Titel: Jahres-Bericht der Société industrielle de Mulhouse vom J. 1828.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 33, Nr. XXIV./Miszelle 1 (S. 68–69)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj033/mi033024_1

Jahres-Bericht der Société industrielle de Mulhouse vom J. 1828.

Hr. Joh. Zuber, d. Sohn, erstattete am 26. December den dritten Jahres-Bericht über die Société industrielle de Mulhausen, der sich in ihrem Bulletin N. 8. S. 222 abgedrukt befindet. Es erhellt aus demselben, daß die HHrn. Dollfus-Mieg und Nik. Köchlin Brüder die besten Oefen in Frankreich besizen und dafür auch von der Société d'Encouragement zu Paris die Medaille erhielten, daß es Hrn. Lagier zu Avignon bereits gelungen ist, den Krapp so zu verfeinern, daß ein Pfund ferner Krappblüthe „(fleur de grance)“ eben so viel leistet, als 5 oder 6 Pfund des besten Krappes) daß Hr. Kestner eine bessere Bereitungs-Art des Bleizukers und der brenzeligen Holzsäure, Hr. Schwartz eine bessere Bereitung des flüssigen und trokenen Kalkchlorüres lehrte, so wie Hr. Mainbourg eine bessere Methode, Chromsäure zu bereiten angegeben hat. Die Société hat zu einer Statistik der Industrie von Mülhausen nicht weniger als 1200 Tabellen entworfen. Sie hat eine Mädchenschule errichtet, in welcher eine Gesellschaft junger Damen 72 arme Mädchen des Abends nach den Feier-Stunden unterrichtet) sie hat eine Zeichenschule, eine Schule für Geometrie für die Arbeiter gegründet, und Vorlesungen über Chemie veranstaltet. Sie besserte die Moralität ihrer Arbeiter durch Unterdrükung der Lotterie, und sorgte für die Erhaltung der Gesundheit derselben. Sie half ihrem Mitbürger, dem unsterblichen Lambert, am 27. August 1828, zur Säcular-Feier seines Geburts-Jahres, ein Denkmal errichten. Diese höchst achtbare Gesellschaft hat sich zeither bis auf 83 Mitglieder vermehrt, von welchen 18 korrespondirende, und 7 Ehren-Mitglieder sind. Hr. Leonhard Schwartz ging nach Moskau: ein Verlust |69| für Mülhausen, den diese Stadt nicht erlitten haben würde, wenn Rußland so einfältig gewesen wäre, wie andere Staaten, und seine Gränzen der Industrie Frankreichs, Englands, Sachsens und der Schweiz offen gelassen hätte, Statt seine Unterthanen zur Industrie aufzumuntern, und seine Rubel für die Cultur seiner Wüsten zu sparen. Jedes Land wird zu Grunde gehen, in welchem das System der freien Einfuhr der rohen Producte, der Bedingung zur Arbeit auf die Produkte der Industrie, auf die Arbeit selbst, ausgedehnt wird. Wenn auch die Einfuhr-Verbote das Schwarzen begünstigen, so ist doch die Demoralisation, die durch das Schwarzen entsteht, und über welche die Advokaten der freien Einfuhr so sehr schreien, bei weitem nicht so groß, als jene Demoralisation, die dadurch entsteht, daß man Müssiggang und Bettelei im Lande fördert. Was hat Huskisson für ein größeres Elend über England dadurch gebracht, daß er den Einfuhrzoll auf französische Seidenzeuge von 60 p. C. auf 30 p. C. herabsezte! 10,000 Bettler und Vagabunde hat er geschaffen, die im Lande umher ziehen und plündern und Blut vergießen! Und wie schändlich, wie doppelzüngig ist nicht seine Sprache. Ernennt einen Einfuhrzoll von 30 p. C. Handels-Freiheit, während jeder Schwärzer die sichere Umgehung des Zolles und den ganzen Werth seiner Schwärzung mit sechszehn Pro-Cent bei eigenen Assecuranz-Anstalten kann assecuriren lassen. Wenn Hr. Huskisson es mit den Feinden seines Vaterlandes oder mit seinem Vaterlande ehrlich gemeint hätte, so würde er entweder den Einfuhrzoll auf 15 oder auf 12 p. C. herabgesezt haben, wo dann keine Assecuranz für das Gelingen des Betruges mehr möglich gewesen wäre, oder er hätte die alte Strafe der Deportation fortbestehen lassen, gegen die gleichfalls Niemand Assecuranz geben wird. Solche halbe Maßregeln, die an und für sich Betrug sind, führen zu nichts wie Unheil. England hat jezt dieselbe Anzahl Schwarzer, die es ehevor hatte, hat sie sogar noch assecurirt, und hat 10,000 brotlose Menschen. Jeder ehrliche Mann von geradem Sinne, der Moralität nicht bloß im Munde, sondern im Herzen führt, wird gestehen, daß die Moralität in einem Lande durch 10,000 Bettler mehr gefährdet ist, als durch einige hundert Schwarzer. – Herrlich und vortrefflich, und wahrhaft das Herz erhebend, ist die Schlußrede des Hrn. Zuber, mit welcher er seinen Bericht endet: wir bedauern, daß wir sie, beschrankt durch den engen Raum unserer Blätter, nicht ganz mittheilen können, und sie in die wenigen Worte fassen müssen: „des Menschen erste Pflicht ist Licht und Wahrheit überall und über Alles zu verbreiten, kräftig und männlich alles Gute, und vor allem Liebe zur Arbeit, zu fördern: dann mögen die Freunde der Finsterniß und der mystischen Täuschung, die Geheimnißkrämer und die Privilegien-Jäger, die Egoisten aller Classen ihre Verschwörung gegen die Menschheit noch so fein gesponnen haben; sie werden unterliegen, unterliegen unter der Kraft eines einzigen edlen und geraden, festen und offenen Mannes.“

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