeschiklichkeit bald gewahr werden. In diesem Falle darf man nicht zu viele Säke und Flechten aus einander aufschichten und die Säke auch nicht zu sehr mit Mark anfüllen, denn lezteres wird immer so besser ausgepreßt, je weniger in die Säke davon gebracht worden ist. In vielen Fabriken begeht man den |191| Fehler, zu schnell zu pressen; der Saft hat dann nicht Zeit genug zum Abtropfen und das Mark wird nicht vollkommen ausgepreßt. Zu einer zwekmäßigen Pressung muß man wenigstens 20 bis 25 Minuten verwenden.

Man hat das flache Beken zum Auflegen der Säke vorteilhaft durch eine gußeiserne Platte ersezt, welche auf einer in ihrer Mitte befestigten Röhre beweglich ist. Diese ungefähr 2 1/2 Fuß hoch erhöhte Platte hat einen erhabenen Rand und ihre Oberfläche neigt sich in allen Richtungen gegen die Mitte, wo sich eine Abflußröhre befindet, welche den sich abscheidenden Saft aufnimmt und in das Saftbeken fährt. Diese Platte hat eine längliche Form, so daß man zwei Schichten von Säken auflegen kann. Eine der beiden auszupressenden Schichten befindet sich immer an dem der Reibmaschine nahen Ende, und wenn sie ausgepreßt ist, kann man durch eine Drehung der Platte diese Schichte von den Pressen wegschieben und eine andere dafür aufsezen. Eine solche Platte ist endlich auch viel bequemer als das flache fixe Beken und die auf Rädern beweglichen Beken, welche nach diesen in Gebrauch kamen.

Bei der Ausübung eines besonderen Fabrikations-Systems fand ich es vorteilhaft, das Mark in den Säken selbst auszuwaschen und ich erhielt dadurch noch 10 bis 12 Procent (auf den Gehalt des anfänglichen reducirten) Saft.

Ueber die Triebkraft für die Reibmaschine und die Pressen.

Die beste und wohlfeilste Triebkraft für die Runkelrübenzuker-Fabriken ist ein Ochsen-Göpel, weil man bei der Fabrikation eine gesunde Nahrung für die Ochsen in reichlicher Menge erhält und die Unterhaltung und Ausbesserung einer solchen Triebkraft so einfach ist, daß sie von den Feldarbeitern sehr wohl besorgt werden kann. Von den Dampfmaschinen, welche man in die Zukerfabriken einzuführen gesucht hat, kann man dieses nicht sagen. Die Unterbrechung der Arbeiten, die complicirte Einrichtung der Maschine, das größere Kapital, welches ihre Anschaffung erheischt, die mehr Sorgfalt erfordernde und schwierigere Unterhaltung, schließen diese Triebkraft von den Zukerfabriken aus und machen sie nur in großen Etablissements, an Orten anwendbar, wo das Brennmaterial wohlfeil ist und wo man wegen der Nähe der mechanischen Werkstätten sie schnell und leicht wieder ausbessern kann. Sonst ist überall der Göpel die einzige annehmbare Triebkraft.

Die Wasserfälle, welche man sich an vielen Orten wohlfeil verschaffen kann, wurden ebenfalls empfohlen; wenn man davon Gebrauch |192| machen will, muß man versichert seyn, daß man während der ganzen Dauer der Arbeit keinen Wassermangel leidet, und auch das Gefrieren des Wassers nicht zu befürchten ist. Da leztere Bedingung unmöglich ist, so muß man auf die hydraulischen Triebkräfte verzichten. Die Windmühlen sind wegen ihrer Unbeständigkeit in den Zuckerfabriken ebenfalls nicht anwendbar.

Durch den Göpel sezt man die Reibmaschine, die hydraulischen Pressen und die Waschmaschine in Bewegung. In vielen landwirthschaftlichen Etablissements wird nur die Reibmaschine durch den Göpel bewegt. Sie erfordert 3 bis 4 Pferdekräfte, eine doppelte Pumpe aber nur Eine Pferdekraft. Man findet in einigen Zukerfabriken Göpel, welche durch acht Ochsen getrieben werden, die aber etwas unbequem sind, und es ist möglich, daß in diesem Falle eine Dampfmaschine passender wäre.

Läuterung des Saftes.

Der Zwek der Läuterung ist, die Substanzen in dem Safte, welche dem Zuker fremdartig sind und seine Abscheidung erschweren, entweder abzusondern, oder mit Körpern in Verbindung zu bringen, welche beständigere und den beabsichtigten Resultaten weniger nachtheilige Verbindungen bilden können. Zu diesem Ende befolgt man heute zu Tage drei verschiedene Verfahrungsweisen, welche ich mit den Benennungen: Verfahren der Colonien, französisches Verfahren und Archand'sches Verfahren bezeichnen will.

Verfahren der Colonien.

Dieses Verfahren beschränkt sich auf die Anwendung des Kalks und schließt den Gebrauch der Schwefelsäure ganz aus. Es eignet sich für diejenigen Rübensorten, welche nur eine geringe Menge Kalisalze enthalten. Ich glaube, daß dieß bei den in einem fruchtbaren Erdreiche angebauten und stark gedüngten Wurzeln der Fall ist: diese enthalten auch gewöhnlich sehr viele Ammoniaksalze mit Pflanzensäuren. Wenn dieß wirklich sich so verhält, so muß man annehmen, daß der Dünger bei den Runkelrüben die Ammoniak-Erzeugung begünstigt und der Entwikelung von Kali sehr wenig günstig ist. Der in den Saft gebrachte Kalk schlägt organische Substanzen nieder und bildet außerdem mit mehreren Pflanzensäuren, welche in der Rübe durch Kali und Ammoniak neutralisirt sind, unauflösliche Salze. Diese beiden Alkalien müssen also in dem geläuterten Saft frei werden. Das Kali kann nur durch die Unauflöslichkeit der gebildeten Kalksalze frei werden, die Salze des Ammoniaks werden hingegen alle ohne Ausnahme durch Kalk zersezt. Wenn also der Saft alkalisch wird, so rührt dieß von Kali oder von Ammoniak, oder von beiden zugleich her, denn von Kalkerde |193| ist darin, wie ich mich durch directe Versuche überzeugt habe, meistens fast gar nichts enthalten.

Wenn das in dem Saft vorherrschende Alkali bloß Ammoniak ist und er nur sehr wenig Kali enthält, so kann man ihn nicht mit Säure versezen, denn sonst würde sich während seiner Concentration ein saures schwefelsaures Ammoniak bilden und lezteres durch seinen Säureüberschuß aus den in dem Saft aufgelösten Salzen mehrere Säuren in Freiheit sezen. Diese Säuren sind, wir wiederholen es, Aepfelsäure, Gallertsäure, Salzsäure und meistens auch Salpetersäure, die entweder von der Wurzel herrührt oder durch die Schwefelsäure in den Saft gebracht wurde91). (Weiter oben S. 175. wurden die Nachtheile dieser Agentien angegeben.)

Wenn der Saft so durch bloßen Kalk geläutert worden ist, ist er immer stark alkalisch und man muß sich wohl hüten, ihm die thierischen Kohlen von der Klärung zuzusezen, was in einigen Fabriken geschieht. Dieses Verfahren ist bequem, um die Kohlen auszuwaschen, aber es gibt schlechte Resultate. Denn der Saft, welcher auf diese Art geläutert worden ist, würde stark alkalisch werden und schwer zu concentriren seyn, weil die Alkalien die Eigenschaft haben, die Färbestoffe aus der Kohle zu verdrängen92) und außerdem das Kali die Eigenschaft hat, den Eiweißstoff aufzulösen und damit eine klebrichte Verbindung zu bilden, welche das Abdampfen schäumend und das Verkochen sehr schwierig macht.

Man hat bemerkt, daß man bei der Läuterung mit Kalk bald flokige, bald sehr zertheilte Niederschläge erhält. Zu dieser Beschaffenheit des Niederschlages trägt nach meiner Erfahrung unter Anderem das Verhältniß des in der angewandten Kalkmilch enthaltenen Wassers |194| bei; denn wenn sie verdünnt ist, so fällt der Niederschlag fein, im Gegentheile klümprig aus.

Die Klumpen, welche durch den Kalk in dem Safte gebildet werden, hüllen immer den Kalk ein, welcher nicht wirkt, so daß man sie mit den Klumpen vergleichen kann, welche das Eiweiß bei der Klärung hervorbringt; sie hüllen Alles ein und ziehen Alles mit sich, was der Saft in dem Augenblike, wo sie sich bilden, Unauflösliches enthält. Durch diese Beschaffenheit der Klumpen werden uns andere Erscheinungen erklärbar.

Den Kalk sezt man allgemein dann zu, wenn die Temperatur der Flüssigkeit zwischen dem 70sten und 85sten Grad des hundertheiligen Thermometers (zwischen 60 und 68° Reaumür) ist; doch bringt es keinen Nachtheil, wenn man ihn schon früher und wie ich gefunden habe, sogar in der Kälte zusezt; nur muß man dann von Zeit zu Zeit umrühren, damit der Niederschlag nicht auf den Boden fällt und sich an den Kessel anhängt. Gewöhnlich erhizt man die Flüssigkeit bis zum Kochen; ich fand es aber nicht nachtheilig, wenn das Feuer schon früher entfernt wird, sobald nämlich die Läuterung vollständig erfolgt ist, wovon man sich durch die allgemein üblichen Proben überzeugt haben muß; so hörte ich ohne Nachtheil auf, die Flüssigkeit zu erhizen, als sie bei einer Temperatur von 85° C. (68° R.) sich vollkommen geläutert zeigte. Ich bemerkte sogar, daß ein auf diese Art geläuterter Saft eben so klar und weniger stark gefärbt ist, als gewöhnlicher. Bisweilen habe ich es auch vortheilhaft gefunden dem Safte 500 Grammen thierische Kohle auf das Hektoliter zuzusezen, um den Niederschlag dichter zu machen, damit er sich desto besser absezt; die Kohle muß aber dann unmittelbar nach dem Kalk zugesezt werden.

Bei der Behandlung des Kalkes, welcher zur Läuterung dient, verfährt man in allen Fabriken auf eine sehr fehlerhafte Weise. Denn der Kalk, so wie er aus dem Ofen kommt, also in gebranntem Zustande, zieht die Feuchtigkeit sehr stark an sich und vermehrt daher unter den Umständen, wie man ihn gewöhnlich aufbewahrt, durch Anziehen von Feuchtigkeit aus der Luft, sein Gewicht von Tag zu Tag. Das Gewicht Kalk, welches man heute aus dem Magazine nimmt, ist daher morgen nicht mehr dasselbe, woher die vielen Abänderungen in der Dosis und die wandelbaren Resultate kommen. Außerdem ist der Kalk auch oft wegen des ungleichförmigen Brennens von sehr verschiedenartiger Beschaffenheit, und es finden sich nicht selten mitten in einer kleinen Anzahl von Kalkstüken mehrere Stüke, welche sich entweder nicht löschen oder wenn sie sich löschen, unvollkommen zerfallen, wodurch ebenfalls wieder Anomalien verursacht werden. Um |195| diesen Nachtheilen, welche man nicht vollständig beseitigen kann, möglichst zu begegnen, fand ich es zwekmäßig, allen meinen Kalk vor dem Gebrauch zu löschen. Zu diesem Ende bringt man ihn in einen Korb, welchen man wiederholt in Wasser taucht, bis die Stüke das Wasser nicht mehr einsaugen. Man legt sie dann auf einen geplatteten Boden oder in einen Kasten von Mauerwerk und bedekt sie einige Stunden, bis sie möglichst vollständig zerfallen sind. Ich siebe dann dieses Hydrat, welches vollkommen troken ist, durch ein Haarsieb und verschließe es in Tonnen, welche ich so gut als möglich gegen den Luftzutritt verwahre. Wenn der Kalk in diesem Zustande abgewogen wird, gibt er constantere Resultate, indessen fallen sie selten, auch bei diesem Verfahren, ganz gleich aus. Ich schreibe diese Anomalien der verschiedenartigen Zertheilung des Hydrates zu, welche noch beträchtlich genug ist, auch wenn es durch ein Seidensieb geschlagen wurde. Ich versuchte den Hydratgehalt des Kalkes durch ein alkalimetrisches Verfahren zu bestimmen, erhielt aber nur schwierig annähernde Schäzungen. Man muß sich also damit begnügen, auf die angegebene Weise bereitetes Kalkhydrat anzuwenden und es an einem trokenen Orte, gegen den Zutritt der Luft geschüzt, aufbewahren. Das Gewicht des gelöschten Kalkes verhält sich zu dem des gebrannten beiläufig = 4 : 3.

Nur wenige Fabrikanten befolgen das Verfahren der Colonien ohne alle Abänderungen. Hr. Oudart, einer unserer geschiktesten, wendet es mit günstigem Erfolg an; es scheint aber, daß er doch bisweilen bei dem Verkochen, wenn dieses Schwierigkeiten darbietet, Säure zusezen muß. Die Krystalle des Zukers, welcher nach diesem Verfahren dargestellt wird (wenn es anders die Beschaffenheit der Wurzel zuläßt), haben eine Festigkeit, wie man sie nie in dem Maße bei dem nach anderen Methoden bereiteten Zuker findet; aber sie zeichnen sich durch einen eigenthümlichen Geschmak aus; auch eignen sie sich sehr gut zum Raffiniren und werden dazu als eine der besten Sorten von Runkelrübenzuker gesucht. Die Melassen, welche man durch dieses Verfahren erhält, haben außerdem einen außerordentlich unangenehmen Geschmak.

Wenn die nach dieser Methode bearbeiteten Wurzeln eine beträchtliche Menge Kali enthalten und wenn außerdem genug Kalk angewandt wurde, um dieses Kali in Freiheit zu sezen93), so kann es sich treffen, daß die Klärung mit Eiweiß nicht gut erfolgt, indem das Eiweiß |196| sich nicht klümpert und das Filtriren unmöglich wird. Ich habe diese Thatsache schon in meinem Werke angeführt und die Mittel angegeben, wodurch man sich helfen kann94), welche darin bestehen, entweder den Saft zu neutralisiren, oder die Anwendung des Eiweißes ganz zu unterlassen. Es ist das Kali, welches sich der Gerinnung des Eiweißes widersezt, indem es damit eine auflösliche und klebrige Verbindung bildet; diese Erscheinung ist jedoch bei der Klärung nur dann recht merkich, wann das Verhältniß des freien Kalis etwas beträchtlich ist; wenn nur eine geringe Menge Kali vorherrscht, bildet sich die klebrige Verbindung zwar auch auf Kosten einer entsprechenden Menge Eiweißes, aber der Rest desselben gerinnt und bewirkt die Klärung; in diesem Falle kann man zwar wohl filtriren, wollte man aber den geklärten Saft, welcher die Verbindung des Kalis mit Eiweiß enthält, verkochen, so würde das Verkochen bis zu den lezten Graden wohl vor sich gehen, dann aber die Masse so schäumend werden, daß keine Verdunstung mehr Statt findet. Man kann sich alsdann durch Zusaz einer Säure helfen, worauf sich der eiweißhaltige Schaum an den ruhigen Stellen des Kessels ansammelt. Ich hatte schon in meinem Werke im J. 1825 diese Schwierigkeiten angegeben und um ihnen abzuhelfen, vorgeschlagen, mit Hülfe eines eigenthümlichen, von mir beschriebenen Filters, den Gebrauch des Eiweißes zu unterlassen. Hr. Clémendot schreibt diese Schwierigkeit dem freien Kali des Saftes und dessen Verwandtschaft zum Wasser zu; diese Erklärung ist aber ganz und gar unannehmbar. Sie würde außerdem auch nicht die Verbesserung des Nebels durch Weglassen des Eiweißes und eben so wenig die Bildung eines eiweißhaltigen Schaumes in dem von uns angegebenen Falle, erklären; andererseits ist sie auch mit einer wohl bekannten Thatsache im Widerspruche: daß nämlich die Alkalien, wenn man sie allein anwendet, das Verkochen des Syrupes nicht verhindern, sondern es im Gegentheil begünstigen und außerdem die Krystallisation fester machen. Wenigstens ist dieß bei dem Kalk und dem Kali der Fall. Diese Wirkung des Kalis ist den Colonien wohl bekannt und man hat dort oft Holzasche, zugleich mit Kalk, zugesezt, um die Arbeit zu erleichtern.

Man begreift übrigens, daß bei dem Läuterungs-Verfahren der Colonien alles durch den Kalk in Freiheit gesezte Ammoniak während des Abdampfens und des Verkochens verjagt wird. Ein Verfahren, wobei der Syrup von dem Anfange der Läuterung bis zum Verkochen immer alkalisch ist, gibt aber den gefärbtesten Syrup. Dessen |197| ungeachtet ist der daraus erhaltene Zuker, wenn bei dem Verkochen, Erkälten und der Anwendung der Formen gehörig verfahren wurde, sehr fest, läßt sich leicht reinigen und ist weniger gefärbt, als man es nach seiner Mutterlauge hätte erwarten sollen. Auch ist der Zuker dann sehr troken, in großen Körnern, und kracht unter den Zähnen.

Französisches Verfahren.

Dieses Verfahren besteht darin, Schwefelsäure unmittelbar nach dem Kalk in den Läuterungskessel zu bringen; allein es ist so, wie ich es in meinem Werke beschrieben habe, ganz fehlerhaft. Ich empfahl bei diesem Verfahren die Läuterung mit Kalk gerade so vorzunehmen, als wenn man nur diesen anwenden wollte; dieser Gang ist immer gut und muß befolgt werden, allein die Säure darf man, wenn zwekmäßig verfahren werden soll, nicht in dem Läuterungskessel zusezen. Da der mit Kalk geläuterte Saft entweder gar keinen oder doch nur sehr wenig Kalk aufgelöst enthält, so dürfte man deßwegen kein Bedenken tragen dem klar abgezogenen Saft Schwefelsäure (z.B. bei dem Abdampfen) zuzusezen; allein wenn dieser Zusaz gute Resultate geben soll, so darf nur so viel Säure angewandt werden, als nöthig ist, um die außer dem Ammoniak vorhandenen Alkalien zu neutralisiren; indem jenes vollständig durch die Abdampfung verjagt werden muß. Um diese Quantität auszumitteln, habe ich folgendes Verfahren mit gutem Erfolg angewandt:

Ich mache eine Läuterung mit Kalk allein, decantire dann die Flüssigkeit, um sie zu concentriren, und dampfe meinen ersten Kessel ohne Säure zuzusezen, bis zur Klärungsdichtigkeit (wo der heiße Saft ungefähr 28° am Aräometer zeigt) ab, wo sodann das Ammoniak fast gänzlich verjagt ist und die alkalischen Eigenschaften des Saftes beinahe nur von Kali herrühren; ich seze dann so lange verdünnte Säure zu, bis das Alkali nur mehr schwach vorherrscht und bemerke mir zugleich die Quantität der angewandten Säure. Sobald das Verhältniß der Säure ausgemittelt ist, kann man sie ohne Nachtheil dem geläuterten Safte in dem Augenblike zusezen, wo man ihn in den Abdampfungskessel gießt. Dadurch ist man sicher, daß nicht die geringste Menge Ammoniak gesättigt wird und daher der Saft weder bei dem Abdampfen, noch bei dem Verkochen sauer wird. Wenn man die Arbeit lange fortsezt, so ist es gut, von Zeit zu Zeit versuchsweise eine Abdampfung ohne Säure vorzunehmen und vor der Klärung zu neutralisiren, um zu erfahren, ob das Säureverhältniß noch immer zwekmäßig ist. Dieser Versuch ist besonders nöthig, wenn man die Rüben wechselt. Die braune Farbe des Syrups ist bei den Versuchen mit gefärbten Reagentien Behufs der Neutralisation sehr |198| hinderlich, und man kann sich in diesem Falle dadurch helfen, daß man den Syrup mit ein wenig Wasser verdünnt. Bei einiger Uebung kann man übrigens die Neutralisation nach dem bloßen Geschmak des Syrups annäherungsweise bewerkstelligen, ein Mittel, zu dem ich öfters mit gutem Erfolg meine Zuflucht nahm, weil mir die gefärbten Reagentien, wenn ich den Versuch nicht beim Tageslichte anstellte, von keinem Nuzen seyn konnten.

Die zur Neutralisation des Kalis erforderliche Säuremenge, nach der angegebenen Methode bestimmt, fällt bei verschiedenen Syrupen sehr verschieden aus. Es verdient bemerkt zu werden, daß gegen das Ende der Arbeit, wo eine größere Menge Kalk angewandt werden muß, weniger Säure nöthig ist, eine Erscheinung, welche man bloß durch die Annahme erklären kann, daß sich in dem Saft Ammoniak bildet. In vielen Fabriken, wo man das Verhältniß der Säure nach einer Methode ausmittelte, welche keiner solchen Genauigkeit, wie die von mir angegebene fähig ist, hat man ebenfalls bemerkt, daß gegen das Ende der Arbeit mehr Kalk und weniger Säure erforderlich ist, um gute Resultate zu erzielen.

Wenn man die Absicht hat, den Saft zu verkochen, so kann man, wie ich bereits bemerkt habe, das Ammoniak deßwegen nicht neutralisiren, weil sich das neutrale schwefelsaure Ammoniak in ein saures Salz umändert. In gewissen Fällen erfolgt die Säuerung des schwefelsauren Ammoniaks erst während des Verkochens und oft sogar erst gegen das Ende desselben; der Syrup verkocht alsdann leicht, nimmt eine braune Farbe und den Geschmak des geschmolzenen Zukers an und krystallisirt schnell; der daraus erhaltene Zuker hat endlich alle Fehler eines durch Verkochen von saurem Syrup erhaltenen Zukers.

Ich habe mit hinreichendem Erfolge an Statt der Schwefelsäure zur Neutralisation des Kalis unreine käufliche Salzsäure angewandt95). Ich erhielt dadurch einen viel weniger gefärbten Syrup und Zuker; lezterer hatte einen schwach salzigen Geschmak, aber er war fest und von guter Qualität, indessen habe ich bemerkt, daß die von diesem Zuker erhaltenen Melassen sich weniger leicht als andere wieder verkochen lassen und selbst nach längerer Zeit weniger Krystalle geben, und in der That konnte ich durch Verkochen der Melassen nicht Zuker genug in den Zukerformen erhalten, aber der Zuker, welchen ich erhielt, war sehr fest und von sehr guter Qualität. Daß der nach diesem Verfahren bereitete Zuker so schwer krystallisirt, muß dem entstandenen |199| Chlorkalium (salzsauren Kali) zugeschrieben werden, welches die Feuchtigkeit sehr stark anzieht. Die Gründe, weßwegen ich die unreine Salzsäure anzuwenden versuchte, waren folgende: erstens wußte ich, daß die darin enthaltene schwefliche Säure die Farbe des Syrups und Zukers bleicht, und dann hoffte ich, daß ich bei der Neutralisation des Ammoniaks mit Salzsäure, in Betreff der Zersezung dieses Salzes und besonders der Säuerung des Syrups, nichts mehr zu fürchten haben würde.

Ich habe auch versucht die Anwendung von Mineralsäuren ganz zu umgehen, indem ich bei dem Abdampfen bloß einen fetten Körper (z.B. Schmalz) zusezte, welcher solche Säuren hervorzubringen fähig war, die das Kali neutralisieren und sodann den Kalk aus den Kalksalzen fällten, welche leztere in den Syrupen bis zum Verkochen desselben aufgelöst bleiben, und es oft unmöglich machen, dieses über freiem Feuer vorzunehmen. Es fand bei dem Abdampfen kein Aufschäumen Statt. Der Saft erhielt sich gut alkalisch, nahm eine röthliche Farbe an, konnte leicht geklärt und verkocht werden, und der Zuker war eben so fest wie der nach dem Colonialverfahren dargestellte. Indessen habe ich später diese Methode wieder aufgegeben, weil ich in der Farbe des Zukers nichts gewann und das Verkochen des Syrups mir nicht verbessert schien.

Um einen sauren Syrup zu verbessern, es mochte nun bei dem Abdampfen, oder bei dem Klären, oder bei dem Verkochen seyn, leistete mir krystallisirtes kohlensaures Natron immer gute Dienste; es ist immer dem Kalk vorzuziehen, wenn man Behufs des Verkochens einen neutralen oder auch einen säuerlich gewordenen Syrup alkalisch machen muß.

Auch muß man sich wohl hüten, bei dieser Methode alle thierische Kohlen anzuwenden.

Daß ich die Schwefelsäure bei dem Abdampfen, an Statt bei der Läuterung anwandte, geschah aus folgenden Gründen:

1) Wenn man die Schwefelsäure in den Läuterungskessel selbst gießt, so findet man, daß bei gleichen Quantitäten Kalk verschiedene Quantitäten Schwefelsäure nöthig sind, um den Sättigungspunkt zu erreichen. Ich kann mir diese Anomalie nur dadurch erklären, daß der angewandte Kalk sehr ungleich vertheilt ist und der Niederschlag, indem er sich ebenfalls in einem mehr oder weniger verteilten Zustande befindet, Kalk in festem Zustande mit sich reißt und so der Einwirkung der Schwefelsäure eine desto geringere Menge davon übrig läßt, je weniger vertheilt er ist;

2) gießt man Schwefelsäure bis zur Neutralität in einen mit Kalk geläuterten und schlecht decantirten Runkelrübensaft, der also |200| noch einen Theil des Niederschlages suspendirt enthält, so verschwindet der Niederschlag, selbst in der Kälte, vollständig. Die Säure kann also einen Theil des durch den Kalk hervorgebrachten Niederschlages wieder auflösen und diese Reaction kann auch, nur in geringerem Maße, vor der vollständigen Sättigung Statt finden;

3) wenn man die Säure in den Läuterungskessel selbst gießt, so braucht man davon zwei Mal so viel, als nöthig ist, um das Kali in dem geläuterten Saft zu neutralisiren, und folglich ist bei dem Abdampfen davon nur eben so viel oder selbst noch weniger nöthig. Dieser Unterschied erklärt sich durch die Wirkung der Säure auf den Niederschlag und durch die in den beiden vorhergehenden Nummern enthaltenen Bemerkungen;

4) der mit Kalk geläuterte Saft gibt mit Schwefelsäure keinen Niederschlag, was doch wohl geschehen müßte, wenn er Kalk enthielte. In dieser Beziehung hat man also keinen Nachtheil.

Nachdem ich gefunden hatte, daß die Kohle die alkalischen Basen neutralisirt, glaubte ich diese Eigenschaft benuzen zu können, um die Säuren bei der Bearbeitung des Runkelrübensaftes vollständig zu beseitigen; allein die Sättigungscapacität der Kohlen ist so gering, daß man davon eine große Menge anwenden müßte, weßwegen sich von ihnen kein Vortheil versprechen läßt.

Läuterung nach dem Achard'schen Verfahren. Das Verfahren, welches ich das Achard'sche genannt habe, besteht bekanntlich darin, die Schwefelsäure in der Kälte anzuwenden und sodann den Kalk ebenfalls in der Kälte zuzusezen. Achard hatte außer diesen Substanzen auch noch kohlensauren Kalk gebraucht, welchen man seitdem mit Recht aufgegeben hat. Diese Methode hat unter anderen den großen Vortheil, daß die Schwefelsäure, in der Kälte angewandt, den Saft gegen Veränderungen schüzt. In der That nimmt der auf diese Art behandelte Saft eine röthliche Farbe an Statt der schwarzen an, die immer eine Veränderung desselben anzeigt und kann sich auch in diesem Zustande 24 Stunden lang und selbst noch länger, ohne schleimig zu werden, erhalten, wenn die Temperatur, welcher er ausgesezt wird, 15 bis 18° C. nicht übersteigt. Die Säure schlägt alsdann eine organische Substanz in Floken nieder und wirkt auch auf alle Salze der Runkelrübe, die sie zersezen kann, und sezt ihre Säuren in Freiheit; diese Erscheinungen gehen in der Kälte vor und die nachtheiligen Resultate, welche die Säuren hervorbringen könnten, finden alsdann nicht Statt, wovon jedoch die Einwirkung der Salpetersäure ausgenommen ist, in dem Falle, wo die Wurzel salpetersaure Salze enthält. Durch den Kalk, welcher ebenfalls in der Kälte zugesezt wird, werden die Säuren neutralisirt und man erhizt erst nach |201| diesem Zusaze. Bei den von Achard vorgeschriebenen Verhältnissen muß der Saft, so wie bei den von Hrn. Crespel angegebenen, bei der Läuterung alkalisch seyn, wenn man reine Materialien angewandt und gut manipulirt hat. Durch dieses Verfahren wird der Saft gewöhnlich sehr leicht geläutert; der Niederschlag sezt sich gut ab und der Saft ist sehr klar und wenig gefärbt; bisweilen nimmt er jedoch in Berührung mit der Luft eine schwärzliche Farbe an, was man durch einen größeren Ueberschuß von Alkali oder durch überschüssige Säure verhindern könnte. Dieser Saft wird bei dem Abdampfen sauer und kann nicht ohne Nachtheil verkocht werden, es sey denn, daß man ihn aus sehr wenig ammoniakalischen Wurzeln erhält, was jedoch nur im Anfang der Arbeit der Fall seyn kann. Dadurch erklärt sich der Umstand, daß Hr. Crespel und seine Nachahmer, welche immer Säure und Kalk in beinahe gleicher Menge anwenden, nur im Anfang ihrer Arbeiten verkochen können.

Das Achard'sche Verfahren wird jedoch mit gutem Erfolg auch von einigen Fabrikanten befolgt, welche verkochen, z.B. von den Herren Dronsart und Feneulle zu Bouchain; in diesem Falle muß man aber mehr Kalk als Säure und beide entweder in demselben Verhältnisse wie bei dem französischen Verfahren, oder doch in einem wenig davon abweichenden, anwenden. Endlich dürfen bei diesem Verfahren auch keine Ammoniaksalze in dem Saft bleiben, sondern das Ammoniak muß durch Abdampfen entfernt werden und der Syrup darf, ehe er auf den Punkt gebracht ist, wo er verkocht werden kann, nicht sauer werden. Hiernach kann man beurtheilen, wie schwierig es bei dieser Methode ist, genau die Verhältnisse der Läuterungsmittel zu bestimmen. Auch trifft es sich oft, daß der verkochte Zuker von schlechter Qualität ist; dessen ungeachtet muß man gestehen, daß man nach diesem Verfahren, wenn es gut gehandhabt wird, einen Zuker erhält, welcher eben so schön und eben so fest wie der durch Kalk allein bereitete ist. Die Fabrikanten, welche das von Hrn. Crespel abgeänderte Achard'sche Verfahren benuzen, wenden bei dem Abdampfen thierische Kohle an, deren gute Resultate man leicht erklären kann. Der so bereitete Syrup wird nämlich bei dem Abdampfen sehr häufig sauer; die Kohle kann also durch den in ihr enthaltenen kohlensauren und basisch phosphorsauren Kalk diesen Fehler zum Theil verbessern.

Auch muß man gestehen, daß die nach dem Achard'schen Verfahren bereiteten Syrupe in Hinsicht des Geschmaks unter die angenehmsten gehören. Sie sind sehr flüssig; sie erhalten sich in der Wärmstube gut; ihr Geschmak ändert sich durch den Einfluß der Wärme nicht und die Mutterlaugen können, wenn die Wurzeln gut sind, so |202| zu sagen bis zur Trokniß krystallisiren. Hiezu sind aber Krystallisirgefäße, Zeit, Brennmaterial und Handarbeit erforderlich.

Ich habe Zuker gesehen, welcher aus saurem Syrup in den Krystallisationsgefäßen angeschossen war, und einen übeln Geruch hatte; ich wußte schon seit langer Zeit, daß dieser Geruch sich zeigt, wenn man sauren Syrup mit verdorbenem Blut klärt.

Es ist zu bemerken, daß der mit gleichen Quantitäten Kalk und Säure zubereitete Syrup, wenn er in saurem Zustande in die Krystallisationsgefäße gebracht wird, am leichtesten krystallisirt und einen Zuker von dem besten Geschmak gibt. Ein vollständiger geläuterter Syrup, z.B. ein solber, der zum Verkochen zubereitet wurde, zeigt sich in den Krystallisationsgefäßen weniger flüssig; er ist mehr oder weniger dunkelgelb an Statt hellbraun gefärbt und gibt einen Zuker, welcher zwar von besserer Qualität ist, aber bei gleicher Reinigung eine nicht so schöne Farbe zeigt.

Aus diesen Gründen haben einige Fabrikanten geglaubt, daß der für die Krystallisationsgefäße bereitete Syrup sich nicht zum Verkochen eignet, und umgekehrt. Die Wahrheit ist, daß ein zum Verkochen geeigneter Syrup auch für die Krystallisationsgefäße taugt, aber darin nicht so schöne und nicht so große Krystalle gibt, als wenn er mit weniger Ueberschuß von Alkali behandelt worden wäre. Andererseits ist es auch wahr, daß ein Syrup, welcher so bereitet ist, daß er in den Krystallisationsgefäßen die schönsten und größten Krystalle geben muß, sich nicht zum Verkochen eignet. Ich bemerke jedoch ausdrüklich, daß ich hiebei keine Rüksicht auf diejenigen Eigenschaften des Zukers nehme, welche dem Raffinirer erwünscht sind und welche meiner Meinung nach nur bei dem durch Verkochen erhaltenen Zuker angetroffen werden können, und die der Zuker aus den Krystallisationsgefäßen nur dann erhalten könnte, wenn man ein Mittel auffinden würde, solche Zukerarten, die man aus Syrup erhält, welcher wie zum Verkochen geläutert wurde, ohne Hülfe der Walzen zu reinigen.

Es gibt einige Fabrikanten, welche das Verführen des Verkochens mit dem Krystallisationsverfahren vereinigen. Sie verkochen nämlich den neuen Syrup und bringen die Melassen in die Krystallisationsgefäße. Dieses Verfahren, wobei in die Krystallisationsgefäße ein Syrup kommt, welcher bereits verkocht worden ist, bietet hinsichtlich der Qualität des Zukers größere Sicherheit dar; ich kann ihm jedoch meinen Beifall nicht schenken, weil ich es wenig rationell und nicht wohl mit den Principien einer guten Fabrikation übereinstimmend finde. Ich bin in der That überzeugt, daß wenn ein Saft gehörig Behufs des Verkochens behandelt, und diese Operation damit vorgenommen wurde, die Melasse, welche man damit erhält, einige Veränderungen erlitten |203| hat, die ihn nicht mehr geeignet machen, in den Krystallisationsgefäßen bessere Resultate zu geben. Er ist in der That alsdann zu klebrig, und solche Krystalle, welche sich beim Wiederverkochen einander wohl nähern würden, scheiden sich bei der langsamen Verdunstung und der niedrigen Temperatur der Wärmestube schwierig ab. Andererseits kann sich die Unvollkommenheit der Behufs des Verkochens gemachten Läuterung bisweilen erst beim Wiederverkochen zeigen, welches dann sehr schwierig wird; da diese Schwierigkeiten bei den Krystallisationsgefäßen verschwinden, so können diese auch hierin die Fabrikation schlechter Producte begünstigen. Man muß daher meiner Meinung nach die eine oder die andere Methode annehmen, um die Läuterung darnach einzurichten.

Läuterung mit saurer schwefelsaurer Alaunerde. Hr. Derosne hat dieses Salz vorgeschlagen, um dadurch unter Mitwirkung des Kalks den Runkelrübensaft zu läutern, und um zugleich die thierische Kohle entbehrlich zu machen. Es ist klar, daß die schwefelsaure Alaunerde nur durch ihre Säure als Läuterungsmittel wirken kann; durch den Zusaz von Kalk wird das Verfahren des Hrn. Derosne den gewöhnlichen ähnlich und die Läuterung wird bei dem gehörigen Verhältnisse dieser beiden Substanzen, bei dieser Methode wie durch Säure und Kalk erfolgen. Wozu nüzt also die Alaunerde? offenbar dient sie bloß als Entfärbungsmittel. Man kann auch wirklich durch dieses Verfahren einen wohlentfärbten Saft erhalten, vorausgesezt, daß man eine wesentliche Bedingung, die Alkalität des Saftes, aufopfert. Der Saft ist alsdann sauer oder wird es bei dem Abdampfen und zeigt alle Nachtheile der sauren Syrupe und außerdem diejenigen, welche durch die Unreinheit der schwefelsauren Alaunerde veranlaßt werden. Wenn im Gegentheil der überschüssig zugesezte Kalk für eine zum Verkochen geeignete Läuterung ausreichend ist, d.h., wenn er alles Ammoniak in Freiheit gesezt hat, dann trägt die Alaunerde nichts zur Läuterung bei; der Syrup färbt sich bei dem Abdampfen wie bei den gewöhnlichen Verfahrungsarten und die Alaunerde, welche einen Niederschlag verursacht, hat nur Kosten und Abfälle veranlaßt, ohne irgend ein nüzliches Resultat erzielt zu haben.

Welche Methode man auch anwenden mag, um die schwefelsaure Alaunerde im Großen zu bereiten, so wird man sie nie ohne große Kosten von dem schwefelsauren Eisen reinigen können; lezteres verunreinigt daher die mit schwefelsaurer Alaunerde behandelten Syrupe, und ist auch die Ursache des unangenehmen und metallischen Geschmakes der von Hrn. Derosne im Großen nach dieser Methode bereiteten Syrupe. Man kann in der That mit diesen Syrupen Tinte und Berlinerblau darstellen, gerade so wie mit einer Auflösung von schwefelsaurem Eisen.

Ich glaube daher, daß sich ganz und gar kein Grund angeben läßt, |204| weßwegen man schwefelsaure Alaunerde zur Läuterung anwenden sollte, indem sie nur wie die Schwefelsäure allein wirken und ihre Alaunerde in dem Zeitpunkt der Arbeit, wo der Saft durchaus alkalisch seyn muß, keinen Nuzen gewahren kann. Howard, welcher zuerst den Gebrauch der Alaunerde bei der Bearbeitung des Zukers empfahl, wandte sie auf eine zwekmäßigere Art an; er bereitete sie aus Alaun, wodurch er sie, ich will nicht sagen wohlfeil, aber doch hinreichend rein erhielt, und gebrauchte sie bei der Raffinirung, wo der Syrup ohne Schwierigkeit durch sie entfärbt werden kann.

Aus der zur Läuterung angewandten schwefelsauren Alaunerde scheidet sich die Alaunerde in einem gallertartigen, und folglich in einem sehr verteilten Zustande ab, welcher die für diese Operation gebräuchliche Klarungsweise wenig begünstigt; auch mußte Hr. Derosne die Klärung durch Absezen aufgeben und zu dem Filtriren seine Zuflucht nehmen. Daß man aus schwefelsaurer Alaunerde seinen Zwek nicht erreicht (was ich mehreren Personen, die mich über diesen Gegenstand zu Rathe zogen, vorhergesagt hatte), ist jezt durch die Erfahrung erwiesen und der Erfinder scheint sie selbst, wenigstens zur Läuterung des Runkelrübensaftes, aufgegeben zu haben. Indessen hofft er, wie man noch sagt, durch sie die thierische Kohle ersezen zu können; dazu müßte man sie aber in reinem Zustande anwenden können; auch scheint es uns noch nicht erwiesen, daß sie eben so viel leistet, wie die thierische Kohle.

Bearbeitung des Schaumes.

Um aus dem Schaum und Absaz der Läuterungskessel die Flüssigkeit, welche sie enthalten, auszuziehen, pflegte man sie noch vor kurzer Zeit auf ein Filter zu bringen. Dieses Verfahren war langsam und immer sehr unvollständig, so daß dadurch wohl 5% des Saftes verloren gehen konnten: heute zu Tage bedient man sich hiezu der Pressen. Zu diesem Ende füllt man Säke aus starker und enggewobener Leinewand mit dem Safte an, verschließt sie, indem man einen festen Knoten daran macht und bringt sie, durch Flechten von einander getrennt, unter die Presse, die man allmählich wirken läßt; der Saft geht klar und schnell durch die Säke, worin nur ein trokner und wenig voluminöser Rükstand bleibt. Bei diesem Verfahren erhält man dem Volum nach ziemlich eben so viel geläuterten Saft, als man Saft zur Läuterung anwandte, da der Verlust durch das mit dem Kalk und der Schwefelsäure zugesezte Wasser wieder ausgeglichen wird.

Ich habe es zwekmäßig befunden, die mit Schaum gefüllten Säke vorher in ein enges, mit Weidengittern versehenes Filter zu bringen, wodurch sie mehr als die Hälfte ihres Saftes in wenigen Stunden ausgeben; bringt man sie sodann unter die Presse, so nehmen sie weniger |205| Raum ein, können besser hergerichtet werden und laufen schnell ab, indem die Flüssigkeit noch sehr heiß ist. Bei dieser Arbeit ist es zwekmäßig, den Schaum heiß anzuwenden, weil er sich dann schneller filtrirt und der Rükstand trokner ist.

Abdampfung (Concentration).

Das Abdampfen nimmt man in beweglichen oder feststehenden Kesseln über freiem Feuer vor; der Erfolg ist desto besser, je schneller es geschieht; aus diesem Grunde empfahl ich eine stufenförmige Abdampfungs-Batterie. Das Princip, auf welches diese Batterie gegründet war, entging mehreren unserer aufgeklärtesten Fabrikanten, wie den HHrn. Guilbert und Clémendot, Blanquet und Harpignies u.s.w. keinesweges; sie nahmen zwar die Einrichtung meiner Batterie nicht an, befolgen aber in der That ihr Princip; nachdem sie nämlich den Saft in mehreren Kesseln als eine dünne Schichte verbreitet haben, vereinigen sie ihn zu einer einzigen, sobald die Schichte sich so verringert hat, daß man befürchten muß, sie möchte anbrennen. Diese Bedingung war bei meiner Batterie wohl erfüllt, und ich weiß nicht, weßwegen man sie nicht annehmen wollte. Freilich waren bei dem Plane in meinem Werke zu viele Kessel; aber bei den Einrichtungen, die ich unlängst angenommen habe, und welche in diesem Jahre in mehreren Fabriken ausgeführt werden, beträgt die Anzahl der stufenförmig erhöhten Kessel nicht mehr als fünf oder sechs und man kann darin in 12 Stunden 60 Hektoliter Saft abdampfen. Man wird darin 500 Liter in einer halben Stunde concentriren können, und dieser Vortheil ist unschäzbar. Eine ähnliche Vorrichtung hatte Hr. Guillory zu Angeis angenommen, welcher in diesem Jahre hauptsächlich zu seiner eigenen Belehrung arbeitete und seine Zukerfabrik bloß mit Hülfe meines Werkes einrichtete und leitete; seine Producte sind so schön und gut, daß er sich vornahm, eine Fabrik nach einem großen Maßstabe aufzubauen.

Die HHrn. Blanquet und Harpignies haben flache, lange, in der Mauer befestigte und mit Hähnen versehene Abdampfungskessel. Dieser Apparat leistet gute Dienste und ich glaube, daß solche Kessel, stufenförmig erhöht und mit gut eingerichteten Oefen versehen, zum Abdampfen am geeignetsten wären.

In vielen Fabriken hat man die Abdampfungskessel mit Dampf erhizt; es scheint aber nicht, daß man Brennmaterial erspart und einen besseren Syrup erhalten hat. Bei meinen Versuchen zeigte sich kein Unterschied in der Farbe des Syrups, er mochte über freiem Feuer oder mit Dampf concentrirt worden seyn. Nach den verläßlichsten Nachrichten, welche ich mir verschaffen konnte, werden durch die Verbrennung eines Kilogramms Kohle bei der Dampfheizung nur 2 bis 3 Kilogr. |206| Wasser verdunstet, während man über freiem Feuer deren 5 und noch mehr verdampfen kann.

Die Fehler, welche alle unsere Dampf-Apparate bei ihrer gegenwärtigen Einrichtung haben, werden nie vollkommen beseitigt werden können. Die Gefahr einer Explosion, die complicirte Einrichtung des Apparates und die schwierige Ausbesserung, dieses sind Nachtheile, welche dem Systeme angehören und die man nur mehr oder weniger verringern kann; ich ziehe daher für jezt noch in den meisten Fällen das Abdampfen über freiem Feuer vor, hauptsächlich wenn die Zukerfabrikation wegen landwirthschaftlicher Zweke und nach einem kleinen Maßstabe betrieben wird, auch weit von mechanischen Werkstätten entlegen ist.

Hr. Derosne bemüht sich seit vielen Jahren eine Einrichtung herzustellen, wobei das Abdampfen stätig vorgenommen und daher in derselben Zeit zwei Mal so viel geleistet wird. Dieses Princip, gegen welches sich aus der Theorie, wenn man bloß auf die Ersparung an Brennmaterial sieht, keine Einwendungen machen lassen, bietet in der Praxis unübersteigliche Hindernisse dar. Hr. Derosne hat seinen Apparat jezt möglichst vereinfacht, und doch sind die Resultate unvollständig; sie sind es bei aller Ersparung an Brennmaterial meiner Meinung nach deßwegen, weil nicht alle Bedingungen, welche das Abdampfen des Saftes erheischt, dabei erfüllt sind. Bei diesem Apparate wird nämlich der Saft zuerst in Kesseln, welche über freiem Feuer erhizt werden, gekocht und dann durch ein bloßes Verdunsten vollends concentrirt, indem er auf Metallplatten circulirt, die mit Dampf erhizt werden. Es ist hiebei unumgänglich nöthig, daß der Saft in einer dünnen Schichte circulirt, weil man ihn unmöglich zum Sieden bringen kann. Diese Circulation ist nach meinen Beobachtungen und meiner Erfahrung ein Umstand, welcher die Annahme des Apparates des Hrn. Derosne für die zum Verkochen bestimmten Runkelrübensyrupe immer verhindern wird. Die Circulation auf heißen Platten bringt in dem Syrup diejenige Veränderung hervor, welche die Raffinirer das Schmierigwerden nennen. Da dieser Apparat sehr complicirt ist, so wird seine Anwendung immer mit Schwierigkeiten verbunden seyn. Ehe man damit Versuche zu Paris anstellte, hatte man ihn in den Colonien angewandt, aber keine guten Producte erhalten; übrigens war er etwas von demjenigen verschieden, welcher zu Chaillot bei dem Erfinder verfertigt wurde. Man hat ihn auch ohne Erfolg in der Fabrik der HHrn. Blanquet und Harpignies versucht.

Vor Kurzem erfand Hr. Hallette einen neuen Abdampfungs-Apparat. Derselbe besteht aus einem beweglichen Doppel-Cylinder. Seine Achse ist schwach geneigt. Der Dampf tritt zwischen die beiden |207| Hülsen und der Saft circulirt auf der inneren Peripherie des umhüllten Cylinders. Bei der drehenden Bewegung circulirt der durch das höchste Ende zugelassene Syrup und beschreibt eine Art Schnekenlinie auf der durch Dampf von drei Atmosphären erhizten Oberfläche; der Dampf tritt durch eine Oeffnung aus, die in der Nähe desjenigen Endes angebracht ist, an welchem der Saft zugelassen wird, während dieser Saft am entgegengesezten Ende austritt. Der Erfinder dieses Apparates schrieb mir am 5. Febr. l. J. über denselben Folgendes:

„Ein einziger Apparat, der im Ganzen 16 Fuß lang ist, und in der Breite, nebst dem nöthigen Raume für die Arbeiter, nur 3 bis 3 1/2 Fuß einnimmt, kann, wenn er einmal gehörig aufgestellt ist, ohne irgend eine Sorgfalt zu erheischen, eine ganze Woche lang arbeiten, ohne daß man nöthig hätte, ihn zu reinigen. Er kann sich nicht beschmuzen, so viele Unreinigkeiten in dem Safte auch seyn mögen; er ist in seinen Wirkungen constant, wenn die Temperatur des Dampfes in den Generatoren constant ist.“

„Mit diesem Apparate allein kann man einen Syrup von 4–5 Graden (am Aräometer), er mag nach was immer für einer Methode geläutert seyn, nach Belieben auf 26, 27, 28, 30 und sogar 32 Grade bringen; als ich einen Saft auf mehr als 50 Grade concentrirte, betrug die Abweichung nie über 1/2 Grad.“

„Ich nahm einen Saft, welcher frisch 4 1/2 Grad zeigte, aber nachdem er 5 Tage gestanden und ganz freiwillig gegohren war, 5 1/2 Grade erlangt hatte. Von diesem Saft wurden stündlich 4 Hektoliter in den Apparat gebracht und er trat mit 24 3/4 und 25 Graden aus, wenn die Temperatur des Concentrators 24 Grade oder 2,4 Atmosphären an Hrn. Collardeaus Thermomanometer betrug96). Wenn die Tension des Dampfes größer ist, z.B. 30 bis 35 Grade, (welche Temperatur man bei den gewöhnlichen Concentrations-Apparaten so wie bei dem Verkochungs-Apparate des Hrn. Taylor anwendet,) so concentrire ich 5 Hektoliter stündlich eben so stark; vorläufig garantire ich aber als Maximum 4 Hektoliter. Ich bemerke Ihnen im Vorbeigehen noch, daß mein Saft so stark entwässert war, daß man ihn in keinem offenen Apparate weiter hätte einengen können, weil er darin ganz als Schaum emporgestiegen wäre.“

„So lange der Saft in dem Apparat verweilt (und jedes Kilogramm, wenn ich dieses Gewicht zur Einheit nehme, bleibt darin höchstens 5 Minuten) ist er außer aller Berührung mit der Luft.“

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„Der Dampf des Syrups entweicht aus meinem Concentrator mit stätiger Wirkung und unbeschränkter Oberfläche durch eine kupferne Röhre von 10 Zoll Durchmesser, und mit einer Geschwindigkeit, die fast so groß ist, als diejenige, womit er aus dem Ventil einer Dampfmaschine mit niedrigem Druk austritt. Ich kann ihn in Röhren leiten, welche auf 7 oder 8 Zoll reducirt sind und die man sodann in allen Räumen der Fabrik, welche erwärmt werden müssen, circuliren lassen kann, z.B. in den Bleichstuben u.s.w.97). Es ist hinreichend, wenn die obere Oeffnung dieser Wärmungsröhre zuoberst auf dem Gebäude ganz offen ist, so daß sie dem Dampf einen freien Austritt gestattet. Diese Ersparniß, welche man nicht mit derjenigen verwechseln darf, die man bei einer ähnlichen Heizmethode zu finden glaubt, wenn man wie zu Roye und in einigen Fabriken zu Paris, Maschinen mit hohem Druk ohne Verdichter anwendet, welche zwei Mal so viel Kohle wie die meinigen erfordern, macht diesen Apparat in Verbindung mit seinen übrigen Vortheilen, sehr schäzbar.“

Nach dieser Mittheilung machte ich Hrn. Hallette einige Bemerkungen über das Princip seines Apparates, worauf er die Güte hatte, mir neue Nachrichten darüber zu ertheilen, die ich hier wörtlich bekannt mache, um keine Verantwortlichkeit auf mich zu laden.

„Die hier folgenden Resultate erhielt ich nicht etwa mit einigen Litern Saft, sondern mit Massen von 15, 20 und 30 Hektolitern, die ich auch zu meinen früheren Versuchen anwandte.“

„Als die Tension des Dampfes in dem Kessel 3 Atmosphären betrug, machte mein Concentrator 7 Umdrehungen in der Minute.“

„Als ich von einem geläuterten Runkelrübensaft, welcher 5 1/2 Grade am Aräometer zeigte, in jeder Minute 12 Liter zuließ, erhielt ich in derselben Zeit Syrup von 25 bis 26 Aräometer-Graden, dessen Temperatur nur 57 bis 58° R. betrug; das Verdichtungswasser des angewandten Dampfes verhält sich zur Masse des verdunsteten Saftes ungefähr wie 1 zu 1,60.“

„Da regelmäßig in jeder Minute zwei Liter Syrup aus dem Apparate treten, so bleibt offenbar jedes Liter Syrup nur dreißig Sekunden darin. Da er mit so niedriger Temperatur austritt und so sehr an Brennmaterial erspart wird, so ist kein Zweifel, daß der Raum, worin der Saft siedet, ein verdünnter ist.“

„Ich wollte in diesem Jahre die Vortheile, welche mein System darbietet, wenn es auf einen Verkochungs-Apparat angewandt wird, noch nicht bekannt machen; aber ich konnte Hrn. de Beaujeu, welchem |209| ich eine beträchtliche Menge Arbeit zu liefern habe, den Beweis der Thatsachen, welche ich ihm in dieser Beziehung mittheilte, nicht verweigern. Während seines Aufenthaltes dahier habe ich einen vorläufig auf 25 Grade concentrirten Syrup verkocht, ohne ihn filtrirt oder geklärt zu haben; die Operation geschah mit einer außerordentlichen Schnelligkeit, der Syrup war so flüssig, daß man nicht hätte vermuthen sollen, daß er die Probe ablegen könnte, und seine Temperatur betrug nur ungefähr 68° R. Man kann sich keine Vorstellung von der Leichtigkeit machen, womit alle diese Operationen ausgeführt werden, und von den unermeßlichen Vortheilen jeder Art, welche die Zukerfabrikanten, die Raffinirer und viele andere Manufakturisten aus diesem neuen Princip ziehen müssen.“

„Ich glaube nicht zu viel zu behaupten, wenn ich sage, daß eine Fabrik, wenn sie zwekmäßig geleitet wird, mit zwei Läuterungs-Apparaten, einem Verkochungs-Apparat nach meinem System, und einem stätig wirksamen mechanischen Filter, so wie ich jezt ein solches herzustellen beabsichtige, vollkommen ausreichen könnte.“

Um das Ansezen eines Niederschlages in diesem Apparate zu verhindern, scheint er mit einer beweglichen Rachel versehen zu seyn. Bei genauer Prüfung desselben finde ich die Bedingung einer möglichst schnellen Abdampfung wohl erfüllt, aber um welchen Preis? auf Kosten einer wesentlichen Eigenschaft des Syrups. Ich glaube mit Gewißheit vorhersagen zu können, daß der in diesem Apparate concentrirte Syrup keinen so guten Zuker gibt, wie derjenige, welchen man durch das gewöhnliche Einkochen erhält. Daß der Syrup darin circulirt, ist für die Concentration sehr schädlich und daß er darin durch die Rachel gerieben wird, noch viel mehr. So wird also eine sehr sinnreiche und merkwürdige Anwendung des Cylinders in Folge der Eigenschaften des Productes, welches man während der Arbeit ohne Nachtheil weder circuliren lassen noch umrühren noch reiben kann, ganz unnüz. Die Erfahrungen, welche diese Behauptungen rechtfertigen, sind mir eigenthümlich und noch unbekannt; sie stimmen übrigens mit den Beobachtungen vieler Raffinirer, besonders derjenigen, welche sich mit der Kandis-Fabrikation beschäftigen, überein98). Diese Bewegung ist den Apparaten der HHrn. Derosne und Hallette gemeinschaftlich, und die Einwendungen, welche ich lezterem mündlich gemacht habe, als sein Apparat noch nicht ausgeführt worden war, gründeten sich, wie ich glaube, auf dieselben Principien.

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Apparat zum Abdampfen im luftleeren Raume. – Hr. Roth, ein sehr ausgezeichneter Mechaniker, hat einen Apparat zum Abdampfen im leeren Raume erfunden, welcher zu Péronne bei Hrn. Leclerq in Wirksamkeit ist; die Einfachheit desselben ist in Bezug auf seine Resultate merkwürdig. Wir halten das Abdampfen und Verkochen des Zukers im leeren Raume nicht für vortheilhaft, empfehlen daher auch keineswegs den Apparat des Hrn. Roth für den Runkelrübenzuker, theilen aber davon in diesem Journale eine Zeichnung und Beschreibung mit, weil wir ihn für eine sehr sinnreiche und neue Anwendung des Dampfes halten99).

Klärung.

Nach dem Abdampfen enthält der Saft immer eine sehr beträchtliche Menge suspendirter Substanzen, welche bisweilen noch durch thierische Kohle, die man während des Abdampfens zusezt, vermehrt werden. Man scheidet sie durch die Klärung ab, welche immer mit thierischer Kohle oder Ochsenblut oder Milch vorgenommen wird.

Wenn man auf Krystallisation arbeitet, so dampft man den Syrup so weit ab, daß er heiß 32° zeigt, klärt ihn, und läßt ihn mehrere Tage lang durch Ruhe absezen; er erkältet dann und es scheidet sich aus ihm ein Saz ab, welcher sich in den Krystallisationsgefäßen gebildet haben würde, wenn man ihn sogleich in diese gebracht hätte. Die Kohlen, welche man bei diesem Verfahren abscheidet, werden gewöhnlich wieder zur Läuterung gebracht, wo sie in den Schaum gehen.

Wenn man den Syrup zum Verkochen bestimmt, so klärt man ihn, sobald er heiß 26 oder 27° zeigt und filtrirt ihn, oder läßt ihn absezen. In allen Fällen und besonders wenn man über freiem Feuer verkochen will, ist es aber wichtig, den Syrup erst dann zu klären, wenn er möglichst dicht ist, das heißt wenigstens 29 bis 30° noch heiß am Aräometer zeigt. Es bildet sich dann beim Verkochen weniger Saz und der Syrup hängt sich nicht so an den Boden des Kessels an.

An Statt den Niederschlag durch Ruhe sich sezen zu lassen, finde ich es besser zu filtriren, die Kohlen, welche in dem Filter bleiben, mit etwas Wasser in Säke zu bringen und sie nach und nach gerade so wie den Schaum auszupressen, wodurch sie allen Zuker in ziemlich starker Auflösung abgeben; diese Auflösungen kann man sodann bei einer neuen Klärung an Statt des Wassers mit dem Blute zusezen. Auch kann man sie noch heiß über neue Kohlen in die Filter selbst gießen und so ihren Zukergehalt vermehren. Man kann sie auch abdampfen, |211| um sie sodann mit Kohlen zu klären und zu verkochen. Hr. Blanquet bearbeitet die Flüssigkeit, welche er durch das Auswaschen der Kohlen erhält, besonders; er findet dieses Verfahren vorteilhaft und wir empfehlen es besonders den großen Fabriken. Derselbe läßt auch den abgedampften Saft sich absezen, ehe er ihn klärt, wobei ich keinen anderen Vortheil sehe, als daß das Filtriren erleichtert wird und daher auch weniger Blut oder Milch angewandt zu werden braucht;, denn bei meinen Versuchen erhielt ich keinen Syrup von besserer Qualität.

Ich finde es für nüzlich und vortheilhaft, Filter anzuwenden, die so eingerichtet sind, daß der Syrup die Schichte thierischer Kohle, welche sich auf dem Boden des Apparates absezt, durchstreichen kann. Diese Einrichtung, welche mir zu einer möglichst guten Benuzung der thierischen Kohle unvermeidlich scheint, ist dem Princip der Taylor'schen Filter, bei welchen die Schnelligkeit der einzige Vortheil ist, gerade entgegengesezt. Ich halte diese Art von Filtern nur dann für nüzlich, wenn der günstige Erfolg der Arbeit hauptsächlich durch die Geschwindigkeit des Filtrirens bedingt wird, was bei der Fabrikation des Runkelrübenzukers nicht der Fall ist.

Der zum Verkochen vorbereitete, das heißt schwach alkalische Runkelrübensyrup wird durch die thierische Kohle nur schwach oder gar nicht entfärbt. Dieses konnten alle Fabrikanten bemerken, welche nach dieser Methode arbeiten. Anders verhält sich ein neutraler oder saurer Saft. Bei dem Verfahren des Verkochens kann man sich also nicht alle Eigenschaften der thierischen Kohle zu Nuzen machen. Dennoch glaube ich nicht, daß man sie ohne Nachtheil weglassen könnte100).

Das Eiweiß und die Milch wirken bei der Klärung nur mechanisch. Sie bilden Klumpen, welche in ihr schwammiges Gewebe alle unauflöslichen Substanzen einhüllen, und so das Filtriren erleichtern. Da die Seife die Eigenschaft hat, in dem Rübensaft reichlich Klumpen zu bilden, indem sie sich mit den Kalksalzen durch doppelte Wahlverwandtschaft zersezt, so konnte ich sie ohne Nachtheil zu dieser Operation anwenden. Ein Pfund gewöhnliche Sodaseife reicht zur Klärung von 100 Liter Syrup und mehr hin.

Hr. Dumont hat ein Filter erfunden, wobei er thierische Kohle |212| anwendet, welche auf eine besondere Art vorbereitet ist. Die Kohle, welche so angewandt wird und wovon 50 Kilogr. 12 Fr. kosten, entfärbt nach seiner Versicherung viel stärker als nach den gewöhnlichen Methoden. Er nimmt von dieser Kohle bis 25% vom Gewichte des Zukers, an Statt 10%. Ich habe unvollständige Versuche über diesen Gegenstand angestellt, und ich gestehe, daß ich nicht wohl einsehe, warum diese Kohle viel stärker entfärben soll als die gewöhnliche Kohle in dem Zustande, worin man sie gewöhnlich mit Filtern, die nur unten ablaufen, anwendet. Ich behalte mir vor, meine Versuche sobald als möglich wieder aufzunehmen, um über diesen Gegenstand in's Reine zu kommen, und ich werde sodann die Resultate bekannt machen. Was mir eine gute Meinung von diesem Verfahren einflößen könnte, ist dieses, daß die HHrn. Blanquet und Harpignies, welche es geprüft haben, gute Resultate damit erhalten zu haben versichern; andererseits wollen aber jene Fabrikanten diese Filter (ich sehe nicht ein weßwegen) bloß zu derjenigen Klärung empfehlen, welche Behufs der Krystallisation angestellt wird, und nicht für denjenigen Syrup, welcher verkocht wird; man sagt, daß man im lezteren Falle bei einer Arbeit im Großen mit Schwierigkeiten zu kämpfen habe. Hr. Bernard zu Sussy versuchte das Filter des Hrn. Dumont ohne Erfolg; hingegen soll es Hr. Bucquet zu Roissy anwenden, um sehr schöne Producte durch Verkochen zu fabriciren. A priori kann ich nicht wohl alle Vortheile, welche das Filter des Hrn. Dumont gewähren soll, deduciren, wenn aber die Erfahrung, wie es allen Anschein hat, dafür spricht, so muß irgend eine Erscheinung dabei Statt finden, welche die Theorie nicht voraussieht und die einer Untersuchung bedarf. Die gewöhnliche Klärung durch Filtriren oder Absezen wird bei diesem Filter nicht erspart und es scheint im Gegentheil dringend nöthig, daß man den Syrup wohl von allen unauflöslichen Substanzen befreit, in dasselbe bringt.

Wenn ich manchmal bei der Klärung den Syrup säuerte und zu viel Säure zusezte, so verbesserte ich stets diesen Fehler ohne Nachtheil durch krystallisirtes kohlensaures Natron; man kann sich in einem solchen Falle auch sehr gut der Kalkmilch bedienen.

Wenn man kalten Syrup oder solchen, dessen Temperatur unter 75° C. (60° R.) ist, zur Klärung nimmt, so kann man alsogleich das Ochsenblut zusezen, welches bei dieser Temperatur nicht gerinnt, und hierauf die thierische Kohle bei 90 oder 95° C. (72 oder 76° R.)

Es ist unumgänglich nöthig, daß man sich überzeugt, ob der geklärte Syrup viele Klumpen enthält; sollte dieses nicht der Fall seyn, so wird das Filtriren schlecht vor sich gehen und unvollständig seyn. Wenn der Syrup nicht klümprig genug ist, so hat man entweder zu |213| wenig Eiweiß zugesezt, oder derselbe enthält freies Kali, welches sich mit dem Eiweiß verbunden hat. Im ersten Fall ergibt sich von selbst die Art, wie man abhelfen kann, im zweiten erscheinen die Klumpen sogleich auf Zusaz von Säure, wodurch das Eiweiß in Freiheit gesezt wird.

Behufs der langsamen Krystallisation kann man mit Vortheil die Klärung vornehmen, wenn der Syrup heiß 22° am Aräometer zeigt, sodann filtriren und ihn so weit abdampfen bis er heiß 32° zeigt. Während des Abdampfens bildet sich noch ein geringer Niederschlag; um diesen abzuscheiden, bringt man den Syrup in Reservoirs, und es ist gut diese in die Warmstuben zu stellen, worin sich die Krystallisationsgefäße befinden, weil eine gelinde Wärme die Fällung begünstigt.

In den neu errichteten Fabriken hat man besondere Kessel für die Klärung eingeführt, an Statt sich der Abdampfungskessel zu bedienen, was besonders in dem Falle sehr bequem ist, wenn man die Kessel mit Dampf heizt.

Verkochen.

Die Operation des Verkochens erheischt durchaus die Anwendung des Dampfes; man kann allerdings in sehr vielen Fällen über freiem Feuer verkochen und dadurch vollkommen eben so gute Resultate erhalten, wie durch den Dampf; die Arbeit nimmt dann aber immer viel mehr Zeit in Anspruch und ist meistens viel schwieriger. In der That erheischt das Verkochen über freiem Feuer fast immer eine große Aufmerksamkeit in der Leitung des Feuers, indem die Hize auf 106 bis 107° C. (85 bis 86° R.) erhalten werden muß und nur mit größter Vorsicht höher gesteigert werden kann, weil sonst der Syrup unvermeidlich anbrennen würde, wo sodann einer der geringsten Nachtheile noch dieser wäre, daß man die Arbeit unterbrechen müßte, um den Kessel reinigen zu können. Nachlässige Fabrikanten finden es zwar bequemer in diesem Falle ohne vorhergegangene Reinigung des Kessels zu verkochen; dadurch leidet aber das Product sehr.

Ich habe vergleichende Versuche über das Verkochen mit Dampf und das Verkochen über freiem Feuer mit Syrup, der gehörig zum Verkochen vorbereitet war, angestellt, aber keinen Unterschied in der Farbe des Syrups und in der Farbe und Qualität des Zukers, den ich erhielt, bemerken können. Wenn man daher die Frage nur unter diesem Gesichtspunkte betrachtet, so könnte man schließen, daß das Verkochen mit Dampf unnüz ist; dann würde man sich aber täuschen, denn dieses Verfahren ist nicht nur bei gewissen Syrupen, z.B. den bereits einmal verkochten unvermeidlich, sondern beschleunigt und erleichtert auch in allen Fällen die Arbeit.

Ein saurer Syrup verkocht sich fast immer leicht. Ein alkalischer |214| mit Eiweiß geklärter Syrup hingegen wird gegen das Ende klebrig; er gibt einen diken Schaum, welchen die Dampfblasen schwer durchdringen. In diesem Falle hilft man sich dadurch, daß man so lange verdünnte Schwefelsäure zusezt, bis das Aufwallen wieder seinen gewöhnlichen Gang nimmt. Das Eiweiß gerinnt dann und sammelt sich wieder auf den ruhigen Stellen des Kessels.

Man kann ohne Nachtheil Butter oder Schmalz anwenden, um das zu starke Aufwallen zu mäßigen, und es ist weit besser einen solchen Körper zu gebrauchen, als dem Syrup durch den Schaumlöffel eine Bewegung zu ertheilen, was einige Fabrikanten zu thun pflegen, welche ich weiß nicht weßwegen, die Anwendbarkeit der fetten Körper bezweifeln.

Es ist für das Gelingen dieser Arbeit wichtig, den Punkt des vollendeten Einkochens ausmitteln zu können; dieß kann nur in den wenigsten Fällen durch das Anblasen101) geschehen; leichter und sicherer ist die Fadenprobe102). Ich ziehe jedoch beiden die Probe mit dem Thermometer vor. Das Gefäß desselben muß aber immer und ganz in den Syrup tauchen, denn sonst wären seine Anzeigen veränderlich und unrichtig; ein gutes Celsius'sches Thermometer muß beiläufig 111° 1/2 in einem Syrup zeigen, welcher zum ersten Male gut eingekocht wurde; wenn der Syrup wieder eingekocht wird, so kann man bis auf 112° 1/2 oder 113° steigen, und wenn man ihn zum dritten Male einkocht, muß man die Probe noch weiter steigern, z.B. auf 114° bis 115°.

Der erste Apparat, welcher zum Verkochen des Runkelrübensaftes mit Dampf angewandt wurde, ist der Schlangenröhren-Apparat von Taylor und Martineau; er wurde von Hrn. Joest, einem unserer geschiktesten Raffinirer, nach Frankreich gebracht und von den HHrn. Blanquet und Harpignies trefflich benuzt.

Ich glaube daß einzig und allein durch eine Schlangenröhre der Dampf in einem Verkochungskessel und in jedem Dampfkessel überhaupt zwekmäßig vertheilt werden kann, indem dadurch sowohl der |215| Dampf als das Verdichtungswasser einen regelmäßigen Gang erhält und daher jede Röhre den Dienst leisten kann, welchen man von ihr erwartet. Die Gitter sind sehr schlechte Apparate, worin der Dampf sich ungleichförmig vertheilt, und ich halte den Apparat der HHrn. Drouault, welchen wir in unserem lezten Hefte mitgetheilt haben103), und für welchen Hr. Pecqueur die Priorität der Erfindung in Anspruch nimmt, für nicht viel vorzüglicher. Ich bestreite ihm diese Priorität eben so wenig als die Erfindung des Namens Compensations-Gitter, welche täuschen kann, aber im Grund nichts bezeichnet, weil bei dem Gitter des Hrn. Pecqueur eben so wenig als bei den gewöhnlichen Gittern eine Compensation Statt findet. Es wird hier also bloß der Name eines sehr sinnreichen Apparates der Uhrmacher mißbraucht, ohne daß man auch nur eine Spur seines Princips und seiner Eigenschaften wieder auffinden könnte. Ich will hier die Bemerkung, welche ich bei Mittheilung des Apparates der HHrn. Drouault machte, wiederholen, daß ich ihn nämlich bloß wegen des Verfahrens den Dampf zuzulassen und wegen Verringerung der Anzahl der Löthungen aufführte, ohne ihn jedoch den Maschinisten und Fabrikanten zu empfehlen.

Hinsichtlich des Verkochens im leeren Raume brauche ich bloß auf dasjenige zu verweisen, was ich über das Abdampfen im leeren Raume gesagt habe. Ich glaube daß diese complicirten Apparate ganz unnüz sind, weil man mit ihnen kein Atom krystallisirten Zuker mehr erhält, als nach den guten gewöhnlichen Verfahrungsweisen.

Ich werde eine besondere Arbeit über die Dampfapparate und ihre beste Einrichtung in Bezug auf Ersparniß an Brennmaterial, so wie an Kosten bei ihrer Anschaffung und Unterhaltung unverzüglich bekannt machen. Man wird daraus ersehen, daß keiner der gewöhnlichen Dampfapparate in dieser Hinsicht Genüge leistet und daß die meisten Mechaniker sie nur complicirter machen, an Statt sie zu vereinfachen.

Kühlpfanne.

Wenn der Syrup in einem schlechten Zustande ist, oder wenn man ihn aus sehr verdorbenen Wurzeln darstellte, so hat er eine Neigung beim Verkochen zu schäumen, die er in der Kühlpfanne beibehält. Um das Aufschäumen zu beseitigen, ist es dann dringend nöthig, die Temperatur des Syrups so schnell als möglich auf 85 oder 90° C. (68 oder 72° R.) zu erniedrigen, indem man die Kühlpfanne der Kälte aussezt, oder sie in kaltes Wasser taucht, oder den Syrup in mehreren metallenen Gefäßen vertheilt. Wenn hingegen der Syrup gut ist, |216| so ist es zwekmäßig, seine Temperatur so langsam als möglich auf 80 oder 85° C. (64 oder 68° R.) herabkommen zu lassen, indem man entweder die verkochten Syrupe in derselben Kühlpfanne vereinigt, oder das Erkalten so leitet, daß es 12 bis 15 Stunden anhalten kann; das langsame Erkalten begünstigt das Krystallisiren und ist besonders bei weniger zukerreichen Syrupen, z.B. bei den zum zweiten Male verkochten nüzlich.

Wenn man den verkochten Syrup nicht warm zu erhalten sucht, so kann man ihn ohne alle Sorgfalt in die Kühlpfanne schütten; im entgegengesezten Falle ist es gut die Vorsicht zu gebrauchen, daß man ihn unter die Kruste oder das Häutchen gießt, welches sich über dem Syrup bildet.

Die Temperatur von 80 bis 85° C. ist sehr passend; denn wenn der Syrup gut verkocht wurde, so krystallisirt der Zuker bei dieser Wärme regelmäßig und man findet unter einer schwachen krystallinischen Kruste eine Masse Zuker, deren Oberfläche walzenförmig ist. Wenn der Anschießkessel kalt oder der Syrup stark verkocht war, so zeigt die Oberfläche der Form keine Vertiefung oder die Vertiefung findet nur auf der Mitte und in sehr engen Glänzen Statt. Im ersten Falle kann man den Zuker sehr leicht und vollständig in höchstens 8 oder 15 Tagen reinigen, im zweiten nur schlecht und unvollständig selbst in einem Monate. Die Masse krystallisirten Zukers kann sich nur bis zu einem von der Spize mehr oder weniger entfernten Punkte langsam reinigen.

Wenn der Zuker gehörig bearbeitet, verkocht, abgekühlt und angeschossen ist, so muß der Hut ganz aus der Form genommen werden können und seine Spize nur einige Zolle mit Melasse beladen seyn.

Bleichen des Zukers (Clairçage).

Ich habe mich mit Vortheil zum Bleichen des Zukers in den Formen der sogenannten Clairçage bedient. Howard war einer der ersten, welche dieses Verfahren bei der Zukerraffinerie anwandten; es besteht bekanntlich darin, daß man auf die Thondeke des Hutes einen mit krystallisirbarer Zuker-Masse gesättigten Syrup gießt. Dieser Syrup kann noch Melasse oder unkrystallisirbaren Zuker auflösen und mit ihm zugleich den Färbestoff entziehen. Es wäre offenbar unklug, wenn man bei der Bearbeitung des Runkelrübenzukers den Rohzuker mit einem Syrup von reinem Zuker reinigen wollte; es kann aber vorteilhaft seyn, dieses Verfahren mit einigen Abänderungen anzunehmen. Ich habe es folgendermaßen ausgeübt:

Ich bereitete mit dem Saft von Wurzeln, welche (nach dem weiter unten besprochenen Verfahren) geschwefelt worden waren, einen geklärten Syrup (wie zur regelmäßigen Krystallisation), welcher ohne Anwendung |217| von thierischer Kohle eine schwache Amberfarbe hat und dampfte ihn so weit ab, bis er heiß 32° am Aräometer zeigte. Diesen geklärten Syrup goß ich im Verhältniß von 4 bis 5 Liter für eine Form von 30 Liter auf den Thonbrei des Hutes. Er muß kalt aufgegossen werden (welches jedoch in zwei verschiedenen Zeitpunkten geschehen kann) und in einem Zimmer, dessen Temperatur 15° C. (12° R.) nicht übersteigen darf. Man kann ihn entweder aufgießen, nachdem die Melasse von dem Hute abgeflossen ist, oder noch besser in dem Augenblike, wo man den Stöpsel der Form öffnet. Im lezteren Falle wirkt er kräftiger, indem dann die Melasse, welche die Krystalle verunreinigt, keine Zeit gehabt hat, einzutroknen und dem Auflösungsvermögen des geklärten Syrups besser nachgibt, der sich dann gleichförmiger über die ganze Masse des Hutes verbreitet, in welche er durch die abfließende Melasse hineingezogen wird. Bei der lezteren Verfahrungsweise muß man einige Vorsicht anwenden; nachdem man nämlich auf den Zuker eine Schichte geklärten Syrups von ungefähr einem Zoll aufgegossen hat, muß man für den Zusaz der zweiten Schichte den Augenblik abwarten, wo der Zuker abgedekt wird und so fort, wenn man noch mehr zusezen wollte. Wenn man einen zu schwachen geklärten Syrup anwenden würde, so würde er den Zuker in der Form niederdrüken, indem er ihn schmilzt oder an einigen Stellen mehr oder weniger tiefe Löcher machen und sich so einen Weg bahnen. Wenn der Zuker nicht warzenförmig ist und man den geklärten Syrup nicht in dem Augenblike aufgießt, wo man den Stöpsel herauszieht, so ist es gut die Thondeke abzuebnen, nachdem man den Zuker bis zur Spize der Form wohl mit dem Messer umgerührt hat.

Wenn die Operation des Bleichens (Reinigens) gut geleitet wird, so darf das Gewicht des Zukers dadurch nicht vermindert werden; je nachdem sie mehr oder weniger lange fortgesezt wird, kann die Farbe desselben dadurch von Braun in Weiß übergeführt werden. Der Zuker erhält dadurch mehr Körper und einen viel größeren Werth für den Raffinirer. Durch diese Behandlung verschwinden sogar alle Eigenschaften des gekörnten Zukers, wodurch er dem krystallisirten scheinbar nachsteht.

Die HHrn. Blanquet und Harpignies, welche den Zuker ebenfalls bleichen, bereiten hiezu den geklärten Syrup mit dem Filter des Hrn. Dumont und mit den Abfallen ihrer Formen, welche sie schmelzen und klären. Wie man aber auch immer den geklärten Syrup bereiten mag, so muß er 36° am Aräometer zeigen und wenig gefärbt seyn. Ich habe auch Zuker von sehr schöner Sorte gesehen, welchen Hr. Bucquet gebleicht hatte. Man kann dieses Verfahren den Fabrikanten als sehr vorteilhaft empfehlen. In einigen Fabriken, |218| wo man das Bleichen ohne die erforderlichen Kenntnisse versuchte, erhielt man schlechte Resultate.

Reinigung des Zukers in den Formen durch Abtropfen.

Wann der Zuker in den Formen von guter Qualität ist, kann man den Stöpsel der Form ohne alle Vorsicht öffnen und es ist sogar unnüz, die Spizen mit einer Ahle zu durchbohren: der Syrup läuft leicht ab, ohne Zuker mit sich zu reißen.

Wenn der Zuker wenig Festigkeit oder wenn man bei der Arbeit irgend einen Fehler begangen hat, so kann das Korn sehr fein, teigig und von geringer Consistenz seyn, was besonders bei dem wiederverkochten Zuker eintrifft; man muß alsdann den Stöpsel mit Vorsicht öffnen, und wenn man bemerkt, daß der Syrup Zuker mit sich reißt, so muß man die Spize des Kegels mit einer Perruque, oder mit einer Kehle, oder, was noch einfacher ist, mit einem ausgekehlten Stöpsel versehen104).

Die Stube, worin sich die Formen befinden, darf nicht zu heiß seyn, wenn man die Stöpsel öffnet; 15 bis 18° C. (12 bis 14° R.) eignen sich zu dieser Operation gut.

Ein Zuker, dessen erste Reinigung in einer stark geheizten Wärmstube Statt findet, worin sich die Luft leicht erneuert, ist stärker gefärbt, als wenn die Reinigung bei einer niedrigeren Temperatur und an einem feuchten Orte erfolgt. Ich habe sogar öfters bemerkt, daß Zuker an seiner Oberfläche durch den Dampf der feuchten Stuben, worin er sich befand, gewissermaßen thonartig wurde. Man könnte sich ohne Zweifel diese Eigenschaft zu Nuzen machen und die Reinigungsstuben mit Luft heizen, die mit Dampf übersättigt ist.

Reinigung des Zukers durch die Walzen und die Presse.

Der Zuker aus den Krystallisationsgefäßen erscheint in Gestalt krystallinischer oder concreter, mehr oder weniger harter Massen, aus welchen die Mutterlauge durch bloßes Abtropfen nicht ganz abgeschieden werden kann; man muß daher zum Pressen seine Zuflucht nehmen. Wenn man aber den Zuker bloß in Säken abwechselnd mit Weidenflechten auf die Platte einer starken Presse bringen würde, so würde die Melasse wegen des Widerstandes, den die Krystalle entgegensezen, welche unter sich um so größere Zwischenräume lassen je voluminöser |219| sie sind, nur unvollkommen ausgetrieben werden. Es bleibt daher nichts übrig, als den Zuker durch zwei Walzen laufen zu lassen, die ihn in eine teigartige halbflüssige Masse verwandeln, welche aus mehr oder weniger feinen Körnern besteht, die in der Melasse schwimmen. Wenn diese Masse sodann in einen Sak gebracht und ausgepreßt wird, so gibt sie unter der allmählichen und kräftigen Einwirkung einer Presse ihre Melasse sehr leicht ab, während der Zuker in dem Sak zurükbleibt. Diese Operation dauert 24 bis 48 Stunden.

Man wendet hiezu dieselben Säke und Flechten an, die man gewöhnlich zum Auspressen des Markes gebraucht. Die Säke darf man nicht übermäßig anfüllen, weil sie sonst reißen könnten und die Reinigung schwieriger wäre.

Diese Reinigung erfolgt um so vollständiger und leichter und der Zuker wird um so weißer, je öfter man die Masse durch die Walzen gehen läßt, was in einigen Fabriken 20 bis 25 Mal vorgenommen wird. Die Zukerkörner sind alsdann sehr pulverig und wenn man sie aus den Säken nimmt, haben sie ein thonartiges Aussehen. Es ist kein Zweifel, daß ein solcher Zuker beim Raffiniren sehr ergiebig ist.

Den fehlerhaften Formenzuker oder die Spizen der Hüte, welche nicht ablaufen konnten, kann man hinreichend dadurch reinigen, daß man sie in Säke füllt und unter die Presse bringt, ohne sie vorher zu walzen, wo man sodann durch Schmelzen schönen Zuker daraus erhält; wenn man aber diese Arbeit vermeiden wollte, so müßte man sie durch die Cylinder gehen lassen, ehe man sie in die Säke füllt.

In einigen Fabriken läßt man den Syrup in den Krystallisationsgefäßen fast ganz eintroknen, so daß ihr krystallisirter Zuker bloß ein eingetrokneter Rübensaft ist; dieser muß mit Zuker aus anderen Krystallisationsgefäßen, welcher mit Melasse beladen ist, oder mit Wasser versezt werden, wenn man ihn durch die Walzen gehen läßt. Ein solcher Zuker kann natürlich weiß und dabei doch für die Raffinerien eine sehr schlechte Sorte seyn, weil er viele fremdartige Bestandtheile enthält.

Schwefelungs-Verfahren.

Nach diesem Verfahren, welches ich zuerst mit Vortheil ausgeübt habe, kann man die Wurzeln mit größerer Sicherheit bearbeiten; es erheischt keine so große Reinlichkeit und erlaubt das Mark und den Saft viele Tage lang aufzubewahren, ohne daß sie dadurch eine merkliche Veränderung erleiden; es macht die Läuterung regelmäßiger und der geläuterte Saft erhält immer eine schöne Farbe; der so behandelte Saft behält bei der Läuterung und bei dem Verkochen eine schönere Farbe.

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Dieses Verfahren besteht darin, daß man die Wurzeln, ehe man sie zerreibt, einige Zeit lang einer Atmosphäre von schweflicher Säure aussezt. Das Fleisch bleibt dann eine unbestimmte Zeit lang weiß und gesund. Die Säke und Flechten, welche man bei der Bearbeitung gebraucht, erleiden auch in ihrer Farbe keine Veränderung und können mehrere Tage, ohne daß man sie reinigt, angewandt werden; eben so alle anderen Geräthe, die mit Saft getränkt werden können.

Wenn man bedenkt, wie wichtig die Reinlichkeit bei der Fabrikation des Runkelrübenzukers ist, und welche großen Nachtheile durch ihre so leichte und so häufige Vernachlässigung von Seite der Arbeiter entstehen können, so wird man wohl die Vortheile zu schäzen wissen, welche bei der Fabrikation im Großen ein Verfahren gewähren muß, das in dieser Hinsicht eine vollkommene Sicherheit darbietet.

Ich habe seit langer Zeit bemerkt, daß die Arbeit, welche in einer Zukerfabrik am ersten Tage gemacht wird, viel bessere Producte liefert, man mag den Zuker regelmäßig krystallisiren lassen oder körnen, und ich hatte mit Unrecht diesen Unterschied einer Veränderung der Wurzeln zugeschrieben, welche doch gewiß nicht die Ursache davon seyn kann, weil die Erscheinung allgemein ist und sich jedes Jahr mehr oder weniger auffallend in den Fabriken zeigt. Ich zweifle nun nicht mehr, daß die Ursache einzig und allein in der Unreinheit der Geräthe liegt, welche am zweiten Tage der Fabrikation beginnt und die sich nur dadurch vermeiden ließe, daß man die Geräthe täglich so sorgfältig reinigen und troknen würde, wie man es am Schluß der Arbeit zu thun pflegt.

Nach diesen Betrachtungen, worin aufgeklärte Fabrikanten gewiß mit mir übereinstimmen, ist die Reinlichkeit einer Fabrik ebenfalls eine unerläßliche Bedingung des guten Erfolgs; diese wird nun aber durch das Schwefeln der Rüben so vollkommen erfüllt, als es auf keine andere Art möglich ist.

Das Schwefeln, welches man den Fabrikanten als eine schwierige Operation vorstellte, ist eine außerordentlich einfache Arbeit. Der Apparat, welchen ich dazu erfunden habe, wird in diesem Jahre in mehreren Fabriken angewandt werden, deren Directoren bei mir in diesem Verfahren unterrichtet wurden.

Die Kosten des Apparates und des Stoffes zur Erzeugung der schweflichen Säure sind im Verhältniß zu den übrigen Fabrikationskosten so gering, daß sie gar nicht in Betracht kommen. Die schwefliche Säure spielt bei dieser Anwendung dieselbe Rolle wie bei der Aufbewahrung des Rübenmostes; sie verhindert die Färbung und die schleimige Gährung, indem sie den Saft gegen die Einwirkung des Sauerstoffs schüzt, wie groß auch immer die Oberfläche der mit der |221| Luft in Berührung kommenden Substanz seyn mag. Ein Theil der schweflichen Säure verwandelt sich alsdann in Schwefelsäure, die als Erhaltungs- und Läuterungsmittel wirkt. Der Kalk, welchen man in der Kälte Behufs der Läuterung zusezt, entzieht die rückständige schwefliche Säure, womit er ein sehr dichtes unauflösliches schweflichsaures Salz bildet, welches die Abscheidung der Floken begünstigt. Es ist mir bei diesem Verfahren nie eine Läuterung mißlungen, selbst wenn ich außerordentlich verdorbene Rüben anwandte. Der nach diesem Verfahren geläuterte und Behufs des Abdampfens neutralisirte Saft gibt einen wenig gefärbten Syrup, welcher in den Krystallisationsgefäßen stärker anschießt, als der Archand'sche Syrup und der mit einigen Vorsichtsmaßregeln zum Bleichen des Zukers gebraucht werden kann. Ich habe noch die gegründete Hoffnung, nach diesem Verfahren einen fast farblosen Syrup zum Verkochen bereiten zu können. Ich ließ mir auf dieses Verfahren ein Brevet d'Invention ertheilen und trete mein Recht an alle meine Schüler ab, von denen es Einige auch in diesem Jahre anwenden wollen.

Ueber die Zunahme der Runkelrübenzuker-Fabrikation in Frankreich.

Ich habe hinsichtlich der Zunahme der Fabrikation des inländischen Zukers die Hypothese als wahrscheinlich aufgestellt, daß durch eine Fabrik eine andere entstehen kann und berechnet, daß Frankreich in fünf Jahren seinen gegenwärtigen Zukerbedarf durch inländische Fabriken erzeugen wird. In der That zählte man im verflossenen Jahre 1828/29 hundert Fabriken, welche zusammen beiläufig fünf Millionen Kilogrammen (100,000 Ztr.) Zuker erzeugten, daher auf die Fabrik 50,000 Kilogr. kommen. Diese Fabriken sind in 23 Departements zerstreut. Wir theilen am Ende dieser Abhandlung das Verzeichniß derselben mit105). In diesem Jahre muß man hundert neue Fabriken zählen, wenn unsere Hypothese sich bewährt. Wir theilen hernach auch das Verzeichniß der neuen Fabriken mit, so weit wir es zusammen bringen konnten; obgleich es ziemlich zahlreich ist, so darf man doch annehmen, daß es bei weitem nicht vollständig ist; wenn unter diesen Fabriken mehrere von geringer Wichtigkeit sind, so muß man bedenken, daß das erste Jahr gewöhnlich nur ein Probejahr ist, in welchem eine größere Grundlage vorbereitet wird.

Man muß bei der Verbreitung der Runkelrübenzuker-Fabrikation dieselbe hauptsächlich an die Landwirtschaft zu ketten und eben deßwegen die Geräthe und Verfahrungsweisen möglichst zu vereinfachen |222| suchen. Die meisten Unternehmer fühlen die Notwendigkeit nicht, diese Fabrikation mit der Oekonomie zu verbinden und treiben sie unglüklicherweise bloß als technisches Unternehmen. Dieser Umstand, welcher jener Industrie eine falsche Richtung gibt, ist jedoch den Fortschritten der Fabrikationskunst förderlich, weil er sie in die Hände von Kapitalisten bringt, welche im Stande sind kostspielige Versuche über Maschinen, Apparate und Proceduren anzustellen; die Oekonomen müssen dann bei den einfachsten und wohlfeilsten Verfahrungsweisen stehen bleiben, welche offenbar aus den Versuchen, die man gegenwärtig über die Fabrikation des Zukers anstellt, hervorgehen werden.

Ich hoffe auch, daß der Dampf, welcher heute zu Tage zum Verkochen erfordert wird, einst in den Fabriken der Oekonomen wird beseitigt werden können, oder daß man wenigstens die Dampfapparate noch so verbessern wird, daß ihre großen Kosten und häufigen Ausbesserungen wegfallen106). Der Apparat für die Zukerfabrikation darf den Oekonomen nur ein kleines Kapital kosten, weil derselbe nur 4 bis 5 Monate des Jahres nuzbar ist; übrigens hängt die Güte und Menge des Zukers, den man darstellen kann, nicht so sehr von der Vollkommenheit des Apparates ab, als man wohl glauben möchte; mancher Oekonom, dessen Apparat keine 20,000 Fr. gekostet hat, macht mehr und besseren Zuker als mancher Fabrikant, dessen Einrichtung 80,000 Fr. verschlungen hat. Dagegen hängt der günstige Erfolg größten Theils von der Wahl des Directors ab, wobei man oft mit so geringer Sorgfalt zu Werke geht.

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Man vergl. pol. Journ. Bd. XXVIII. S. 302.

A. d. Red.

|170|

Ich weiß, daß gewisse Fabrikanten, welche eben so unbillig, als mir ungeneigt sind, mich als den einzigen Veranlasser der gesezlichen Anordnungen, womit uns die Arbeit der Untersuchungs-Commission bedroht, darzustellen beliebten. Sie stellen die Reduction des auf den ausländischen Zuker gelegten Zolles als den Ruin der Runkelrübenzuker-Industrie dar und geben meinen Schriften Schuld, dieselbe veranlaßt zu haben, in dem ich den Ertrag dieser Industrie in einem zu vortheilhaften Lichte dargestellt hätte; daher kommen die vielen Verläumdungen, welche man über mich in dem Publikum zu verbreiten suchte. Ich will, wenn man es so verlangt, diesen unbilligen Tadel annehmen und an Statt die von mir bekannt gemachten Aufsäze, welche zugleich mit dem Einfluß des Beispiels und den von einigen Fabrikanten gegebenen Rathschlägen, die Errichtung des größten Theiles unserer Fabriken veranlaßt haben, zu widerrufen, will ich sagen, daß, wenn ich über den Runkelrübenzuker neuerdings meine Ansichten mittheilen müßte, ich gerade so handeln würde, wie bisher. Endlich bemerke ich noch, daß, wenn meine Berechnungen, nach welchen die Runkelrübenzuker-Fabrikanten in kürzerer oder längerer Zeit das Pfund Zuker zu 3 Sous liefern können müssen, unrichtig sind, und diese Industrie nicht mit derjenigen der Indier concurriren kann, sie auch nichts taugt; die jezt in unserem Lande vorhandenen Fabriken müssen dann ihre Arbeiten einstellen, unser Akerbau muß auf die Wohlthaten der Zukererzeugung verzichten, und die Regierung ist dann dieser ganz fiskalisch gewordenen Industrie gar keinen Schuz schuldig. Sind hingegen meine Berechnungen, wie ich überzeugt bin, richtig, so verdienen die inländischen Zukerfabriken alle Begünstigung der Regierung so wie das Vertrauen des Publikums, und meine Arbeiten, welche diese unsere neue Industrie begründen halfen, müssen mir vielmehr das Wohlwollen der Fabrikanten, deren Sache ich loyal vertheidigt habe, als die Abneigung, welche man ihnen gegen mich einzuflößen sucht, erwerben.

|171|

Daß jezt Leute von entgegengesezten, Interesse meine Berechnungen und Schlüsse sammeln und entstellen, daß man meine Hoffnungen für positive Annahmen ausgibt, wodurch ich Maßregeln habe hervorrufen wollen, welche der Entwikelung der Runkelrübenzuker-Fabrikation gefährlich sind, ist eine unbillige Handlung, welche zu verhindern nicht in meiner Macht stand und worüber mich die aufgeklärte Untersuchungs-Commission gewiß rechtfertigen wird.

Uebrigens geht aus den Bemerkungen, welche die HHrn. Blanquet und Crespel der Untersuchungs-Commission schriftlich übergaben, hervor, daß ihr Runkelrübenzuker sie nicht viel hoher als auf 63 Cent. pr. Kilogr. zu stehen kommt, ein Preis, den ich in meinem Werke als erreichbar angab, wenn in einer Fabrik 2 Millionen Kilogr. (40 000 Ztr.) nach der bekannten Verfahrungsweise vollkommen ausgearbeitet werden. Wenn ich gefehlt habe, als ich schrieb, man könne das Kilogr. Zuker für 63 Ct. erzeugen, so muß andererseits Hr. Crespel selbst meine Schuld theilen, weil aus einem Berichte über seine Arbeiten (welcher nach seinen eigenen Angaben abgefaßt und in den Mémoires de la Société d'Arras abgedrukt wurde) hervorgeht, daß, wenn ein Gutsbesizer seine Fabrik auf seinen eigenen Gütern errichtet, und wie er, 5% Zuker gewinnt, ihm dieser nur auf 60 Cent. pr. Kilogr. zu stehen käme. Nach einer anderen Berechnung, welche ich nach den Datis anstellte, die mir Hr. Crespel selbst übergab, kommt der Zuker den Fabrikanten auf 62 Cent. zu stehen. Man sieht also, daß die Data, worauf meine Berechnungen gegründet waren, mir großes Vertrauen einflößen mußten, weil ihre Endresultate vollkommen mit denjenigen des Hrn. Crespel übereinstimmten, welche in einem ähnlichen Falle ein so gerechtes Zutrauen eine flößen müssen.

A. d. O.

|172|

Diese Krystallisationsgefäße, cristallisoirs genannt, sind flache Gefäße von Blech.

A. d. R.

|176|

In der ganzen Abhandlung wird unter Aräometer das Beaumé'sche verstanden.

A. d. R.

|177|

Versuche, welche ich nächstens bekannt mache, werden diese Behauptung beweisen.

A. d. O.

|184|

Es scheint, daß sich der Verfasser, ehe er diese Abhandlung vollendete, mit diesem Gegenstande besonders beschäftigte, denn am Schluß derselben wird gerade das Gegentheil behauptet.

A. d. R.

|188|

Die Figuren fehlen in dem April- und Maiheft des Industriel und kommen nicht vor; wenn sie in einem späteren Hefte noch erscheinen sollten, so werden wir sie nachtragen.

A. d. Red.

|189|

Sie ist im polyt. Journ. Bd. XXVIII. S. 397 beschrieben. Man vergl. auch Bd. XXX. S. 407.

A. d. Red.

|193|

Es scheint mir sehr wahrscheinlich, daß die käufliche Schwefelsäure oft Salpetersäure enthält; ich habe darüber einige Versuche angestellt, da aber das dabei beobachtete Verfahren von der Art war, daß es mich hätte irre leiten können, so kann ich es noch nicht positiv behaupten.

A. d. O.

|193|

Man weiß schon seit langer Zeit, daß die thierische Kohle dem Wasser den Kalk entzieht; ich habe durch diese Thatsache die Beobachtung erklärt, daß zur Neutralisation des mit Kohle behandelten Saftes weniger Säure erforderlich ist, aber man wußte bisher nicht, daß die Kohle alle Alkalien nach Art der Säuren neutralisirt. Ich hatte dieses schon vor längerer Zeit vermuthet, was eine Note in meinem Werke S. 258. beweist; seitdem habe ich mich davon durch directe Versuche überzeugt; die erhaltenen Resultate lassen mich sogar glauben, daß die Kohle sich mit den Basen in bestimmten Verhältnissen verbindet. Es wundert mich, daß Hr. Bussy, welcher in seiner vortrefflichen Abhandlung über die thierischen Kohlen (polyt. Journ. Bd. IX. S. 206.) die Einwirkung der Alkalien auf die mit Färbestoffen überladene Kohle so gut beobachtete, es wundert mich, sage ich, daß Hr. Bussy nicht auf dasselbe Resultat geleitet wurde, welches ich jezt mittheile; denn er nimmt an, daß das Alkali der Kohle den Färbestoff dadurch entzieht, daß es sich mit demselben verbindet, während in der That das Alkali den Färbestoff in der Kohle verdrängt.

A. d. O.

|195|

Wenn der Runkelrübensaft Salze enthält, welche sowohl Kali als Ammoniak zur Basis haben, so muß der Kalk, welchen man zusezt, zuerst die Ammoniaksalze zersezen und das Kali wird erst zulezt frei gemacht.

A. d. O.

|196|

Damals schrieb ich die Ursache davon irrigerweise dem Kalk zu; meine lezten Versuche beweisen, daß diese Erscheinung durch das Kali hervorgebracht wird.

A. d. O.

|198|

Die von mir gebrauchte enthielt eine große Menge schwefliche Säure und ich habe sie vorzugsweise wegen dieser Verunreinigung genommen.

A. d. O.

|207|

Dasselbe ist im polytechn. Journal Bd. XXV. S. 355. beschrieben.

A. d. R.

|208|

Man vergl. weiter unten das Capitel: Bleichen des Zukers.

A. d. R.

|209|

Diese Fabrikation, mit welcher ich mich beschäftigt habe, ist außerordentlich schwierig und man lernt dabei sehr viele Einflüsse würdigen und entdekt eine Menge von Thatsachen, die bei der Raffinirung des Hutzukers unbemerkt bleiben.

A. d. O.

|210|

Er folgt in einem der nächsten Hefte des polyt. Journ.

A. d. R.

|211|

Die Eigenschaft der Kohle, sich mit den Salzbasen wie eine Säure zu verbinden, macht es wahrscheinlich, daß bei ihrer Vereinigung mit den Färbestoffen leztere die Rolle der Basis spielen. Dieses scheint wenigstens durch die schwache Wirkung der Kohle auf die Farben der alkalischen Flüssigkeiten und durch die Eigenschaft der alkalischen Auflösungen, ihr die Färbestoffe, deren sie sich bemächtigt hat, wieder zu entziehen, bewiesen zu werden. Diese Erscheinung würde also unter diejenigen gehören, wo eine Basis durch eine andere stärkere Basis aus ihrer Verbindung ausgetrieben wird.

A. d. O.

|214|

Die Probe des Anblasens wird folgendermaßen verrichtet: man taucht den Schaumlöffel in den kochenden Syrup, zieht ihn wieder heraus, schwingt ihn etwas ab und bläst dann auf einer Seite darüber hin; wenn sich sodann auf der anderen Seite keine Bläschen zeigen, so ist dieß ein Beweis, daß das Einkochen vollendet ist; je nachdem diese Bläschen schneller oder langsamer verschwinden, war der Syrup stärker oder schwächer eingekocht.

A. d. R.

|214|

Die Fadenprobe besteht darin, daß man einen Tropfen des kochenden Syrups auf den Daumen bringt, sodann mit dem Zeigefinger schwach darauf drükt, ihn jedoch sogleich wieder in einer schiefen Richtung entfernt, wenn sich dabei ein Faden bildet, welcher am Daumen abreist und sich gegen den Zeigefinger hin zusammenzieht, so schließt man, daß der Syrup hinreichend eingekocht ist.

A. d. R.

|215|

Er erschien in diesem Bande S. 99. des polyt. Journals.

A. d. R.

|218|

Eine Perruque ist ein Stük reinen Zeuges, welches man auf die Oeffnung des Unterseztopfes legt, ehe man die Form darauf bringt. Dieser Zeug hält den Zuker zurük und läßt nur die Melasse durchgehen. – Eine Kehle (cannelle) ist ein hohler, mit Löchern versehener metallener Kegel, welchen man in die Spize der Form stekt. – Ein ausgekehlter Stöpsel (bouchon cannelé) ist ein gewöhnlicher Stöpsel, auf dessen Umfang man fünf oder sechs tiefe Einschnitte gemacht hat.

A. d. O.

|221|

Dieses Verzeichniß ist in unserem Journale, als von bloß lokalem Interesse, weggelassen worden und eben so das darauffolgende von fünfzig Fabriken, welche im Jahre 1829/30 zu arbeiten anfangen.

A. d. R.

|222|

Oben S. 206. hat der Verfasser das Gegentheil gesagt.

A. d. R.

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